Archiv für Mai 2009

Schöne, neue HD-Welt

Eigentlich ist es ja Zeit, auf HD-Video umzusteigen. Jeder einigermaßen aktuelle LCD-Fernseher und PC-Monitor kann mittlerweile Full-HD Video darstellen. Auch die Camcorder der 1000 Euro Preisklasse beherrschen mittlerweite das HD-Format.

Nun brauche ich aber für unsere Veranstaltungen ein robustes Gerät – mit Saaltoneinspeisung, wenn möglich. Weiterhin sollte die Kamera streamen können. Diese Features fand ich dann auch in einer Panasonic AG-HMC71E, die wir günstig auch kauften. (Liste bei Erscheinen 2008: 2200€)

Das Gerät nimmt auch tolle Videos in HD-Qualität auf und, was mir wichtig war, auf SD-Karte. Dem stundenlangen Spulen auf mini-DV-Bändern und dem ekelhaften Einlesen der Videos trauert nun wirklich niemand nach. Auf eine 8 Gigabyte SD-Karte für (derzeit) 16 Euro passen dann je nach Auflösung 80 Minuten bis drei Stunden Video. Spätere 16,32,64 GB Karten werden noch viel mehr ermöglichen.

Nun zu den Schattenseiten. Der Camcorder nimmt im AVCHD-Format auf – ein komprimierendes mpeg4-Format, welches auch Festplattencamcorder nutzen. Wenn ich nun ein Video aufnehme, kann ich es von der SD-Karte per Camcorder-Eigener Software von der Kamera ziehen.

Praktischer aber ist es, die fertigen Dateien von der SD-Karte als Dateien direkt in das Schnittprogramm zu ziehen, schließlich hat ja beinahe jedes moderne Notebook einen SD-Card-Reader.

Auch das klappt – Allerdings versteckt das Gerät die Dateien gut im Filesystem der Karte. Da muss man lange suchen. Was man dann bekommt, sind .mts-Dateien. Die kann ein Windows Mediaplayer 11 sogar abspielen.

Wenn man jedoch versucht, diese Dateien in ein Schnittprogramm zu importieren, wird es schon schwieriger. Programme vor 2008 gehen gar nicht und einige Profiprogramme bis heute nicht. Ich benutze das vielgelobte „Magic Video“ in der Plus-Version von 2008, welches laut Verpackung auch HD-Video kann.

Denkste. Um AVCHD-Dateien importieren zu können, muss man zunächst zwei Plugins bei Magix freischalten, das Dolby-Stereo und das mpeg4-Plugin. Das letzere ist kostenpflichtig, aber mit 5 Euro günstig.

Die Firma Magix macht es dem geneigten Video-Filmer aber mehr als schwer, an dieses Plugin zu kommen. Man muss sich registrieren und sogar die Handynummer preisgeben, weil der Bankeinzug angeblich nicht ohne SMS-Verifikation auskommt. So ein Blödsinn. Hier werden lediglich Adressen und Handynummern gesammelt und wahrscheinlich weiter gedealt. So kommt mir es jedenfalls vor.

Nach drei Versuchen hatte ich dann endlich das begehrte Plugin und kann nun tatsächlich .mts-Dateien in Magix importieren und dort bearbeiten. Auf Wunsch kann man die Dateien auch beim Import für das Netz herunterrechnen lassen.

Problem eins also gelöst. Doch nun fingen die Schwierigkeiten erst richtig an.

Der Camcorder hat einen HDMI-Ausgang. Schön. Nur gibt es bis dato kein Notebook mit HDMI-Eingang! Für stationäre PCs gibt es auf dem Markt genau eine PCI-Express-Karte mit HDMI-In. (Black Magic INTENSITY-PRO) für 250 US-Dollar. Die Fima Matrox biete eine Box für knapp 400 Euro an. (http://www.matrox.com/video/en/products/mxo2_mini/)  Professionelle Boxen kosten mehrere tausend Euro.

Für Notebooks gibt es keine PC-Express-Karte mit HDMI-Eingang. Die Begründung dafür ist so einfach wie blöd: HDMI wird bevorzugt von der Filmindustrie verwendet, weil darin eine Kopiersicherung eingebaut ist.

Wie soll ich jetzt aber das Bild für meinen Livestream aus dem Camcorder in das Notebook bekommen? Firewire hat der Camcorder nicht, dafür das Notebook. USB hat der Camcorder zwar, aber er kann damit nur die Speicherkarte auslesen und Bilder übertragen.

