Es wird auch noch liberale Politik gemacht…

…aber leider nicht in der Bundesregierung. Beispiele dafür, was liberale Themen in 2010 sind, findet sich im

“frei-brief” Nr. 22/2010:

110 Delegierte der Liberal International aus aller Welt haben sich am 11. und 12. Juni in Berlin getroffen. Die Beschlüsse des Exekutivkomitees finden Sie unter:

Darin stehen unter anderem Beschlüsse zu einer liberalen Außenpolitik, von denen ich aus der Bundesregierung bislang gar nichts gehört habe wie Gaza-Blockade, Honduras, Nicaragua, Thailand, Burma, Human Rights Council und echte Freiheitsthemen wir Digital Freedom oder Netzneutralität.

Es ist eben nicht so, dass der Liberalismus aufgehört hätte, weiter zu denken. Das hat nur Berlin. Vielleicht sollten sich die Herren mal wieder um eine echte liberale Agenda kümmern, anstatt nur auf den Armen und Schwachen herumzuhacken. Dann klappt’s auch wieder mit den Umfragen.

Wo bleibt denn die kritische Forderung nach mehr Menschenrechten? Wo bleibt die viel versprochene “liberale Tradition” in der Außenpolitik? Ich sehe nur Lustreisen und Kniefälle vor Diktatoren. Das reicht nicht. Das konnten Schröder/Fischer auch schon.

Wir brauchen eine Bildungsrevolution. Jetzt.

spiegel.de

UPDATE 15.6.10 Spiegel: Bildungsverlierer: Ungelernt und chancenlos Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Alle Welt – und vor allem die Politik in ihren Sonntagsreden – redet von der Wichtigkeit der Bildung für unsere Zukunft. Derweil hängt Deutschland Jahrzehnte hinter den aktuellen schulischen Entwicklungen zurück – und produziert einen Haufen Schulabgänger, die weder für den Arbeitsmarkt tauglich sind, noch die Qualifikationen besitzen, sich jemals aus der gesellschaftlichen Unterschicht zu befreien.

Schlimmer noch – allen politischen Beteuerungen zum trotz wird schon wieder an den armen Menschen gespart – und an der Bildung ihrer Kinder gestrichen. Das ist ein Skandal.

Dreißig Jahre Reformstau sind bittere Realität für deutsche Eltern – und jeder, der das G8-Gemurkse mitmachen muss – sei es als Schüler oder als Elternteil – wird mir zustimmen, wir sind nicht nur von gestern. Wir sind teilweise von Vorvorgestern.

Was in der modernen Welt diskutiert wird – in Finnland führen sie gerade das Schulfach “Drama” ab Klasse 1 ein, das Fach “Gesundheit” gibt es schon – zeigt folgendes Video.

Mehr Info hier.

Das heißt: Die moderne, auf die sich ändernde Umwelt reagierende Welt verwirft jetzt schon die 30 Jahre alten Reformen, die wir noch gar nicht begonnen haben! Während wir mit den notwendigen Bildungs-Strukturreformen nicht fertig werden, beginnt die fortschrittliche Schule schon die nächste, inhaltliche Stufe.

Wenn sie mich fragen, würde ich als Vater einer heute 13jährigen Gymnasiastin keine Kinder mehr in diesen Staat setzen – zu oft wurde uns Reform versprochen und zu oft hat die Bildungspolitik versagt. Zu oft stand ich als Alleinerzieher vor nicht existenten Betreuungsangeboten und zu oft wurde ich wegen meines Kindes diskriminiert. Und letztendlich werden die Chancen für die Kinder in diesem Land von verantwortungslosen Politikern gemindert, die zwar Renten garantieren aber Schulen nicht bezahlen. Wer keine Kinder hat, sollte keine Bildungspolitik machen. Und wer nie arm war, keine Sozialpolitik.

Wer heute seinen Kindern die Bildung nicht bezahlt, muss sich nicht wundern, wenn seine Kinder ihm morgen die Rente nicht bezahlen können. Oder wollen.

Ich mag die Sonntagsreden der CDU-Granden nicht mehr hören. Seit Jahren wird der Regierung von der OECD gesagt, dass sie in der Bildung mehr tun muss. Und nichts passiert – außer einem unsinnigen Etikettenschwindel bei den Hauptschulen. Derweil verschimmeln die Wände in den Gymnasien und immer mehr Unterricht fällt aus.

