In guter Verfassung

Ein Frühling ist derzeit im Land, der schon fast ein Frühsommer ist. Und da heißt es rechtzeitig an die Badehosen- oder Bikinifigur denken. Wer sich in der Fastenzeit vor Ostern nicht ausreichend zurückgehalten hat, merkt jetzt spätestens am Baggersee, dass die Weihnachtsgans in körperlich veränderter Form immer noch über die Badehose raushängt.

Wenn Sie feststellen sollten, dass Sie ein führendes Staatsamt bekleiden, gäbe es da jetzt einen Tip aus Bolivien. Dort hat der Präsident Evo Morales seine Figur dadurch attraktiver gemacht, dass er vom letzten Donnerstag bis gestern, also immerhin 6 Tage, in Hungerstreik getreten war. Das hat ihn – wenn er nicht doch heimlich aus seiner Präsidentenschatulle geknuspert hat – ca. 3-4 Kilo gekostet. Freilich hat er damit nicht – wie andere prominente Faster – eine Bundestagswahl gewonnen, aber er ist auch nicht mit knautschigem Gesicht und Mützchen durch Parks gerannt und war in Untersuchungsausschuss-Sitzungen grantig, wie sein grüner Freund Joschka Fischer. Außerdem wollte er keine Wahl gewinnen, sondern erst mal erreichen, dass eine stattfindet. Die böse bolivianische Opposition wollte nämlich ein Wahlgesetzt nicht beschließen, das im Dezember Neuwahlen ermöglicht. Und weil sie das jetzt doch taten, isst er wieder.

Politische Hungerstreiks von Staatsmännern gab es zuletzt von Mahatma Gandhi, der seine Landsleute friedlicher stimmen wollte. Mahatma Gandhi hatte aber eigentlich immer Badehosenfigur, deshalb kam es zwischen Indien und Pakistan auch nicht zu einem durchgehend friedlichen Einvernehmen.

A propos Badehose: Da fallen einem gleich die Fidschi-Inseln ein. Wer an Palmen in der Südsee denkt, denkt richtig. Aber die vielen Strände (Badehose!) verleiten den dortigen Präsidenten, der den klangvollen Namen Iloilo trägt, mitnichten zu Hungerstreik-Aktionen. Der denkt sich “Bei uns ist immer schönes Wetter, ich kann auch noch später auf meine Linie achten” und schafft Tatsachen. In Fidschi wurde nämlich 2006 die Regierung weggeputscht. Deshalb hat nun der oberste Gerichtshof der Inseln die letzten Wahlen für verfassungswidrig erklärt. Daraufhin erklärte Herr Iloilo wiederum den Gerichtshof für verfassungswidrig. Man sieht: Man kann Verfassungen ändern, ohne auch nur auf ein Cremetörtchen zu verzichten.

Das dachte sich auch Franz Müntefering. Und weil gerade nichts los ist schlug er einfach mal so vor, dass man die Verfassung in Deutschland neu schreibt. Die alte war jetzt zwar seit 60 Jahren sehr vernünftig, aber wenn einem die Wähler so abspringen wie der SPD, dann läuft man halt hinter jeder Musik her.

Wenn er gescheit ist, wird dort auf jeden Fall ein Hungerstreik-Paragraph eingeführt: Jedesmal, wenn die Regierung gegen die Verfassung verstößt, ordnet das Bundesverfassungsgericht eine Woche Hungerstreik an.

Mit dieser bolivianischen Lösung hätten wir bald ein schlankes Kabinett und kein Strandbad wäre mehr vor dieser Bikini-Regierung sicher.

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