Also hilft nur der (absurde!) Weg über den composite-Ausgang des Camcorders mittels eines USB Video Grabbers am USB2.0 in das Notebook. Das funktioniert sogar.

Leider kann mein Notebook aber den Ton vom USB-Gerät nicht abgreifen. Das liegt daran, dass Windows Vista nur „zertifizierte“ Treiber in den Audio-Einstellungen des Betriebssystems zulässt. Grund hierfür ist derselbe wie oben: Aus vorauseilendem Gehorsam verweigert das Betriebssystem aus „Kopierschutz“-Gründen dem Treiber, aus MEINEM Camcorder MEINEN Ton in MEINEN Rechner zu bringen!

Zum Glück kann man den Treiber entfernen und durch einen anderen USB-Audio-Treiber ersetzen. Dafür muss man das Audio-Device im Gerätemanager deinstallieren und bei der Neuinstallation den Standard-Windows-USB-Audio Treiber benutzen.

Und nun kann ich auf SD-Karte aufnehmen und gleichzeitig den Stream bedienen. Allerdings völlig sinnlos über den Umweg analog. Die Qualität ist gut genug. Doch eigentlich hätte die Kamera ja auch USB-Streamen können…

Liebe Hersteller: Warum bringt ihr Produkte auf den Markt, die Standards haben, für die es (noch) keinen Zubehör gibt?

Liebe Hardware-Hersteller: Warum lasst ihr euch von einer geldgeilen Filmindustrie so beeinflussen, dass man mit eurer teuren Hardware eben NICHT das machen kann, wofür sie gedacht ist?

Zu guter letzt: Hier ein Video für alle Bastler, die Full-HD-Video auf der Festplatte per HDMI haben wollen: http://www.vimeo.com/4083139. Kostenpunkt ca. 600 Euro. Dafür hat man dann aber das volle Full-HD-Signal auf der Festplatte und kann damit arbeiten, wie die „großen Jungs“ in Hollywood auch.

Mein Rat für alle, die ein funktionierendes MiniDV/Firewire/USB-System haben: Nicht neu kaufen und abwarten, bis sich die neuen Standards etabliert haben. Es sei denn, Sie besitzen ein Bastler-Gen…

Gut gebrüllt, Löwe!

Heute war für mich zum ersten Mal richtig Wahlkampf in diesem Jahr. Die Halle im Ulmer Kornhaus war trotz Fußball prall gefüllt – Silvana Koch-Mehrin und Guido Westerwelle ziehen eben doch die Massen an – auch dank ihrer enormen Medienpräsenz.

Die Veranstaltung war auch sonst gut – kurzweilig, pointiert und die entscheidenden Botschaften rüberbringend. Alles in allem scheint das Wahlkampf-Team gut eingespielt und textlich ausgereift.

Nur eines hat mich gestört. „Wir sollten das Geld nicht in alte Autos stecken, sondern in die Köpfe der jungen Menschen“. O-Ton Westerwelle. Oder „Unser einziger Rohstoff ist der Grips in den Köpfen der Menschen“. Oder: „Wir werden nie so billig sein, wie China, dafür müssen wir umso besser sein“.

Alles richtig. Nur leider wird in der Praxis genau das Gegenteil getan. Die Landesregierung in Baden-Württemberg führte mit den Stimmen der FDP zunächst verfassungswidrige Rückmeldegebühren ein. Danach gab es die 500 Euro Studiengebühren-Ohrfeige für die Studenten.

Sicher, im Regelfall werden die Studiengebühren von den Eltern bezahlt. Also sind sie (nur) eine weitere ungerechte Kopfsteuer für alle Eltern.

Und was ist mit denjenigen, für die Westerwelle „Aufstiegschancen in den Mittelstand“ predigt? Denjenigen, deren Eltern keine Studiengebühren zahlen können oder wollen? Was ist mit Alleinerziehenden? Mit Migranten? Und sonstigen armen?

Gut gebrüllt, Herr Westerwelle, allein, es fehlen die Taten. Gerade hat der Parteitag der FDP die Freigabe der Studiengebühren beschlossen.

