Archiv für Juni 2007

Parteitag. Oder: Über die politische Mitte

Drei Tage Bundesparteitag liegen hinter uns. Drei Tage lang haben wir Einblicke in das Funktionieren des deutschen Politikbetriebes bekommen. Mit Westerwelles Worten: Es war ein Arbeitsparteitag. In der Tat. Wenn man es denn durch die in ihrem Tun durchaus eifrige, leider aber in der deutschen Sprache nicht allzu mächtige Security zum Arbeiten endlich geschafft hat. Sicherheit muss sein, sicher. Aber wir müssen unseren Job auch machen können. Denn ohne uns hätten die gar nichts zu bewachen.

Apropos bewachen: Mich beschlich an einigen Stellen ein ungutes Gefühl. Um uns rum brennt die Welt und wir debattieren um die zweite Stelle hinter dem Komma. Schäuble schafft gerade die Bürgerrechte ab, in Gaza putscht der Mob und Israel überlegt sich eine Intervention. Und wir sind gerade bei einer Änderungsantrag zum Leitantrag, nur weil einem Delegierten ein Wort nicht gefällt. Aussprache muss sein, sicher. Aber wir müssen uns nicht wundern, wenn der gemeine Bürger nicht an diesem Politikbetrieb teilnehmen will. Liebe Leut: Macht euren Einfluß in den Fachausschüssen und Arbeitsgruppen geltend, die sind für alle offen, und lasst dem Parteitag die “großen” Linien. Das kommt draußen auf jeden Fall besser an. Politik kann so spannend sein!

Apropos ankommen: Angekommen ist auch der Ruf der Parteiführung nach Geschlossenheit. Allerdings habe ich prinzipiell ein ungutes Gefühl, wenn ein Vorstand komplett ohne Gegenkanditaten gewählt wird. Es erinnert doch an andere Systeme, in denen sich auf die Art eine ganz andere Clique legitimiert hat. Allerdings habe ich auch keine bessere Lösung parat.

Die “andere” Truppe hat sich ja an diesem Wochenende zum zweiten Mal zur SED vereinigt. Und wenn wir Pech haben, sitzen die Kommunisten in ein paar Jahren in der Regierung. Denn da wollen sie hin, mit allen Mitteln. Die wollen an die Macht um jeden Preis und würden dafür auch alles tun. Und dabei den Leuten auch alles versprechen. Glauben Sie den Kommunisten kein Wort! Die haben immer schon gelogen und hören damit nicht auf, nur weil sie schon wieder einen anderen Namen tragen.

Apropos Kommunisten: Die Überschrift dieses Beitrages hat zum Thema die politische Mitte. Was ist eigentlich diese Mitte? Westerwelles Ruf nach “keiner Dogmatik” hat für mich, ganz schwäbisch, a Gschmäckle g’kriegt. Einerseits will man pragmatisch, vernünftig und aus der Mitte regieren, andererseits sitzt man genau auf der dogmatisch immer gleichen Argumentationslinie, die alles und jeden immer und immer wieder auf wirtschaftliche Zusammenhänge reduziert. Das war leider auch im Interview zu sehen.

Wirtschaft ist wichtig, in der Tat. Und es kann auch nichts ausgegeben werden, was nicht vorher erwirtschaftet wurde. Stimmt. Aber es kann auch nicht sein, dass man seitens der FDP-Führung keinerlei Lösungen für die Bereiche entwickelt, in denen der Markt versagt. Beispiel gefällig? Wenn gesunde mittelständische deutsche Unternehmen von private-equity-fonds geplündert werden, wenn tausende Arbeitsplätze und solides technisches Knowhow verloren gehen – und das alles im Namen der Freien Kapitalströme – dann hat der Finanzmarkt in ordnungspolitischer Makrodimension versagt.

Dazu habe ich die Tage eine einfache Regel gefunden: Immer dann, wenn die Freiheitsausübung einiger weniger die Freiheit von vielen bedroht, muss reguliert werden.

Bitte erinnern Sie sich an folgendes: Zwischen den Staaten herrscht Anarchie. Wir haben keine wirklich wirksamen Wettbewerbsregeln auf den internationalen Märkten. Daher ist es ordoliberale Grundaufgabe diese zu schaffen! Doch dazu ist die Partei offensichtlich noch nicht bereit.

