Gut gebrüllt, Löwe!

Heute war für mich zum ersten Mal richtig Wahlkampf in diesem Jahr. Die Halle im Ulmer Kornhaus war trotz Fußball prall gefüllt – Silvana Koch-Mehrin und Guido Westerwelle ziehen eben doch die Massen an – auch dank ihrer enormen Medienpräsenz.

Die Veranstaltung war auch sonst gut – kurzweilig, pointiert und die entscheidenden Botschaften rüberbringend. Alles in allem scheint das Wahlkampf-Team gut eingespielt und textlich ausgereift.

Nur eines hat mich gestört. „Wir sollten das Geld nicht in alte Autos stecken, sondern in die Köpfe der jungen Menschen“. O-Ton Westerwelle. Oder „Unser einziger Rohstoff ist der Grips in den Köpfen der Menschen“. Oder: „Wir werden nie so billig sein, wie China, dafür müssen wir umso besser sein“.

Alles richtig. Nur leider wird in der Praxis genau das Gegenteil getan. Die Landesregierung in Baden-Württemberg führte mit den Stimmen der FDP zunächst verfassungswidrige Rückmeldegebühren ein. Danach gab es die 500 Euro Studiengebühren-Ohrfeige für die Studenten.

Sicher, im Regelfall werden die Studiengebühren von den Eltern bezahlt. Also sind sie (nur) eine weitere ungerechte Kopfsteuer für alle Eltern.

Und was ist mit denjenigen, für die Westerwelle „Aufstiegschancen in den Mittelstand“ predigt? Denjenigen, deren Eltern keine Studiengebühren zahlen können oder wollen? Was ist mit Alleinerziehenden? Mit Migranten? Und sonstigen armen?

Gut gebrüllt, Herr Westerwelle, allein, es fehlen die Taten. Gerade hat der Parteitag der FDP die Freigabe der Studiengebühren beschlossen.

„Zur Steigerung  der Qualität der Lehre soll  im Wettbewerb um Studierende  jede Hochschule  selbst  entscheiden,  ob,  in welcher  Höhe  und  für welche  Studiengänge  sie  Studienbeiträge erhebt.“ Deutschlandprogramm, S.47

Es ist traurige Realität, dass in Deutschland der Bildungserfolg der Kinder immer mehr von der sozialen Schicht (der Eltern) abhängt. Und gerade in dieser entscheidenden Zukunftsfrage hat sich meine Partei nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Ich werde gelegentlich gefragt, warum mein Studium ewig dauert. Dafür gibt es mehrere Gründe – ein großer ist, dass ich in den letzten Jahren 15.000 Euro Studienschulden tilgen musste. Mir hilft eben niemand. Kein Staat, keine Eltern. Also muss ich arbeiten, um das Studium zu bezahlen und mein Kind zu ernähren.

Auch das gibt es, Herr Westerwelle – Menschen mit gebrochenen Biographien. Da muss in der FDP noch sehr viel dazu gelernt werden. Der Anschein der sozialen Kälte entsteht letztendlich auch dadurch, dass in der Partei viele handeln, die sich nie richtige Sorgen machen mussten.

Freiheitsliebe aber ist keine Frage des Geldbeutels! Der Liberalismus steht genauso für den kleinen Mann, der sich eben nicht bevormunden lassen will. Die Definition des Lebenstraums als finanzieller Erfolg ist nur eine verknappte Sichtweise des wahren Liberalen – der Traum kann genauso gut ein Leben in einer Szene sein, auf dem Land oder mit den Kindern zuhause. Es gibt die Freiheit, Dinge zu tun. Genauso aber gibt es auch die Freiheit, Dinge zu lassen.

Um es theoretischer zu formulieren: Die Grundidee des Liberalen ist die Abstraktion des Systems der Möglichkeiten der Lebenstraumverwirklichung. Nicht die Inhalte der Menschenträume sind Gegenstand des liberalen Diskussion; vielmehr die Schaffung der Möglichkeiten zu deren Verwirklichung.

Die US-Amerikaner nennen das “the pursuit of Happiness” (siehe auch http://en.wikipedia.org/wiki/Life,_liberty_and_the_pursuit_of_happiness) und haben es als Gegenargument zum reaktionären Europa in ihrer Unabhängigkeitserklärung als Maxime verankert.

Es ist genauso falsch zu glauben, der Liberale sei der Kapitalist – ganz im Gegenteil. Im 19. Jahrhundert haben Millionen vom Kapitalisten unterdrückte Menschen Deutschland verlassen, um ihr persönliches Glück im “Land of the Free” zu suchen. Und seit dem Jahr 2000 hat Deutschland netto 180.000 Fachkräfte verloren.

Kapitalisten sind Konformisten – sie passen sich an. Das Kapital kennt keine politische Gesinnung. Es rennt immer dahin, wo es die meisten Chancen für sich sieht. Wenn es sein muss, auch in die Diktatur.

Übrigens: Lesen sie diesen Beitrag etwa an einem Windows-Rechner? Windows ist das Produkt eines Studienabbrechers. Und der ist jetzt der reichste Mann der Welt.

