Auch mit Untertiteln: http://www.ted.com/talks/henry_markram_supercomputing_the_brain_s_secrets.html
Archiv für Oktober 2009
Video: Erste Gehirnsimulation im Supercomputer
23. Oktober 2009 in Bildung, Internet und Wissenschaft. 0 KommentareEbook in USA der Renner – Deutschland schläft
23. Oktober 2009 in Bildung, Internet und Medien. 0 KommentareUPDATE 17.11.2009 Die Süddeutsche zum Thema Google Books: “Google schränkt sich beim Einscannen von Büchern aus Europa ein. Das birgt für deutsche Verlage die Gefahr, die Digitalisierung weiter zu verschlafen.”
[...]Der Erfolg für die deutschen Verlage und andere Rechteinhaber birgt auch die Gefahr dauerhafter Rückständigkeit. Denn Google ist – so sehr dies hinsichtlich der Monopolgefahr bedenklich stimmen mag – eine der treibenden Kräfte, die die Welt ins digitale Zeitalter bewegen. Kulturgüter, die bei diesem Prozess nicht mitgenommen werden, laufen Gefahr, in Vergessenheit zu geraten.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels fordert bekanntlich die “Schaffung einer Deutschen Digitalen Bibliothek.” Das klingt sinnvoll. Wer aber die bestehenden Projekte aus deutscher Hand im Netz kennt, zweifelt am Erfolg eines solchen Modells.
Deutlich wird dies am Projekt Libreka des Börsenvereins, das oft zum Google-Books-Konkurrenten ernannt wurde. Die Webseite ist aber nichts als eine schlichte Plattform für den Buchverkauf, auf der man in ein paar digitalisierten Buchseiten blättern kann.
Die gepriesene Volltext-Suche, mit der man gelistete Bücher durchsuchen kann, funktioniert zwar, bleibt aber aufgrund der begrenzten Funktion des Angebotes sinnfrei. Was hat der Suchende davon, zu wissen, dass Mephisto zwar in Goethes “Faust” zu finden ist, solange er den eigentlichen Treffer seiner Suche nicht sehen kann, weil Libreka von “Faust” nur das Vorspiel auf dem Theater bereit hält.
So klaffen noch weite Qualitätsgräben zwischen Google und den selbsternannten Konkurrenten.
http://www.sueddeutsche.de/,ra12m1/computer/307/494641/text/
—
Was lese ich gerade im Ticker?
Seattle – Der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon.com hat in der Wirtschaftskrise ein weiteres Mal Gewinn und Umsatz kräftig gesteigert. Ein Grund: Amazons Lesegerät für elektronische Bücher “Kindle” war zuletzt der bestverkaufte Artikel des US- Konzerns. Mit seinen Zahlen für das dritte Quartal und den Aussichten für das Weihnachtsgeschäft übertraf Amazon die Erwartungen der Analysten klar. Der Überschuss stieg in den letzten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 68 Prozent auf 199 Millionen Dollar.
Das zeigt (mal wieder), wie die deutsche Innovationsfeindlichkeit uns international immer weiter zurückfallen lässt. (siehe auch hier). Während bei uns Katalog-Versender mit 50 Mio. Staatsgelder in die Pleite geschickt werden, während die Kanzlerin überkommene Urheberrechte gegen Google “verteidigt”, während eine ganz Buchmesse noch über Sinn oder Unsinn von Ebooks laboriert, MACHEN ANDERE LÄNGST UMSATZ!
Wann endlich verstehen wir, dass die Uhren im Jahr 2009 anders ticken als 1985? Mit einem nicht vorhandenen Verständnis für die digitale Wirtschaft oder die Internet-Technologie, mit dem Abmahn-Wahn als ABM für gescheiterte Rechtsanwälte (siehe #abmahnwahn auf Twitter) und mit einer Totalverwirrung in Sachen Internetrecht verjagen wir die digitale Wertschöpfung ins Ausland.
