Wenn der Apple-Chef zurücktritt – oder wie eine Meldung (nicht) um die Welt geht.

Wie gut werden Sie informiert?

Es ist Mittwoch Abend, nein, früher Donnerstagmorgen. 0.38 Uhr. Ich surfe durch meine Lieblings-Nachrichtensites um mir meinen letzten Shot für heute zu holen. Für Nachrichten-Junkies wie mich leben wir ja heutzutage im Schlaraffenland – Echtzeit-News zu allem, was man wissen will (oder auch nicht) – immer verfügbar, blitzschnell.

So informiere ich mich über den Stand der Gefechte in Tripolis, die Reaktionen auf das Kopfgeld, welches auf Gaddafi ausgesetzt wurde, unterhalte mich auf Twitter über chinesische Dollar-Reserven und rege mich über Lanz im ZDF auf, der sich über Jugendliche aufregt, die als Hobby “Facebook” angeben.

Da trudelt auf Twitter die @Reuters-Meldung ein: “Steve Jobs resigns as CEO of Apple“. Ufff. Sofort klicke ich auf “retweet”. Da war die Meldung 53 Sekunden alt.

Das ZDF dudelt irgendwo im Hintergrund. Ja, Fernsehen ist bei mir zum reinen Hintergrundmedium geworden. Ein reines TV-Gerät besitze ich seit zehn Jahren nicht mehr. Ein älterer PC mit Satellitenkarte dient als Dudel-Gerät – neuerdings mit Ubuntu-Linux, seitdem die lahme Gurke mit Windows XP immer öfter ihren Dienst verweigert.

Aber fürs öffentlich-rechtliche Langweil-TV reicht’s allemal. Da läuft bei mir abends meistens das ZDF oder 3Sat oder arte, einsextra oder der ZDF-Infokanal. Seltener Phoenix. Tagsüber n-tv oder n24 und nachts, ganz wichtig, immer CNN. Und seit ein paar Monaten auch Aljazeera – seit dem “Arabischen Frühling” mausert sich der Katari-Sender, bestückt mit abgekauften BBC-Altmoderatoren zur recht seriösen Alternative. Und in Sachen Libyen, Tunesien und Ägypten ist Aljazeera ja praktisch unschlagbar.

Meine News-Junkie-Karriere begann recht früh. Immer haben mich Nachrichten interessiert – in meiner Kindheit erinnere ich mich an Francos Tod und die KSZE-Konferenz in Helsinki. Es gab nur Schwarzweiß-Bilder und nichts war live. Das änderte sich erst in den 1980-Jahren mit dem Satelliten-TV. Vorher saß ich nachts am heiß geliebten Grundig Weltempfänger und hörte nächtelang Kurzwellensender aus aller Welt. Dabei habe ich Englisch gelernt, zwangsläufig. Und ich erinnere mich an die DDR-Chiffre-Sender: eins echo drei sieben vier vier…

Ich schweife ab. Entschuldigung – das liegt wohl am Alter. Man wird mit der Zeit ein wenig nostalgisch. Und etwas zynisch.

Die nächste Sternstunde meiner News-Junkie-Karriere war die Deutsche Einheit. Zu der Zeit lebte ich 2000km weit weg in Finnland – und konnte das Unfassbare nur über Mittelwellen-Radio und Satelliten-Fernsehen verfolgen. Wissen Sie, ich hatte immer eine deutsche Flagge an der Wand, im Schlafzimmer. Und ein Bild von Uhlbach. Seltsam – heute hängt eine finnische Fahne in meinem Flur. Eine Art Fremdheits-Patriotismus wahrscheinlich. Man hat immer Sehnsucht nach dem Anderen. Doppelstaatler-Schicksal. Sic.

1991 war eine weitere Sternstunde meines Newsjunkie-Daseins – Ich glaube die erste richtig harte Droge. Konter-Revolution in Moskau. Mann, mann, mann. Live auf CNN zugucken, wie Sowjetpanzer das Parlament beschießen. Live! Panzer! In Moskau! Das war harter Stoff, den es noch 12 Monate vorher niemals gegeben hätte.

Wissen Sie, ich war nämlich da. In Leningrad, 1987. Ich war auch in der “echten” DDR. Ich habe im Intershop meine D-Mark verteilt. Ich habe Rubel auf dem Marktplatz in Vyborg verschenkt. Ich habe mich “reich” gefühlt, im real existierenden Elend des Kommunismus.

