Platzende Kondensatoren und schmorende Grafik-Chips

Die globalisierte IT-Industrie mutet ihren Kunden schon einiges zu in diesen Tagen. Der ständige Kostendruck und die nimmersatte Gier nach Gewinn machen die Hersteller von Computer-Hardware anfällig für allerlei Betrügereien. Der Leidtragende ist immer der Kunde – egal ob privat oder geschäftlich. Hier zwei Fälle aus meiner nächsten Umgebung, rein subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Sie zeigen dennoch, wie anfällig unsere IT-getriebene Infrastruktur mittlerweile geworden ist – und wie dringend wir strengere Regeln zur Produkthaftung und -sicherheit wir im globalen Wettbewerb benötigen.

Fall 1: Platzende Elektrolytkondesatoren auf Mainboards von Fujitsu-Siemens Bürocomputern.

Die Story geistert schon seit mindestens 2003 (auch 2005) durch die IT-Gazetten: Auch namhafte Mainboard-Hersteller hatten bei einem taiwanesischen Zulieferer minderwertige Elektrolytkondensatoren zu Hunderttausenden eingekauft und diese auf ihren Boards verbaut. Das wäre an sich nicht weiter schlimm – ein klarer Fall für einen Rückruf. Die Teile wären recht einfach auszutauschen, billig in der Anschaffung und ohne weiteres ersetzbar. Nach diesen Ereignissen sollte man meinen, die Hersteller hätten daraus gelernt.

Genau das haben aber die Computerhersteller nicht. Im Gegenteil: Selbst nach bekanntwerden dieser fehlerhaften Komponenten wurden weiter solche in Rechner diverser Hersteller verbaut, darunter auch bei Markenherstellern wie in unserem Fall eben Fujitsu-Siemens. Die Folge: Ich kenne eine ganze Serie von Business-PCs der Firma (aus 2009), auf denen der Reihe nach die ElKos platzen. (siehe Foto) Die Folge: Zuerst startet der PC immer langsamer, danach treten sporadische Ausfälle und Blue-Screens auf. Bis der Rechner dann irgendwann seine Tätigkeit komplett einstellt. Die Laufzeit der betroffenen Geräte beträgt 12-15 Monate, was für einen Business-PC eine peinlich kurze Laufzeit ist.

Der Vertriebspartner, von dem die PCs stammen, fährt die übliche Verweigerungsschiene und spricht zunächst vom “Anwenderfehler” (hahaha!),  dann vom “Einzelfall” (hahaha!) und hat nun letztendlich den Serienfehler zugegeben. Ein adäquater Ersatz oder eine Reparatur der (noch) nicht betroffenen PCs wird jedoch verweigert, obwohl heute schon absehbar ist, dass alle diese Rechner (in diesem Fall einige hundert Stück) ausfallen werden. Von Herstellerverantwortung keine Spur. So wird der Endanwender seinem Schicksal überlassen, Service? Kundenorientierung? Nie gehört.

Fall 2: Verbrannte NVIDIA Grafik-Chips in DELL-Notebooks

Der zweite Fall ist eigentlich noch schlimmer. DELL und andere Compterhersteller (u.a. HP) verbauten in 2008 Grafik-Chips der Marke NVIDIA, genauer gesagt die Baureihe 8400 M GS. Diese Chips waren von Anfang an fehlerhaft – was die Firma NVIDIA (nach einer Klage in den USA) auch eingestanden hat. Als Folge dieses Fehlers wurde die Garantie auf diese Chips von der Firma DELL um ein Jahr verlängert – und das weltweit.

Die Grafikchips in den betroffenen Rechnern, bei DELL sind es vor allem die Reihen Vostro und Latitude, also wiederum Geschäftsrecher, versagen jetzt in Massen. Der Grund ist ein Fertigungsfehler bei der Herstellung der Chips, wobei das Isolations-Trennmaterial den Temperaturschwankungen nicht standhält. Die Folge: Erst entstehen Artefakte auf dem Bildschirm, oft auf multiple Anzeigen, zuletzt fällt die Grafik-Einheit komplett aus und das Notebook ist unbrauchbar.

Bei mir versagte der Chip genau 6 Wochen nach Ablauf der Gewährleistungszeit und die Firma DELL weigert sich, den PC zu reparieren. Das obwohl sie spätetens seit Sommer 2008, also im Herstellungszeitraum meines PCs, schon von den fehlerhaften Chips wusste! Wie würden Sie das nennen, wenn ihnen derart wissentlich ein fehlerhaftes Teil verkauft wird? Eben. Das Produkt war nie mängelfrei, schon zum Herstellzeitpunkt nicht. Und dennoch wurde es in den Markt gelassen. Das ist eine Frechheit.

Die Firma DELL hat ihre Kunden nie über die Fehlerhaftigkeit seiner Produkte informiert – es wurde kein Rückruf gestartet und den Kunden wurde kein Austausch angeboten – immer in der Hoffnung, dass die Teile über die knappe Garantiezeit halten und man danach praktischerweise den Kunden abwimmeln kann. Bei mir wurde dann noch die Extra-Ausrede benutzt, die Gewährleistung betrage eh nur ein Jahr, da ich ja geschäftlicher Kunde sei. Also heißt das im Umkehrschluß: DELL verkauft minderwertige Geräte an Geschäftskunden, weil dort die Garantiezeit kürzer ist.

