Die große Öl-Lüge, Update

Update zum Update (August 2011) Vor Norwegen wurde gerade Öl im Wert von 40 Milliarden US-Dollar gefunden. Ja, so ein Zufall aber auch ;-) ))

Wie die größte finnische Tageszeitung Helsingin Sanomat (31.03.2011) berichtet, haben die förderbaren Ölvorräte in 20 Jahren um 30% zugenommen. So habe laut einem BP-Report die Menge an förderbarem Rohöl (zu Preisen von 100$ je Barrel/159l) von 1000 Milliarden auf 1300 Milliarden Barrel zugenommen. Das so förderbare Erdöl reiche für mindestens 40 Jahre, sagt der finnische Ökonom Paavo Suni. In dern 1970er Jahren wurde davor gewarnt, das Öl wäre in 30 Jahren (also spätestens im Jahr 2000) zu Ende.

Es gibt aber noch mehr Öl, welches bei noch höheren Preisen gefördert werden kann: Laut US-Amerikanischen Forschern gibt es im Osten Venezuelas alleine über 500 Milliarden Barrel förderbares Schweröl – das ist die doppelte Menge des Öls Saudi-Arabiens. Im Kanadischen Alberta hingegen lagern 1 700–2 500 Milliarden Barrel Rohöl im Ölsand.

Am 14.11.2007(!) schrieb ich:

“In den siebziger Jahren war das Öl schon in 25 Jahren zu Ende, 80% aller Bäume in Mitteleuropa waren bis 1990 tot und gewaltige Hungersnöte tobten zur Jahrtausendwende nach dem nuklearen Holocaust über den Planeten. In diesem Klima der Hysterie, gepaart mit einem unbestimmbaren, unterbewussten Wunsch nach friedlicher Demo-Kuschelnähe bildeten sich die polit-ökologischen Strömungen, die bis heute die öffentlichen Agenda mitbestimmen. Ob sie nun Grüne, Greenpeace oder sonst wie heißen, eines ist ihnen allen gemein: Sie predigten schon immer uns allen das schlechte Gewissen. Und: Sie machten uns allen Angst. Angst vor der Umweltzerstörung, dem Sauren Regen, dem Atomkraftwerk, dem nuklearen Holocaust, dem Waldsterben. Letztendlich rekurrierte diese Öko-Angstbewegung immer auf die einzige Schwachstelle des marktwirtschaftlichen Imperativs: Die Endlichkeit des eigenen Egos.

Nun, es kam anders. Und jetzt scheint es noch viel mehr anders zu kommen. Nicht nur, dass nicht alle Bäume gestorben sind, kein Atomkrieg stattgefunden hat, keine Giftschwaden durch die Lande ziehen, nein, nicht einmal das Öl scheint uns auszugehen.

Jahr für Jahr finden die Mineralölkonzerne mehr und mehr Öl auf dem Planeten. War 1975 das Öl in 25 Jahren zu Ende, ist es heute nach konservativen Schätzungen in 60 Jahren soweit. Der saudische Ölkonzern Aramco spricht in seiner neuesten Prognose gar von 200(!) Jahren.

(http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,517171,00.html)

Da wird man doch stutzig. Wie war das noch mit der Marktwirtschaft? Halte das Gut knapp, dann steigt der Preis. Genau das haben die Ölkonzerne die letzten Jahrzehnte auch gemacht. Mit freundlicher Unterstützung der OPEC. Wir erinnern uns: Auch die Preissteigerungen der ersten und zweiten Ölkrise wurden mit den knapper werdenden Ressourcen begründet. Und wir hatten Tempo 100 auf der Autobahn.

Alles mit System? Alles Lüge? Vielleicht. Umso mehr verwundert jetzt der Vorstoß der Saudis. Wollen die den Ölpreis etwa senken? Ich denke, Ja. Auch die Saudis haben erkannt, dass die westlichen Länder schnell auf andere Technologien umstellen, wenn das Öl zu teuer wird. Das ist in 2007 geschehen, denn mit 100 Dollar pro Barrel ist eine Schmerzgrenze überschritten. Also müssen die Wüstensöhne schnellstens für ihren einzigen Schatz werben, den sie überhaupt haben. Denn wenn der Westen tatsächlich mal unabhängig vom Schwarzen Gold werden sollte, wären die Sicherheitsinteressen am Golf schnell ganz andere.