Es ist eben in der modernen Kreativwirtschaft nicht mehr so, dass Leistung nur durch Zertifikate oder Diplome erreicht werden kann. Im Gegenteil: Die meisten Startups entstehen gerade aus den nonkonformistischen Milieus.

Auch da brauchen wir in Deutschland neues Denken – wir müssen JEDEM! Eine Chance geben. Egal, welchen Background er hat.

Es ist ein weiter Weg von der Wahlkampf-Rhetorik zu praktischem (politischem) Handeln. Das erlebt in den USA gerade auch Barack Obama. Doch dort, glaube ich, wird es den CHANGE geben. Ich hoffe, unsere Vertreter werden uns nicht enttäuschen.

Yes, we could?

Ein grandioser 60. Bundesparteitag liegt hinter uns – nicht nur, dass die Führung der Partei eindrucksvoll bestätigt wurde, nein, auch in den Weiten des Netzes konnte die kleine FDP die Twit-o-sphäre mit den Hash-Tags #bpt09 und #fdp über drei Tage nahezu dominieren. Mit der Ausnahme des Eurovision Grand Prix am Samstagabend, natürlich.Das Wahlprogramm wurde beschlossen und somit eine klare Grundlage für Koalitionsverhandlungen gelegt. Dazu hat der Parteitag eine klare Aussage gegen #Zensursula, d.h. das Internet-Sperrgesetz getroffen. Dafür ist das extrem Netz dankbar. Und die Bürgerrechtsfraktion in der FDP sowieso.

Doch wo viel Licht – da auch einiges an Schatten. So hat die Bundespartei es nicht geschafft, für die Daheimgebliebenen einen Livestream zu organisieren – in Zeiten von 16 Megabit-Leitungen eigentlich ein Unding. Die Partei hat knapp 700 Delegierte, aber 70.000 Mitglieder! Und die sollten so eine Show auch mitverfolgen können, wo auch immer sie sind. Das muss besser werden. Die Twitter-Diskussion war grandios auch dank der FDP Bundestagsfraktion und ihrem Stand – jetzt sollten nur noch die Oberen persönlich auch mitmachen. Dann hätten wir ein bisschen Amerikanische Verhältnisse. Doch auch das kommt noch, irgendwann.

Ein weiteres Detail fällt auf – der Landesverband Baden-Württemberg, einst stolzes Vorreiter-Revier der Liberalen in Deutschland, verliert politisch wie personell an Einfluss. Die Wahlergebnisse der Vertreter Baden-Württembergs in den oberen Parteigremien sind schlechter, als die von anderen Landesverbänden. Mit Rösler, Lindner und Bahr setzen sich neue Politikertypen durch, denen wir bislang wenig entgegenzusetzen haben. Die Saar-FDP hat einen Juli Kandidaten auf Platz 1. Nicht nur, dass diese Leute einen neuen Stil verkörpern. Nein, sie erweitern die FDP (wie von den Julis jetzt auch als Grundsatzprogrammdiskussion offiziell benantragt) in neue Politikbereiche hinein. Ich denke da an Sozialpolitik und die dringend nötige Verbreiterung der Argumentationsgrundlage des Liberalismus im Allgemeinen. Wirtschaft ist vieles. Aber eben nicht alles.

Da kommen unsere Landesvertreter nicht mit, und unsere Regierungsvertreter schon gar nicht. Ich fürchte, wir fallen mit unseren Führungspersonen im Land in eine hektische Symbolpolitik, in Aufmerksamkeitshascherei ohne Ziel. Wir haben manche Leute in den Ämtern, die immer noch alten System von Macht und Medien leben und scheinbar verkannt haben, dass sich mit der Wahl Obamas einiges in der Welt geändert hat.

Kandidaturen können jetzt von ganz unten entstehen, vorbei an allen traditionellen Strukturen. Das ist die Botschaft aus Washington. Und wir werden sie nachbeten, wie alles andere Amerikanische auch. Das Netz hat die Mittel dazu, und heutzutage auch den Organisationsgrad. Demokratie wird sich wandeln. Nicht deshalb, weil sie schlecht wäre, sondern deshalb, weil sich in den letzten Jahrzehnten Defizite in der Beteiligung des Einzelnen ergeben haben.

Das können die neuen Kommunikationsmittel leisten. Die Leute wollen wieder mitreden! Und wir sollten sie lassen. Denn Demokratie lebt vom Mitmachen.Die Generation „Rösler“ geht völlig selbstverständlich mit den Neuen Medien um. Blogs, Twits, Blackberry und Web sind hier Standard. Daher hat sie auch ein anderes Verhältnis zur Offenheit von Diskussionen. Sie hat einen komplett anderen Wahrnehmungshorizont. Sie weiß, dass man Trends von unten ernst nehmen muss, um in der Blogosphäre nicht verbrannt zu werden.

Für die alte Schule ist das irrelevant und „dumme Spielerei“. Das dachte Hillary Clinton auch. Jetzt weiß sie es besser.