Ich habe als IT-Consultant mit vielen Vorurteilen der Firma DELL gegenüber kämpfen müssen – und sehe all diese Vorurteile leider voll bestätigt. Das ist schade, denn eigentlich war ich mit dem Rechner, z.B. seiner Verarbeitungsqualität, sehr zufrieden. In meinen Hardware-Empfehlungen werde ich DELL nicht empfehlen, denn eine Firma, die so mit ihren “kleinen” Kunden umgeht, hat die größeren auch nicht verdient. Nur am Rande: Die PCs aus Fall 1 müssen auch ersetzt werden – aber bestimmt nicht mit DELL-Produkten. Dazu passt auch die Meldung, dass DELL Server-Mainboards mit Trojanern ausgeliefert hat. Toll. Wer vertraut seine Daten schon so einem Unternehmen an? Ich nicht mehr. DELL ist durch für mich. Und zwar für immer.

Was sind das für Gepflogenheiten in der IT-Branche? Fehlerhafte Teile werden massenhaft verbaut, die Firmen wissen davon und tun nichts? Der Kunde als der Dumme? Hauptsache das Ding hält bis zum Verfallsdatum der Garantiezeit und danach sind die Kunden egal?

Ich will nicht wissen, wie viele fehlerhafte Kondensatoren und Chips auf unseren Straßen fahren oder in unseren Flugzeugen fliegen. Die IT-Branche benötigt dringend eine Art TÜV, der elektronische Bauteile prüft und abnimmt, bevor sie in kritische IT-Systeme verbaut werden dürfen. Die Informationstechnik ist viel zu wichtig geworden, um sie solchen Scharlatan-Zulieferern und verantwortungslosen Herstellerfirmen zu überlassen. Oder wollen Sie, dass bei der nächsten Online-Überweisung der Rechner platzt? Oder mitten in der Buchhaltung? In der Auftragsbearbeitung? Gar im Controlling? Oder einer Maschinensteuerung?

Wo Wirtschaft nicht funktioniert, müssen Regulierungen her. So auch hier. Es geht nicht darum, dass ein Computer nach zwei Jahren ausfällt. Das kann vorkommen – obwohl sogar die gesetzliche Abschreibungsfrist 3 Jahre beträgt, die so ein Rechner eigentlich auch halten sollte. Um was es hier geht, ist die massenhafte Verwendung minderwertiger, bzw. defekter Bauteile und die Weigerung der Unternehmen, für ihre Fehler auch einzustehen.

Ein ganzes Forum extra für NVIDIA-Opfer: http://www.nvidiadefect.com

Frau Aigner, hier gibt es ein echtes Verbraucherschutzproblem – tun Sie etwas. Und hacken Sie nicht immer nur auf Google und Facebook herum.

Was ist “liquid democracy”?

Die Piratenpartei nimmt ein (weiteres) Tool zur internen Diskussion in einer Partei in Betrieb und feiert das als “Revolution”. Was steckt dahinter? Hat das Konzept der “liquid democracy” Potenzial, auch in etablierteren Parteien zum internen Diskurs beizutagen?

Die Berliner Piratenpartei hat mit der Einführung von „LiquidFeedback“ den parteiinternen Diskurs revolutioniert. Mit Hilfe der von Piraten entwickelten Software können trotz enormen Mitgliederwachstums dauerhaft alle Parteimitglieder an der Meinungsbildung beteiligt werden. Die Piratenpartei wird sich so auch weiterhin durch ihre Diskussionskultur, die allen Stimmen Gehör verschafft, von den etablierten Parteien absetzen. Erstmals in der deutschen Parteiengeschichte kann dauerhaft auf ein Delegiertensystem zur Entscheidungsfindung verzichtet werden. Die Software steht auch der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung.

http://berlin.piratenpartei.de/index.php/2010/01/03/pressemitteilung-piratenpartei-revolutioniert-parteiinternen-diskurs-interaktive-demokratie-mit-liquid-feedback/

Nun, meine Meinung: Interne Diskussionen in politischen Parteien laufen idealtypisch offen, frei, gleichberechtigt und fair ab. In der Wirklichkeit jedoch laufen Entscheidungsprozesse in einer Partei oft verdeckt, im Dunkeln und hierarchisch ab. Die theoretisch wünschenswerte Gleichheit aller Diskussionspartner existiert de facto nicht – die altgediente Kungelrunde behält ihre soziale Selektionsfunktion auch weiterhin. Und: Hierarchien sind Vereinfachungen für die unteren Stufen. Sie bedeuten Verantwortungsabgabe nach oben.

Politische Prozesse sind hochkomplexe Meinungsbildungsprozesse, in denen Macht, Dominanz und Führung eine wichtige Rolle bei der Mehrheitsfindung spielen. Kein mir bekanntes technisches System kann diese soziale Komponente bislang abbilden.

quelle: piratenpartei.deAber: Die Technik ist da und wir nutzen sie zu wenig. Manche Entscheidungsprozesse in (allen) politischen Parteien sind in der Tat veraltet – und wir täten Gutes daran, diese zu modernisieren. Dazu habe ich als Webmaster einer Partei in den letzten zehn Jahren einiges getan – Es gibt Homepages mit Kommentarfunktionen, Blogs mit Comments, Parteitagsseiten, Wikis, Foren, Chats. Alle diese Tools haben jedoch, obwohl in anderen Lebensbereichen extrem erfolgreich, es NICHT geschafft, die Prozesse in der Partei abzubilden oder gar nachhaltig zu verändern.

Warum ist das so? Nun, die Responsivität der Allgemeinheit auf direkte politische Kommunikation ist gering. Es bestehen große Hemmungen beim allgemeinen Publikum, sich in politische Prozesse einzuklinken. Mehr noch: Selbst die Mitglieder einer Partei sind in der Mehrzahl passiv. Daher sind og. Tools immer von kleinen, aber dafür umso lautstärkeren Minderheiten oder Einzelaktivisten besetzt – bishin zur totalen Radikalisierung von Internetforen, welche letztlich dann auch geschlossen worden sind.

Was lernen wir daraus?