Traurig genug ist die Rolle der Ökos bei uns. Jahrzehnte lang waren sie, gewollt oder nicht, ein Vehikel der Erdölindustrie, halfen sie mit ihren Weltuntergangsszenarien bei der sinnlosen Preistreiberei im Energiesektor eifrig mit. So haben sie genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich wollten. Der Ausstieg aus der Ölgesellschaft wird sich noch weiter verzögern. Denn: Je teurer das Öl wird, desto eher lohnt es, danach zu graben. Und um so höher sind die Gewinne. Das ist die andere Seite der Medaille.

Es ist paradox: Je mehr wir Erdöl sparen, desto länger hängen wir am Tropf. Wenn wir nicht endlich einen Schritt nach vorne machen. Zumal wirkliche Alternativen gar nicht erst in Sicht sind. Oder wollen Sie die moralische Keule abwarten, die die Amnesty auf uns niederknüppeln wird, wenn Millionen verhungern, weil wir unser Getreide auf der Autobahn verheizen? Eher nicht.

Das Signal aus Riad ist klar: “Macht euch keine Sorgen, alles geht weiter wie bisher”. Doch da haben die Saudis das Momentum des technologischen Fortschritts unterschätzt. Der Dämmerschlaf des Westens ist zu Ende. Wir sind auf dem Weg zu weniger Ölverbrauch. Nicht wegen der giftgrünen Chaos-Ökos, sondern aus rein rationalem Kalkül: Neue Technologie erfordert neue Investitionen. Die Umstellung auf erdölfremde Technologie kurbelt letztendlich unsere eigene Wirtschaft an.

Leider fehlt uns noch der Mut zum großen Wurf. Aber wir kommen ihm näher. Nur technologischer Vorsprung kann Europa retten, auch aus den Klauen der grandiosen Öl-Lüge. Nun ist die Politik gefragt: Ich fordere klare Programme zur erdöllosen Gesellschaft. Wir müssen die Wasserstoffindustrie ankurbeln, die Fusionsenergie endlich mit richtig Geld versorgen. Wir müssen die Biogasindustrie unterstützen und neue Wege der Stromgewinnung erforschen. Innovation ist das Gebot der Stunde, nicht Depression.

Und das Öl? Nun, es wird wieder billiger werden. Und irgendwann will es keiner mehr haben.

 

 

Wie Bill Gates das Atommüll-Problem beseitigen will

Es hat schon etwas von Andacht, wenn die kalifornische IT-Welt einem ihrer Gurus lauscht. Auf der diesjährigen TED-Konferenz in Long Beach enthüllte einer der Ikonen der Softwaregeschichte und vermutlich der zweitreichste Mann der Welt seine Pläne für die Lösung der Energieprobleme des Planeten. Ganz nebenbei will er eines der drängendsten Probleme der modernen Energiewirtschaft beseitigen: Den Atommüll.

Sollten wir etwa doch warten, bevor wir unsere ausgebrannten Brennelemente tief im Harzer Salz verbuddeln? Vielleicht. Denn in den USA tut man das, was man bei uns tun müsste: Man denkt weiter.

Es ist nicht irgendwer, der da an dem Konzept des neuen Reaktors arbeitet. Mit Geld kann man vieles tun, auch Gutes – und sich eben auch die besten Wissenschaftler kaufen. So hat Bill Gates laut eigener Aussage mehrere zehn Millionen Dollar in die Firma „TerraPower“ gesteckt – einem Spin-Off der kalifornischen Gedankenschmiede Intellectual Ventures. Diese Firma dient dem (zweit)reichtsten Mann der Welt als Brutstätte für neue Ideen. Neben einem Malaria-Projekt findet sich seit neuestem in dem Think-Tank auch ein neues Buzzword – Kernkraft.

Der Kopf hinter dem Projekt TerraPower heißt John Gilleland

und ist wahrlich kein Neuling in der Kerntechnologie-Forschung: Er ist Professor für Reaktortechnik an der renommierten Berkeley-Universität in Kalifornien, hat 16 Jahre lang an der Fusionsforschung (u.a. ITER) gearbeitet, dabei auch Verfahren zur Zerlegung von Atombomben erfunden. Und er hat dabei eine alte Entdeckung wiederbelebt.

Er hat den so genannten Laufwellen-Reaktor (dt.: http://de.wikipedia.org/wiki/Laufwellen-Reaktor) konzeptionell verfeinert und erstmals durch Supercomputer berechnen lassen. Zurzeit wird mit der japanischen Firma Toshiba über den Bau einer Versuchsanlage im Megawattbereicht verhandelt. Toshiba ist eines der führenden Unternehmen im Reaktorbau weltweit.