Als mein Kommilitone seine Diplomarbeit über Ebooks in 2005(!) schrieb (Link hier), wurde er von Teilen der Akademia dafür belächelt. Niemand soll behaupten, wir hätten keinen Zugang zum notwendigen Wissen gehabt! Nur: in unserer Universitätswelt und in der deutschen empirischen Sozialforschung war und ist Trendsetten UNERWÜNSCHT. Da herrschen Mittelmaß, Nachbeten und Anpassung. Von wegen Elite.
Niemand wollte vor fünf Jahren etwas über Ebooks wissen, keine Industrie war bereit, in die Technik zu investieren. Die strukturell veralteten deutschen Verlage pochen auf Vergangenes wie Buchpreisbindungen und verlangen jetzt auch noch Sonderrechte für sich selbst im Netz. Die Folge:
Immer mehr deutsche Unternehmen verlieren Marktanteile an US-Firmen, siehe Amazon oder Google. Danach schreien sie nach gesetzlichem Schutz vom Staat, anstelle kreativ und innovativ am Markt teilzunehmen. Der Schutz von Rechten heißt aber nicht Schutz vor WETTBEWERB! Das genau ist es, was die eingeschlafene deutsche Verlagswirtschaft vom Gesetzgeber fordert. Als Liberaler muss ich dazu sagen: NEIN!
Die digitale Wirtschaft in Deutschland scheitert immer wieder an reformbedürftigen Gesetzen, die die ganze Branche lähmen. (so verliert z.B. Ebay erheblich Kunden und streicht Stellen in Deutschland wg. Abmahnungen und zunehmender Rechtsunsicherheit) Das muss sich dringend ändern – mehr Freiheit, mehr Wettbewerb und mehr Technikfreundlichkeit sind die Gebote der Stunde. Weg mit den unnötigen Subventionen und Finger weg von Sonderrechten für das Establishment!
Wer aus dem Fall Quelle immer noch nichts gelernt hat, wird am Ende zugrunde gehen (müssen). Letztendlich zu Lasten der gesamten Gesellschaft. Wer moderne Technologien verleugnet, nicht versteht und noch nicht einmal vestehen WILL, hat in der globalen Konkurrenz nichts mehr zu suchen.
Durch die Technikfeindlichkeit wird Deutschland von internationalen Trends abgehängt und verliert sich im kleinkarierten Vorschrifts-Verbots-Sumpf.
Das Ebook ist da. Und das ist gut so. Denn die Welt wird in Zukunft elektronisch lesen – ob die deutschen Verleger nun wollen oder nicht.
PS. Ich selbst habe schon vor fünf Jahren ein Referat im Fach Verlagswirtschaft über das Thema “XML als Datenaustauschformat im Verlagswesen” an der Universität gehalten. Und? “Zukunftsmusik”, hieß es*. Jetzt wären sie froh, sie hätten es damals kapiert. Bis heute existiert kein solches Austauschsystem. Traurig. Siehe dazu auch:
Um ein Buch auf den Lesegeräten darzustellen, müsse der Text im Format XML vorliegen, was aber zumeist nicht der Fall sei. Machert: “Die Übertragung eines Manuskripts in XML kostet Geld. Dieses Geld ist aber gut investiert, da XML die beste Grundlage für weitere Verwertungsschienen ist.” http://www.n-tv.de/technik/unterhaltung/E-Book-wird-boomen-article543299.html
Wissen sie, was mich am meisten dabei ankotzt? Dass Ideen nur deshalb in Deutschland abgelehnt werden, weil sie von einem “minderwertigen” Studenten, Doktoranden oder Mitarbeiter kommen. Anstelle auf die Sache zu schauen, schaut man auf den (oftmals erschlichenen) Status des Vortragenden! Eine solche Gesellschaft verpasst viele ihrer Chancen und wird nie wieder innovativ werden. Sie ist dekadent.