  1. Die Mehrheit der Menschen möchte sich nicht langfristig am Entstehungsprozess der politischen Entscheidungen beteiligen.
  2. Die Mehrheit der Menschen möchte über fertige politische Konzepte abstimmen – und nicht selbst welche entwerfen.
  3. Mittlerweile sind wir so weit, dass bei manchen Wahlen die Menschen in Mehrheit noch nicht einmal über die fertigen Konzepte abstimmen wollen.
  4. Politisch Aktive sind nicht der Querschnitt der Bevölkerung – die politischen Ränder sind überproportional vertreten.
  5. Die meisten Menschen verstehen den modernen, ausdifferenzierten politischen Prozess nicht – schon allein die Sprache ist für viele abstoßend.

Alle diese Punkte sprechen für eine weitere Professionalisierung und Ausdifferenzierung des politischen Systems. Es wird zusätzliche Brücken in andere Bereiche der Gesellschaft geben – die Presse, Rundfunk, Blogs, Foren, Chats, Videos. Ich glaube fest, dass die direkte Demokratie innerhalb von Parteien keine reelle Chance auf Verwirklichung hat – auch mit noch so ausgefeilten technischen Mitteln nicht. Es liegt nicht an der Technik. Es liegt am menschlichen Wesen schlechthin.

Es ist eben bequemer, andere für sich denken zu lassen und dann in Gönnermanier den Daumen zu heben oder zu senken. Die Arbeit, die in den politischen Ideen und Konzepten steckt, weiß nur derjenige zu würdigen, der solche schon mal gemacht hat – ganz egal in welcher politischen Richtung.

Ich halte die “Revolution” der Piraten eher für eine Utopie – die genauso enden wird, wie viele andere Versuche auch, das politisch System responsiver zu machen: Es wird ein kleiner, sinnvoller Teil der Funktionalität übernommen. Und der Rest bleibt, wie er ist.

Was ich mir aber durchaus vorstellen kann ist, dass Tools wie “liquid feedback” für einzelne Entscheidungen wie z.B. Mitgliederentschiede zu einzelnen Themen, genutzt werden – und so den Parteigremien helfen, Entscheidungen zu fällen. Von verbindlichen, Parteitage übergehenden Beschlüssen halte ich wenig.

Mit der Einführung von LiquidFeedback stellen wir sicher, dass wir behalten, was bisher oft als Privileg kleiner Parteien begriffen wurde: Einen immer offenen parteiinternen Diskurs und ein Abstimmungssystem, bei dem nicht nur alle beteiligt sind, sondern auch konstruktiv an den abzustimmenden Vorschlägen mitarbeiten können. LiquidFeedback zeigt, dass mit Hilfe neuer technischer Mittel Demokratie heute neu erfunden werden kann – und wir so der eigentlichen demokratischen Idee immer näher kommen. Demokratie wird interaktiv. Mit Habermas gesprochen, haben wir die Salons und Kaffeehäuser digitalisiert – für einen neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit.“ (Andreas Nitsche, Mitentwickler der Software)

Genau das ist doch das Problem – die Habermas’sche Diskurstheorie hat noch nie in der Praxis funktioniert.

Meines Erachtens bestehen bei dem Ansatz zwei grundlegende Schwierigkeiten: Die freizügige Delegation der Stimmen führt zu Meinungsmonopolen und Stimmenkauf -  und man unterliegt dem verbreiteten Irrtum, dass die Aggregation von Einzelmeinungen eine konsensfähige Gruppenmeinung erzeugt. Dem ist nachweislich nicht so (siehe Schweigespirale). Daher sind die Ergebnisse eines solchen Systems (=der Output) nicht vorhersehbar, nicht kalkulierbar und somit von der Führung eines Organs nicht gewollt.

Mehr Info:

http://wiki.piratenpartei.de/Liquid_Democracy

http://www.zeit.de/digital/internet/2010-02/liquid-democracy-piraten

Die Software:

http://liquidfeedback.org/projekt/

Nehmt die CSU endlich vom Netz!

Das Internet und die CSU passen offensichtlich nicht zusammen. Nachdem die CSU-Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner sich schon mehrfach unqualifiziert gegen Internet-Anbieter erbost hat (sein Fett weg bekam das grandiose Google street view genauso wie das populärste Social Network schlechthin, Facebook), will sie und ihre Partei nun auch die gerade erst verlorene Stoppschild-Debatte wieder anfangen.

Hier meine kleine, freundschaftliche Anmerkung an die CSU:

Liebe CSU. Vielleicht solltet ihr eure Website komplett abschalten. Oder das ganze Internet. Das Internet und Ihr passt einfach nicht zusammen. Für Euch ist das Netz ja das Böse schlechthin. Und Ihr seit doch die Guten, oder? In eurer heilen Welt gibt es nur gute Kirchenmänner in guten Klosterschulen, gute ehrbare Kaufleute in guten bayerischen Landesbanken und, überhaupt, ihr Christsozialen verkörpert das Reinste im Menschen schlechthin. Fremdgehen? Scheidung? Uneheliche Kinder? Bei Euch? Im Reich des Unfehlbaren? Amigos? Bestechung? Ha, das waren doch nur gute Freunde, würde ich sagen.

Nein, wirklich. Das böse, böse Internet ist nichts für christsoziale Gutmenschen. Dass die Wertschöpfung über das Netz mittlerweile größer ist, als die des ganzen Maschinenbaus in Deutschland, braucht euch nicht weiter zu interessieren. Dass die halbe Welt bei Amazon einkauft, auch nicht. Die CSU braucht kein Google. Schließlich habt Ihr Katholiken ja schon einen Allwissenden.