Worum geht es bei dem Konzept? Nun, Gates und Gilleland wollen eine Röhre mit dem in der Natur vorkommenden Uran-Isotop 238 füllen und in dieser eine thermonukleare Spalt-Reaktion auslösen, bei der zunächst Plutonium entsteht, welches dann im Reaktor selbst  wiederum gespalten werden kann. Dies setzt Wärme-Energie frei, welche dann Wasser erhitzen und mit konventioneller Dampftechnik Strom erzeugen kann.

http://earth2tech.files.wordpress.com/2010/02/terrapowerimage1.jpg?w=300&h=194

Das Revolutionäre an dem Konzept ist, dass es möglich sein soll, auch ausgebrannte Brennstäbe aus konventionellen Atomkraftwerken zu verbrennen und so die Menge an strahlendem Material auf einen Bruchteil zu reduzieren.

Der Reaktor soll nur einmal geladen werden und dann 60 Jahre am Stück laufen – ohne dass Brennmaterial nachgefüllt werden muss. Damit entfallen unsichere Wartungsarbeiten im Reaktorkern und man kann die Anlage komplett unterirdisch bauen.

Das Projekt ist auf vierzig Jahre ausgelegt: Zwanzig Jahre für die Entwicklung und weitere 20 Jahre für den Bau kommerzieller Kraftwerke. Es ist also keine Lösung für morgen.

Aber es zeigt, dass in den USA, in denen die Kernkraft gerade eine Renaissance erlebt, das gemacht wird, was bei uns in Deutschland aus ideologischen Gründen und ökologisch verklärten Scheuklappen nicht geht. Schuld daran sind die Grünen.

Die Probleme der Menschheit kann man nicht dadurch lösen, dass man Kraftwerke außer Betrieb nimmt, Technologien verbietet und sich damit aus dem internationalen Rennen um die Energiehoheit nimmt.

Bill Gates macht das, was bei uns die Staaten tun sollten. Denn so viel privates Kapital ist bei uns gar nicht in Bewegung – ein Geburtsfehler unserer zu konservativen Wirtschafts- und Bildungslandschaft. Ein weiteres Mal zeigt sich, dass die immensen Gewinne der erfolgreichen IT-, und Internetwirtschaft in den USA auch für gesamtgesellschaftliche Zwecke genutzt werden. Ich bin mir sicher, Google wird irgendwann Ähnliches tun.

Niemand garantiert Gates, dass sich seine Investition jemals lohnen wird. Die Hürden für ein Gelingen sind in der Tat hoch, die Technik ist kompliziert. Doch anstatt, wie bei uns, von vorneherein nichts zu tun, weil es ja „schwierig“ ist, wählt er den Weg des Risikos. Und er ist ein Getriebener seiner Vision – etwas bei uns mittlerweile völlig Unbekanntes.

So wird Bill Gates seine Atom-Müllverbrennungsanlage bauen (das Geld dazu hat er ja) – allerdings nicht in Deutschland und wahrscheinlich nicht einmal in Europa. Brasilien, Russland und Indien sind wohl als Standorte im Gespräch. Kein Wunder – dort herrscht Wachstum. Hier herrscht Stagnation.

Einmal mehr haben wir Europäer uns, ohne Not, aus einer technologischen Entwicklung hinausgekegelt – weil die „political correctness“ es so will. Einmal mehr werden andere Nationen von Innovation profitieren. Und während wir Subventions-Milliarden in unzuverlässige Windparks stecken, die unsere Stromnetze überlasten – oder unsinnige uralt-Solarzellen mit Bergen von Steuergeldern schmieren, stehen andere am Anfang eines neuen Weges.

Schön ist der Weg der nuklearen Müllverbrennung gewiss nicht. Aber notwendig. Wir sollten einfach wieder mehr in die Kraft des menschlichen Geistes vertrauen. Und forschen, experimentieren, Neues denken, Neues wagen.

Weitere Info:

Elektromobilität: Keine Vision, nirgends

Die gute Nachricht vorweg: Der Hörsaal war voll. Über 300 Studierende, Professoren und Honoratioren der Friedrich Naumann Stiftung fanden am Mittwoch, den 21.4.10 den Weg auf den Campus der Uni Stuttgart in Vaihingen. Die Liberalen Hochschulgruppen Baden-Württemberg setzten  ihre Veranstaltungsreihe mit Spitzenreferenten* fort. Mit hohen Erwartungen besuchte ich die Veranstaltung “Elektromobilität: Revolution oder Evolution?” – mit keinem geringeren als Prof. Dr.-Ing. Hermann Scholl – Vorsitzender des Aufsichtsrats der Robert Bosch GmbH als Vortragenden.