„Zur Steigerung  der Qualität der Lehre soll  im Wettbewerb um Studierende  jede Hochschule  selbst  entscheiden,  ob,  in welcher  Höhe  und  für welche  Studiengänge  sie  Studienbeiträge erhebt.“ Deutschlandprogramm, S.47

Es ist traurige Realität, dass in Deutschland der Bildungserfolg der Kinder immer mehr von der sozialen Schicht (der Eltern) abhängt. Und gerade in dieser entscheidenden Zukunftsfrage hat sich meine Partei nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Ich werde gelegentlich gefragt, warum mein Studium ewig dauert. Dafür gibt es mehrere Gründe – ein großer ist, dass ich in den letzten Jahren 15.000 Euro Studienschulden tilgen musste. Mir hilft eben niemand. Kein Staat, keine Eltern. Also muss ich arbeiten, um das Studium zu bezahlen und mein Kind zu ernähren.

Auch das gibt es, Herr Westerwelle – Menschen mit gebrochenen Biographien. Da muss in der FDP noch sehr viel dazu gelernt werden. Der Anschein der sozialen Kälte entsteht letztendlich auch dadurch, dass in der Partei viele handeln, die sich nie richtige Sorgen machen mussten.

Freiheitsliebe aber ist keine Frage des Geldbeutels! Der Liberalismus steht genauso für den kleinen Mann, der sich eben nicht bevormunden lassen will. Die Definition des Lebenstraums als finanzieller Erfolg ist nur eine verknappte Sichtweise des wahren Liberalen – der Traum kann genauso gut ein Leben in einer Szene sein, auf dem Land oder mit den Kindern zuhause. Es gibt die Freiheit, Dinge zu tun. Genauso aber gibt es auch die Freiheit, Dinge zu lassen.

Um es theoretischer zu formulieren: Die Grundidee des Liberalen ist die Abstraktion des Systems der Möglichkeiten der Lebenstraumverwirklichung. Nicht die Inhalte der Menschenträume sind Gegenstand des liberalen Diskussion; vielmehr die Schaffung der Möglichkeiten zu deren Verwirklichung.

Die US-Amerikaner nennen das “the pursuit of Happiness” (siehe auch http://en.wikipedia.org/wiki/Life,_liberty_and_the_pursuit_of_happiness) und haben es als Gegenargument zum reaktionären Europa in ihrer Unabhängigkeitserklärung als Maxime verankert.

Es ist genauso falsch zu glauben, der Liberale sei der Kapitalist – ganz im Gegenteil. Im 19. Jahrhundert haben Millionen vom Kapitalisten unterdrückte Menschen Deutschland verlassen, um ihr persönliches Glück im “Land of the Free” zu suchen. Und seit dem Jahr 2000 hat Deutschland netto 180.000 Fachkräfte verloren.

Kapitalisten sind Konformisten – sie passen sich an. Das Kapital kennt keine politische Gesinnung. Es rennt immer dahin, wo es die meisten Chancen für sich sieht. Wenn es sein muss, auch in die Diktatur.

Übrigens: Lesen sie diesen Beitrag etwa an einem Windows-Rechner? Windows ist das Produkt eines Studienabbrechers. Und der ist jetzt der reichste Mann der Welt.

Es ist eben in der modernen Kreativwirtschaft nicht mehr so, dass Leistung nur durch Zertifikate oder Diplome erreicht werden kann. Im Gegenteil: Die meisten Startups entstehen gerade aus den nonkonformistischen Milieus.

Auch da brauchen wir in Deutschland neues Denken – wir müssen JEDEM! Eine Chance geben. Egal, welchen Background er hat.

Es ist ein weiter Weg von der Wahlkampf-Rhetorik zu praktischem (politischem) Handeln. Das erlebt in den USA gerade auch Barack Obama. Doch dort, glaube ich, wird es den CHANGE geben. Ich hoffe, unsere Vertreter werden uns nicht enttäuschen.

Dem Volk aufs Maul schauen

„Dem Volk aufs Maul schauen ist etwas ganz anderes als dem Volk nach dem Mund reden“
Bertolt Brecht

Am Wochenende hatte ich die große Freude, den 89. Geburtstag meines Großvaters zu feiern. Durch die Wirren von Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung heiratete er als Schwabe in die schlesische Sippe meiner Großmutter. Allesamt, sieben Geschwister, waren sie aus Schlesien zunächst von den Nazis, dann von den Russen vertrieben worden und siedelten sich nach Umwegen in der “Zone” hier im Südwesten an.