Macht es doch einfach wie die Chinesen: In Bayern wird das Netz zünftig zensiert – gelernt wird wieder in der Kirche und bestellt wird wieder per Katalog. Das hat gleich mehrere Vorteile: Es gibt wieder Arbeit in Fürth, die CSU diktiert wieder die Meinung und alles ist so wie früher. Nur der Strauß fehlt noch. Aber vielleicht stellt Ihr den ja als Kopie in ein gläsernes Mausoleum in München. Da könnt ihr dann immer schön im Kreis drumrum laufen und dabei fröhlich Eure Volkslieder singen. Sozial und Sozialist. So weit auseinander ist das doch gar nicht.

Da Ihr das Grundgesetz nicht unterschrieben habt, ist das alles für Euch auch gar kein Problem. Der Stammtisch brüllt wieder zufrieden. Die Kühe muhen fröhlich im Stall. Und die Ilse auch. Nur vom Internet solltet Ihr in Zukunft die Finger lassen. Von Computern sowieso. Und vom Ausland. Da kommt doch nur so kriminelles Zeugs daher.

Doch habt keine Sorge: Wir in Baden-Württemberg machen das für Euch. Wir tun Euch etwas Gutes: Ihr habt den ganzen Ärger nicht, die Arbeit nicht und den ganzen neumodischen Kram nicht. Keine Sorge: Ihr müsst Euch um nichts kümmern: Wir nehmen Euch gerne die ganzen lästigen Software-Firmen ab, mit ihrem blöden Englisch. Die Autofirmen und das ganze Bio-Gen-Zeugs. Die TV-Sender. Und die Werbeagenturen. Da sind ja eh nur liberale Yuppies drin.

Seht, Ihr in Bayern könnt euch in aller Ruhe wieder der traditionellen Landwirtschaft widmen: Ohne Gen, ohne Traktor und ganz ohne lästige Technik. Mit Pflug und Gaul auf den Acker. Ja mei, da freut sich die Ilse. Und wir auch: Denn so billig wie die Arbeit in Bayern dann wieder ist… und der Urlaub, die Kaufkraft! Ein Traum.

Ihr seht, liebe CSU, macht einfach in Bayern das Internet ganz zu. Das ist besser für Euch und besser für uns. Aber bitte: Kommt dann nicht mit blöden Fragen zu uns. So etwa wie, was man tut, wenn das Volk gar nicht mitmacht, was die Obrigkeit will. Oder warum das Volk hungert. Oder warum wir immer ärmer werden. Da gibt es in Bayern ja seit jeher nur zwei probate Mittel: Beten und Freibier. Und wenn das nicht wirkt, ja mei…

Mehr Infos:

“Die Software- und IT-Dienstleistungsbranche in Deutschland entwickelt sich zu einem eigenständigen Wirtschaftsfaktor, dessen Bruttowertschöpfung und Beschäftigung sich in den nächsten zwei Jahrzehnten verdoppeln wird. Doch derzeit wird der Sektor als treibende Wirtschaftskraft und Querschnittsfunktion in der Standort- und Industriepolitik systematisch unterschätzt.

Die in Deutschland aus volkswirtschaftlicher Sicht oftmals besonders beachteten Sektoren Maschinen- und Fahrzeugbau werden in den kommenden 15 bis 20 Jahren im Wachstum stagnieren, während die Software- und IT-Dienstleistungsbranche ihren Anteil an der Bruttowertschöpfung verdoppeln wird.

Quelle: Fraunhofer ISI-Studie: Deutsche IT-Branche unterschätzt

Mehr „Jobs“ fürs Land

Anbei ein Bericht zur Veranstaltung: foyer liberal – Datenschutz im Informationszeitalter, Ein Kampf gegen Windmühlen? Am 24.2.2010 im Landtag-Baden Württemberg. Unter Moderation des rechtspolitischen Sprechers der FDP/DVP-Fraktion, Rechtsanwalt Dr. Hans-Peter Wetzel MdL, referierten und diskutierten: Dipl.-Inf. Constanze Kurz, Chaos Computer Club, Professor Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V., Michael Zügel, Leiter der Stabsstelle beim Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg

Das Thema Vorratsdatenspeicherung geht um. Anfang März wird das Grundsatzurteil des BVerfG zum Thema erwartet – und angeheizt durch die Datendiebstähle der letzten Zeit nimmt die Debatte um die Sicherheit unserer personenbezogener Daten zu. Im Foyer des Landtags waren ca. 100 Interessierte versammelt, um den Ausführungen der geladenen Gäste zu lauschen.

Mit auf dem Podium war auch ein Vertreter des Landesamtes für Verfassungsschutz, der qua Amtes die Vorratsdatenspeicherung verteidigen musste. Dafür herhalten musste, wie so oft, der Schutz vor dem internationalen Terrorismus. Aus dem Podium stellte der Stuttgarter FDP-Stadtrat Michael Conz den Verfassungsschützer vor ernste Argumentationsprobleme. „Für 300 Gefährder geben wir also 300 Millionen im Jahr aus und überwachen 80 Mio. Bürger?“, so Conz. Recht hat er. Per Saldo gibt der Staat also eine Million Euro im Jahr für die Überwachung eines jeden potentiellen Terorristen aus. Ohne bislang auch nur einen konkreten Erfolgsfall. Für das Geld könnte man auch Personal einstellen, oder?

Aber zurück zum Thema. „Die beste Strategie des Datenschutzes ist die der Datenvermeidung“, so Professor Michael Rotert. Constanze Kurz vom CCC sah dies naturgemäß genauso. Allerdings war beiden Referenten auch klar, dass die Möglichkeiten, auf ausländische Anbieter einzuwirken, relativ gering seien. Was mir dabei durch den Kopf ging: Wenn ein, sagen wir mal Schweizer, Hacker die Vorratsdaten klaut? Was macht der Staat dann? Kauft er mit Steuergeld die Festplatten?