Enttäuschte Erwartungen – ein Loblied auf den Verbrennungsmotor

Ich hatte eigentlich einen Impulsvortrag zum Aufbruch Deutschlands in die elektromobile Zukunft erwartet. Zum Einen, weil es dem Zeitgeist entspricht und zum anderen, weil Bosch ja bekanntermaßen auch Elektromotoren und elektronische Bauteile herstellt. Dabei ist das Unternehmen ein echter Global Player mit 45,1 Milliarden Euro Umsatz in 2008.

Zu hören bekam ich leider nichts Derartiges. Einer der großen deutschen Industriemagnate hielt einen Dreiviertelstundenvortrag über die Erfolge und Potenziale des Verbrennungsmotors. Erst gab Herr Scholl einen kompetenten und sachlich fundierten geschichtlichen Abriß über die vielzähligen Versuche, Automobile mit Blei-Akkus zu bewegen. Dann wurden die verschiedenen Antriebsmodelle der heutigen Automobil-Industrie vorgestellt – von Benzin- über den Diesel-, Erdgas-, Hybrid- und Plugin-Hybrid-Antriebe.

Sehr anschaulich wurde dem Publikum erläutert, warum und wie man die Emissionen der Verbrennungsmotoren in den letzten Jahrzehnten verringert habe und wie ineffizient und umweltbelastend Elektro-PKW mit dem gegenwärtigen deutschen Energiemix sind. Aber halt: das war  alles weitgehend bekannt. Wo war das Neue?

Es ging weiter – selbst die unsinnigsten technischen Verrenkungen der Automobil-Industrie, nämlich z.B. die, den sterbenden Diesel z.B. mit Harnstoffeinspritzung zur Sauberkeit zu zwingen, wurden vehement verteidigt. „Das ist gut für Bosch, da gibt es eine zweite Einspritzung“, meinte Scholl. Aha. Langsam begann ich mich zu fragen, ob ich in der richtigen Veranstaltung saß.

Der heilige Gral des 21. Jahrhunderts – Die Batterie

Wer die neue Standardbatterie für Elektrofahrzeuge erfindet – der hat den heiligen Gral des 21. Jahrhunderts in seinen Händen. Riesige Umsätze winken, wenn die westlichen Staaten ihre Flotten auf Strom umrüsten – in manchen Schwellenländern kann der moderne Verbrennungsmotor gänzlich übersprungen werden.

Was sind die Vorteile des E-Motors, fragen Sie? Er ist einfach, praktisch verschleißfrei, hat wenig bewegliche Teile und einen höheren Wirkungsgrad. Er ist reif, wartungsarm, langlebig. Keine Ölwechsel mehr, keine Reibungsverluste, keine aufwendige Kühlung. Er reduziert die beweglichen (und damit potenziell kaputt gehenden) Teile in einem KFZ um die Hälfte. Damit wird, in Massen produziert, das Auto billiger.

Bezugspunkt bei der Analyse Prof. Scholls, insbesondere beim Vergleich der Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Antriebsformen war immer der gegenwärtige Stand der Lithium-Ionen-Batterietechnik. So würden die Batterien für einen 1400kg PKW mit einem Energiegehalt ekvivalent eines 50 Liter Benzintanks gegenwärtig 9000 Euro kosten. Dabei betrage der OEM-Preis der Akku-Einheit geschätzte 4500 Euro.

Diese Kosten machen den Elektroantrieb auf 20 Jahre angeblich unrentabel.

Diese Aussage ist gleich aus zwei Gründen falsch: Zum einen werden eine reife Technologie mit einem Output von 68 Millionen Verbrennungs-Aggregaten (2008) mit einer neuen Technologie verglichen, die kaum in Stückzahlen produziert wird – zum anderen bezog sich Herr Scholl immer nur auf die gegenwärtige Leistungsdichte der Li-Ionen Akkus.