Bildungspolitik in Baden-Württemberg? Mangelhaft.

Schon jetzt beginnt der Fachkräftemangel in den Unternehmen im Land, es gibt schon zu wenig taugliche Bewerber für Lehrstellen, schon jetzt gibt es Massen von Schulabbrechern und Hauptschülern, denen eine Hartz4-Karriere bevorsteht. Und was tun wir? Sparen! Was wir an Kindern und Jugendlichen jetzt sparen, zahlen wir später in Folgekosten zigfach! Wir produzieren weiteres Präkariat – mit all seinen Folgen: Armut, Krankheit, Verantwortungslosigkeit, Kriminalität, Hoffnungslosigkeit.

Nicht gebildet sein verletzt die Würde des Menschen. Erst durch Bildung, durch das staatlich garantierte Erlernen von zeitgemäßen Kulturtechniken, werden wir autonome Subjekte, die zu Freiheit und Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber fähig sind.

Schauen sie sich doch mal z.B. Stuttgart-Untertürkheim an: 25% Hartz4-Quote im Ortskern, kaum noch deutsche Kinder, leere Läden, Dreck, Belästigungen, Alkohol, Drogen. So kann die Zukunft nicht aussehen. Unsere Lebenswirklichkeit hat sich in den letzten zehn Jahren signifikant verschlechtert. Irgendwann kriecht diese Wirklichkeit aus dem Ghetto auch in die Halbhöhenlagen. Doch dann ist es zu spät.

Wir brauchen einen Wertewandel – die Separation der Milieus ist geschuldet einer Egoistengesellschaft, gekennzeichntet durch Staatsversagen, manifestiert im Zwang zur kommerziellen Nachhilfe-Industrie. Das fördert wenige und verletzt viele. Dabei ist die Lösung recht einfach: Ausgleich statt Konkurrenz, Miteinander statt Gegeneinander, Zusammenarbeit statt Einzelkämpfertum. Die gelernten Werte, in Schule und Familie, werden später in Organisationen projiziert. Das erklärt vieles von der gegenwärtigen Krise im Land, die nur vordergründig eine wirtschaftliche ist. In Wirklichkeit ist die Krise eine geistige, eine moralische, eine ethische. Sie ist Folge eines geopferten Gewissens zugunsten eines übersteigerten Narzissmus. Eine Horde von Egoisten macht eben noch keine echte Gesellschaft. Das sollten sich all unsere libertären Freunde hinter die Ohren schreiben.

Was wir bräuchten wären neue, in die Zeit passende Lehrpläne. Neue, kreative Fächer. Wir müssen weg von der Auswendig-Lern-Gesellschaft hin zur Informations-Verwertungs-Gesellschaft. Wir müssen die Schwachen und die Fremden integrieren und nicht separieren. Das ist die Zukunft, ob wir sie wollen oder nicht! Die Welt wartet nicht auf Baden-Württemberg! Die Welt wartet auch nicht auf Deutschland. Ob sie auf Europa wartet, zeigt sich in der aktuellen Krise erst noch. Wahrscheinlich eher nicht.

Ich sehe in den Verantwortlichen der Bildungspolitik in Baden-Württemberg nur altmodische Besitzstandswahrer, an denen die gesellschaftliche Realität vorbeigegangen ist – und an denen die wirtschaftliche Realität gerade vorbei zieht.

Das ist schade für unser in diesen Tagen ach so schönes Land. Und es wird sich bitter rächen – denn auch der Zustrom von jungen Frauen aus dem Osten, von dem die Region Stuttgart seit Jahren profitiert, nimmt langsam sein Ende – das Land jenseits des Limes ist mittlerweile leergesaugt.

Die gegenwärtige Bildungsmisere wird unser Wachstum und unseren Wohlstand auf Jahrzehnte beeinträchtigen – und die Lage ist weder mit weiterer Migration noch mit Reförmchen zu retten. Denn: Selbst wenn wir sofort unsere Schulen von Grund auf modernisierten, träte der Effekt erst in 15 Jahren ein.