Apropos Datensammler: Letztendlich ist die deutsche IT-Industrie zum Großteil selbst schuld an der Malaise: Schließlich nutzen Webmaster ja Google Analytics und ähnliche Dienste nicht aus Jux und Dollerei. Die deutsche IT-Industrie bietet einfach keinen Adäquaten Ersatz an. Die amerikanischen Produkte, sei es YouTube, Google oder Facebook sind einfach besser: Nicht unbedingt besser programmiert. Aber besser vermarktet und besser vernetzt.

Die deutsche IT-Industrie gab, wie so oft, überhaupt kein gutes Bild ab. Constanze Kurz benutzte es ein paar Mal, das Zauberwort der Generation @: „cool“. Die anwesenden IT-Manager sahen in ihren gestriegelten Anzügen und pseudomodischen Seiden-Krawatten aus wie das Gruselkabinett aus dem Vorstand einer x-beliebigen Aktiengesellschaft zur Waschmittelherstellung.

Nochmal zur Erläuterung: Internet-Manager im Boss-Anzug sind NICHT cool. Die Internetgemeinde ist NICHT die Frankfurter Börse. Und die Produkte des Internets sind NICHT solide und bodenständig wie ein Mercedes. Steve Jobs, der zur Zeit erfolgreichste IT-Manager stellt seine Produkte immer im Rollkragenpulli und in Jeans vor. Und das vor einem begeisterten Millionenpublikum. Bill Gates tritt gerne mal im Poloshirt auf und Steve Ballmer, derzeitiger Microsoft-Boss im Holzfällerhemd.

Was sich an den Äußerlichkeiten wie z.B. der Kleidung ablesen lässt, zeigt letztendlich eine innere Einstellung. Die definiert den Erfolg. Und auch da rangiert die deutsche Internetwirtschaft ganz weit hinten. Bei Alexa findet sich nicht eine einzige deutsche Website unter den Top 100. (http://www.alexa.com/topsites/global)

Das deutsche Kapital (siehe Arcandor/Oppenheim) hat es versäumt, in das Netz zu investieren und die Amerikaner sahnen die Rendite ab. Und hier werden Manager von der Stange eingesetzt. Damit meint man dann, im Internet Erfolg haben zu können. Falsch gedacht. Denn im Netz muss man eines sein: cool. Und das ist der deutsche Durchschnittsmanager eben nicht.

Wir brauchen mehr „Jobs“ fürs Land. Und ich meine damit nicht die Arbeitsplätze, die wir auch brauchen. Wir brauchen mehr „coole“ Manager im Land, die „coole“ Produkte anbieten, die „coole“ Nutzer auch kaufen und anwenden können. Wir brauchen Unternehmer mit Begeisterung, die mit Begeisterung Produkte entwickeln, die User mit Begeisterung kaufen. Das bringt Umsatz und Gewinn. Und sichert unsere Zukunft.

Solange der Sinneswandel in den oberen Etagen des Kapitals in Deutschland nicht stattfindet und die Herren endlich umdenken, werden wir in der IT-Wirtschaft hinterherlaufen und andere, die den Wandel kapiert haben, werden an uns vorbeiziehen. Denn im Netz ist es völlig egal, aus welchem Land die Anwendung kommt. Hauptsache sie ist cool.

Während andere Staaten die digitale Weltwirtschaft unter sich aufteilen, befassen wir uns mit Zensurgesetzen, Überwachungsstrategien und den Lobbyisten der Gema. Das kostet uns Marktanteile und Wirtschaftswachstum und letztendlich auch Arbeitsplätze. Siehe dazu auch:

Der Präsident des IT-Verbands Bitkom, August- Wilhelm Scheer, fordert einen Internet-Staatsminister. Im «Spiegel» kritisierte er die Internetpolitik der Bundesregierung. „Es gibt eine Kommission nach der anderen, jedes Ministerium pickt sich etwas heraus und macht daraus einen Publizitätswirbel, aber es gibt kein Gesamtkonzept.“ Das Hin und Her beim Internetsperrgesetz gegen Kinderpornografie offenbare, dass es einer Koordinierung bedürfe. “Wir brauchen einen Internetstaatsminister, ähnlich wie der Kulturstaatsminister im Kanzleramt», sagte Scheer. Auf der einen Seite durchlöchre der Staat mit Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchungen die Privatsphäre der Bürger. «Gleichzeitig drischt die Verbraucherschutzministerin auf Google ein, weil es angeblich die Privatsphäre verletzt. Das passt nicht zusammen», moniert Scheer.

http://www.zeit.de/newsticker/2010/2/27/iptc-bdt-20100227-296-24051670xmlv

Rom ging nicht an der Faulheit seiner Sklaven zugrunde, sondern an der Faulheit seiner Eliten.

Datenschutz im Informationszeitalter kann nur sein: Dezentralisieren, Vermeiden, Befristen, Vernichten. Nur Daten, die nicht da sind, können auch nicht mißbraucht werden. Zensur und Überwachung treffen nur die “Dummen”. Die Findigen (übrigens auch Terroristen, die denken können) bauen sich einen verschlüsselten VPN-Tunnel zum Proxy in Georgien oder Azerbaidschan. Deshalb: Wehren Sie sich gegen die Datensammelwut von Staat und Unternehmen, wehren Sie sich gegen den  Kontrollwahn a la Schäuble und Co.

Ebook in USA der Renner – Deutschland schläft

UPDATE 17.11.2009 Die Süddeutsche zum Thema Google Books: “Google schränkt sich beim Einscannen von Büchern aus Europa ein. Das birgt für deutsche Verlage die Gefahr, die Digitalisierung weiter zu verschlafen.”