Viele fanden Arbeit beim Daimler, andere wurden selbstständig, führten Musikschulen und Musikaliengeschäfte. Man entwickelte das, was heute als die „bürgerliche Mitte“ bezeichnet wird. Im Geiste lebte die Hochkultur der schlesischen Lieder weiter – sie wurden auf den Geburtstagsfeiern gesungen, zu Weihnachten und Ostern.

Sie singen sie heute noch. Sie sind alt geworden, die älteste Tante ist jetzt 96. Viele sind schon gegangen. So manchen hatten die seelischen und körperlichen Verletzungen der Kriegsjahre geschwächt, andere hatten sich in den fetten 50ern schlicht überfressen.

Die Werte unserer Geburtstagsgemeinschaft waren und sind konservativ. Man trauert, wenn auch wortlos, der verlorenen Heimat noch immer nach. Man lebt bescheiden. Der eine fährt Opel, der andere Mercedes. C-Klasse, natürlich. Man wählt schon immer CDU. Manchmal FDP. Außer einer, der mit dem Opel, der ist in der Gewerkschaft.

Seit meiner frühesten Kindheit war ich auf diesen Feiern. In den 70ern redete man über Politik, über die Ölkrise und Terroristen. In den 80ern wurden wir reich – die Eigenheime waren abbezahlt, die Kinder wurden groß. Allgemeiner Wohlstand brach aus. Es gab Videorekorder und Satellitenfernsehen. Man fuhr in den Urlaub nach Mallorca. Sorgen? Hatte man keine. Höchstens mal eine Scheidung.

In den 90ern waren die Krankheiten und Zimperlein die bestimmenden Themen auf den Familientreffen. Es gab die ersten Krebsfälle. Und Diabetes. Irgendwann starben dann die Schwächsten. Einer hatte gar ein Raucherbein und wurde fortan als erschreckendes Beispiel in der Familie geführt. Plötzlich redete man nicht mehr über Geld. Man hatte es halt.

Die Alten wurden weniger. Die jüngeren blieben den Feiern fern – sie waren entweder gerade im dritten Jahresurlaub in der Dominikanischen Republik oder mit dem zweiten Hauskauf beschäftigt. Enkel gab es, aber leider recht wenige. Und die waren eher vor der Playstation zu finden als in der Kneipe am Sportverein.

Warum erzähle ich das alles?  Nun, dieses Jahr war die Diskussion anders. Plötzlich waren da Themen wie „Moscheebau“. Oder kriminelle Ausländer. Oder der Türkei-Beitritt zur EU. Es wurde über Islamisten geredet. Und über die Kommunisten-Plage. Der Ton war rauer, die Stimmung mehr als nur besorgt. Es wurde hektisch. Es war politischer als in drei Jahrzehnten, demokratischer aber leider nicht. Die Ansichten waren teils radikal. Und auch die Alten, von denen ich eigentlich einen matten, satten Geist wie in den Jahren zuvor erwartete, waren plötzlich quicklebendig und aufgeregt. Klar, sie erkannten die Zeichen der Zeit. Schließlich hatten sie sie schon mal erlebt.

Es regt sich Widerstand in der deutschen Mittelschicht. Widerstand gegen unbegreifliche politische Korrektheit. Man glaubt dem Fernsehen nicht mehr, so wie man der Zeitung seit zehn Jahren nicht mehr vertraut. Die Politik steht schlecht da, in Volkes Augen. Sie gilt als gekünstelt, raffgierig und am Bürger vorbei agierend. Die Menschen fühlen sich entfremdet von ihren Vertretern. Die einfachen Bürger fühlen sich in ihrer Freiheit bedroht. Und sind somit von ihrem Staat enttäuscht. Dabei lieben sie ihr Land. Mehr als in vielen Jahren davor.

Wir sollten genau hinhören, in die Mitte des Volkes. Wir sollten nicht so tun, als könnten wir die vorhandenen Tendenzen und Sorgen der Menschen überspielen oder wegdrücken. Wir müssen uns mehr um die Sorgen und Nöte der arbeitenden, anständigen Mittelschicht widmen, bevor die Stimmung in dieser in etwas Irrationales kippt.

Es waren diese Leute, die dieses Land zu dem gemacht haben, was es heute ist. Leute, die mit Fleiß und Leistungsbereitschaft für eine Gesellschaft gearbeitet haben, die sie jetzt immer mehr im Stich lässt. Leute, die Fremden nicht das zur Zerstörung überlassen wollen, was sie mit ihren eigenen Händen geschaffen haben.

