mit freundlicher Genehmigung von Paul Lillrank, Professor an der Helsinki University of Technology, erschienen im Blog von “Suomen Kuvalehti” am 24.6.2012. Aus dem Finnischen.
Warum den Experten glauben, wenn Experten nichts wissen?
“Das Gesundheitsamt befiehlt den Bürgern, keine Butter zu essen, weil es die Wissenschaft so sagt. Low Carb-Fans glauben das nicht, weil die Freunde auf Facebook etwas anderes erzählen.
Ökonomen glaubt man nicht, weil sie die Finanzkrise nicht voraussagen konnten. Und sie können jetzt auch nicht sagen, was die Griechen-Pleite dem Euro oder der EU antäte.
All die Bücher über die Geheimnisse hinter dem Erfolg von Nokia sind Makulatur, weil dieselben Geheimnisse das Scheitern des Unternehmens erklären. Psychiater wissen nicht, ob ein Massenmörder krank ist – geschweige denn, ob es für ihn eine adäquate Behandlung gibt.
Wenn die Experten nicht wissen, warum müssen sie dann Macht und Autorität haben?
Ein Experte muss Dinge wissen. Aber er muss auch Theorien und Verfahren beherrschen. Eine Theorie ist ein wahrer Satz der Form: “Wenn Du A in der Situation B machst, passiert C mit der Wahrscheinlichkeit p”.
Die Theorie ist stark, wenn immer und unter allen Bedingungen aus A C folgt. Auf ihrer Grundlage kann man dann prognostizieren, planen und steuern.
Wenn die Wahrscheinlichkeit sich der eines Münzwurfs nähert, hat die Theorie keine Prognosekraft. Sie kann helfen, Probleme zu formulieren, verstehen und analysieren – aber sie führt zu keinem Ergebnis.
Naturwissenschaftliche Theorien sind stark. In den Sozialwissenschaften hat man es nicht geschafft, starke Theorien zu bilden – trotz aller intensivsten Bemühungen, solche zu formulieren. In sozialen Interaktionen sind A, B und C schwierig zu definieren und zu messen. Wenn man etwas nicht definieren kann, kann man es nicht messen, wenn man es nicht messen kann, kann man es nicht steuern. Ohne Steuerung sind die Folgen zufällig.
Ein seltenes Ereignis, wie z.B. eine Gewalttat oder eine Finanzkrise, kann man im Nachhinein mit einer Geschichte erklären. Aber selbst wenn die Darstellung treffend wäre, würde sie nicht zum Prognostizieren oder zur Prävention taugen – weil beim nächsten Mal wieder andere Bedingungen gelten. Man kann Symptome lindern, aber die Krankheit nicht heilen, ohne die Ursache zu kennen.
Wenn A dann B oder vielleicht C
Volksgesundheitliche Theorien sind bestenfalls vom Typ “wenn Du zehn Jahre lang höchstens sechs Stück dunkle Schokolade pro Woche isst, sinkt Deine Wahrscheinlichkeit, an einem Herzinfarkt zu erkranken um x Prozent.” Ein Ökonom kann sagen: “Wenn die Zinsen sinken, müsste die Investitionswilligkeit steigen”. Eine Führungstheorie kann voraussagen: “Wenn im Aufsichtsrat deines Unternehmens ein Drittel Frauen sitzt, wirst Du mit der Wahrscheinlichkeit y ein besseres Ergebnis erzielen als Deine Branche im Durchschnitt.”
Entscheider brauchen Wahrscheinlichkeitsverteilungen, um allgemeine Prinzipien und Empfehlungen zu formulieren. Individuen und Unternehmen möchten sachverständigen Rat für ihre eigenen Situationen. Ein mit einer wackeligen Theorie ausgestatetter Experte kann nur sagen, dass etwas normalerweise so ist, aber dass es in dieser Situation auch anders sein kann. Die Verantwortung liegt beim Hörer. Der Experte übernimmt sie nicht.