Wer Innovation will, muss erst mal Zuhören lernen! Und das bitte mit dem notwendigen Respekt vor dem Hirnschmalz jedes Einzelnen. In den Köpfen der jungen Leute ist die Zukunft. Und nicht im Geldköfferchen der Graumelierten.
Als philosophisch Interessierter könnte man auch sagen:
Im Kapital akkumuliert sich die Zukunft von gestern.
Aber das ist eine andere Debatte…
(Erweitert hieße der Satz wohl: “Im Kapital akkumulieren sich die Zukunft von gestern, die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen.” Auch nicht schlecht.
)
(*Der Lehrbeauftragte war an leitender Stelle im Börsenverein des deutschen Buchhandels tätig.)
Twitter auf Facebook-Fanpages – Eine fast unendliche Geschichte
10. Oktober 2009 in Aus der FDP und Internet. 6 KommentareHier zur Abwechslung mal etwas aus dem gelebten Leben eines Web-Workers:
Eigentlich war früher mal die Anbindung unseres Facebook-Profils an Twitter ganz einfach: In Facebook die Twitter-App installieren, beide Accounts miteinander verbinden, fertig. Ab sofort wurden alle Tweets direkt auf dem Facebook-Profil gepostet. Alles war also gut.
Die Schwierigkeiten begannen, als wir eine Facebook-Fanpage einführten. Was von Facebook zunächst für Künstler, Bands und Prominente gedacht war, wurde dank Werbe-Möglichkeit bald zur Facebooks Universal-Lösung für Unternehmen und Organisationen. Darum wird man bei der FDP-BW bald nicht mehr „Freund“, sondern „Fan“.
Leider sind die Fanpages bei Facebook technisch nicht ganz ausgereift. So lassen sich die Seiten nur mühsam über ein verstecktes Menü verwalten. Sie existieren innerhalb eines (privaten!) Facebook-Profils und bilden Quasi eine Kopie der gesamten Facebook Anwendung innerhalb der Anwendung selbst. Rekursion!, schreien da hysterisch die Informatiker; zurecht wie wir später noch sehen werden.
Also versuchte ich nun, die Twitter-Feeds auf die neue Facebook-Fanpage zu integrieren, schließlich war mir die Nutzung von Pages anstelle von Profilen von Facebook höchstpersönlich nahegelegt worden. (Dank an dieser Stelle nach Kalifornien an die sehr freundliche Betreuung bei der Migration der User!)
Es gibt sogar eine facebookeigene Twitter-Anwendung für Pages. Doch sie funktioniert nur in eine Richtung: Wenn man seinen Status in Facebook aktualisiert, wird dies auf Twitter gesendet. Wir wollten aber genau das Gegenteil!
Also, ab in die Foren und suchen. Aha, es gibt noch eine Anwendung, die heißt „Twitter for Pages“, ursprünglich mal „Involver for Pages“. Sie bindet die Twitter-Postings zwar in die Facebook-Page ein, aber bietet nur eine Box, die der Nutzer erst umständlich anklicken muss, um die Tweets zu sehen. Nein, das war’s auch nicht. Für schlappe 99 Dollar im Monat könne man auch den Status aktualisieren. Nein, danke. Das war’s mir dann doch nicht wert.
Also weiter suchen. Ich stieß auf wütende Forenteilnehmer en masse, die allesamt mehrere Facebook-Seiten verwalten und genau dasselbe Problem haben. Bis dato gibt es trotz vielfacher Support-Anfragen keine Lösung von Facebook.
Was also tun? Aufgeben? Es war doch aber so praktisch, von Twitter Links, Blogeinträge und Liveblogging zu posten und dann die Freunde auf Facebook daran teilhaben zu lassen! Sollte ich etwa alles doppelt eingeben? Dafür haben wir die Manpower und die Zeit nicht.
Die facebook-eigene „Notizen“ Anwendung kann zwar einen(!) RSS-Stream importieren, scheint aber extrem langsam und unzuverlässig zu sein. Außerdem importiere ich schon unseren Blog darüber. Hmmm. Das ging also auch nicht.