Und war gottfroh, wieder raus gekommen zu sein. Ich werde die flehenden Blicke der Bedienung an der Raststätte irgendwo an der Transit-Autobahn nicht vergessen, als ich ihr fünf D-Mark in die Hand drückte. Ich hoffe, dass die Stasi-Leute, die uns an dem ganzen Tag verfolgten, sie ihr nicht weggenommen haben.

News – das hatten die Menschen im Ostblock nicht. Und nun, 1991 das: Live Bürger-Krieg aus Moskau. Eine, meine Erweckung.

Seitdem gibt es keine Pause mehr in meinem News-Stream. Computer-Freak war ich seit den 80ern. Ab 1993 kam Compuserve dazu, AOL, das WWW. WOW! Ich war begeistert. Und machte mein Hobby gleich zum Beruf. Ich las die “Byte” und die c’t, lernte Programmieren – und tue das bis heute.

Apropos heute. Ich will Sie ja nun wirklich nicht langweilen. Heute dann, wie gesagt bei meiner Abendlektüre der von mir regelmäßig gelesenen zirka zehn Online-Zeitungen, flattert diese Meldung über Twitter herein.

Ich liebe ja Twitter – das ultimative Beschaffungstool für uns News-Junkies. Nichts ist schneller, nichts ist härter, nichts ist unzensierter, subjektiver, parteilicher, missbrauchter. Aber auch nichts ist ehrlicher. Und nichts ist besser.

Natürlich bleibt es jedem Nutzer von Twitter selbst überlassen, wem er folgt. Oder wen er “followed” wie es auf Nerd-Deutsch heißt. Sie können sich alles über Kim Kardashians Schönheits-Operationen ins Haus holen. Oder über Michelle Obamas Kleider. Aber eben auch Gleichgesinnte finden, Kontakte pflegen. Und eben Echtzeit-News erhalten.

Twitter entlarvt schonungslos sowohl arabische Despoten-Regierungen wie schlafende öffentlich-rechtliche Nachrichtenanstalten. Und genau hier setze meine kleine, völlig unrepräsentative empirische Untersuchung an jenem Abend ein.

Ach ja, ich vergaß. Nach meinem nachgeholten Abitur – meine finnischen Schulabschlüsse waren den deutschen Besserwisser-Bürokraten ja nicht gut genug - Sie ahnen, wie oft ich mittlerweile nach PISA über diesen Sachverhalt schon lauthals gelacht, ja wirklich gelacht, habe – habe ich die Medien auch universitär studiert. Also bin ich so etwas wie ein “Experte” *lach* und verstehe auch ein wenig von “empirischer Sozialforschung”. Nicht mein Lieblingsfach – aber in der Alltagsbeobachtung eines News-Junkies durchaus nützlich.

Man beginnt in der Empirie mit der Datenerhebung. Dazu benötigt man, wenn man, wie ich, einen gewissen Hang zur Phänomenologie hat, ein Ereignis. Im Gegensatz zu meinen tausenden Mit-Forschern bin ich eben nicht der Meinung alles und jenes deduktiv von einer vorhandenen Theorie ableiten zu müssen. Gottseidank! Denn so hätte sich Neues sicher nie entwickelt. Oder kennen Sie eine Theorie für Google? Eben.

Nein, dazu bediene ich mich einfach eines ganz alten menschlichen Instruments: Der Neugier und der Beobachtung. “Forscher müssen genau dann forschen, wenn die Dinge passieren“, sagte einst mein hochgeschätzer Professor der Medientheorie, Gerhard Maletzke. Ironie seinerseits, dass sie gerade einen grandiosen Praktiker als Theorie-Professor an der Uni installiert hatten. Aber das nur am Rande – der Mann war ein Genie.

Er hat gemacht! Und ich tat das auch. Ich registrierte ein Ereignis wie ein Seismologe eine Erd-Erschütterung misst. Ein Tweet. Eine Meldung. In Echtzeit. Mit Nachrichtenwert so hoch, dass sie jede Publikationsschwelle mühelos überwinden würde. Menschen würden Aktien verkaufen, Milliarden bewegt. Es würden Nachrufe geschrieben, eine Epoche würde für beendet erklärt werden.