[...]Der Erfolg für die deutschen Verlage und andere Rechteinhaber birgt auch die Gefahr dauerhafter Rückständigkeit. Denn Google ist – so sehr dies hinsichtlich der Monopolgefahr bedenklich stimmen mag – eine der treibenden Kräfte, die die Welt ins digitale Zeitalter bewegen. Kulturgüter, die bei diesem Prozess nicht mitgenommen werden, laufen Gefahr, in Vergessenheit zu geraten.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels fordert bekanntlich die “Schaffung einer Deutschen Digitalen Bibliothek.” Das klingt sinnvoll. Wer aber die bestehenden Projekte aus deutscher Hand im Netz kennt, zweifelt am Erfolg eines solchen Modells.

Deutlich wird dies am Projekt Libreka des Börsenvereins, das oft zum Google-Books-Konkurrenten ernannt wurde. Die Webseite ist aber nichts als eine schlichte Plattform für den Buchverkauf, auf der man in ein paar digitalisierten Buchseiten blättern kann.

Die gepriesene Volltext-Suche, mit der man gelistete Bücher durchsuchen kann, funktioniert zwar, bleibt aber aufgrund der begrenzten Funktion des Angebotes sinnfrei. Was hat der Suchende davon, zu wissen, dass Mephisto zwar in Goethes “Faust” zu finden ist, solange er den eigentlichen Treffer seiner Suche nicht sehen kann, weil Libreka von “Faust” nur das Vorspiel auf dem Theater bereit hält.

So klaffen noch weite Qualitätsgräben zwischen Google und den selbsternannten Konkurrenten.

http://www.sueddeutsche.de/,ra12m1/computer/307/494641/text/

Was lese ich gerade im Ticker?

Seattle – Der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon.com hat in der Wirtschaftskrise ein weiteres Mal Gewinn und Umsatz kräftig gesteigert. Ein Grund: Amazons Lesegerät für elektronische Bücher “Kindle” war zuletzt der bestverkaufte Artikel des US- Konzerns. Mit seinen Zahlen für das dritte Quartal und den Aussichten für das Weihnachtsgeschäft übertraf Amazon die Erwartungen der Analysten klar. Der Überschuss stieg in den letzten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 68 Prozent auf 199 Millionen Dollar.

Das zeigt (mal wieder), wie die deutsche Innovationsfeindlichkeit uns international immer weiter zurückfallen lässt. (siehe auch hier). Während bei uns Katalog-Versender mit 50 Mio. Staatsgelder in die Pleite geschickt werden, während die Kanzlerin überkommene Urheberrechte gegen Google “verteidigt”, während eine ganz Buchmesse noch über Sinn oder Unsinn von Ebooks laboriert, MACHEN ANDERE LÄNGST UMSATZ!

Wann endlich verstehen wir, dass die Uhren im Jahr 2009 anders ticken als 1985? Mit einem nicht vorhandenen Verständnis für die digitale Wirtschaft oder die Internet-Technologie, mit dem Abmahn-Wahn als ABM für gescheiterte Rechtsanwälte (siehe #abmahnwahn auf Twitter) und mit einer Totalverwirrung in Sachen Internetrecht verjagen wir die digitale Wertschöpfung ins Ausland.

Als mein Kommilitone seine Diplomarbeit über Ebooks in 2005(!) schrieb (Link hier), wurde er von Teilen der Akademia dafür belächelt. Niemand soll behaupten, wir hätten keinen Zugang zum notwendigen Wissen gehabt! Nur: in  unserer Universitätswelt und in der deutschen empirischen Sozialforschung war und ist Trendsetten UNERWÜNSCHT. Da herrschen Mittelmaß, Nachbeten und Anpassung. Von wegen Elite.

Niemand wollte vor fünf Jahren etwas über Ebooks wissen, keine Industrie war bereit, in die Technik zu investieren. Die strukturell veralteten deutschen Verlage pochen auf Vergangenes wie Buchpreisbindungen und verlangen jetzt auch noch Sonderrechte für sich selbst im Netz. Die Folge:

Immer mehr deutsche Unternehmen verlieren Marktanteile an US-Firmen, siehe Amazon oder Google. Danach schreien sie nach gesetzlichem Schutz vom Staat, anstelle kreativ und innovativ am Markt teilzunehmen. Der Schutz von Rechten heißt aber nicht Schutz vor WETTBEWERB! Das genau ist es, was die eingeschlafene deutsche Verlagswirtschaft vom Gesetzgeber fordert. Als Liberaler muss ich dazu sagen: NEIN!

Die digitale Wirtschaft in Deutschland scheitert immer wieder an reformbedürftigen Gesetzen, die die ganze Branche lähmen. (so verliert z.B. Ebay erheblich Kunden und streicht Stellen in Deutschland wg. Abmahnungen und zunehmender Rechtsunsicherheit) Das muss sich dringend ändern – mehr Freiheit, mehr Wettbewerb und mehr Technikfreundlichkeit sind die Gebote der Stunde. Weg mit den unnötigen Subventionen und Finger weg von Sonderrechten für das Establishment!

Wer aus dem Fall Quelle immer noch nichts gelernt hat, wird am Ende zugrunde gehen (müssen). Letztendlich zu Lasten der gesamten Gesellschaft. Wer moderne Technologien verleugnet, nicht versteht und noch nicht einmal vestehen WILL, hat in der globalen Konkurrenz nichts mehr zu suchen.

Durch die Technikfeindlichkeit wird Deutschland von internationalen Trends abgehängt und verliert sich im kleinkarierten Vorschrifts-Verbots-Sumpf.

Das Ebook ist da. Und das ist gut so. Denn die Welt wird in Zukunft elektronisch lesen – ob die deutschen Verleger nun wollen oder nicht.