Die FDP als Bundespartei scheint das verstanden zu haben und scheint sich dem Trend nicht unnötig zu widersetzen. Das freut mich. Umso mehr wünschte ich mir ein klares Bekenntnis der Landes-FDP zu „Demokratie2.0“. Wir könnten, aber oft dürfen wir halt nicht. Yes, we could? Die Julis haben, berechtigterweise, schon länger die Umstände in den Gremien kritisiert. Allerdings leider mit bislang wenig Wirkung. Jedes zweite Mitglied in der FDP ist seit dem Jahr 2000 beigetreten. Sagt das nicht genug?

Für mich ist die Richtung klar: Mehr interaktive Elemente auf die Seiten – mehr Livestreams von Veranstaltungen, wo immer es die Technik eben zulässt. Noch geht es nicht überall, aber bald. Also wird es zu den großen FDP-Landesveranstaltungen und selbstverständlich zur Bundestagswahl Twitter-Feeds geben. Ich freu mich schon darauf. Und gerade auch darauf, dass Leute von überall her mitmachen können und sollen!

Wir müssen wieder näher an den Bürger heran in der Politik. Und der sitzt halt demnächst nicht mehr vor der Zeitung, sondern vor seinem Life-Stream (ja, schon richtig, mit F). Er kauft im Netz und nicht mehr auf dem Marktplatz. Er hat nur so viel Zeit. Und die wird er der Politik nicht geben, wenn sie sich immer weiter von ihm entfernt. Der Untergang der traditionellen Massenmedien hat in den USA schon längst begonnen und es ist nur eine Frage der Zeit (tolles Wortspiel, LOL), bis es auch in Europa einsetzt. Dann kann die Politik nicht dastehen und weiter vor sich hin regieren, während das Volk schon wo ganz anders ist.

Politik ist immer Dienst am Bürger. Und wo der Bürger ist, da muss die Politik auch hin.

PS. Unlängst fragte mich ein interessierter Bürger, warum „ich mir das antäte“, in einer Partei zu arbeiten, als ob eine Partei etwas Schäbiges wäre. Ich habe lange darüber gegrübelt. Geld ist es nicht. Mein Einkommen lag letztes Jahr unter 20.000 Euro. Dafür würde so mancher Ministerialbeamte seinen Arsch nicht einen Millimeter heben. Und mancher korrupte Journalist auch nicht.

Ich liebe die Freiheit. Ich liebe Technologie. Ich liebe es, Dinge zu verändern. Ich habe gelernt, dass die einmal mühsam gewonnene Freiheit immer neu bedroht ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Menschheit immer und immer weiter streben muss. Ich habe am eigenen Leibe Ungerechtigkeit und Machtlosigkeit erlebt. Ich bin der festen Überzeugung durch Kritik und Diskussion die Gesellschaft weiter bringen zu können. Im mir brennt das Feuer der Freiheit. Einer Freiheit, die die Menschen nur mit mehr Bildung und Aufklärung auch nutzen können. Das treibt mich an.

Und ich lasse mir nicht das Maul verbieten. Von niemandem.

Top 25 Web-Menschen

Hier mal etwas für alle “Wir sind doch die besten hier-Mantra-Beter” (z.B. Herr Frankenberg und  Co.) und an alle Vertreter des Trauerkapitels “deutsche Begabtenförderung”. Wo, bitte schön, auf dieser Liste sind wir? Richtig. Nicht vorhanden. Warum?

Business Week hat die 25 einflussreichsten Menschen des Web gelistet.  Diese Menschen haben zum Web, wie es heute aussieht, maßgeblich beigetragen. Ob das die führenden Communities, Browser, Blogs, Computerhersteller oder Suchmaschinen sind – ohne sie wäre das Web nicht was es heute ist.

Marc Andreessen; Ning, Netscape
Michael Arrington; TechCrunch
Mitchell Baker; Mozilla
Marc Benioff; Oracle, Salesforce
Tim Berners-Lee; Erfinder des Web, W3C
Jeff Bezos; Amazon
Sergey Brin und Larry Page; Google
Reid Hoffman; LinkedIn
Steve Jobs; Apple, Pixar, Walt Disney
Max Levchin; PayPal, Slide;
Marissa Mayer; Google
Michael Moritz; Sequoia Capital,
Rupert Murdoch; News Corp, MySpace, Dow Jones , WSJ
Tim O’Reilly; O’Reilly Media
Ray Ozzie; Microsoft, Live
Kevin Rose; Digg, Pownce
Philip Rosedale; Second Life
Peter Thiel; PayPal, Clarium Capital Management,
Jimmy Wales; Wikimedia, Wikia, Wikipedia
Margaret Whitman; eBay
Evan Williams; Blogger, Twitter
Dave Winer; RSS
Jerry Yang; Yahoo!
Mark Zuckerberg; Facebook

http://images.businessweek.com/ss/07/09/0924_25webinfluencers/index_01.htm

Ich sage ihnen, warum. Wir haben weder die Bildungs- noch die Finanzierungs-Strukturen, um auf dieser Liste in den nächsten 20 Jahren mitspielen zu können. Unsere Universitäten sind voll mit infantilen Besserwissern (ich meine die Studenten, wohlgemerkt!) und das System trainiert auf Mittelmaß und Anpassung. Wir haben hunderttausende Studenten, deren größter Lebenstraum es ist, Krawattenträger in einer AG zu werden. Dienstwagen vor Innovation. Karrierekriechen vor Unternehmertum. Traurig, aber wahr.