Es steht nicht gut um die deutsche Mittelschicht in diesen Tagen. Sie wird von Steuern und Abgaben erdrückt, während gesellschaftliche Randgruppen und Leistungsempfänger scheinbar ungerechte Begünstigungen erfahren. Ein tiefes Gefühl der Ungerechtigkeit wird so im Volk verankert.

Ich werbe dafür, dass die Politik wieder klare Botschaften sendet. Wir sollten die Juristerei den Juristen überlassen – diese aber uns das Regieren! Wir in den Parteien sollten Volkes Worte hören. Und ihm klarmachen, dass es auch gehört wird.

Es gibt keine Gerechtigkeit

Stellen Sie sich vor, jemand begeht hundert Körperverletzungen, zehn Mordversuche, verursacht einen Schaden in Hunderttausenderhöhe, jeder weiß, wer es war – und niemand wird dafür belangt. Ja, das gibt es. Und das gibt es in so manchem Leben, viel näher, als man meint – in der eigenen Familie.

Als ich sieben Jahre alt war, hat mein Vater meine Mutter beinahe erwürgt. Sie war schon blau. Er hat sie geschlagen, vergewaltigt, erniedrigt. Bestraft wurde er dafür bis heute nicht – noch nicht einmal angeklagt. Ist das Gerechtigkeit?

Mich hat er mehrfach versucht umzubringen, mit dem Messer, mit der Axt, mit Tritten und Schlägen. Bislang hat es nicht gereicht. Doch gehindert daran hat ihn bis heute niemand. Trotz Anzeigen und Platzverweisen. Wenn das Monster im eigenen Haus wohnt, werden die helfenden Stimmen schnell lautlos. Es verhallen die Rufe nach Gerechtigkeit im Alkoholdunst der saufenden Prügelväter. Man hört halt weg. Wo ist da der viel umworbene so genannte „Recht-Staat“?

Mir erscheint unsere Gesellschaft absurd. Einerseits werden wir täglich mit Normen belehrt, uns werden Strafzettel wegen Falschparkens oder ein paar zu schnell gefahrenen Kilometern auferlegt. Und gleichzeitig geschieht in vielen Familien unfassbares, grausames, Kinderseelen zerstörendes, nie gesühntes Unrecht.

So auch in meiner. Erst jetzt, mit 40 Jahren, habe ich den Mut, mich dagegen zu wehren. Wenn es sein muss, auch mit Gewalt. Dass ich heute überhaupt noch existiere, um diese Zeilen zu verfassen, ist reines Glück. Zu oft wurde versucht, mich, den Irrtum, auszulöschen, zu vernichten. Wir leben, leider, auch in einer Kultur des Wegschauens. Es kann eben oft nicht sein, was nicht sein darf. Wir verbieten Gewaltspiele und lassen Gewalttäter straffrei laufen. Wir verpönen den Krieg und lassen die langsame Tötung im Privaten zu.

Kinder werden in den Neckar geworfen, verbrüht, getötet, in den Kühlschank gepackt, verhungern gelassen – und das ist nur die Spitze des Eisberges!

Ich wurde und werde von meinen Eltern nicht geliebt. Das ist ein Fakt. Als ich meine Mutter einst fragte, ob ich denn gewollt war, antwortete sie mit einem lapidaren: nein. Aber gelten für mich damit die Normen und Regeln des Grundgesetzes nicht mehr? Die Würde des Menschen ist unverletzlich, es sei denn, der Verletzer ist der eigene Erzeuger?

Heute Abend war ich in der Kindernotaufnahme des Olga-Krankenhauses in Stuttgart. Dort, wo auch die Fälle des „Hinfallens“ oder des „Unfalls“ ankommen. Meiner Schwester wurde von einem Schäferhund gebissen, und ich fuhr sie hin. Unser Vater hatte sich geweigert. Und in mir regte sich eine riesige Sehnsucht, ein Aufschrei ging mir durch Mark und Bein.

Schaut hin! Tut was! Lasst es nicht zu, dass Eltern ihre Kinder missbrauchen. Ich finde es eine Schande, dass eine zivilisierte Gesellschaft es nicht schafft, soziale Kontrollstrukturen zu schaffen, die unsere Kinder vor ihren schlagenden Eltern schützt.

