Archiv für November 2007

Die Zeit: Schreiben macht arm

Ich habe es schon immer geahnt. Journalismus als Vertiefungsfach und Politik als Diplombestandteil garantieren nur eines: Ein langes Gnadenbrot. Warum der deutsche Journalismus immer schlechter wird, offenbart die Innensicht eines Profis; in der Zeit schreibt Gabriele Bärtels Tacheles über den Alltag freischaffender Journalisten:

“Für viele ist Journalismus ein Traumberuf. Nach zehn Jahren als freie Autorin kann Gabriele Bärtels nur davor warnen, ihn zu ergreifen

Heute ist der Tag, an dem ich nicht mehr aufstehen will, denn ich habe seit einer Woche kein Geld mehr und glaube auch nicht, dass nächste Woche welches kommt. Jeden Morgen schaute ich angespannt auf mein Onlinekonto, ob endlich das Honorar von Zeitung X oder Y eingegangen ist, doch dies war nicht der Fall, obwohl mir die Redakteure die Überweisung schon vor Wochen zusagten. Entgegen jeder Vernunft stand ich trotzdem jeden Tag am Geldautomaten und achtete darauf, dass niemand zuschaute, wenn die Scheckkarte wieder herausglitt. Die Sekunden, bis auf dem Display der Satz erscheint: Leider keine Auszahlung möglich, sind Sekunden, die meine Nerven ähnlich belasten wie eine Fahrt in der Geisterbahn….”

mehr unter http://www.zeit.de/2007/45/C-Freie-Journalistin?page=all

Die große Öl-Lüge

In den siebziger Jahren war das Öl schon in 25 Jahren zu Ende, 80% aller Bäume in Mitteleuropa waren bis 1990 tot und gewaltige Hungersnöte tobten zur Jahrtausendwende nach dem nuklearen Holocaust über den Planeten. In diesem Klima der Hysterie, gepaart mit einem unbestimmbaren, unterbewussten Wunsch nach friedlicher Demo-Kuschelnähe bildeten sich die polit-ökologischen Strömungen, die bis heute die öffentlichen Agenda mitbestimmen. Ob sie nun Grüne, Greenpeace oder sonst wie heißen, eines ist ihnen allen gemein: Sie predigten schon immer uns allen das schlechte Gewissen. Und: Sie machten uns allen Angst. Angst vor der Umweltzerstörung, dem Sauren Regen, dem Atomkraftwerk, dem nuklearen Holocaust, dem Waldsterben. Letztendlich rekurrierte diese Öko-Angstbewegung immer auf die einzige Schwachstelle des marktwirtschaftlichen Imperativs: Die Endlichkeit des eigenen Egos.

Nun, es kam anders. Und jetzt scheint es noch viel mehr anders zu kommen. Nicht nur, dass nicht alle Bäume gestorben sind, kein Atomkrieg stattgefunden hat, keine Giftschwaden durch die Lande ziehen, nein, nicht einmal das Öl scheint uns auszugehen.

Jahr für Jahr finden die Mineralölkonzerne mehr und mehr Öl auf dem Planeten. War 1975 das Öl in 25 Jahren zu Ende, ist es heute nach konservativen Schätzungen in 60 Jahren soweit. Der saudische Ölkonzern Aramco spricht in seiner neuesten Prognose gar von 200(!) Jahren.

(http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,517171,00.html)

Da wird man doch stutzig. Wie war das noch mit der Marktwirtschaft? Halte das Gut knapp, dann steigt der Preis. Genau das haben die Ölkonzerne die letzten Jahrzehnte auch gemacht. Mit freundlicher Unterstützung der OPEC. Wir erinnern uns: Auch die Preissteigerungen der ersten und zweiten Ölkrise wurden mit den knapper werdenden Ressourcen begründet. Und wir hatten Tempo 100 auf der Autobahn.

Alles mit System? Alles Lüge? Vielleicht. Umso mehr verwundert jetzt der Vorstoß der Saudis. Wollen die den Ölpreis etwa senken? Ich denke, Ja. Auch die Saudis haben erkannt, dass die westlichen Länder schnell auf andere Technologien umstellen, wenn das Öl zu teuer wird. Das ist in 2007 geschehen, denn mit 100 Dollar pro Barrel ist eine Schmerzgrenze überschritten. Also müssen die Wüstensöhne schnellstens für ihren einzigen Schatz werben, den sie überhaupt haben. Denn wenn der Westen tatsächlich mal unabhängig vom Schwarzen Gold werden sollte, wären die Sicherheitsinteressen am Golf schnell ganz andere. 

Traurig genug ist die Rolle der Ökos bei uns. Jahrzehnte lang waren sie, gewollt oder nicht, ein Vehikel der Erdölindustrie, halfen sie mit ihren Weltuntergangsszenarien bei der sinnlosen Preistreiberei im Energiesektor eifrig mit. So haben sie genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich wollten. Der Ausstieg aus der Ölgesellschaft wird sich noch weiter verzögern. Denn: Je teurer das Öl wird, desto eher lohnt es, danach zu graben. Und um so höher sind die Gewinne. Das ist die andere Seite der Medaille.

Es ist paradox: Je mehr wir Erdöl sparen, desto länger hängen wir am Tropf. Wenn wir nicht endlich einen Schritt nach vorne machen. Zumal wirkliche Alternativen gar nicht erst in Sicht sind. Oder wollen Sie die moralische Keule abwarten, die die Amnesty auf uns niederknüppeln wird, wenn Millionen verhungern, weil wir unser Getreide auf der Autobahn verheizen? Eher nicht.