Als ich in 1994 an der Wirtschaftsoberschule meine erste Web-Suchmaschine in Perl programmierte, haben sie mich ausgelacht und Word-Kurse abgehalten. Als ich zusammen mit Kommilitonen 1998 ein soziales Netzwerk für Studenten an der Uni Hohenheim programmiert habe, wollten es die Studenten nicht haben, den Professoren war es schlichtweg egal. Und heute kriechen sie alle zu Facebook und dessen schlechten Holtzbrink-Klon.

Es liegt nicht an den Ressourcen – die waren und sind alle da: Das Wissen, die Technik, die Freiheit. Sogar die Lehrer, vereinzelt. Was fehlt, ist a) der Mut, Neues zu wagen und b) Geld, es auch tun zu können. Und daran wird sich so lange nichts ändern, wie Betonköpfe a la Frankenberg oder, noch schlimmer, Schavan das Sagen haben.

Und wo sind sie denn, die hochgelobten Stipendiaten? Die Preisträger der diversen Establishment-Wettbewerbe? Richtig. Nie wieder etwas gehört. Schöne Idee, Businessplan vom Prof. gemacht, Preis gewonnen. Und danach verschwunden, im Dienstwagen oder der Business-Lounge, auf nimmer wiedersehen.

Es ist die Deutsche Krankheit, Innovationen zu beerdigen, bevor sie auf dem Markt jemals eine Chance haben. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass die USA sich sehr viel schneller aus der Krise befreien wird – dort wird Kreativität belohnt. Und nicht ausgelacht.

Aber das hier ist ein politisches Blog. Und daher hier ein politischer Vorschlag:

  • Das Land BW legt einen Innovationsfonds “Web3.0″ auf, aus dem junge, frische Ideen aus den Universitäten ohne weitere Konditionen gefördert werden. Stichwort: Risikokapital.
  • Keine blöden Wettbewerbe mit Ministergeschwafel, keine Auswahlverfahren. Echte Finanzierungsrunden mit Startsummen im 100.000er Bereich. Keine Kredite, keine Zinsen. Förderung gegen Anteil!
  • Keine Wertung durch Abhängigkeitsverhältnisse (also z.B. Professoren), sondern nur! durch Leute aus der Branche.
  • Keine Sanktionierung beim Scheitern und keine persönliche Haftung.

Erst dann, wenn in die Köpfe reingeht, dass Investitionen in Unternehmen für alle Seiten Gewinne bringen – und, dass nicht der Einzelfall, sondern die Masse der Unternehmen die Wirtschaft ist – erst dann wird sich hierzulande eine neue Unternehmerkultur bilden können.

Die besten Ideen kommen niemals von den Konformisten – das ist es, was das  Land erst mal lernen muss. Wir brauchen mehr Herzblut im Denken und mehr (Achtung: engl.) passion im Handeln.

PS. Ich arbeite gerade an einer Streaming-Radio-Video-Chat-Plattform für den Nahen Osten. Und die wird garantiert von keiner deutschen Institution unterstützt, solange ich daran beteiligt bin. Mir reicht’s. Sorry.

UPDATE (14.5.) Genau so einen Blahfasel-Quatsch meine ich:

do it.newsletter vom 14.5.09
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Der wöchentliche Infodienst der MFG…

[...] wie aus einer spannenden Geschäftsidee in kurzer Zeit ein erfolgreiches Unternehmen entstehen kann, zeigt unser aktuelles Feature am Beispiel der ***** GmbH. Auf dem Heidelberger Innovationsforum stellte das junge Unternehmen im letzten Jahr erfolgreich seine onlinebasierte Eventmanagement-Lösung vor, knüpfte viele neue Kontakte und erzielte hohe Aufmerksamkeit.

Wetten, dass Sie in einem Jahr nie wieder etwas von denen hören? Die MFG verteilt übrigens IHRE Steuergelder.

Der Abwrack-Schwachsinn geht weiter

Na, geh’n wir abwracken? So könnte schon bald der neue Zuruf der Jugendlichen im Ländle lauten. Fünf Milliarden Euro geben wir alle in 2009 für neue, überwiegend japanische, italienische und koreanische Kleinwagen aus.

Das sind 5000 Millionen Euro. Oder 5.000.000.000 Euro. Für so viel Geld könnte man 2.000.000.000 Schulmahlzeiten zu je 2,50 Euro bezahlen. Bei 9,2 Mio. Schülern wären das 217 Mittagessen pro Kopf und Jahr. Also mehr, als es Schultage im Jahr gibt. (ca. 180). Mit anderen Worten: Alle deutschen Schüler aller Stufen hätten jeden Tag eine warme Mahlzeit kostenlos gehabt.

Oder: Mit den Geld hätte man jedes der 1,8 Millionen Hartz4 Kinder mit 2778 Euro unterstützen können. Oder anders ausgedrückt mit 230 Euro jeden Monat.

Für jedes neugeborene Kind (675.000) hätte man sogar 7407 Euro Prämie bezahlen können. Das wäre doch mal ein Anreiz zum Kinderkriegen gewesen.