Meine Vergangenheit, meine Kindheit und Jugend wird mir so also zum Auftrag. Ich habe bislang gezögert, in meinen Texten Roß und Reiter zu benennen. Ab heute ist das anders. Am “Vater”tag 2009.

SPON: Web-Wahlkampf würde auch in Deutschland wirken

Wie die politische Kaste in Deutschland die Informations-Revolution verschläft, steht jetzt auch
in einem Artikel auf Spiegel-Online:

In den USA wirkt das Web bereits wahlentscheidend, wie der spektakuläre Community-Wahlkampf von Barack Obama eindrucksvoll zeigte. In Deutschland ist die Politik noch nicht so weit – die Jungwähler einer Studie zufolge aber schon.

Ein Obama-Phänomen ist so im deutschsprachigen Internet trotz Superwahljahr nicht in Sicht, die Parteien staksen gewohnt steif und fern der Jugend durch die virtuellen Weiten. Konsens ist, dass der Online-Wahlkampf in Deutschland noch nicht die große Rolle spielen wird, die er anderenorts spielt – womit die Strategen allerdings eventuell auf dem Holzweg sind. Es dokumentiert nur, dass ihnen der Draht zu den potentiellen Jungwählern doch noch ein gutes Stückchen fehlt.

Denn Erstwähler nutzen besonders das Internet, um sich für ihre Wahlentscheidung zu informieren. Das geht aus einer angeblich repräsentativen Umfrage hervor, die das Institut Earsandeyes im Auftrag des Internetportals t-online gemacht hat. Für rund 83 Prozent der Erstwähler im Alter von 16 bis 19 Jahren sind die im Netz angebotenen Informationen der wichtigste Entscheidungsfaktor, um sich über politische Ziele der einzelnen Parteien eine Meinung zu bilden.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,626063,00.html

Vielleicht liegt es ja an der Tatsache, dass unser politisches System einfach verkalkt ist, von innen verstopft, sozusagen. Da täte ein Push von außen mal ganz gut. Und die Erkenntnis dessen, wo die Zukunft liegt.

Aus aktuellem Anlass: Horst

von Blumentopf

Warum darf ich eigentlich doppelt wählen?

eu_finEs ist etwas faul im Staate Europa. Nur, weil ich vor 20 Jahren mal in Finnland gelebt habe, bekam ich heute die finnische Wahlbenachrichtigung zur Europawahl 2009. Da ich doppelter Staatsbürger bin, darf ich jetzt doppelt wählen. Oder sogar dreifach? Das ist ungerecht. Mein Vorschlag: EU-Bürger dürfen nur am Wohnort(!) wählen. Alles andere ist Blödsinn.

Yes, we could?

Ein grandioser 60. Bundesparteitag liegt hinter uns – nicht nur, dass die Führung der Partei eindrucksvoll bestätigt wurde, nein, auch in den Weiten des Netzes konnte die kleine FDP die Twit-o-sphäre mit den Hash-Tags #bpt09 und #fdp über drei Tage nahezu dominieren. Mit der Ausnahme des Eurovision Grand Prix am Samstagabend, natürlich.Das Wahlprogramm wurde beschlossen und somit eine klare Grundlage für Koalitionsverhandlungen gelegt. Dazu hat der Parteitag eine klare Aussage gegen #Zensursula, d.h. das Internet-Sperrgesetz getroffen. Dafür ist das extrem Netz dankbar. Und die Bürgerrechtsfraktion in der FDP sowieso.

Doch wo viel Licht – da auch einiges an Schatten. So hat die Bundespartei es nicht geschafft, für die Daheimgebliebenen einen Livestream zu organisieren – in Zeiten von 16 Megabit-Leitungen eigentlich ein Unding. Die Partei hat knapp 700 Delegierte, aber 70.000 Mitglieder! Und die sollten so eine Show auch mitverfolgen können, wo auch immer sie sind. Das muss besser werden. Die Twitter-Diskussion war grandios auch dank der FDP Bundestagsfraktion und ihrem Stand – jetzt sollten nur noch die Oberen persönlich auch mitmachen. Dann hätten wir ein bisschen Amerikanische Verhältnisse. Doch auch das kommt noch, irgendwann.