Das Signal aus Riad ist klar: “Macht euch keine Sorgen, alles geht weiter wie bisher”. Doch da haben die Saudis das Momentum des technologischen Fortschritts unterschätzt. Der Dämmerschlaf des Westens ist zu Ende. Wir sind auf dem Weg zu weniger Ölverbrauch. Nicht wegen der giftgrünen Chaos-Ökos, sondern aus rein rationalem Kalkül: Neue Technologie erfordert neue Investitionen. Die Umstellung auf erdölfremde Technologie kurbelt letztendlich unsere eigene Wirtschaft an.

Leider fehlt uns noch der Mut zum großen Wurf. Aber wir kommen ihm näher. Nur technologischer Vorsprung kann Europa retten, auch aus den Klauen der grandiosen Öl-Lüge. Nun ist die Politik gefragt: Ich fordere klare Programme zur erdöllosen Gesellschaft. Wir müssen die Wasserstoffindustrie ankurbeln, die Fusionsenergie endlich mit richtig Geld versorgen. Wir müssen die Biogasindustrie unterstützen und neue Wege der Stromgewinnung erforschen. Innovation ist das Gebot der Stunde, nicht Depression.

Und das Öl? Nun, es wird wieder billiger werden. Und irgendwann will es keiner mehr haben.

Schulmassaker: Schock in Finnland – schlechter Journalismus hierzulande

AuvinenEs ist der Alptraum aller Eltern: Ein Verrückter geht in (s)eine Schule und ballert unschuldige Kinder nieder. Jetzt ist es auch in Tuusula/Finnland passiert. Finnland im Schock. Und ich als halbfinnischer Vater einer Fünftklässlerin auch. Ganz Finnland fragt sich, wie so etwas in dem vermeintlich so ruhigen Bildungsidyll passieren konnte.

Bei genauerem Hinsehen ist das allerdings gar nicht so verwunderlich:

In Finnland gibt es bei 5,2 Mio. Einwohnern 1,6 Mio. offiziell registrierte Schußwaffen. (In Deutschland 82/10) Die Dunkelziffer dürfte um ein Mehrfaches höher sein. Es ist kulturell üblich, vorallem den Jungs, das Schießen beizubringen. Es gibt einen strengen vaterländischen Patriotismus, eine Verherrlichung des “Sieges” über die Russen im zweiten Weltkrieg und eine gut funktionierende Militär-Lobby im Land. Der Wehrdienst wird so gut wie nicht in Frage gestellt und die Reserve ist eine der größten Europas. Männer schießen oft in Reserveübungen. Weiterhin ist die (Elch-)Jagd ein weit verbreitetes Hobby unter Männern. Finnland hat die höchste Selbstmordrate aller westeuropäischen Länder. Und unter Jugendlichen ist eine Black/Death/Metal Kultur sehr weit verbreitet*.

 Das zum einen. Jetzt aber zum schlechten Journalismus hierzulande:

1. Die von www.youtube.com gesperrten Videos des Täters Pekka Eric Auvinen sehen sie HIER und HIER (www.hs.fi) Bei uns zeigt sie keiner. Warum auch immer.

2. Es wird den ganzen Abend in allen Medien behauptet, so etwas habe es in Finnland noch nie gegeben. DAS IST FALSCH. Unter http://www.iltasanomat.fi/uutiset/
kotimaa/uutinen.asp?id=1452535
 findet man eine Meldung, nach der schon 1989 in der westfinnischen Stadt Rauma zwei Schüler nach einer Schulschießerei ums Leben kamen.

Bemerkenswert ist 1989. Da gab es noch gar keine Ballerspiele, oder? Das sei nur gesagt, bevor die grün-roten Betroffenheitspolitiker wieder alles darauf schieben.

Leider ist der menschliche Geist immer wieder zu Grausamkeiten fähig, die sich mit nichts erklären lassen. Es wird wohl nie absolute Sicherheit geben. Nie. Auch nicht, wenn unsere Kinder morgen in die Schule fahren.

Einzelgängertum, Ausgrenzerei, Erfolgsdruck, Medien und Waffen. Eine tödliche Kombination. Gegen die wir nur eines tun können: Mehr für unsere Kinder da sein, hinschauen, erst nehmen, hinhören. Niemanden ausgrenzen, und seien seine Ansichten noch so andersartig. Wir müssen das Ego öfters mal ausschalten und alle zusammenhalten.

Mögen sie in Frieden ruhen.

*Woher ich das alles weiß? Nun, ich habe 15 Jahre in dem Land gelebt und dort auch die Schule besucht.




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Hier schreibt Markus Lochmann, Webmaster der FDP-BW über Politik, Privates und allerlei aus der IT-Welt. Die hier veröffentlichten Beiträge sind meine alleinige Meinung und müssen nicht zwangsläufig mit den Positionen der FDP übereinstimmen.

Motto

"Ich schreibe dies - nicht um die Götter zu preisen, denn der Götter bin ich überdrüssig - nicht um Pharaonen zu verherrlichen, den auch ihrer Taten bin ich müde. Um meiner selbst willen schreibe ich dies, weder um Göttern noch Königen zu schmeicheln, noch aus Furcht oder einer Hoffnung auf die Zukunft. Denn im Verlauf meines Lebens habe ich so vieles erfahren und verloren, dass keine unnütze Angst mich quält; und des Hoffens auf Unsterblichkeit bin ich müde, wie ich der Götter und der Pharaonen überdrüssig bin. So schreibe ich dieses nur für mich selbst und glaube, mich dadurch von allen Schreibern der Vergangenheit wie auch der Zukunft zu unterscheiden." (nach Mika Waltari, Sinuhe)

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