Da las ich im Facebook Forum eine Lösung aus Thailand. Umständlich, gewiss, aber für ein paar Leute zumindest scheint sie zu funktionieren.
Hier das Vorgehen in Kürze: Wir nutzen insgesamt vier(!) Web2.0-Dienste. Zuerst posten wir auf Twitter einen Tweet. Diesen holen wir mit dem Aggregator twitterfeed.com ab und senden in an den Push-Dienst ping.fm weiter. Dieser wiederum sendet unser Posting zu Facebook via eigener ping.fm Applikation.
UPDATE: Mittlerweile kann twitterfeed.com direkt an Facebook Pages senden. Der Umweg über ping.fm entfällt also. (5.11.)
Gedacht, getan: Bei twitterfeed.com und ping.fm angemeldet und Accounts erstellt, die Twitter RSS-Adresse kopiert, den Feed aggregiert und bei ping.fm die Applikation für Facebook eingerichtet. Sinnigerweise geht das mit dem neuen Facebook Connect. Man kann dort auch festlegen, welche Facebook Profile bzw. Seiten gefüttert werden sollen. Man kann also wählen, ob man ein (privates) Profil oder eine (öffentliche) Page oder gar beide mit seinen Feeds bestücken will.
Ich habe alles nach der Anleitung installiert, bei Facebook die Rechte freigegeben und: Es passierte rein gar nichts. Es funktionierte einfach nicht. Die Twitter-Postings kamen zwar in twitterfeed.com und ping.fm an – aber Facebook schien die Pings einfach zu ignorieren.
Also suchte ich den Fehler bei Facebook – und an der Stelle begann ich mich zu wundern, wie so unreife Software überhaupt auf dem Markt so erfolgreich sein kann. Zunächst entfernte ich alle nicht mehr benutzten Anwendungen vom Facebook-Profil.
Dabei fiel mir auf, dass nirgends die Tatsache erklärt wird, dass Pages eigene Anwendungen haben! Wenn man also ein Profil betreibt und darin eine Seite, ist die „Notizen-Anwendung“ der Seite eine andere als die des Profils! Das ist extrem verwirrend, zumal die üblichen Anwendungs-Einstellungsfelder oben und unten in Facebook immer auf die Profil-Anwendungen gehen.
Nach Stunden hatte ich dann herausgefunden, dass man unter „Seiten bearbeiten“ die Anwendungen einer Seite separat editieren kann. Na denn. Warum kann man die nicht einfach mit einem Präfix für die Seite versehen?
Aber meine Tweets funktionierten immer noch nicht. Also, alle Anwendungen auf Profil UND Page gelöscht und neu installiert, wieder zwei, drei Stunden weg. Fast wie bei Windows 3.1. Aber, ja, endlich, da tut sich was! Ich hatte einen „Test“ von ping.fm gepostet und er erschien tatsächlich auf der Facebook-Page im Status.
Aber leider auch im Profil, wo ich es eigentlich gar nicht haben wollte! Also bei ping.fm schnell das Posten auf das Profil abgeschaltet. Und senden neu mit „Test2“. Alles bestens. Die Postings landeten nun nur auf der Fanpage und nicht mehr im Profil.
Dachte ich. Denn zwei Stunden später landeten die Tests plötzlich im Twitter-Feed! Wie in aller Welt kamen die denn da hin? Ich hatte doch auf Facebook ALLE Twitter-Applikationen gelöscht? Ich suchte und suchte und fand den Fehler nicht. Und jetzt posteten sich Twitter und Facebook gegenseitig die „Tests“ zu, in einer Endlosschleife!
Zum Glück ist der Feed so eingestellt, dass nur jede Stunde max. 140 Zeichen kommen. Wenn das jede Sekunde der Fall wäre, könnte man mit ein paar Accounts sowohl Twitter wie auch Facebook in das Datennirwana der rekursiven Schleife senden!