PS. Ich selbst habe schon vor fünf Jahren ein Referat im Fach Verlagswirtschaft über das Thema “XML als Datenaustauschformat im Verlagswesen” an der Universität gehalten. Und? “Zukunftsmusik”, hieß es*. Jetzt wären sie froh, sie hätten es damals kapiert. Bis heute existiert kein solches Austauschsystem. Traurig. Siehe dazu auch:

Um ein Buch auf den Lesegeräten darzustellen, müsse der Text im Format XML vorliegen, was aber zumeist nicht der Fall sei. Machert: “Die Übertragung eines Manuskripts in XML kostet Geld. Dieses Geld ist aber gut investiert, da XML die beste Grundlage für weitere Verwertungsschienen ist.” http://www.n-tv.de/technik/unterhaltung/E-Book-wird-boomen-article543299.html

Wissen sie, was mich am meisten dabei ankotzt? Dass Ideen nur deshalb in Deutschland abgelehnt werden, weil sie von einem “minderwertigen” Studenten, Doktoranden oder Mitarbeiter kommen. Anstelle auf die Sache zu schauen, schaut man auf den (oftmals erschlichenen) Status des Vortragenden! Eine solche Gesellschaft verpasst viele ihrer Chancen und wird nie wieder innovativ werden. Sie ist dekadent.

Wer Innovation will, muss erst mal Zuhören lernen! Und das bitte mit dem notwendigen Respekt vor dem Hirnschmalz jedes Einzelnen. In den Köpfen der jungen Leute ist die Zukunft. Und nicht im Geldköfferchen der Graumelierten.

Als philosophisch Interessierter könnte man auch sagen:

Im Kapital akkumuliert sich die Zukunft von gestern.

Aber das ist eine andere Debatte…

(Erweitert hieße der Satz wohl: “Im Kapital akkumulieren sich die Zukunft von gestern, die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen.” Auch nicht schlecht. ;-) )

(*Der Lehrbeauftragte war an leitender Stelle im Börsenverein des deutschen Buchhandels tätig.)

Twitter auf Facebook-Fanpages – Eine fast unendliche Geschichte

Hier zur Abwechslung mal etwas aus dem gelebten Leben eines Web-Workers:

Eigentlich war früher mal die Anbindung unseres Facebook-Profils an Twitter ganz einfach: In Facebook die Twitter-App installieren, beide Accounts miteinander verbinden, fertig. Ab sofort wurden alle Tweets direkt auf dem Facebook-Profil gepostet. Alles war also gut.

Die Schwierigkeiten begannen, als wir eine Facebook-Fanpage einführten. Was von Facebook zunächst für Künstler, Bands und Prominente gedacht war, wurde dank Werbe-Möglichkeit bald zur Facebooks Universal-Lösung für Unternehmen und Organisationen. Darum wird man bei der FDP-BW bald nicht mehr „Freund“, sondern „Fan“.

Leider sind die Fanpages bei Facebook technisch nicht ganz ausgereift. So lassen sich die Seiten nur mühsam über ein verstecktes Menü verwalten. Sie existieren innerhalb eines (privaten!) Facebook-Profils und bilden Quasi eine Kopie der gesamten Facebook Anwendung innerhalb der Anwendung selbst. Rekursion!, schreien da hysterisch die Informatiker; zurecht wie wir später noch sehen werden.

Also versuchte ich nun, die Twitter-Feeds auf die neue Facebook-Fanpage zu integrieren, schließlich war mir die Nutzung von Pages anstelle von Profilen von Facebook höchstpersönlich nahegelegt worden. (Dank an dieser Stelle nach Kalifornien an die sehr freundliche Betreuung bei der Migration der User!)

Es gibt sogar eine facebookeigene Twitter-Anwendung für Pages. Doch sie funktioniert nur in eine Richtung: Wenn man seinen Status in Facebook aktualisiert, wird dies auf Twitter gesendet. Wir wollten aber genau das Gegenteil!

Also, ab in die Foren und suchen. Aha, es gibt noch eine Anwendung, die heißt „Twitter for Pages“, ursprünglich mal „Involver for Pages“. Sie bindet die Twitter-Postings zwar in die Facebook-Page ein, aber bietet nur eine Box, die der Nutzer erst umständlich anklicken muss, um die Tweets zu sehen. Nein, das war’s auch nicht. Für schlappe 99 Dollar im Monat könne man auch den Status aktualisieren. Nein, danke. Das war’s mir dann doch nicht wert.

Also weiter suchen. Ich stieß auf wütende Forenteilnehmer en masse, die allesamt mehrere Facebook-Seiten verwalten und genau dasselbe Problem haben. Bis dato gibt es trotz vielfacher Support-Anfragen keine Lösung von Facebook.

Was also tun? Aufgeben? Es war doch aber so praktisch, von Twitter Links, Blogeinträge und Liveblogging zu posten und dann die Freunde auf Facebook daran teilhaben zu lassen! Sollte ich etwa alles doppelt eingeben? Dafür haben wir die Manpower und die Zeit nicht.

Die facebook-eigene „Notizen“ Anwendung kann zwar einen(!) RSS-Stream importieren, scheint aber extrem langsam und unzuverlässig zu sein. Außerdem importiere ich schon unseren Blog darüber. Hmmm. Das ging also auch nicht.

Da las ich im Facebook Forum eine Lösung aus Thailand. Umständlich, gewiss, aber für ein paar Leute zumindest scheint sie zu funktionieren.

Hier das Vorgehen in Kürze: Wir nutzen insgesamt vier(!) Web2.0-Dienste. Zuerst posten wir auf Twitter einen Tweet. Diesen holen wir mit dem Aggregator twitterfeed.com ab und senden in an den Push-Dienst ping.fm weiter. Dieser wiederum sendet unser Posting zu Facebook via eigener ping.fm Applikation.

UPDATE: Mittlerweile kann twitterfeed.com direkt an Facebook Pages senden. Der Umweg über ping.fm entfällt also. (5.11.)