Ich begann, nachzudenken. Ich dachte an die neue chinesische Akkutechnik, von der ich erst gelesen hatte (http://www.kleinezeitung.at/allgemein/automotor/2325395/angriff-des-drachen.story). Die im Publikum zahlreich anwesenden Studierenden aus China und Indien rutschten unruhig auf ihren Stühlen herum. Wir befanden uns immerhin am elektrotechnischen Institut einer großen europäischen Universität – an der Spitzenforscher Materialien und Technologien u.a. für die baden-württembergische Automobil-Industrie entwickeln. Die anwesenden Forscher müssen sich ziemlich verar***t vorgekommen sein. So allgemeingültig waren manche Informationen im Vortrag.

Keine Alternativen?

Auch die Brennstoffzelle ist aus Sicht von Bosch keine marktreife Alternative für die Mobilität – wegen der zu geringen Wirkungsgrade bei der Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff und dem fehlenden Versorgungsnetz. Selbstredend wurde auch hier der gegenwärtige Energiemix Deutschlands zugrundegelegt – als ob dieser für immer und ewig unveränderlich sei. „In Frankreich mit seinem Atomstrom ist das natürlich anders“, so Scholl.

Ich hatte die Botschaft verstanden. Bosch gibt im nächsten Jahr eine Milliarde Euro für Forschung und Entwicklung in Antriebstechnik aus – davon 200 Millionen Euro für Hybrid- und Elektroantriebe. 80% der geplanten F&E-Mittel gehen also in die Weiterbastelei am Diesel und am Benziner. Dabei können wir doch den französischen Strom kaufen, oder? Und Wasserstofftankstellen bauen?

Marktchancen für neue Anbieter

Ich war sprachlos. Ist das die Innovationsfähigkeit der deutschen Großindustrie? Weiter machen, wie gehabt? Emissionen nur dann senken, wenn es der Gesetzgeber fordert? An einem Chart bekamen wir zu sehen, wie die Auto-Industrie die sich selbst gesetzten Emissionsreduktionsziele verfehlt hat und immer nur auf das Drängen der Politik zu Innovationsschüben fähig war.

Ich dachte, man müsse das ganze Konzept des Autos überdenken. Es war keine Rede von neuen, leichteren Werkstoffen für die Karosserie. Keine Rede von neuen Konzepten bei der Leichtbauweise. Keine Rede von Solarzellen in Folienform auf den Autodächern.

Nicht alles Neue macht Sinn: Ich mache hier mal eine kleine Beispielrechnung. Ein Auto hat eine Dachfläche von 4 m². Wenn in Deutschland 20 Millionen PKW mir Solardächern herumstehen würden, wäre das eine Fläche von 80 Millionen Quadratmetern. Die Sonne scheint in Deutschland mit 1000kWh/Jahr/m². Der Wirkungsgrad einer Dünnschichtzelle liegt momentan bei ca. 15%. Somit produziert das Autodach im Jahr 1000×0,15×4=600kWh. Das Mal 20 Millionen ergibt 12.000.000.000 kWh, also 12.000.000 MWh oder 12.000 GWh oder 12 TWh. Zum Vergleich: Das Kernkraftwerk Krümmel leistet im Jahr 10.848 GWh. Wenn wir also die Hälfte aller Autodächer im Deutschland mit Solarzellen voll kleben, sparen wir gerade ein Kernkraftwerk. Das macht derzeit also keinen Sinn.

Aber man hätte es wenigstens diskutieren können! Und damit ganz nebenbei einigen grünen Träumern ein paar Illusionen nehmen.

Professor Scholl hat in einem Punkt völlig recht: Die vergleichsweise hohe Energiedichte von Benzin und Diesel, deren billige Herstellung und Überall-Verfügbarkeit machen sie für lange Zeit konkurrenzlos für lange Strecken. Nun fährt aber der Durchschnittsmensch „nur“ 50km am Tag. Und dafür können sich Elektroantriebe auch heute schon eignen.

Neue Konzepte sind gefragt

Wir sollten das komplette Konzept Auto umdenken – ein Wagen für die City muss nicht schneller als 100km/h fahren. Er muss meistens auch nur einen Passagier tragen. Er muss für den Einkauf variabel sein und überall aufladbar. Er darf nicht viel wiegen und muss aus Materialien bestehen, die nicht verbeulen und zerkratzen. Es ist kein Statussymbol mehr und muss daher preiswert sein. Das heißt: Kunststoff statt Stahl, Strom statt Benzin und leicht statt schwer, einfach statt kompliziert. Bosch will ein solches Konzept offensichtlich nicht entwickeln – genauso wenig wie die deutschen KFZ-Hersteller. Das eröffnet grandiose Marktchancen für neue, smarte Unternehmen.