Was war geschehen? Steve Jobs, IT-Ikone und CEO des erfolgreichsten Computer-Unternehmens auf diesem Planeten hatte seinen Rücktritt vom Posten des Vorstandsvorsitzenden und den Wechsel in den Aufsichtsrat erklärt. An sich kein ungewöhnlicher Vorgang in der Wirtschaft. Wer aber weiß, dass Jobs bei Apple immer an allen Produkten bis ins letzte Detail akribisch mitgearbeitet hat, dass er eine transplantierte Leber hat – und angekündigt “bis zum Ende” weiterzumachen, dem musste die Tragweite dieses Beschlusses auch sofort bewusst sein.

Schließlich hatte Jobs die Firma Apple aus kleinen Anfängen und zwischenzeitlich großen Schwierigkeiten zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt gemacht, dessen Marktwert erst kürzlich den des Ölriesen Exxon überstiegen hatte und irgendwo bei 340 Milliarden US-Dollar lag.

Um 0.39 Uhr verbreitete Reuters die Meldung. CNN online folgte fünf Minuten später. Das Wall Street Journal hatte die Story nach 10 Minuten. Das ZDF meldete im “Nachtjournal” nach 14 Minuten die “Eilmeldung”. @weltonline auf ihrer Website nach 18 Minuten. Fox-News in 20 Min. Die ARD-Online und Focus online nach 25 Minuten. Die Süddeutsche brauchte etwa eine halbe Stunde. CNN-International (Fernsehen) ca. 45 Minuten samt Interviewpartner via Skype.

Mittlerweile verlor die Apple-Aktie nach dem Jobs-Rücktritt 7% – das sind 24 Milliarden US-Dollar an Börsenwert.

Nach 41 Minuten kam die BBC und nach 45 Min. Aljazeera. Nach 47 Min. Bloomberg, heise.de 1 Stunde. AlArabiya 1:10h. Helsingin Sanomat 1:10h. Yle.fi 1:20h.

Nach 1:30 Stunden bei: Spiegel.de, n-tv.de, n24.de: nichts. Konserven im Programm, gähnende Leere auf Twitter, Webseiten nicht upgedated. Das sollte sich die ganze Nacht nicht ändern.

Hoppla.

Die Redaktion von n-tv.de umfasst 25 Personen. Der Sender gehört zur RTL-Gruppe, die wiederum Bertelsmann gehört, dem größten Medienunternehmen der Welt. n-tv wirbt mit dem Slogan “der Nachrichtensender”. (http://de.wikipedia.org/wiki/N-tv)

Spiegel Online machte 2006 bei einem Umsatz von 15 Millionen Euro zwei Millionen Euro Gewinn. Eine achtzigköpfige Stammredaktion arbeitet in Hamburg unterstützt von freien Autoren, sowie von Büros in Deutschland (insbesondere Berlin) und im Ausland. Gelegentlich schreiben auch Redakteure des gedruckten Spiegel. (http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel_Online)

N24 war der Nachrichtensender der ProSieben/Sat1-Gruppe. Die ProSiebenSat.1 Media AG investierte rund zehn Millionen Euro in den Sender in 2008. (http://de.wikipedia.org/wiki/N24) Der Umsatz 2009 betrug 93,8 Millionen Euro. (http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=38598&p3=)

Und jetzt wird die Sache haarig. Ich weiß, es ist Urlaubszeit. Es ist Nacht. Aber trotzdem! Ich finde es unfassbar, dass riesige Redaktionen es nicht schaffen, eine Meldung von Weltrang zeitnah über ihre Twitter-Accounts oder Webseiten zu veröffentlichen. Wozu bezahlen die Chefs der Sender teure Mitarbeiter? Was, wenn etwas wirklich(!) Wichtiges in der Welt passiert wäre?

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mehrfach Fehlleistungen in den deutschen Medien festgestellt – zu aller erst bei den sog. “öffentlich-rechtlichen” Fernsehanstalten im Bezug auf ihre Korrespondenten in Nordafrika, die immer genau dort zu finden waren, wo nichts passiert, während die anglo-amerikanische Konkurrenz per Skype und Livestream mitten drin war, in der jeweiligen Revolution.

Das ist doppelt ärgerlich, weil wir alle diese Anstalten mit Zwangsgebühren finanzieren (müssen) und diese ihren “Überqualitätsanspruch” sogar höchstrichterlich mehrfach  haben feststellen lassen.