Aber wie war das möglich? Nun, Grund ist die m.E. schlampige Programmierung bei Facebook – mit dem Entfernen der Twitter-Applikation ist die Verknüpfung Fanpage>Twitter nicht automatisch gelöscht! Sie ist auch nirgends mehr in den Anwendungseinstellungen zu finden! Erst, wenn man auf die URL der Twitter-Applikation geht, sieht man das Übel und kann es entfernen. Da kommt man von alleine niemals drauf!
Man sollte auch auf seinem Twitter unter http://twitter.com/account/connections alle evtl. vorhandenen Facebook-Einträge löschen.
Also, Verknüpfung Facebook>Twitter entfernt – und erneut gepingt – und siehe da, kaum sitzt man drei Tage (und Nächte) lang dran, schon tut’s. Das war sicher nicht ganz im Sinne des Erfinders. Aber immerhin: Vier Web2.0 Dienste arbeiten zusammen. Aber: wenn auch nur einer ausfällt, tut natürlich nichts mehr.
Jetzt bleiben nur noch die üblichen Bugs: UTF-8-Kodierung funktioniert nicht, das heißt, alle Umlaute und Sonderzeichen werden geschrottet…Manchmal leben wir halt doch noch im Web0.5 alpha.
Bitte denken Sie bei der Nutzung von allen alpha, beta, gamma-Software und anderen kostenlosen Diensten daran, dass diese technisch oft noch auf ziemlich wackeligen Füßen stehen, auch wenn sie viele Nutzer haben. Einerseits bietet das neue Web erstaunliche Möglichkeiten, andererseits kann man die ganze Spielerei auch ad absurdum führen.
Ach ja, bleibt noch zu erwähnen, dass es noch eine Selective-Twitter Anwendung für Facebook-Pages gibt. Dort muss man in Twitter an jeden Post #fb dranhängen, um auf der Facebook-Page zu landen, das fand ich aber unpraktisch und würde es garantiert immer vergessen. (Ja, ja, man kann es in einem separaten Feed auf twitterfeed suffixen…) Auch Filterlösungen mit Yahoo-Pipes anstelle von twitterfeed werden verwendet.
Zur besseren Unterscheidung habe ich unseren Logos auf Facebook eine Schleife verpasst: Blau für Profil – Magenta für Fanpage. So kann man die beiden Formen besser auseinanderhalten.
Mit dem selben Zeitaufwand hätte ich eigentlich auch gleich eine Twitter für Fanpages-App programmieren können…
Aber das System hat ja auch Vorteile: Ich kann mehrere Twitter-, RSS-, und andere Feeds auf die Facebook-Page posten, den Feed filtern, mit Bildern und Videos versehen…
Teurer Öko-Strom – Spiegel wacht auf, Teil 2
9. Oktober 2009 in Energie und Klimahysterie. 0 Kommentaream 25.8. hatte ich berichtet (ursprünglich im Juni hier), dass der Spiegel den sündhaft teuren Solarstrom entdeckt hat. Heute nun abermals ein Artikel in der Online-Ausgabe:
Die Große Koalition ist abgewählt, doch die Bürger tragen an einer teuren Erblast: Die Solaranlagen, die unter Umweltminister Gabriel installiert wurden, verursachen langfristig Kosten von 27 Milliarden Euro. Dabei ist der Nutzen minimal – die Sonne trägt fast nichts zur Stromerzeugung bei.
…Der Grund ist die hohe Ökoförderung, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgeschrieben ist: Betreiber von Solaranlagen bekommen 43 Cent pro Kilowattstunde – fünfmal mehr, als konventioneller Strom an der Energiebörse kostet. Die Mehrausgaben müssen die Verbraucher tragen, und das 20 Jahre lang. Denn so lange ist die Solarvergütung garantiert.