Es wird kommen, wie es wohl kommen muss – eines Tages werden wir alle im Google-Mobil (manche auch im Apple-Mobil) umherfahren. Weil die deutsche Industrie im Jahre 2010 nicht bereit ist, Kapital in neue Technologien zu investieren, werden es andere mit dem hierzulande nicht vorhandenen Risikokapital tun. Genau so, wie wir die Internet-Industrie an die Kalifornier abgeben haben (Google oder Apple machen im Quartal so viel Gewinn wie Daimler im ganzen Jahr) werden wir auch die Elektro-Mobilitätsrevolution verschlafen.

Die deutsche Großindustrie macht den Eindruck: Sie könnte, aber sie will nicht.

Es ist wie bei jedem Technologiezyklus: Am Ende bäumt sich die alte Technik ein letztes Mal auf (was Prof. Scholl selbst ja auch anmerkte und damit die Spätphase des Verbrennungsmotors selbst sogar bestätigte), sie wird immer komplexer (und damit teurer), bevor die neue Technologie sie verdrängt. Zum Vergleich: Dampfmaschinen vs. Verbrennungsmotoren im 19. Jahrhundert, Segelschiffe vs. Dampfschiffe, Pferdekutschen vs. Automobile.

Und zu deutschen Krankheit gehört, dass wir die Technik erfinden (z.B. mp3) und andere (z.B. Apple mit dem i-Pod) machen die fetten Gewinne. Apple z.Zt. 3 Mrd. $ im Quartal!

Eines kam im Vortag von Prof. Scholl gar nicht vor: Wir Kunden. Wir, die anfangs jede Stunde unsere Laptops aufluden, unsere Handys jeden Tag – wir, die mit vielen unreifen, aber coolen Technologien SPIELEN wollen. Auch hier brauchen wir dringend mehr „Jobs“ im Land. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es viele Menschen gibt, die bereit sind, sich auf das Abenteuer Elektro-Mobilität einzulassen – auch wenn es anfangs einige Einbußen mit sich bringt.

Keine Vision, nirgends

In ein paar Jahren wird „Stromen“ Mode sein. Ob mit deutschen Fahrzeugen oder chinesischen hängt von den Management-Entscheidungen der Unternehmen hierzulande ab. Ich hätte von Bosch eine klare Aussage zu den Angebotenen Antriebs-Systemen erwartet – zu den künftigen E-Motoren, Kupplungen, Getrieben. Sie wurden nur kurz gezeigt, das war’s. Es gibt sie also. Mehr auch nicht. Dabei sind gerade die Motoren und die Steuerungselektronik das Gebiet, auf dem wir Deutschen traditionell stark sind.

Es gibt keine ganzheitliche Vision einer elektromobilen Gesellschaft – dafür will man weiter mit „investitionssichernden“ Strategien hochkomplizierte Verbrenner bauen. Das scheint die Strategie von Bosch zu sein. Das erinnert mich irgendwie an Quelle – die hatten das Internet auch nie nötig.

Vergeblich wartete ich auf Themen wie Induktions-Stromschienen in Straßen, öffentliche Ladestationen (die ja Bosch auch bauen könnte…), Wechsel-Akkus.

Ganz untätig ist Bosch dennoch nicht. Man habe anstelle der dem Aufsichtsratsvorsitzenden bekannten 500 mittlerweile 800 Mitarbeiter im Bereich Elektromobilität (bei insgesamt 237.000) – „die letzten 100 kamen gerade aus China dazu“, merkte ein Abteilungsleiter mit spöttischem Lachen an.

Es könnte aber sein, dass den Herren schon bald das Lachen vergeht – dazu braucht es nur einen erneuten Anstieg des Rohölpreises. Immerhin hat Bosch vorgesorgt: Man habe Zugriff auf jede Menge neuer Lithiumvorkommen. Das ist der Stoff, aus dem die Chinesen dann die Akkus bauen, mit denen die Autos der Zukunft fahren. Mit oder ohne Stern.

Fazit: Wenig Innovation in Deutschland

Ergo: Die deutsche Automobil-Industrie wehrt sich gegen Veränderungen und den Sprung in eine neue Technik. Sie kann, aber will nicht. Sie hat die Umsätze, die Finanzmittel, die Ressourcen und die Mitarbeiter – aber sie hat die Manager nicht.