Da aber der Bundesregierung ganz offensichtlich die Unterstützung der Billig-Auto­-Industrie wichtiger ist, als es unsere Kinder sind, werden diese demnächst im Kia zur Schule gefahren – zu essen kriegen sie dort trotzdem nichts.

Dass wir mittlerweile echte Ernährungsprobleme bei Kindern haben, kann man hier (http://www.kinder-armut.de/armut/armutsbericht.html) nachlesen. Der Bericht stammt übrigens von der gleichen Bundesregierung, die auch diesen Abwrack-Schwachsinn produziert hat.

Warum reite ich so auf dieser unsäglichen Prämie rum? Nun, weil sie in höchstem Maße ungerecht ist.

  • Sie subventioniert eine gesellschaftliche Gruppe, die andere Dinge nötiger hätte, als ein neues Auto.
  • Sie vernichtet volkswirtschaftliche Werte, weil wertvollere Autos verschrottet werden.
  • Sie verzerrt den Wettbewerb auf dem KFZ-Markt extrem und treibt damit Premium-Marken und Gebrauchtwagenhändler gleichermaßen in den Bankrott.

Wenn man davon ausgeht, dass der aktuelle Pkw-Bestand bei 41,3 Millionen Autos liegt, und der Durchschnittswert eines Pkw in Deutschland beträgt 8800 Euro, sind in den letzten zwölf Monaten etwa 14,5 Milliarden Euro verloren gegangen.

http://www.welt.de/motor/article3520777/Schwacke-Chef-ueber-die-Folgen-der-Abwrackpraemie.html

Wen wundert’s, wenn Daimler demnächst hierzulande Leute entlässt? Mich jedenfalls nicht, als Daimler würde ich es nicht anders machen. Warum im Heimatland investieren, wenn genau das die Konkurrenz subventioniert? Den Finger, den der geneigte Manager da, zumindest gedanklich, aufzeigt, können sie sich dazudenken.

Ganz zu schweigen davon, dass das (noch)Statussymbol Automobil zum Billig-Gegenstand degradiert wird. Das tötet langfristig unsere Automobil-Industrie komplett, denn bei allen anderen Billigwaren beherrschen längst die Asiaten den Markt. Da fällt mir immer wieder der Flachbildschirm ein…. sogar im Landtag hängen welche von LG aus Korea. Warum? Weil es keine deutschen gibt!

Sie lachen? Nun, wir bauen keine Schreibmaschinen mehr, keine Telefone, keine Bildschirme, keine Fernseher, keine Radios, keine Motorroller, keine Festplatten, keine PCs – außerdem beerdigen wir gerade unsere Energiewirtschaft – wir haben kaum noch Textil-Industrie im Land und die Metallverarbeiter werden auch weniger. Und da soll ausgerechnet die kaputtsubventionierte Auto-Industrie langfristig überleben? Wohl kaum.

Für alle, die sich jetzt einen wütenden Kommentar ausdenken ein kleiner Hinweis auf http://de.wikipedia.org/wiki/Kondratjew-Zyklus.

Wir können diese Krise nicht einfach aussitzen! Aus die Zeiten, als man ohne Schulabschluss und besondere Anstrengung „beim Daimler“ am Band 4000 Euro im Monat verdienen konnte. Nicht, dass ich den Leuten das Geld nicht gönne – es tut nur besonders weh, wenn die eigene Familie Jahrzehnte lang „beim Daimler“ beschäftigt war, wenn Haus und Hof damit bezahlt worden sind.

Die eine bittere Wahrheit ist, wir leben vom Image. Fahren tun die China-Wagen auch. Und langsam bekommen die Leute das auch mit.

Die andere bittere Wahrheit ist, dass unsere Industrie zum Teil Technologien der Vergangenheit produziert und kaum nennenswerte Anstrengungen gemacht werden, neue Schlüsseltechnologien zur Marktreife zu bringen.

Diese Regierung behauptet von sich, sie agiere sozial? Und demokratisch? Ziel verfehlt, sitzen, sechs! Abwracken sollte man sie. Und zwar schnellstmöglich und ohne jede Prämie.

Obama’s State of the Nation Speech Video

Die erste State of the Nation Rede Barack Obamas. Eingebettet von den Seiten des Weißen Hauses.

Link ->> http://www.whitehouse.gov/flash/MediaPlayer.swf?datasrc=http://www.whitehouse.gov/flash/video_playlist.aspx?VideoId=48&captions=http://www.whitehouse.gov/flash/captions.aspx?VideoId=48&captions_spanish=http://www.whitehouse.gov/flash/captions_spanish.aspx?VideoId=48

Wie man politisches Kapital verspielt

Konjunkturpaket hin, Konjunkturpaket her – Zustimmung, Zustimmung her. So langsam zweifle ich an der Wahrhaftigkeit der eigenen Spitzenleute. Da hat man, o-Ton Westerwelle an Dreikönig, nicht vor, Blockade zu spielen. Klare Sache, zumal sich die Grünen eh’ sofort an den Hals der Großen Koalition geworfen hätten und somit die FDP allein mit den Linken als Spielverderber dagestanden wäre. Die Häme und Schadensfreude bei Bütikofer und Co. war nicht zu überhören. Aber wir, so Westerwelle, hielten ja stand.