Also quälen wir uns durch das System, mein Kind und ich. Lernen Unsinniges, Veraltetes und Überflüssiges. Und träumen von finnischen Schulen. Was für ein Drama.

Video: Symphony of Science

Man nehme: moderne Audiotechnik, Youtube Videos, ein paar theoretische Physiker und einen jungen begabten Musiker. Heraus kommen, mit viel Kreativität, singende Physiker im Musikvideo.

Das Projekt Symphony of Science http://www.symphonyofscience.com von John Boswell hat mittlerweile fünf Videos online, in denen Physiker ihre Thesen zu singen scheinen (de facto sind das nur Audioprogramme, die kunstvoll die Sprache in Höhe und Tonart anpassen) – und schon jetzt über 5 Mio. Views bei Youtube. Kein Wunder, tolle Videos mit toller Musik, dazu Physik auf hohem Niveau. Hut ab!

PS. Das könnte man doch auch mit Politikern machen…

Kopflos in Berlin

Der Rücktritt unseres Bundespräsidenten ist ein Skandal. Er ist ein Skandal nicht, weil es der erste Rücktritt eines Bundespräsidenten überhaupt ist – er ist auch nicht ein Skandal, weil Horst Köhler als Person zurücktritt. Er ist ein Skandal, weil das politische System einen der Besten, welchen es überhaupt hat, gehen lässt.

In vielem hatte Horst Köhler Recht – nicht zuletzt mit seiner starken Kritik an den Finanzmärkten – die er, wie kaum ein anderer in der Politik, kennt – schließlich war er jahrelang IWF-Direktor. Doch niemand hörte ihm zu.

Horst Köhler forderte oft rasches Reagieren der Politik auf Ereignisse in der Lebenswirklichkeit der Menschen. Doch diese Reaktion kam nie.

Horst Köhler mahnte zu mehr Vernunft. Er wandte sich gegen politische Schnellschüsse, plädierte für eine nachhaltige Erneuerung unseres Wertesystems. Horst Köhler ist ein Konservativer im guten Sinne des Wortes. Und er fand in den Regierungen keine Beachtung.

Kopfloses Land

Und nun tritt er ab. Verlässt uns. Ja, er lässt uns inmitten der Krise alleine. Unser Land ist von jetzt auf gleich kopflos.

Wie an den zittrigen Börsen die Tage von himmelhoch jauchzend bis tief betrübt dahinziehen, so scheint sich nun auch die Stimmung im Lande zu bewegen – gerade noch gestern riesiger Jubel über den gewonnenen Eurovision Grand Prix – und heute stehen wir ohne Staatsoberhaupt da! Was für eine emotionale Achterbahn.

Wagen wir eine Prognose? In sechs Wochen sind wir Weltmeister. Und haben keine funktionsfähige Regierung mehr.

Weniger Pomp und mehr Hirn ist angesagt

Wir sollten das Amt des Bundespräsidenten neu überdenken. Wir sollten ihn/sie direkt vom Volk wählen lassen. Wir sollten dem Amt ein echtes Veto-Recht geben – es mehr in den politischen Prozess einbinden. Man kann kein Marionetten-Amt haben und Querdenker auf der Position haben wollen. Das kann nicht klappen.

Horst Köhler war zu gut für das Amt. Es wollte nie Spielball der Partei-Strategen sein. Er wollte Akzente setzen und eigene Gedanken verwirklicht sehen. All das hat ihm sein Amt nicht ermöglicht.

Wir brauchen in diesen Zeiten einen radikalen Beschnitt des politischen Pomps zugunsten von einer Politik des gesunden Menschenverstandes. Wir brauchen weniger Repräsentation und mehr Denken. Wir brauchen mehr Sachverstand und weniger Egoismus.

Leider haben sich in der Causa Köhler weder die Politik noch die Presse mit Ruhm bekleckert – und das ewige Nichts-Entscheiden der Koalition in Berlin macht die Sache nicht besser. Es fehlt nicht nur am Respekt gegenüber dem Bundespräsidenten – es mangelt an Respekt in der Gesellschaft ganz allgemein.