Ein weiteres Beispiel ist diese unsägliche Mindestlohndebatte. Wir predigen das Mantra vom Arbeitsplatzverlust, obwohl die empirische Wirklichkeit überall um uns herum etwas anderes zeigt. Das zeugt nicht gerade von politischer Weitsicht. Es ist doch gerade die Chance der politischen Mitte, aus allen politischen Richtungen die besten Ideen zu adaptieren und vernünftige Konzepte daraus zu entwickeln. Nur, wer benimmt sich hier denn dogmatisch? Die FDP scheut zur Zeit alles, was von links kommt, wie der Teufel das Weihwasser. Und das nur weil es von links kommt! Auch die Linke kann (selten) mal Recht haben, werte Kollegen.

Die politische Mitte muss die Freiheit haben, ihr Konzept aus allen politischen Richtungen zu bilden. Sie kann und muss flexibel reagieren können. Und in diesen Tagen ist es nunmal die soziale Grundsicherung, die die Menschen, zu Recht übrigens, beschäftigt. Natürlich sind unsere Konzepte bezüglich Rente, Steuern und Gesundheit richtig. Natürlich müssen wir mehr Eigenleistung fordern und belohnen. Aber für diejenigen, die es aus irgendwelchen Gründen nicht schaffen, für sich adäquat zu sorgen, müssen wir als Gemeinschaft zusammen sorgen. Aber unsere Konzepte sind langfristig. Sie sind analytisch. Und für einen beachtlichen Bevölkerungsanteil intellektuell nicht nachvollziehbar.

Die Menschen wollen klare Fakten. Sie brauchen Symbole. Die Linke wird mit dem Mindestlohn hausieren gehen und viele Besorgte einfangen. Das müssen wir nicht denen überlassen. Die FDP ist und war die Partei der sozialen Marktwirtschaft. Ich betone sozial. Markt braucht Regeln. Wettbewerb braucht Unterstützung. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Und übrigens: Es gibt sehr wohl eine liberale Gerechtigkeitstheorie. John Rawls lässt grüßen. Auch diese Debatte hätte ich erwartet, denn die Kommunisten stehlen neben der Gleichheit auch diesen Begriff.

Apropos Sorgen: Wenn wir 2009 regieren wollen, müssen wir wachsen. Das hat aber keiner so richtig gesagt. Nämlich: Wenn wir wachsen wollen, dann reichen unsere bisherigen Konzepte nicht aus. Zumindest habe ich nicht verstanden, wie wir wachsen sollen. Wir müssen neue Wählerschichten ansprechen. Und das kann nur mit einer programmatischen, pragmatischen Öffnung geschehen. Ich mache mir ernsthafte Sorgen um die bürgerliche Mehrheit in unserem Lande. Die CDU/FDP auf heutigem Stand bringt sie im Bund nicht zusammen. Welche Alternativen hat man denn, wenn man dogmatisch an alten Sätzen und Konstellationen festhält, während der Koalitions”partner” offen mit den Grünen verkehrt?

Es war ein Arbeitsparteitag, außer am Samstag. Auf dem Baden-Württemberg-Abend mit Maultaschen, Blutwurst, Kartoffelsalat und Spätzle. Die schwäb’sche Küche ist halt die beste der Welt. Es wurde geflirtet, getanzt und munter geredet. Ein netter Abend eben.

Am Sonntag war der Stuttgarter Monsun dann auch endlich zu Ende; die Sonne lachte, und auch mein Gemüt. Bis dann, beim Schlußwort, der Saal plötzlich sehr still wurde. Melancholie machte sich breit. Wie eine Ahnung strömten Westerwelles Worte in den Raum. Wir sehen uns alle wieder in München. Ja. So Gott will.

Apple: Safari für Windows

spiegel.deApples Webbrowser Safari ist ab sofort auch für Windows-Systeme verfügbar. Laut Jobs soll die Software Webseiten doppelt so schnell anzeigen wie Microsofts Internet Explorer. “Viele hundert Millionen Windows-Anwender setzen bereits iTunes ein und wir freuen uns, sie auch vom überlegenen Browsererlebnis von Safari zu überzeugen,” sagte Apple-Chef Steve Jobs: “Mit dem Apple-Browser Safari kann man doppelt so schnell auf Windows Surfen.”

Eine Vorab-Version des neuen Browsers ist ab sofort verfügbar und kann kostenlos heruntergeladen werden. Auch für Mac-Anwender lohnt sich der Download, da Apple die neue Version mit der Nummer 3 parallel für Mac und Windows entwickelt. Die finale Version der Software soll bis Oktober fertiggestellt werden.

http://www.apple.com/safari

Plug-ins gefährden Sicherheit von Wordpress-Blogs

Drei Plug-ins für die populäre Blog-Software WordPress gefährden die Sicherheit des Systems. In myFlash, wordTube und wp-Table stecken Sicherheitslücken, mit denen ein Angreifer eigene PHP-Skripte einbinden und mit den Rechten des Webservers ausführen kann. Alle drei Plug-ins wurden von demselben Entwickler geschrieben.