Mit anderen Worten: Eine Solaranlage, die heute installiert wird, verursacht auch in 20 Jahren noch Kosten. Experten sprechen von “Solarschulden”.
Und die sind gigantisch. Allein für die Anlagen, die von 2000 bis 2008 ans Netz gingen, sind laut “Photon”-Tabelle 33,7 Milliarden Euro fällig. Das RWI beziffert die Summe sogar auf 35 Milliarden Euro.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,653993,00.html
Dafür haben wir’s ja.
UPDATE 7.10. Spiegel Online zum Thema: Debatte um Lissabon-Vertrag: Mehr Europa wagen!
„Schmeißt die ‘Irren’ aus der Union“, so hätte die Überschrift für diesen Artikel lauten können, hätten die Iren abermals den Lissabon-Vertrag abgelehnt. Dazu ist es nicht gekommen. Aber dennoch enthält die, zugegebenermaßen stammtischsartige, Formulierung noch immer einen Kern Wahrheit.
Erst meinten drei Millionen Menschen, sie müssten 497 Millionen an der Nase herumführen. Und nun sitzt ein alter Mann in Prag ganz alleine gegen 500 Millionen EU-Bürger. Das ist ein Witz. Oder, nein, es ist eine Tragödie.
Die Tatsache, dass die Union keine echte Verfassung für sich und ihre Bürger zustande bringt, zeigt recht anschaulich den Zustand des Projektes Europa. Was zügig, hoffnungsvoll und mit klarem Friedensauftrag begann, hat sich zu einem Club der lahmen Schwätzer totgelaufen.
Die Europäische Union ist mit voller Kraft dabei, ihre weltpolitisch einmalige Chance zur Supermacht aufzusteigen, zu verspielen. Und das nicht aus Bedrohung von außen – nein, Kleinkariertheit und Reformresistenz gepaart mit illegitimer Lobbyistenherrschaft verhindern die Weiterentwicklung des Kontinents zu einer echten politischen Einheit.
Noch vor fünf Jahren glaubte ich an die Idee eines vereinten Europa. Grenzen wurden geöffnet, Barrieren zwischen Staaten beseitigt, Reformen begonnen, der Binnenmarkt vervollständigt und die Gemeinschaftswährung eingeführt. Das war alles gut und richtig.
Doch dann verließ die europäische politische Elite der Mut – im letzten Erweiterungszug hat man die Vernunft vergessen und zu ängstlich gehandelt. Man hätte die Verfassung vor den Beitritten der letzten Runde einführen müssen. Ohne wenn und aber. Jeder, der dann dazugekommen wäre, hätte sich klaren Regeln fügen müssen. Das geschah nicht, und so haben wir jetzt den Salat: Anstelle einer funktionierenden Union ein Sammelsurium von Einzel-Interessen, Pleite-Staaten, schwächelnden Währungen, politischen Systemen und Rechtsordnungen.
Auch der mühsam ausgehandelte Kompromiss aus Lissabon kann da wenig helfen. Er ist nicht nur zweite, nein er ist dritte oder vierte Wahl. Schon der Konvent war ein Kompromiss; was wir jetzt haben, erfüllt noch nicht einmal die Mindestanforderungen für eine echte Staatsgrundlage.
Die EU wird bei ihren Bürgern zunehmend unbeliebt – kein Wunder! Die Organe der Union sind intransparent, ineffizient, teuer und schlecht legitimiert. Europawahlen sind unpopulär – uns so zersetzt sich das an sich sinnvolle Europa-Parlament zunehmend selbst; weil immer mehr europafeindliche und populistische Gruppen Sitze im Parlament erlangen.
Europa hat es nicht geschafft, seine immense Wichtigkeit im Bewusstsein der Menschen zu verankern. Die Union hat es auf eklatante Weise vermasselt, die einfachsten Dinge für ihre eigene Glaubwürdigkeit zu schaffen:
- Es gibt keinen direkt gewählten europäischen Präsidenten. Somit hat die Union keine identitätsstiftende, vom Volk legitimierte Person an der Spitze.