Leider wird kein Amt deswegen leer bleiben, weil die Guten gehen. Das gilt in der Wirtschaft genauso wie in der Politik. Die Zeit ist auch (noch) nicht reif für tiefgreifende Politik- oder Bewusstseinswechsel. Wir sind noch zu tief in der Ära Kohl verwurzelt, um wirkliche Schritte nach vorne machen zu können.

Koch, Köhler, Kanzlerin?

Es geht die Hoffnungslosigkeit um in der Politik – zugleich werden die Verlockungen des schnellen, lockeren Geldes immer frappierender. Der Staat schwemmt die Märkte mit Liquidität, wohl wissend, dass er damit die nächste Blase verursacht. Viele in der Politik wissen das – und nehmen jetzt eben noch mit, was geht.

Derweil ist das Land wegen Mangels an Anstand kopflos geworden – kopflos im Wortsinne, nämlich ohne Staatsoberhaupt – und kopflos im übertragenen Sinne, weil niemand in der Lage ist, der Nation Führung, Richtung und Halt zu geben.

Wo sind die Mutigen, die jetzt das Richtige wagen? Wo sind die Ideengeber für die Zukunft? Wo sind diejenigen, die nicht den Oberen hinterhergekrochen sind? Wo sind die Querdenker, die Macher? Sind die alle schon weg? Oder von der Wirtschaft gekauft?

Ja, ich nehme Herrn Koch die Käuflichkeit besonders übel (“Die Politik ist nicht mein Leben” – sorry, Beruf verfehlt!) – zu durchsichtig war sein Abgang, zu geschmacklos, zu protzig. Ich habe noch nie so oft das Wort „ich“ gehört wie in der kurzen Schluss-Pressekonferenz dieses „Landesvaters“. Mal ehrlich, was ist das für ein Vorbild? Frei nach dem Motto: Jetzt kommen die schweren Zeiten, ich bin dann mal weg, Geld verdienen. Bäääh.

Die höchste Tugend eines Politikers ist seine Nicht-Käuflichkeit. Und damit hat die CDU jetzt, nach rent-a-Rüttgers und buy-a-Koch ein echtes Problem.

Übrigens halte ich die Aussage von Horst Köhler über die Bundeswehr-Einsätze für alles andere als tragisch. Warum sollten wir den freien Welthandel nicht mit der Bundeswehr sichern (dürfen)? Zumal, wenn UNO-Mandate es so legitimieren? Nein, das ist nicht der wahre Grund des Rücktritts von Horst Köhler. Auch wenn es jetzt so gespielt wird.

Angela Merkel räumt auf?

Ich sehe nur eine Nutznießerin in diesem Schlammassel: Die Kanzlerin hat jetzt eine super Ausrede für die längst überfällige Kabinettsumbildung. So kann sie ein paar lame ducks aus der Regierung wegloben, in Ruhe die nächste große Koalition vorbereiten und derweil die FDP still kaufen.

Wir gäben viel für einen Bundespräsidenten, oder?

Horst – Präsident von Deutschland

HORST Präsident von Deutschland
Ein Drama in sechs Jahren

PERSONEN
KÖNIG Franz-Josef (der Geist)
HORST, Präsident von Deutschland
ANGELA, HORSTs Kanzlerin
KARL-THEODOR, Verteidigungsminister

Die Szene ist in Berlin.

ERSTER AKT, VIERTE SZENE, Die Terrasse

HORST, ANGELA und KARL-THEODOR treten auf.

HORST
Die Luft geht scharf, es ist entsetzlich kalt.

ANGELA
‘s ist eine schneidende und strenge Luft.

HORST
Was ist die Uhr?

ANGELA
Ich denke, nah an zwölf.

KARL-THEODOR
Nicht doch, es hat geschlagen.

ANGELA
Wirklich schon?
Ich hört es nicht; so rückt heran die Stunde,
Worin der Geist gewohnt ist umzugehn.
Was stellt das vor, mein Präsident?

HORST
Der König wacht die Nacht durch, zockt vollauf,
Hält Schmaus und taumelt den niedrigen Euro;
Und wie er Züge Rheinweins niedergießt,
Verkünden schmetternd Aktien und Derivate
Den ausgebrachten Markt.

ANGELA
Ist das Gebrauch?