Doch dann kam alles anders. Man verließ sich auf die Aussagen des Parteivorsitzenden, plante in Ausschüssen und in den Kommunen. Jeder dachte, das Paket würde problemlos durchgewinkt. Dann kam Hessen und aus so manchem Hahn wurde ein Gockel. Dieser wiederum stand auf einem recht großen Haufen und gackerte. Und andere gackerten mit. „Steuersenkung“ hieß es plötzlich – und „Nachverhandeln“. Vergessen waren die Feiertagssprüche in der Mühle des politischen Alltags. Und die Bundespartei knickte ein.

Natürlich ist es die eine Forderung der FDP für Steuersenkungen zu sorgen. Doch ist das richtige Forum dafür der Bundesrat? Und ist der richtige Zeitpunkt dafür gerade jetzt? Ich meine: Nein. Wir können mit den Steuersenkungs-Forderungen auch warten bis nach der Wahl. Wir brauchen eine grundsätzliche Steuerreform und kein Rumgedoktore an der jetzigen Gesetzgebung. Viel Risiko – wenig Gewinn.

Weiterhin ist es eine zentrale Forderung der FDP die Staatsverschuldung zu senken. Aber auch hier muss man mit gesundem Menschenverstand handeln – alle Welt macht Konjunktur auf Pump – und gerade wir Deutschen sollen das nicht tun? Ich meine, 50 Milliarden Euro sind angesichts der 800 Milliarden Dollar der Amerikaner nicht gerade üppig.

Also sollten wir dem Konjunkturpaket zustimmen. Zähneknirschend zwar, aber im Moment ist es das kleinere Übel. Unser Bundesvorsitzender hätte sein Dreikönigsversprechen eingelöst. Und somit seine Standhaftigkeit im politischen Alltag erneut bewiesen.

Herr Westerwelle – hauen Sie mal kräftig auf den Tisch und halten sie ihre Truppen besser unter Kontrolle. Wir brauchen in den kommenden Wahlkämpfen eine klare Führung und kein Geeiere, keine Selbstdarsteller und keine Länderfürsten. Ansonsten verspielen wir genau das, was und jetzt und künftig groß machen kann – politische Glaubwürdigkeit.

FDP Watchblog

Heute erreichte mich ein seltsamer Pingback aus der Blogosphäre: Ein FDP Watchblog war wohl auf unser Parteiblog gestoßen. Nun, ich habe schnell geschaut und stellte fest, dass da jemand eine Liste liberaler Blogs sammelt. Schön. Gut. Aber nun wirklich nix neues. Da gab es mal den Liberal-Server, da gibt es MyFDP und zig andere.

Was mich einerseits an der Watchbloggerei erfreut, ist die Aufmerksamkeit, die sie generieren – was mich aber extrem nervt, ist der herablassende und arrogante Ton, mit dem jeder dahergelaufene Nerd auf WordPress.com einen Blog aufmacht, drei Beiträge postet, und meint nun über Gut und Böse einer ganzen politischen Richtung entscheiden zu können. Nein, meine Herrn, so geht das nicht. Politik ist für die hier Handelnden kein Hobby. Und im Gegensatz zu manchem spätpubertären Blog-Jüngling geht es bei den Entscheidungen, die in den Gremien der Partei getroffen werden WIRKLICH um etwas.

Kritik in allen Ehren. Und konstruktive Kritik nehmen wir gerne auf. Aber NUR mit kritisieren ist es nicht getan: BESSER MACHEN! Und da braucht man nun mal die Strukturen der Partei, oder? Kritik ist unser täglich Brot. Aber aus den eigenen Reihen muss das nicht sein, und SO schon gar nicht.

Weiterhin schleicht sich immer dann, wenn man in der FDP von der “FDP” “beobachtet” wird ein ziemlich ungutes Gefühl von rechts ein. So auch hier. Die Rhetorik kommt mir bekannt vor und verweist in die Richtung Libertär. Und von denen hatten wir in unseren (nun leider toten) Foren ja auch wahrlich genug. Passt bloß auf, dass ihr nicht auch noch die Blogs killt mit eurem Radikalismus.

Also beobachten wir mal die Beobachter. Und schauen, wie viel Sinnvolles sie tatsächlich für unsere LIBERALE! Sache beitragen können.

http://fdpwatch.wordpress.com/

Rauchverbot im Sommerloch

Es ist wieder mal soweit. Die Republikflüchtigen schmoren auf Mallorca, die dicken Fische gar in der Südsee (warum man da eigentlich im Sommer hin muss, hab ich nie verstanden), und der Rest vergnügt sich am City-Beach. Und hier bei uns in der Liberalen Freiheitszentrale stehen die Drähte nicht mehr still. Kaum ein Thema reizt die Bevölkerung derzeit so, wie das “Qualm-Erlaubnis-Verbot” der rot-schwarzen Kollision. (ja, kein Scheibfehler, denn die sind die wahren Urheber der Misere!). Mal sind wir die Gesundheitskiller, mal die Überverbieter. Es ist schon seltsam, wie wenig recht man es einem dispersen Publikum mit irgendwelchen Regelungen machen kann. Wir haben alle Reaktionen erlebt – vom glücklichen Neumitglied bis zum wütenden Austritt. Immer fühlt sich irgendwer auf den Schlips getreten.