- Es gibt keine europäische Staatsbürgerschaft, die die nationale zunächst ergänzen und später ersetzen könnte – somit wird auch keine europäische Identität der Bürger geschaffen.
- Es gibt keine legitime europäische Exekutive – stattdessen gibt es eine undemokratische Kommission, deren Zusammensetzung kein Bürger versteht und deren Kommissare für Lobbyisten und Korruption anfällig sind.
- Es gibt keine europäische Steuerhoheit, somit auch keinen ordentlichen Haushalt und keine parlamentarische Kontrolle. Stattdessen gibt es eine undurchsichtige Subventionspolitik mit erschreckenden Auswirkungen (Milchseen, Butterberge etc.)
- Die EU tritt mehrheitlich als Verbotsorgan auf (Bsp. Glübirnen), was in der Bevölkerung die schon vorhandenen Vorurteile gegenüber Brüssel noch stärkt.
- Es gibt keine gemeinsame europäische Amtssprache, somit wird die Kommunikation zwischen den Staaten unnötig erschwert und die Verständigung zwischen den Völkern behindert.
- Es gibt für die neutralen Staaten außerhalb der NATO keine europäischen Sicherheitsgarantien – niemand weiß, wie die EU im Krisenfall reagieren kann oder wird.
- Es gibt keine europäischen Streitkräfte – anstelle Dutzende teure, inkompatible Armeen.
- Die Finanzierung der EU ist ungerecht verteilt. Immer noch herrscht im Brüssel das Märchen vom reichen Deutschen. Die Zeit ist lange vorbei. Die Leistung nach BIP zeigt das.
- Es gibt keine europäische Bildungs-, Arbeitsmarkt-, oder Sozialpolitik. Somit ist die Union aus dem täglichen Leben ihrer Bürger viel zu weit entfernt.
Das sind nur ein paar Punkte, die das Scheitern der EU in der jetzigen Form dokumentieren. Viel schwerwiegender wiegt jedoch ein tiefer liegender Makel der Union:
- Europa hat keine grundlegende Staatsidee.
Wo die USA auf Freiheit und Unabhängigkeit von Obrigkeiten gebaut sind, fehlt Europa ein klares Bekenntnis zu dem Gemeinwesen, welches wir eigentlich schaffen woll(t)en.
Daran sind bestimmt nicht die Liberalen schuld: Es fällt mir relativ leicht, für einen ordentlichen europäischen Bundesstaat, der auf den Idealen des freien Bürgertums der französischen Revolution begründet ist, zu plädieren. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Warum denn das nicht das als Staats-Idee? Gepaart mit einem klar abgegrenzten Verständnis des europäischen Kulturraumes – mit den Grundlagen Humanismus, Aufklärung, Demokratie, Industrialisierung. Und, natürlich, Säkularismus! In einem modernen Bundesstaat sollten religiöse Fanatiker, egal welcher Couleur, nichts zu suchen haben.
Ich glaube nicht mehr an die Erfüllung dieses Traumes vom „Freien, einen Europa“. Zu schwammig ist die Politik der Union geworden, zu schwach und zerstritten die großen Player in der Gemeinschaft. Anstelle eines modernen Föderalismus werden immer lockerere Bindungen etabliert – man einigt sich weder auf eine gemeinsame Krisenbewältigung noch auf eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, oder gar auf eine einheitliche Steuerpolitik. Stattdessen veranstaltet man sinnlose Kulissenschieberei auf Staatskosten – egal ob in Heiligendamm, Straßbourg oder Baden-Baden.
Das Europa nach dem Lissabonner Vertrag wird viel schlechte Presse bekommen, denn es wird das Europa der Verbote werden – es wird z.B. den Iren die Hunderennen, den Spaniern den Stierkampf und den Finnen das Teer nehmen und den Deutschen das Tempolimit bringen. Ob die Völker das nun wollen oder nicht – mit EU-Mehrheitsentscheidungen und ohne ausreichende parlamentarische Einspruchsmöglichkeiten wird alles möglich.