Genau da setzt der politische Auftrag ein. Sinn eines Wirtschaftsunternehmens ist nun mal Wirtschaften – weniger das Gemeinwohl. Normative gesamtgesellschaftliche Entscheidungen muss man daher politisch fällen – auch und gerade da, wo Großkonzerne und Monopolstrukturen der gesellschaftlichen Entwicklung im Wege stehen. Wenn wir nichts tun, wird die deutsche Automobil-Industrie sich an der alten Technik festkrallen und damit an Bedeutung verlieren. Sie wird nicht verschwinden aber schrumpfen, neue Anbieter werden auf die Märkte drängen und uns als Technologie-Spitzenreiter ablösen.

Daher muss die Politik mit Anschubhilfen der neuen Technlogie zum Durchbruch helfen.

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“, sagte schon Heraklit. Die Chancen im Wandel zu suchen – das ist die Quelle des zukünftigen Erfolges und das eigentliche Kapital Deutschlands.

PS. Gerade findet die Auto-China in Peking statt. Alle chinesischen Anbieter setzen voll auf das Elektro-Auto. http://www.stern.de/auto/service/peking-autoshow-2010-mit-strom-faehrt-china-allen-davon-1561009.html

Update 28.4.2010: Dass es auch anders geht zeigt BMW, die ab 2013 ein Verbundstoff-E-Auto herausbringen wollen: http://www.focus.de/auto/neuheiten/spritsparkonzepte/bmw-megacity-vehicle-elektro-kunststoff-auto-ab-2013_aid_501552.html (und raten Sie mal, wer die Akkus baut? Bosch zusammen mit Samsung!)

*mehr unter www.lhg-bw.de

(Der Autor hat u.a. in Turku/Finnland Ingenieurwissenschaften studiert, auch mit den Fächern Elektrotechnik, Automatisierungstechnik, Anlagentechnik, Chemie)

Teurer Öko-Strom – Spiegel wacht auf, Teil 2

am 25.8. hatte ich berichtet (ursprünglich im Juni hier), dass der Spiegel den sündhaft teuren Solarstrom entdeckt hat. Heute nun abermals ein Artikel in der Online-Ausgabe:

Die Große Koalition ist abgewählt, doch die Bürger tragen an einer teuren Erblast: Die Solaranlagen, die unter Umweltminister Gabriel installiert wurden, verursachen langfristig Kosten von 27 Milliarden Euro. Dabei ist der Nutzen minimal – die Sonne trägt fast nichts zur Stromerzeugung bei.

…Der Grund ist die hohe Ökoförderung, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgeschrieben ist: Betreiber von Solaranlagen bekommen 43 Cent pro Kilowattstunde – fünfmal mehr, als konventioneller Strom an der Energiebörse kostet. Die Mehrausgaben müssen die Verbraucher tragen, und das 20 Jahre lang. Denn so lange ist die Solarvergütung garantiert.

Mit anderen Worten: Eine Solaranlage, die heute installiert wird, verursacht auch in 20 Jahren noch Kosten. Experten sprechen von “Solarschulden”.

Und die sind gigantisch. Allein für die Anlagen, die von 2000 bis 2008 ans Netz gingen, sind laut “Photon”-Tabelle 33,7 Milliarden Euro fällig. Das RWI beziffert die Summe sogar auf 35 Milliarden Euro.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,653993,00.html

Dafür haben wir’s ja.

Schau an: 2009 wieder mehr Öl gefunden

Update 10.10.: Auch der Focus berichtet Ähnliches: http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/wissenschafts-dossiers/tid-15600/rohstoffe-neue-mythen-um-das-ende-des-oels_aid_438109.html

Am 14.11.2007, also vor fast zwei Jahren, habe ich im Artikel “Die große Öl-Lüge” (http://fdp-bw.de/fdpbwblogs/lochmann/2007/11/14/die-grose-ol-luge/) beschrieben, wie die Ölkonzerne künstlich die Zahlen zur verfügbaren Menge an Erdöl niedrig halten, um die Preise zu stützen. Dafür habe ich von grünen Mitmenschen übelste Schimpftiraden erhalten. Jetzt lese ich in der FAZ die Bestätigung der These:

Riesige neue Ölfunde im Meer dämpfen die Angst vor einem baldigen Engpass. Mit 200 neuen Funden könnte 2009 zum erfolgreichsten Jahr seit der Jahrtausendwende werden.

http://www.faz.net/s/Rub58BA8E456DE64F1890E34F4803239F4D/Doc~EEB70A063871B4E4D9B9AAE85E0BAF0DE~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

Energie- und Rohstoffförderung ist eben immer politisch. Und spätestens seit dem herauskam, dass Ölkonzerne  die Öko-Bewegung infiltriert und gefördert haben, ist klar, wie diese die Öko-Bewegung zu ihrem Vorteil instrumentalisiert haben. Resultat: Immens hohe Preise und riesige Gewinne.

