Schulmassaker: Schock in Finnland – schlechter Journalismus hierzulande

AuvinenEs ist der Alptraum aller Eltern: Ein Verrückter geht in (s)eine Schule und ballert unschuldige Kinder nieder. Jetzt ist es auch in Tuusula/Finnland passiert. Finnland im Schock. Und ich als halbfinnischer Vater einer Fünftklässlerin auch. Ganz Finnland fragt sich, wie so etwas in dem vermeintlich so ruhigen Bildungsidyll passieren konnte.

Bei genauerem Hinsehen ist das allerdings gar nicht so verwunderlich:

In Finnland gibt es bei 5,2 Mio. Einwohnern 1,6 Mio. offiziell registrierte Schußwaffen. (In Deutschland 82/10) Die Dunkelziffer dürfte um ein Mehrfaches höher sein. Es ist kulturell üblich, vorallem den Jungs, das Schießen beizubringen. Es gibt einen strengen vaterländischen Patriotismus, eine Verherrlichung des “Sieges” über die Russen im zweiten Weltkrieg und eine gut funktionierende Militär-Lobby im Land. Der Wehrdienst wird so gut wie nicht in Frage gestellt und die Reserve ist eine der größten Europas. Männer schießen oft in Reserveübungen. Weiterhin ist die (Elch-)Jagd ein weit verbreitetes Hobby unter Männern. Finnland hat die höchste Selbstmordrate aller westeuropäischen Länder. Und unter Jugendlichen ist eine Black/Death/Metal Kultur sehr weit verbreitet*.

 Das zum einen. Jetzt aber zum schlechten Journalismus hierzulande:

1. Die von www.youtube.com gesperrten Videos des Täters Pekka Eric Auvinen sehen sie HIER und HIER (www.hs.fi) Bei uns zeigt sie keiner. Warum auch immer.

2. Es wird den ganzen Abend in allen Medien behauptet, so etwas habe es in Finnland noch nie gegeben. DAS IST FALSCH. Unter http://www.iltasanomat.fi/uutiset/
kotimaa/uutinen.asp?id=1452535
 findet man eine Meldung, nach der schon 1989 in der westfinnischen Stadt Rauma zwei Schüler nach einer Schulschießerei ums Leben kamen.

Bemerkenswert ist 1989. Da gab es noch gar keine Ballerspiele, oder? Das sei nur gesagt, bevor die grün-roten Betroffenheitspolitiker wieder alles darauf schieben.

Leider ist der menschliche Geist immer wieder zu Grausamkeiten fähig, die sich mit nichts erklären lassen. Es wird wohl nie absolute Sicherheit geben. Nie. Auch nicht, wenn unsere Kinder morgen in die Schule fahren.

Einzelgängertum, Ausgrenzerei, Erfolgsdruck, Medien und Waffen. Eine tödliche Kombination. Gegen die wir nur eines tun können: Mehr für unsere Kinder da sein, hinschauen, erst nehmen, hinhören. Niemanden ausgrenzen, und seien seine Ansichten noch so andersartig. Wir müssen das Ego öfters mal ausschalten und alle zusammenhalten.

Mögen sie in Frieden ruhen.

*Woher ich das alles weiß? Nun, ich habe 15 Jahre in dem Land gelebt und dort auch die Schule besucht.

1 Kommentar zu “Schulmassaker: Schock in Finnland – schlechter Journalismus hierzulande”


  1. 1 Markus Lochmann » Schulmassaker: Schock in Finnland - schlechter Journalismus hierzulande Pingback am 8. Nov 2007 um 05:40

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