Gedacht, getan: Bei twitterfeed.com und ping.fm angemeldet und Accounts erstellt, die Twitter RSS-Adresse kopiert, den Feed aggregiert und bei ping.fm die Applikation für Facebook eingerichtet. Sinnigerweise geht das mit dem neuen Facebook Connect. Man kann dort auch festlegen, welche Facebook Profile bzw. Seiten gefüttert werden sollen. Man kann also wählen, ob man ein (privates) Profil oder eine (öffentliche) Page oder gar beide mit seinen Feeds bestücken will.

Ich habe alles nach der Anleitung installiert, bei Facebook die Rechte freigegeben und: Es passierte rein gar nichts. Es funktionierte einfach nicht. Die Twitter-Postings kamen zwar in twitterfeed.com und ping.fm an – aber Facebook schien die Pings einfach zu ignorieren.

Also suchte ich den Fehler bei Facebook – und an der Stelle begann ich mich zu wundern, wie so unreife Software überhaupt auf dem Markt so erfolgreich sein kann. Zunächst entfernte ich alle nicht mehr benutzten Anwendungen vom Facebook-Profil.

Dabei fiel mir auf, dass nirgends die Tatsache erklärt wird, dass Pages eigene Anwendungen haben! Wenn man also ein Profil betreibt und darin eine Seite, ist die „Notizen-Anwendung“ der Seite eine andere als die des Profils! Das ist extrem verwirrend, zumal die üblichen Anwendungs-Einstellungsfelder oben und unten in Facebook  immer auf die Profil-Anwendungen gehen.

Nach Stunden hatte ich dann herausgefunden, dass man unter „Seiten bearbeiten“ die Anwendungen einer Seite separat editieren kann. Na denn. Warum kann man die nicht einfach mit einem Präfix für die Seite versehen?

Aber meine Tweets funktionierten immer noch nicht. Also, alle Anwendungen auf Profil UND Page gelöscht und neu installiert, wieder zwei, drei Stunden weg. Fast wie bei Windows 3.1. Aber, ja, endlich, da tut sich was! Ich hatte einen „Test“ von ping.fm gepostet und er erschien tatsächlich auf der Facebook-Page im Status.

Aber leider auch im Profil, wo ich es eigentlich gar nicht haben wollte! Also bei ping.fm schnell das Posten auf das Profil abgeschaltet. Und senden neu mit „Test2“. Alles bestens. Die Postings landeten nun nur auf der Fanpage und nicht mehr im Profil.

Dachte ich. Denn zwei Stunden später landeten die Tests plötzlich im Twitter-Feed! Wie in aller Welt kamen die denn da hin? Ich hatte doch auf Facebook ALLE Twitter-Applikationen gelöscht? Ich suchte und suchte und fand den Fehler nicht. Und jetzt posteten sich Twitter und Facebook gegenseitig die „Tests“ zu, in einer Endlosschleife!

Zum Glück ist der Feed so eingestellt, dass nur jede Stunde max. 140 Zeichen kommen. Wenn das jede Sekunde der Fall wäre, könnte man mit ein paar Accounts sowohl Twitter wie auch Facebook in das Datennirwana der rekursiven Schleife senden!

Aber wie war das möglich? Nun, Grund ist die m.E. schlampige Programmierung bei Facebook – mit dem Entfernen der Twitter-Applikation ist die Verknüpfung Fanpage>Twitter nicht automatisch gelöscht! Sie ist auch nirgends mehr in den Anwendungseinstellungen zu finden! Erst, wenn man auf die URL der Twitter-Applikation geht, sieht man das Übel und kann es entfernen. Da kommt man von alleine niemals drauf!

Man sollte auch auf seinem Twitter unter http://twitter.com/account/connections alle evtl. vorhandenen Facebook-Einträge löschen.

Also, Verknüpfung Facebook>Twitter entfernt – und erneut gepingt – und siehe da, kaum sitzt man drei Tage (und Nächte) lang dran, schon tut’s. Das war sicher nicht ganz im Sinne des Erfinders. Aber immerhin: Vier Web2.0 Dienste arbeiten zusammen. Aber: wenn auch nur einer ausfällt, tut natürlich nichts mehr.

Jetzt bleiben nur noch die üblichen Bugs: UTF-8-Kodierung funktioniert nicht, das heißt, alle Umlaute und Sonderzeichen werden geschrottet…Manchmal leben wir halt doch noch im Web0.5 alpha.

Bitte denken Sie bei der Nutzung von allen alpha, beta, gamma-Software und anderen kostenlosen Diensten daran, dass diese technisch oft noch auf ziemlich wackeligen Füßen stehen, auch wenn sie viele Nutzer haben. Einerseits bietet das neue Web erstaunliche Möglichkeiten, andererseits kann man die ganze Spielerei auch ad absurdum führen.

Ach ja, bleibt noch zu erwähnen, dass es noch eine Selective-Twitter Anwendung für Facebook-Pages gibt. Dort muss man in Twitter an jeden Post #fb dranhängen, um auf der Facebook-Page zu landen, das fand ich aber unpraktisch und würde es garantiert immer vergessen. (Ja, ja, man kann es in einem separaten Feed auf twitterfeed suffixen…) Auch Filterlösungen mit Yahoo-Pipes anstelle von twitterfeed werden verwendet.

Zur besseren Unterscheidung habe ich unseren Logos auf Facebook eine Schleife verpasst: Blau für Profil – Magenta für Fanpage. So kann man die beiden Formen besser auseinanderhalten.

Mit dem selben Zeitaufwand hätte ich eigentlich auch gleich eine Twitter für Fanpages-App programmieren können…

Aber das System hat ja auch Vorteile: Ich kann mehrere Twitter-, RSS-, und andere Feeds auf die Facebook-Page posten, den Feed filtern, mit Bildern und Videos versehen…