Es sind eben doch Emotionen im Spiel, wenn es um die weitere Beschneidung der Freiheit des Einzelnen geht. Dabei wäre doch die Regelung ganz einfach: Man müsste es nur schaffen, den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Uns schwupp-di-wupp würde an jeder Kneipentür glasklar dran stehen, worauf Mann/Frau sich einlässt, wenn man das Etablissement betritt. Soll doch jeder mündige Bürger selbst entscheiden, was er seiner Lunge antut. Und jede/r, wo er arbeiten will.

Ich verstehe die Aufgregung nicht. Ich habe früher selbst geraucht und bin nun zum toleranten Nichtraucher gewechselt. Und ehrlich gesagt, mich stört es in der Kneipe auch nicht. Ich muss ja nicht hingehen. Was wäre denn das nächste Verbot? Bierverbot wegen Leberschäden? Fußballverbot wegen infantiler Regression? Fahrverbote wegen Feinstaub? Ach, stimmt, die haben wir ja  schon. Vielleicht ein Pups-Verbot wegen Methan-Ausstoßes? Mal sehen, was der unsäglichen Kollision noch so alles einfällt. Im Sommerloch.

Weniger rauchende Köpfe bräuchte das Land – wo es auch um wirklich wichtige Dinge geht: Siehe Unterrichtsausfall und Lehrermangel, Fachkräftebedarf und drohende Bevölkerungsabnahme. Das sind heisse Themen. Und über die müssen wir reden. Auch im Sommerloch.

10.709.737 Page-Impressions

Hier ein paar Daten zur FDP-BW.DE aus 2007: Auf 49 Domains insgesamt 10.709.737 Page-Impressions. Der stärkste Monat Januar mit 1.112.659 Page-Impressions. Insgesamt 1.989.914 Besucher (unique visits), hier der stärkste Monat Juli mit 229.923 Visits. Danke an alle interssierten Websurfer für die vielen Besuche. Browser (ohne Robots): Internet Explorer 59,7%, Mozilla 28,8%, Opera 7,0%, Netscape 3,2%, Safari 0,7%, Konqueror 0,45%, Camino 0,06%

Parteitag. Oder: Über die politische Mitte

Drei Tage Bundesparteitag liegen hinter uns. Drei Tage lang haben wir Einblicke in das Funktionieren des deutschen Politikbetriebes bekommen. Mit Westerwelles Worten: Es war ein Arbeitsparteitag. In der Tat. Wenn man es denn durch die in ihrem Tun durchaus eifrige, leider aber in der deutschen Sprache nicht allzu mächtige Security zum Arbeiten endlich geschafft hat. Sicherheit muss sein, sicher. Aber wir müssen unseren Job auch machen können. Denn ohne uns hätten die gar nichts zu bewachen.

Apropos bewachen: Mich beschlich an einigen Stellen ein ungutes Gefühl. Um uns rum brennt die Welt und wir debattieren um die zweite Stelle hinter dem Komma. Schäuble schafft gerade die Bürgerrechte ab, in Gaza putscht der Mob und Israel überlegt sich eine Intervention. Und wir sind gerade bei einer Änderungsantrag zum Leitantrag, nur weil einem Delegierten ein Wort nicht gefällt. Aussprache muss sein, sicher. Aber wir müssen uns nicht wundern, wenn der gemeine Bürger nicht an diesem Politikbetrieb teilnehmen will. Liebe Leut: Macht euren Einfluß in den Fachausschüssen und Arbeitsgruppen geltend, die sind für alle offen, und lasst dem Parteitag die “großen” Linien. Das kommt draußen auf jeden Fall besser an. Politik kann so spannend sein!

Apropos ankommen: Angekommen ist auch der Ruf der Parteiführung nach Geschlossenheit. Allerdings habe ich prinzipiell ein ungutes Gefühl, wenn ein Vorstand komplett ohne Gegenkanditaten gewählt wird. Es erinnert doch an andere Systeme, in denen sich auf die Art eine ganz andere Clique legitimiert hat. Allerdings habe ich auch keine bessere Lösung parat.

Die “andere” Truppe hat sich ja an diesem Wochenende zum zweiten Mal zur SED vereinigt. Und wenn wir Pech haben, sitzen die Kommunisten in ein paar Jahren in der Regierung. Denn da wollen sie hin, mit allen Mitteln. Die wollen an die Macht um jeden Preis und würden dafür auch alles tun. Und dabei den Leuten auch alles versprechen. Glauben Sie den Kommunisten kein Wort! Die haben immer schon gelogen und hören damit nicht auf, nur weil sie schon wieder einen anderen Namen tragen.

Apropos Kommunisten: Die Überschrift dieses Beitrages hat zum Thema die politische Mitte. Was ist eigentlich diese Mitte? Westerwelles Ruf nach “keiner Dogmatik” hat für mich, ganz schwäbisch, a Gschmäckle g’kriegt. Einerseits will man pragmatisch, vernünftig und aus der Mitte regieren, andererseits sitzt man genau auf der dogmatisch immer gleichen Argumentationslinie, die alles und jeden immer und immer wieder auf wirtschaftliche Zusammenhänge reduziert. Das war leider auch im Interview zu sehen.