HORST
Nun freilich wohl.
Doch meines Dünkens, bin ich eingeboren
Und drin erzogen schon, ists ein Gebrauch,
Wovon der Bruch mehr ehrt als die Befolgung.
Dies schwindelköpfge Zocken macht verrufen
und fürwahr, es nimmt
Von unsern Taten, noch so groß verrichtet,
Den Kern und Ausbund unsers Wertes weg.
So geht es oft mit einzeln Menschen auch,
Das Dämm und Schanzen der Vernunft oft einbricht,
Auch wohl durch Angewöhnung, die zu sehr
Den Schein gefällger Sitten überrostet -
Daß diese Menschen, sag ich,
Und wären ihre Tugenden so rein
Wie Gnade sonst, so zahllos wie ein Mensch
Sie tragen mag: in dem gemeinen Tadel
Steckt der besondre Fehl sie doch mit an,
Der Gran von Schlechtem zieht des edlen Wertes
Gehalt herab in seine eigne Schmach.

ANGELA
O seht, mein Präsident, es kommt!
[Der Geist kommt.]

HORST
Engel und Boten Gottes, steht uns bei! -
Laß mich in Blindheit nicht vergehn! Nein, sag,
Warum dein fromm Gebein, verwahrt im Tode,
Die Leinen hat gesprengt, warum die Gruft,
Geöffnet ihre schweren Marmorkiefer,
Dich wieder auszuwerfen? Was bedeutets,
Daß, toter Leichnam, du in vollem Stahl
Aufs neu des Mondes Dämmerschein besuchst,
Die Nacht entstellend, daß wir Narren der Natur
So fürchterlich uns schütteln mit Gedanken,
Die unsern Seelen nicht erreichbar sind?
Sag, was ist dies? Warum? Was solln wir tun?

Der Geist winkt HORST zu sich.

ANGELA
Es winkt Euch zu, mit ihm hinwegzugehn,
Als obs nach einer Mitteilung verlangte
An Euch allein.

KARL-THEODOR
Seht, wie es Euch mit freundlicher Gebärde
Hinweist an einen mehr entlegnen Ort;
Geht aber nicht mit ihm!

ANGELA
Nein, keineswegs!

HORST
Es will nicht sprechen; wohl, so folg ich ihm.

ANGELA
Tuts nicht, mein Präsident!

HORST
Was wäre da zu fürchten?
Mein Leben acht ich keine Nadel wert;
Und meine Seele, kann es der was tun,
Die ein unsterblich Ding ist, wie es selbst?
Es winkt mir wieder fort, ich folg ihm nach.

ANGELA
Wie, wenn es hin zur Presse Euch lockt, mein Präsident,
Und dort in andre Schreckgestalt sich kleidet,
Die der Vernunft die Herrschaft rauben könnte
Und Euch zum Wahnsinn treiben? O bedenkt!
Der Ort an sich bringt Grillen der Verzweiflung
Auch ohne weitern Grund in jedes Hirn,
Der so viel Klafter niederschaut
Und hört sie unten brüllen.

HORST
Immer winkt es. -
Geh nur, ich folge dir.

KARL-THEODOR
Ihr dürft nicht gehn, mein Präsident!

HORST
Die Hände weg!

ANGELA
Hört uns, Ihr dürft nicht gehn!

HORST
Mein Schicksal ruft
Und macht die kleinste Ader dieses Leibes
So fest als Sehnen des Nemeer Löwen.
Der Geist winkt.
Es winkt mir immerfort: laßt los!!
Sich von ihnen losreissend.
Beim Himmel!
[Reißt sich los.]
Den mach ich zum Gespenst, der mich zurückhält!
Ich sage, fort! – Voran, ich folge dir.

Der Geist und HORST ab.

ANGELA
Er kommt ganz außer sich vor Einbildung.

KARL-THEODOR
Ihm nach! Wir dürfen ihm nicht so gehorchen.

ANGELA
Kommt, folgen wir! Welch Ende wird dies nehmen?

KARL-THEODOR
Etwas ist faul im Staate Deutschlands.

ANGELA
Der Himmel wird es lenken.

KARL-THEODOR
Laßt uns gehn!
Beide ab.

(frei nach William Shakespeares Hamlet)