Schuld ist die fehlerhafte Verarbeitung des von den Plug-ins verarbeiteten Parameters wppath in den Modulen wordtube-button.php, js/wptable-button.php und myflash-button.php. Betroffen sind wordTube bis einschließlich 1.4.3, wp-Table bis einschließlich 1.4.3 sowie myFlash bis einschließlich 1.10. Die Fehler sind in wordTube 1.4.4, wp-Table 1.4.4 und myFlash 1.11 behoben. Anwender sollten die Plug-ins so bald wie möglich aktualisieren oder deinstallieren.

Siehe dazu auch: http://www.heise.de/newsticker/meldung/89217

Müntes Welt

Münte, Hagemann, KumpfAlles, was Rang und Namen in der deutschen Politik hat, pilgert die Tage nach Heiligendamm. Nur unser Vizekanzler Franz Müntefering nicht. Er fand Zeit und Lust an der Uni Hohenheim am Dienstag Abend vor 600 Studierenden seine Sicht der Dinge zu schildern.

Und, oh Welt oh Wunder, ich traute meinen Ohren kaum, saß ich doch zweieinhalb Stunden in einer Veranstaltung mit einem sozialdemokratischen Arbeitsminister und stimmte in fast allen Punkten mit ihm überein. Was war passiert?

Das Thema des Abends war “Arbeit um jeden Preis?”. Münte stellte, aus meiner Sicht hervorragend, die Arbeit und das korrespondierende Einkommen als nicht(!) primär volkswirtschaftliche Größe dar, sondern definierte beides als Basis für ein selbstbestimmtes, menschenwürdiges Dasein. Stimmt, dachte ich, nickte, klatschte aber noch nicht.

Dann forderte er die Einführung des Mindestlohnes, begleitet von wissenschaftlicher Unterstützung durch den Hohenheimer Arbeits-Ökonomen Prof. Dr. Harald Hagemann, der die Existenz der Mindestlöhne in 20(!) europäischen Ländern und den USA erläuterte. Ich bin seit langem Anhänger der Mindestlohntheorie*. Also nickte ich. Und klatschte erstmals.

* Warum?, mögen Sie sich fragen, das ist doch keine liberale Position? Falsch! De facto sind über 90% aller Anträge der Liberalen, die jemals im Bundestag eingebracht wurden PRO Sozialstaat gewesen. Die derzeitige Ablehnung der Mindestlöhne durch Teile der FDP beruhen einerseits auf parteipolitische Gründe (gegen Rot/Grün) und andererseits auf einem Missverständnis. Wenn Mindestlöhne einen staatlichen Eingriff in einen freien Markt bedeuteten, dann wären sie falsch. Tun sie aber nicht, weli unser Arbeitsmarkt dermaßen reguliert ist, dass er kein freier Markt ist.

Münte sprach sich gegen Kombilöhne aus. Nun runzelte ich die Stirn angestrengt. War mein Abend jetzt zu Ende? Nein! Er fand eine super Begründung: Wenn die Gemeinschaft der Steuerzahler über Kombilöhne die Preise einzelner Unternehmen nach unten subventioniert, dann verzerrt das den freien Markt. Hurraa! Und das aus dem Munde eines alten sozialdemokratischen Haudegens? Er hat recht. Warum sollten einige Unternehmen sich dadurch staatlich diktierte Niedrigpreise erlauben dürfen, wenn die Lohnkosten künstlich gesenkt werden? Das ist für alle ungerecht: Für die Steuerzahler, für die Konkurrenzunternehmen und für den Arbeitnehmer selbst. Ich war verblüfft und klatschte. Diesmal sogar laut.

Münte sprach über polnische Wanderarbeiter, die nicht mehr nach Deutschland kommen, um Spargel zu stechen, weil die Löhne in Polen auch schon so hoch seien. Oder die 8 Euro in Frankreich… Bald haben wir wahrscheinlich die Wanderung in die andere Richtung… Er sprach über die Verantwortung der Jungen(!), die mit dem Primat der Politik gestalten müssen. Und dazu erstmal einen Willen zum Gestalten haben müssen. Bravo!

