
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel hat in seiner Rede auf der Dreikönigskundgebung der Liberalen in Stuttgart die Bedeutung des Jahres 2009 herausgestellt. Es sei ein „Jahr der Entscheidung“ über die Richtung, „in die sich das Land entwickeln wird“, so Niebel. Er kritisierte, dass die Regierung sich aufführe, als müsse sie die Bürger an der Hand nehmen und durchs Leben führen. Dem stellte sich Niebel jedoch in einem flammenden Appell entgegen: „Wir sind das Volk. Wir sind die Träger aller Rechte. Wir gewähren dem Staat nur die Einschnitte in unsere Rechte. Das muss sich endlich in der Politik widerspiegeln“.
Niebel erinnerte an einen so genannten Slogan-Test, den die Bundesgeschäftsstelle der Liberalen in Berlin durchgeführt hatte. Am beliebtesten sei dabei das Motto „Leistung muss sich wieder lohnen“ gewesen. Dass ein solch antiquierter Spruch gewinne, „muss Gründe haben“, so Niebel. Er spiegele schlicht die wahrgenommene Realität im Lande wider. „Während die anderen sich um Präkariat und Heuschrecken gestritten haben, gab es keinen Anwalt für die Mitte der Gesellschaft“. So verzeichne auch die OECD, dass die realen Einkünfte der Bürger in Deutschland schwinden. „Die Aufschwungsdividende geht an den Menschen vorbei“, so Niebel. Daher sei gerade jetzt der Zeitpunkt für eine Steuerstrukturreform erreicht, um die Bürger zu entlasten.
Niebel warnte davor, sich zu sehr auf die Versprechungen aus Berlin zu verlassen. CSU-Chef Horst Seehofer predige nun Steuererleichterungen, habe in den vergangenen Jahren jedoch 20 Steuererhöhungen zugestimmt. „Wem kann man glauben, dem der es ankündigt oder dem der es tut“, fragte Niebel. Er forderte „Steuerentlastungen, die es wirklich wert sind“. Dazu gehöre jedoch auch die Erhöhung des Grundfreibetrages für jeden. Man müsse den Weg der Entlastung „auch ganz gehen“, die kalte Progression „muss abgebaut werden“.
Niebel forderte, steuerliche Entlastungen zudem mit der Senkung der Sozialversicherungsbeiträge zu kombinieren. Es grenze an „Zynismus“, wenn die Bundesregierung erst den Gesundheitsfonds einführe und die Beiträge erhöhe und dann Steuergelder einsetze, um die Beiträge wieder zu senken. Wenn man die Bürger tatsächlich entlasten wolle, „dann tut man das am besten, wenn man den Gesundheitsfonds sofort zurücknimmt“.
Spielräume gebe es auch bei den Arbeitslosenversicherungsbeiträgen. So habe die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg vermeldet, sie hätte eine Milliarde Euro Überschuss erwirtschaftet, erinnerte Niebel. Dabei sei es genau das, was sie sicher nicht könne: „irgendetwas erwirtschaften“. Die Überschüsse seien lediglich Geld, das man den Bürger genommen habe „und nun muss man Ihnen das Geld zurückgeben“, wandte sich Niebel an die Gäste im Stuttgarter Opernhaus.
Niebel widmete sich außerdem den Bürgerrechten und dem liberalen freiheitlichen Grundgedanken. „Mit leerem Kopf nickt es sich leichter“ scheine die Denkweise der Regierung zu sein, so Niebel, der kritisierte, dass die schwarz-rote Koalition versuche, die Bürger zu Untertanen zu machen. Viele dort würden denken, „Vater Staat müsste den deutschen Michel an der Hand nehmen und durchs Leben führen“. Dem stellte sich Niebel jedoch in einem flammenden Appell entgegen: „Wir sind das Volk. Wir sind die Träger aller Rechte. Wir gewähren dem Staat nur die Einschnitte in unsere Rechte. Das muss sich endlich in der Politik widerspiegeln“. Die Liberalen werden sich weiterhin für die „Balance aus Freiheitsrechten und Schutz auf der anderen Seite“ stark machen, so Niebel.
Abschließend schwor FDP-Generalsekretär Niebel die Gäste in Stuttgart auf die kommenden Wahlen ein. Er erinnerte daran, dass die hessischen Grünen „ohne mit der Wimper zu zucken mit den Kommunisten regiert“ hätten. Auch die Sozialdemokratie drücke sich um eine Richtungsbekundung. SPD-Chef Franz Müntefering schließe eine Koalition mit der Linken auf der Bundesebene aus, auf Landesebene könne jedoch jeder machen, was er wolle. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, so Niebel. Er richtete sich an das Publikum: „Es ist Ihr Land, nicht das von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und am 27. September ist es ihre Wahl!“
Quelle: http://fdp.de/webcom/show_article.php/_c-567/_nr-3099/i.html