So droht aus dem Traum einer demokratischen europäischen Großmacht eine instabile Bürokratie zu werden, unbeliebt, von Spannungen zersetzt und zur politischen Aktion unfähig. Keine guten Vorzeichen, auch angesichts der sich anbahnenden atomaren Krisen weltweit.
Wir haben eine große Chance vertan und keinen europäischen Staat gebaut. Das war ein Fehler. Solange die Union es nicht einmal schafft, eine offizielle Hymne einzuführen, oder eine Flagge, auf der jedes Mitglied einen eigenen Stern bekommt – solange wird sie es nicht im Ansatz schaffen, die oben skizzierten Missstände anzugehen. So werden immer weniger Bürger an die Union glauben und sich Alternativen suchen. Und das wiederum ist Gift für eine Gemeinschaft in einer globalisierten Welt.
Das Traurigste an der Geschichte ist aber die Tatsache, dass wir alles Notwendige zur Entwicklung Europas schon längst wissen, es aber nicht schaffen, es an die Menschen im Lande auch zu kommunizieren. No, we can’t.
Debatte um Lissabon-Vertrag
Mehr Europa wagen!
Update 10.10.: Auch der Focus berichtet Ähnliches: http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/wissenschafts-dossiers/tid-15600/rohstoffe-neue-mythen-um-das-ende-des-oels_aid_438109.html
Am 14.11.2007, also vor fast zwei Jahren, habe ich im Artikel “Die große Öl-Lüge” (http://fdp-bw.de/fdpbwblogs/lochmann/2007/11/14/die-grose-ol-luge/) beschrieben, wie die Ölkonzerne künstlich die Zahlen zur verfügbaren Menge an Erdöl niedrig halten, um die Preise zu stützen. Dafür habe ich von grünen Mitmenschen übelste Schimpftiraden erhalten. Jetzt lese ich in der FAZ die Bestätigung der These:
Riesige neue Ölfunde im Meer dämpfen die Angst vor einem baldigen Engpass. Mit 200 neuen Funden könnte 2009 zum erfolgreichsten Jahr seit der Jahrtausendwende werden.
Energie- und Rohstoffförderung ist eben immer politisch. Und spätestens seit dem herauskam, dass Ölkonzerne die Öko-Bewegung infiltriert und gefördert haben, ist klar, wie diese die Öko-Bewegung zu ihrem Vorteil instrumentalisiert haben. Resultat: Immens hohe Preise und riesige Gewinne.
Das Öl geht noch lange nicht aus. Punkt. Wer anderes behauptet, ist einer massiven Propaganda-Industrie anheim gefallen. Solange die Produzenten jedoch selbst die Prognosen über die Vorräte machen können, wird dies politisch geschehen. Jetzt, da die Automobil-Industrie droht, die Erdöl-Industrie endgültig zu verlassen, werden plötzlich neue Funde en masse publiziert. Das ist doch kein Zufall!
Die Öl-Industrie will doch nur Zukunftssicherheit einer veralteten Technologie demonstrieren. Wir sollten weder darauf hereinfallen, noch die technische Entwicklung anderer, neuer, umweltfreundlicher Technologien verlangsamen. Im Gegenteil: Das Öl-Zeitalter muss beendet werden – genauso politisch und bestimmt wie die Regierungen und Despoten der Erzeugerländer uns jahrzehntelang die Preise diktiert haben.
Ich denke, Unabhängigkeit und Pluralität in der Energieproduktion sind hohe Güter, die entscheidend für unsere Zukunft sein werden. Deshalb: Weg vom Öl, weg vom Gas, so schnell wie irgend möglich. Keine Abhängigkeit von Putins Pipelines! Und bloß nicht auf die Taschenspielertricks der Öl-Branche hereinfallen.
Kommentare