Den größten Punktgewinn konnte Münte allerdings mit seinen bildungspolitischen Aussagen machen. Sein Leitspruch war: Bildung,Bildung,Bildung. Richtig! Ich klatschte also wieder. Dann “wir müssen Hochtechnologieland sein. Billig können andere besser.” Super Satz. Er wolle an der Rente sparen und das Geld in die Köpfe der Jugend stecken, so Münte. Alles richtig, dachte ich. Auf den Hinweis von Prof. Hagemann, das alles seien doch nur Sonntagsreden, erwiderte Münte: “Aber heute ist ja Dienstag…”

Natürlich bombardierten die konservativ angehauchten Hohenheimer den Vizekanzler mit “ineffizienten Güterallokationen” und konfrontierten den Nicht-Studierten mit der Tatsache, dass die Putzfrau an der Uni mehr verdient als der Doktorand nach zig Jahren Studium. Meine Rede! Das ist in der Tat eine Schweinerei, die dazu führt, dass die guten Köpfe von der Uni flüchten und übrig bleibt, na ja, wir sehen’s ja in PISA…

Aber Münte zog sich mit viel Charme aus der Bredouille, erzählte aus den Sechzigern und zitierte Helmut Schmidt, der neulich in der SPD-Fraktion erklärte, dass “ihr alle keine Ahnung habt”. Er allerdings auch nicht mehr, laut Eigenaussage.

“Gegen Globalisierung sein ist Quatsch. Sie ist da, sie ist Fakt und wir müssen sie gestalten wollen”, so Münte zur Frage nach G8. Recht hat er. Übrigens auch Geißler mit der Anmerkung, dass 1800 Milliarden Dollar Transaktionen täglich nur 70 Milliarden an Werten gegenüber stehen. Der Rest ist “Luftgeld”. Also reine Spekulation.

Da wabert also eine riesen Blase an Spekulation um die Welt, unkontrolliert, genährt durch Heuschrecken und andere äußerst unangenehme Zeitgenossen. Das muss man kontrollieren, in internationalen Regimen. Wir brauchen eine Transaktionssteuer a la Attac! Das ist Marktwirschaft pur. Denn sie würde eben die Märkte vor unaluterem Wettbewerb schützen(!). (Dazu bald mehr unter www.besserland.de)

An dieser Stelle ist es m.E. Zeit zum Umdenken. Schließlich haben wir auch eine Regulierungsbehörde für den Telekommunikationsmarkt, die Jurispudenz, das Apotheker-, und Arztwesen, das Gewalt-, und Branntweinmonopol… Sie sehen, auch wirtschaftlich weit unwichtigere Bereiche sind in unserer “Marktwirtschaft” reguliert.

Summa summarum ein erstaunlicher Abend. Passend dazu fragte ein mir unbekannter, wohl liberaler Student Münte nach seinem Zeit-Interview, in dem er eine Koalition mit der FDP für 2009 in Betracht zieht… Das täte ich auch. Mit Münte. Aber nur mit Münte alleine. Wenn ich dann an die anderen GenossInnen in der Chaostruppe denke, dann war’s auch wieder vorbei. Münte, ach Münte. Hätte die SPD doch nur ein paar mehr Deines Kalibers. Dann käme das sozial-liberale Herz wieder kräftig in Wallung…

SIEHE DAZU AUCH: Müntefering schwärmt von der FDP unter http://www.netzeitung.de/deutschland/665052.html




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Hier schreibt Markus Lochmann, Webmaster der FDP-BW über Politik, Privates und allerlei aus der IT-Welt. Die hier veröffentlichten Beiträge sind meine alleinige Meinung und müssen nicht zwangsläufig mit den Positionen der FDP übereinstimmen.

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"Ich schreibe dies - nicht um die Götter zu preisen, denn der Götter bin ich überdrüssig - nicht um Pharaonen zu verherrlichen, den auch ihrer Taten bin ich müde. Um meiner selbst willen schreibe ich dies, weder um Göttern noch Königen zu schmeicheln, noch aus Furcht oder einer Hoffnung auf die Zukunft. Denn im Verlauf meines Lebens habe ich so vieles erfahren und verloren, dass keine unnütze Angst mich quält; und des Hoffens auf Unsterblichkeit bin ich müde, wie ich der Götter und der Pharaonen überdrüssig bin. So schreibe ich dieses nur für mich selbst und glaube, mich dadurch von allen Schreibern der Vergangenheit wie auch der Zukunft zu unterscheiden." (nach Mika Waltari, Sinuhe)

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