Wirtschaft ist wichtig, in der Tat. Und es kann auch nichts ausgegeben werden, was nicht vorher erwirtschaftet wurde. Stimmt. Aber es kann auch nicht sein, dass man seitens der FDP-Führung keinerlei Lösungen für die Bereiche entwickelt, in denen der Markt versagt. Beispiel gefällig? Wenn gesunde mittelständische deutsche Unternehmen von private-equity-fonds geplündert werden, wenn tausende Arbeitsplätze und solides technisches Knowhow verloren gehen – und das alles im Namen der Freien Kapitalströme – dann hat der Finanzmarkt in ordnungspolitischer Makrodimension versagt.

Dazu habe ich die Tage eine einfache Regel gefunden: Immer dann, wenn die Freiheitsausübung einiger weniger die Freiheit von vielen bedroht, muss reguliert werden.

Bitte erinnern Sie sich an folgendes: Zwischen den Staaten herrscht Anarchie. Wir haben keine wirklich wirksamen Wettbewerbsregeln auf den internationalen Märkten. Daher ist es ordoliberale Grundaufgabe diese zu schaffen! Doch dazu ist die Partei offensichtlich noch nicht bereit.

Ein weiteres Beispiel ist diese unsägliche Mindestlohndebatte. Wir predigen das Mantra vom Arbeitsplatzverlust, obwohl die empirische Wirklichkeit überall um uns herum etwas anderes zeigt. Das zeugt nicht gerade von politischer Weitsicht. Es ist doch gerade die Chance der politischen Mitte, aus allen politischen Richtungen die besten Ideen zu adaptieren und vernünftige Konzepte daraus zu entwickeln. Nur, wer benimmt sich hier denn dogmatisch? Die FDP scheut zur Zeit alles, was von links kommt, wie der Teufel das Weihwasser. Und das nur weil es von links kommt! Auch die Linke kann (selten) mal Recht haben, werte Kollegen.

Die politische Mitte muss die Freiheit haben, ihr Konzept aus allen politischen Richtungen zu bilden. Sie kann und muss flexibel reagieren können. Und in diesen Tagen ist es nunmal die soziale Grundsicherung, die die Menschen, zu Recht übrigens, beschäftigt. Natürlich sind unsere Konzepte bezüglich Rente, Steuern und Gesundheit richtig. Natürlich müssen wir mehr Eigenleistung fordern und belohnen. Aber für diejenigen, die es aus irgendwelchen Gründen nicht schaffen, für sich adäquat zu sorgen, müssen wir als Gemeinschaft zusammen sorgen. Aber unsere Konzepte sind langfristig. Sie sind analytisch. Und für einen beachtlichen Bevölkerungsanteil intellektuell nicht nachvollziehbar.

Die Menschen wollen klare Fakten. Sie brauchen Symbole. Die Linke wird mit dem Mindestlohn hausieren gehen und viele Besorgte einfangen. Das müssen wir nicht denen überlassen. Die FDP ist und war die Partei der sozialen Marktwirtschaft. Ich betone sozial. Markt braucht Regeln. Wettbewerb braucht Unterstützung. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Und übrigens: Es gibt sehr wohl eine liberale Gerechtigkeitstheorie. John Rawls lässt grüßen. Auch diese Debatte hätte ich erwartet, denn die Kommunisten stehlen neben der Gleichheit auch diesen Begriff.

Apropos Sorgen: Wenn wir 2009 regieren wollen, müssen wir wachsen. Das hat aber keiner so richtig gesagt. Nämlich: Wenn wir wachsen wollen, dann reichen unsere bisherigen Konzepte nicht aus. Zumindest habe ich nicht verstanden, wie wir wachsen sollen. Wir müssen neue Wählerschichten ansprechen. Und das kann nur mit einer programmatischen, pragmatischen Öffnung geschehen. Ich mache mir ernsthafte Sorgen um die bürgerliche Mehrheit in unserem Lande. Die CDU/FDP auf heutigem Stand bringt sie im Bund nicht zusammen. Welche Alternativen hat man denn, wenn man dogmatisch an alten Sätzen und Konstellationen festhält, während der Koalitions”partner” offen mit den Grünen verkehrt?

Es war ein Arbeitsparteitag, außer am Samstag. Auf dem Baden-Württemberg-Abend mit Maultaschen, Blutwurst, Kartoffelsalat und Spätzle. Die schwäb’sche Küche ist halt die beste der Welt. Es wurde geflirtet, getanzt und munter geredet. Ein netter Abend eben.

Am Sonntag war der Stuttgarter Monsun dann auch endlich zu Ende; die Sonne lachte, und auch mein Gemüt. Bis dann, beim Schlußwort, der Saal plötzlich sehr still wurde. Melancholie machte sich breit. Wie eine Ahnung strömten Westerwelles Worte in den Raum. Wir sehen uns alle wieder in München. Ja. So Gott will.