Ein weiteres Detail fällt auf – der Landesverband Baden-Württemberg, einst stolzes Vorreiter-Revier der Liberalen in Deutschland, verliert politisch wie personell an Einfluss. Die Wahlergebnisse der Vertreter Baden-Württembergs in den oberen Parteigremien sind schlechter, als die von anderen Landesverbänden. Mit Rösler, Lindner und Bahr setzen sich neue Politikertypen durch, denen wir bislang wenig entgegenzusetzen haben. Die Saar-FDP hat einen Juli Kandidaten auf Platz 1. Nicht nur, dass diese Leute einen neuen Stil verkörpern. Nein, sie erweitern die FDP (wie von den Julis jetzt auch als Grundsatzprogrammdiskussion offiziell benantragt) in neue Politikbereiche hinein. Ich denke da an Sozialpolitik und die dringend nötige Verbreiterung der Argumentationsgrundlage des Liberalismus im Allgemeinen. Wirtschaft ist vieles. Aber eben nicht alles.

Da kommen unsere Landesvertreter nicht mit, und unsere Regierungsvertreter schon gar nicht. Ich fürchte, wir fallen mit unseren Führungspersonen im Land in eine hektische Symbolpolitik, in Aufmerksamkeitshascherei ohne Ziel. Wir haben manche Leute in den Ämtern, die immer noch alten System von Macht und Medien leben und scheinbar verkannt haben, dass sich mit der Wahl Obamas einiges in der Welt geändert hat.

Kandidaturen können jetzt von ganz unten entstehen, vorbei an allen traditionellen Strukturen. Das ist die Botschaft aus Washington. Und wir werden sie nachbeten, wie alles andere Amerikanische auch. Das Netz hat die Mittel dazu, und heutzutage auch den Organisationsgrad. Demokratie wird sich wandeln. Nicht deshalb, weil sie schlecht wäre, sondern deshalb, weil sich in den letzten Jahrzehnten Defizite in der Beteiligung des Einzelnen ergeben haben.

Das können die neuen Kommunikationsmittel leisten. Die Leute wollen wieder mitreden! Und wir sollten sie lassen. Denn Demokratie lebt vom Mitmachen.Die Generation „Rösler“ geht völlig selbstverständlich mit den Neuen Medien um. Blogs, Twits, Blackberry und Web sind hier Standard. Daher hat sie auch ein anderes Verhältnis zur Offenheit von Diskussionen. Sie hat einen komplett anderen Wahrnehmungshorizont. Sie weiß, dass man Trends von unten ernst nehmen muss, um in der Blogosphäre nicht verbrannt zu werden.

Für die alte Schule ist das irrelevant und „dumme Spielerei“. Das dachte Hillary Clinton auch. Jetzt weiß sie es besser.

Die FDP als Bundespartei scheint das verstanden zu haben und scheint sich dem Trend nicht unnötig zu widersetzen. Das freut mich. Umso mehr wünschte ich mir ein klares Bekenntnis der Landes-FDP zu „Demokratie2.0“. Wir könnten, aber oft dürfen wir halt nicht. Yes, we could? Die Julis haben, berechtigterweise, schon länger die Umstände in den Gremien kritisiert. Allerdings leider mit bislang wenig Wirkung. Jedes zweite Mitglied in der FDP ist seit dem Jahr 2000 beigetreten. Sagt das nicht genug?

Für mich ist die Richtung klar: Mehr interaktive Elemente auf die Seiten – mehr Livestreams von Veranstaltungen, wo immer es die Technik eben zulässt. Noch geht es nicht überall, aber bald. Also wird es zu den großen FDP-Landesveranstaltungen und selbstverständlich zur Bundestagswahl Twitter-Feeds geben. Ich freu mich schon darauf. Und gerade auch darauf, dass Leute von überall her mitmachen können und sollen!

Wir müssen wieder näher an den Bürger heran in der Politik. Und der sitzt halt demnächst nicht mehr vor der Zeitung, sondern vor seinem Life-Stream (ja, schon richtig, mit F). Er kauft im Netz und nicht mehr auf dem Marktplatz. Er hat nur so viel Zeit. Und die wird er der Politik nicht geben, wenn sie sich immer weiter von ihm entfernt. Der Untergang der traditionellen Massenmedien hat in den USA schon längst begonnen und es ist nur eine Frage der Zeit (tolles Wortspiel, LOL), bis es auch in Europa einsetzt. Dann kann die Politik nicht dastehen und weiter vor sich hin regieren, während das Volk schon wo ganz anders ist.

