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26. Februar 2010.
Einem Land, das sich in der Spitzengruppe der Bundesländer wähnt, vor allem im Hinblick auf sein Bildungswesen, war ein Minister mit der Note vier plus offenbar nicht mehr zuzumuten. Daher durfte Herr Rau gehen und Frau Schick Platz machen. Die soll es nun richten und Baden-Württemberg wieder im oberen Notenbereich etablieren. Dabei steht die Neue vor einer schwierigen Aufgabe; sie soll Kontinuität und Veränderung zugleich repräsentieren.
Ihr Ansatz leuchtet ein: keine neuen Reformen, dafür „mehr Zeit“ zur Stabilisierung des bisher Erreichten. Damit kommt sie denen entgegen, die geklagt haben: „Uns fehlt die Zeit, das Neue umzusetzen.“ Denen wird nun eine Ausrede abhanden kommen. Doch es gibt viele andere, denen die ganze Richtung nicht passt, die man schon unter Frau Schavan eingeschlagen hat: achtjähriges Gymnasium für alle, Zementierung des dreigliedrigen Schulwesens, Abkehr vom klassischen Unterrichtskonzept durch den Bildungsplan 2004, verpflichtende Evaluation der Schulen usw. Denen und deren hinhaltendem Widerstand gegen alle Veränderungen wird man mit dem Konzept „mehr Zeit“ nicht beikommen.
Es wird nun darum gehen, die geschenkte Zeit sinnvoll zu füllen, zum Beispiel mit einer (verpflichtenden) Fortbildung, die – auf der Grundlage des theoretischen Konzepts der Standard- und Kompetenzorientierung – ganz praktisch und praxisnah vermittelt, wie aus hehren pädagogischen Zielen ein lebendiger Unterricht werden kann. Oder zum Beispiel auch mit einer Informationspolitik, die den Erfordernissen der Nachhaltigkeit gerecht wird. Wird die eben erst gestartete „Qualitätsoffensive“ Bestand fortgesetzt? Man könnte sie noch einmal durchdenken. Es wird (nicht nur im Unterricht) zu viel gesagt, was zum einen Ohr rein und zum anderen rausgeht, und es wird zu viel glänzendes Papier bedruckt und verteilt, was anschließend glanzlos vergammelt. Man muss mit den Schulen, den Lehrern, den Eltern und Schülern mehr ins Gespräch kommen.
Die neue Ministerin, sie möge Erfolg haben; dafür gönne man ihr „mehr Zeit“.
(Blog-Eintrag Nr. 157)
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17. Oktober 2009.
Wieder einmal werden wir Zeitungsleser von den Stuttgarter Nachrichten dazu aufgefordert, Stellung zu nehmen. In der Ausgabe vom 17.10.09) steht, wir sollten uns äußern zu einer Meinungsäußerung zweier regionaler Wirtschaftsgrößen, dem Chef des DGB und dem der IHK. Sie haben „in einem gemeinsamen Interview“ ein paar starke Sätze zur baden-württembergischen Bildungspolitik gesprochen. Leider ist das Interview weder in der genannten Zeitung abgedruckt noch sonst irgendwo zu finden. So müssen wir uns mit der wirren Zusammenfassung auf Seite 1 des Blattes begnügen.
„Es gebe im Schulsystem keinen Wettbewerb der Ideen und keine Anreize für gute Lehrer“, heißt es da. Zwei Aussagen: kein Ideenwettbewerb und kein Belohnungssystem – bei den Banken würde man „Boni“ sagen. Welche Art von Ideen er meint, sagt der IHK-Geschäftsführer nicht. Und welche Belohnungen man sich bei der Gewerkschaft vorstellt, bleibt auch im Dunkeln. Geld vermutlich. Und der DGB hilft bei der Erstellung eines Katalogs von Kriterien für „gute Lehrer“?
Noch unklarer ist diese Aussage: „Dieses System produziert aus sich heraus zu wenig Qualität. Umso mehr muss man sich fragen, warum die Politik da nicht mal richtig rangeht.“ Welche Qualität ist gemeint und was bedeutet die Wendung „aus sich heraus“? Steht Baden-Württemberg bei PISA wirklich so schlecht da? Geht es um die Probleme bei der Integration von Migranten, die Abschaffung der Sonderschulen oder um die Förderung von Hochbegabten? Qualität wollen wir alle, aber wir sollten sagen, was wir darunter verstehen.
Mit der flapsigen Bemerkung, die Politik solle „mal richtig“ rangehen, erreicht der Bericht die Talsohle. „Offensichtlich“, heißt es dann, sei „die Bildung ein Problemfeld des Landes“. Dem kann man nur zustimmen. Auch DGB und IHK kommen auf diesem Feld „offensichtlich“ ins Stolpern. Was wollten uns die Herren Richter (IHK) und Hofmann (DGB) eigentlich sagen?
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12. Oktober 2009.
In der Wochenzeitschrift DIE ZEIT wird (in Ausgabe 42/2009) ein stärkeres Engagement des Bundes in der Bildung gefordert. Die neue Koalition solle ein „starkes Ministerium“ bilden, in dem die Zuständigkeiten „vom Kindergarten über die berufliche Integration lernschwacher Migranten bis zur Spitzenforschung“ gebündelt wären. Besonders auf „die frühe Kindheit“ und „die hohe Zahl an Bildungsverlierern“ sollte sich die Bundesregierung konzentrieren.
Dass dem Bund die Zuständigkeit in Schulfragen fehlt, ficht den ZEIT-Schreiber Martin Spiewak nicht an. Man müsse halt die Regelungen des Grundgesetzes „geschickt umgehen“. Ist gemeint: gegen die Verfassung verstoßen? Warum haben wir sie dann überhaupt? Aber wer diese Frage stellt, gehört nach Spiewak zum „Chor der Kleinmütigen“. Offenbar soll man sich nicht an Kleinem wie dem Grundgesetz stoßen, wenn man zu großen Bildungstaten unterwegs ist.
Aber was soll eine Bundeszuständigkeit für den Kindergarten bringen? Es geht doch darum, vorschulische und schulische Arbeit wesentlicher enger zu verflechten. Wir brauchen (im Lande Baden-Württemberg) ein schlüssiges Konzept für die Förderung im Kindergartenalter. Dazu gehören die Sprachförderung, aber auch die Stärkung des Musischen, die Anregung zur Bewegung, der regelmäßige Gang in die Natur und vor allem die Unterstützung der Kinder beim Selbstständigwerden. Die Grundschule muss wissen, worauf sie aufbauen kann. Die dort Lehrenden sollten daher häufiger die Kindertagesstätten besuchen und die im vorschulischen Bereich Tätigen bei regelmäßigen Schulbesuchen sehen, was aus „ihren Kindern“ geworden ist. Daraus würden sich Hinweise ergeben, wie man „die Kleinen“ besser auf die Grundschule vorbereiten könnte.
Die Abstimmung zwischen Kindergarten und Schule darf nicht dem Engagement Einzelner überlassen bleiben, sondern muss institutionell abgesichert werden. Das kann nicht von Berlin aus geschehen, sondern – hierzulande – von Stuttgart aus, und zwar vom Kultusministerium.
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