In den sozialen Medien ist es einfach, Menschen zu finden, die in der selben Situation sind; die erzählen können, aus welchem A welches C folgte. In Netzwerken gestärkte Menschen greifen die Autorität der Experten an. Expertenorganisationen geraten in Krisen.
Sie spüren den Druck zu fusionieren, damit sie zu groß werden, um falsch zu liegen. Vernetzte Menschen kann man nicht so einfach herumkommandieren wie vereinsamte – daher widmen sich die Experten zunehmend gesellschaftlichen Rändern.
Die Europäische Finanzkrise löst man nicht mit Beleben oder Sparen. Wachstum erfordert die Beseitigung von Hindernissen wirtschaftlicher Tätigkeit. Wackelige Expertenmacht könnte man verringern, um die Bürger zu stärken.”
Original-Artikel unter http://suomenkuvalehti.fi/blogit/nurkanvaltaaja/miksi-uskoa-asiantuntijaa-kun-asiantuntija-ei-tieda


Da es nun aber an dem ist, daß ich dir, günstiger Leser, das größte und gefährlichste Abenteuer erzählen soll, welches die sieben Schwaben bestanden: so befinde ich mich in keiner kleinen Verlegenheit, wie ich die Sache der Wahrheit gemäß darstellen soll. Denn weil ich die That, leider! nicht selbst mitgethan, so mußte ich sie eben von jenen vernehmen, die, wie verlautet, dabei gewesen; absonderlich von dem Seehaasen, dem Anführer der Helden und dem Verkündiger ihres Heldenthums. Der aber, wie du weißt, ist ein Erzlügner gewesen, ein Windbeutel, ein Ploderer, ein Mährensager von Haus aus. Und die übrigen, mit Respect zu melden! verdienen wol eben so wenig Glauben; denn Jeder, wie leicht zu vermuthen, wird nur zu eignen Gunsten erzählet, und seinen Part am Abenteuer heraus gestrichen haben. In solcher Noth, was soll der Geschichtsschreiber thun? Ohne Zweifel das Beste. Und so will ich denn die Historie also nehmen und geben, wie sie mir als die natürlichste und wahrhaftigste erscheint. Andere machen es auch nicht anders im Andern. – Es sei also kund und zu wissen, wie daß die sieben Schwaben in den Strauß zogen, hübsch langsam voran gegen den Busch zu, wo, wie der Seehaas sagte, der Drach sein Nest hatte. Als sie schon ganz nahe waren, sagte der Spiegelschwab: Mich grimmt’s im Bauch, und ich muß abseiten. Das wollte der Allgäuer nicht leiden, und er sagte: er sollte mit den andern mitmachen, und nicht apart thun. Der Spiegelschwab versetzte: er wolle ja nur spioniren gehen, wo das Thier stecke. Laß es stecken, sagte der Allgäuer, wo es steckt, und bleib, sag ich. Jetzt seid stät, und haltet’s Maul, rief der Seehaas, und lugt und los’t. Und wie sie nun gegen den Busch weiter vordringen, und lugen und losen, siehe da liegt ein Haas im Busch, der lugt und los’t auch, und macht ein Männle, und erschrickt, und lauft davon. Die sieben Schwaben aber blieben stehen ganz erstaunt und erstarrt. Hast’s gesehn? hast’s gesehn? rief einer um den andern; und es war so groß wie ein Pudelhund – wie ein Mastochs – wie ein Trampelthier, sagte einer um den andern. Bygost! sagte zuletzt der Allgäuer, wenn das kein Haas gewesen, so weiß ich den Grindten von keinem Büchel zu unterscheiden. Nun ja, Haas hin, Haas her! sagte der Seehaas; ein Seehaas ist halt größer und grimmiger, als alle Haasen im heiligen deutschen Reich. Und das hat er gut gemacht. – Dieses Thiergeschlecht aber, mein’ ich, wird seit der Zeit wol ausgestorben sein, wie die Mammuth.