Das Öl geht noch lange nicht aus. Punkt. Wer anderes behauptet, ist einer massiven Propaganda-Industrie anheim gefallen. Solange die Produzenten jedoch selbst die Prognosen über die Vorräte machen können, wird dies politisch geschehen. Jetzt, da die Automobil-Industrie droht, die Erdöl-Industrie endgültig zu verlassen, werden plötzlich neue Funde en masse  publiziert. Das ist doch kein Zufall!

Die Öl-Industrie will doch nur Zukunftssicherheit einer veralteten Technologie demonstrieren. Wir sollten weder darauf hereinfallen, noch die technische Entwicklung anderer, neuer, umweltfreundlicher Technologien verlangsamen. Im Gegenteil: Das Öl-Zeitalter muss beendet werden – genauso politisch und bestimmt wie die Regierungen und Despoten der Erzeugerländer uns jahrzehntelang die Preise diktiert haben.

Ich denke, Unabhängigkeit und Pluralität in der Energieproduktion sind hohe Güter, die entscheidend für unsere Zukunft sein werden. Deshalb: Weg vom Öl, weg vom Gas, so schnell wie irgend möglich. Keine Abhängigkeit von Putins Pipelines! Und bloß nicht auf die Taschenspielertricks der Öl-Branche hereinfallen.

Atomindustrie muss für Entsorgung aufkommen

Wenn nach der Bundestagswahl die Laufzeiten der Atommeiler in Deutschland verlängert werden, kann sich die Stromwirtschaft auf Mehreinnahmen von bis zu 70 Milliarden Euro freuen. Damit könnte sie natürlich, wie schon in den vergangenen Jahrzehnten, ihre Gewinne vermehren. Oder sie könnte, wie zurzeit von der Politik angedacht, zu Investitionen in erneuerbare Energien gezwungen werden. (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/atomkonzerne-sollen-milliarden-zahlen;2449971) Ich bin jedoch der Meinung, dass mit diesem Geld endlich die Entsorgungsfrage des Atommülls geklärt werden muss. Wir sollten uns von der Idee, strahlenden Müll in wasserlöslichem Salzgestein speichern zu können, verabschieden und andere Orte für eine sichere Endlagerung suchen. Wenn nötig, auch im Ausland. Nicht nur, dass wir mit der Lösung der Müllfrage den Grünen endlich das letzte wirksame Argument gegen die Atomkraft aus der Hand nähmen, nein, wir würden auch endlich die für die Entsorgung bezahlen lassen, die den Müll auch verursacht haben. Es kann nicht Aufgabe des Steuerzahlers sein, für die Entsorgung des Atommülls über Jahrzehnte zur Kasse gebeten zu werden. Also, hier mein einfacher, pragmatischer Vorschlag: Die Laufzeiten werden verlängert, aber nur, wenn die Atomindustrie 70% der zu erwartenden Gewinne in einen Entsorgungs- und Entwiklungsfonds solange einzahlt, bis sie die Müllfrage endgültig geklärt hat.

Teurer Ökostrom: Der “Spiegel” wacht auf

Ein kleiner Passus im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) könnte die Stromkunden in den kommenden Jahren Milliarden kosten. Wie die “Financial Times Deutschland” am Montag unter Berufung auf eigene Berechnungen und Zahlen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) berichtet, könnte sich die Summe auf bis zu elf Milliarden Euro addieren.

… Die Subventionen wirken sich aber auch in anderer Hinsicht schädlich aus: Sie bewirken, dass Solarmodule unnötig teuer sind. Denn die Solarhersteller kalkulieren die hohen Einnahmen, die ihre Kunden mit ihren Anlagen erwirtschaften können, in die Preise ein.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,644644,00.html

Meine Meinung: Schluss mit dem Schwachsinn!

Öko Blau Rot

pu_stickerEs weht ein neuer Wind in Amerika. (Oh, welch köstliches Wortspiel!) Die demokratische Kampagnen-Organisation MoveOn.org verteilt auf ihrer Homepage kostenlose Aufkleber für erneuerbare Energien in den USA. Es ist schon seltsam, wie ein Wandel zur modernen Technologie ganz ohne Strickpullis und Langhaarfrisuren und Rot-Grün-Linker Demagogie vonstatten gehen kann.