Politik ist immer Dienst am Bürger. Und wo der Bürger ist, da muss die Politik auch hin.

PS. Unlängst fragte mich ein interessierter Bürger, warum „ich mir das antäte“, in einer Partei zu arbeiten, als ob eine Partei etwas Schäbiges wäre. Ich habe lange darüber gegrübelt. Geld ist es nicht. Mein Einkommen lag letztes Jahr unter 20.000 Euro. Dafür würde so mancher Ministerialbeamte seinen Arsch nicht einen Millimeter heben. Und mancher korrupte Journalist auch nicht.

Ich liebe die Freiheit. Ich liebe Technologie. Ich liebe es, Dinge zu verändern. Ich habe gelernt, dass die einmal mühsam gewonnene Freiheit immer neu bedroht ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Menschheit immer und immer weiter streben muss. Ich habe am eigenen Leibe Ungerechtigkeit und Machtlosigkeit erlebt. Ich bin der festen Überzeugung durch Kritik und Diskussion die Gesellschaft weiter bringen zu können. Im mir brennt das Feuer der Freiheit. Einer Freiheit, die die Menschen nur mit mehr Bildung und Aufklärung auch nutzen können. Das treibt mich an.

Und ich lasse mir nicht das Maul verbieten. Von niemandem.

Sauerei: Landesbibliothek kostet 30 Euro im Jahr

Das ist wieder mal ein wunderbarer Beitrag zur Bildung des Volkes im Land: Die bislang kostenlose Landesbibliothek in Stuttgart kostet künftig Geld. 30 Euro im Jahr, auch wenn man mal nur ein Buch braucht. Ausgenommen von dem Schwachsinn sind immerhin Beamte des Landes, Studenten und Schüler. Hartz IV-Empfänger(!) zahlen gnädigerweise nur die Hälfte. So hält man sich das lästige Fußvolk vom Leib und bleibt schön inzestiös unter sich.

Dass wir so arm in Stuttgart sind, dass unsere von Steuermitteln finanzierten Bibliotheken nicht mehr tragbar sind… für das habe ich absolut kein Verständnis! Für Landesbanken hagelt’s Milliarden und für sinnlose Stadienumbauten. Aber für die Bildung haben wir kein Geld. Pfui!

Seit einer Woche gilt in der Landesbibliothek eine neue Bibliotheksgebührenverordnung. Wer sich einen Ausweis holt oder seinen alten verlängert, muss nun 30 Euro zahlen.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2026831_0_7244_-bildung-wird-teuer-buecherleihen-kostet-jetzt-30-euro.html

Soll mir die CDU jemals wieder mit Bildungspolitik kommen. Das eine reden, das andere tun! Wer diesen Scheiß erfunden hat, gehört sofort aus dem Amt gejagt!

PS. Diese Aktion hat der CDU mindestens eine Erststimme bei der Bundestagswahl gekostet.

FDP beschließt Antrag gegen Internet-Zensur

Als Nachtrag zum Artikel “e-Petition” : Die Bundespartei hat auf ihrem Parteitag einen Beschluß gefasst, der die Zensur des Netzes ablehnt.

http://60.parteitag.fdp.de/Antraege/1825c3938i1065/index.html




Was ist das hier?

Hier schreibt Markus Lochmann, Webmaster der FDP-BW über Politik, Privates und allerlei aus der IT-Welt. Die hier veröffentlichten Beiträge sind meine alleinige Meinung und müssen nicht zwangsläufig mit den Positionen der FDP übereinstimmen.

Motto

"Ich schreibe dies - nicht um die Götter zu preisen, denn der Götter bin ich überdrüssig - nicht um Pharaonen zu verherrlichen, den auch ihrer Taten bin ich müde. Um meiner selbst willen schreibe ich dies, weder um Göttern noch Königen zu schmeicheln, noch aus Furcht oder einer Hoffnung auf die Zukunft. Denn im Verlauf meines Lebens habe ich so vieles erfahren und verloren, dass keine unnütze Angst mich quält; und des Hoffens auf Unsterblichkeit bin ich müde, wie ich der Götter und der Pharaonen überdrüssig bin. So schreibe ich dieses nur für mich selbst und glaube, mich dadurch von allen Schreibern der Vergangenheit wie auch der Zukunft zu unterscheiden." (nach Mika Waltari, Sinuhe)

Musik

Artikel 5 GG

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

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