Doch von echter Qualitätsberichterstattung a la Aljazeera waren ARD und ZDF in Tunesien, Ägypten und Libyen meilenweit entfernt. Im Gegenteil: Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender haben in der Berichterstattung um den “Arabischen Frühling” regelmäßg versagt. Dasselbe war bei Privaten und Öffentlich-Rechtlichen zu beobachten, um das Atom-Unglück in Fukushima, wo wochenlang wider besseres Wissen falsche, politisch opportune Fakten berichtet wurden.

Wenn der höchstrichterlich festgestellte Anspruch nicht mehr existiert, muss auch die Finanzierungsgrundlage entfallen.

Und nun dies. Peinlich für Spiegel, n-tv und n24. Eine Petitesse, sicherlich. Doch sie zeigt, welche Nachrichtenorganisationen in der neuen Echtzeit-Nachrichtenwelt angekommen sind – und welche eben nicht.

Seien Sie kritisch. Seien Sie sich bewusst, dass Sie in Deutschland vieles nicht oder nur verspätet erfahren. Nutzen Sie das Internet und vergleichen Sie. Nur so können wir Bürger zu wirklich aufgeklärten Bürgern werden.

Aber ich habe schon wieder Entzugserscheinungen – darum verabschiede ich mich wieder schnell zu Twitter und Co.

6 Stunden später: UPDATE: Spiegel Wirtschaft twittert um 6.48 Uhr. Website erst jetzt aktuell. Dasselbe bei n-tv. Autsch. 6.56 auch n24.de jetzt da.

Mit besten Nachrichten-Grüßen
Ihr Markus Lochmann

Autsch

…shit happens. So auch in der Live-Sendung des finnischen TV-Senders mtv3:

Das Video schaffte es als eines der raren finnischen Ereignisse bis in die CBS Evening News. Witzig.

Nicht das Was, sondern das Wie

In den letzten Wochen häufen sich die seltsamen kommunikativen Pannen in der deutschen Politik. Sei es bei der Hotelsteuer, dem Afghanistan-Bombardement, der Steuer-Reform oder dem Ankauf von Daten-CDs: Immer wieder wird in allerhöchsten Polit-Kreisen gemurkst – ohne Konzeption oder Blick fürs Ganze. Dabei sind die meisten Entscheidungen in der Sache richtig. Allein die Art und Weise ihres Zustandekommens zeugt nicht gerade von medialer Kompetenz.

Nehmen wir doch mal das Beispiel Mehrwertsteuersenkung für Hotels. In der Sache ist das völlig richtig – schließlich haben 20 von 27 EU-Ländern einen ermäßigten Satz auf Übernachtungen. Aber: Anstatt gleich alle Kosten der Hotellerie auf 7% MwSt. zu senken, murkst man an einer unsinnigen Unterscheidung zwischen Übernachtung und Frühstück – mit der absurden Folge, dass Millionen Arbeitsstunden in Zukunft darauf verwendet werden müssen, diese Kosten buchhalterisch auseinander zu dividieren. Man schafft unnötige Bürokratie und verkompliziert Dinge, anstatt den Mut zu haben, mit großem Federstrich klare Sache zu machen. Also:

Punkt eins zum nicht das Was, sondern das Wie: Überprüfe immer Deine Gesetze auf Bürokratiekosten, bevor Du sie verabschiedest. Scheue Dich nicht vor dem Großen, um das Kleine möglich zu machen.

Nächstes Beispiel Kundus: In der Sache völlig richtig, verteidigt die Bundeswehr mit militärischen Mitteln die eigenen Truppen und bekämpft feindliche Benzindiebe. Doch anstatt die Sachverhalte offen und ehrlich zu kommunizieren, wird gemauschelt, vernebelt und gelogen. Anstatt offen zum Kriegseinsatz zu stehen, vermurkst man seine Glaubwürdigkeit in immer neuen Mauscheleien, Verantwortungsschiebereien und Geheimberichten. Im Krieg sterben Menschen, auch Unschuldige. (O-Ton des Trägers des diesjährigen Friedens-Nobelpreisträgers). Will man das nicht akzeptieren, darf man auch keine Truppen entsenden.

Punkt zwei zum nicht das Was, sondern das Wie: Wenn Du militärische oder humanitäre Einsätze beschließt, dann stehe auch zu den Folgen. Egal wie bitter sie auch sein mögen.

Oder aber die Gesundheitsreform: Ohne Not manövriert sich der noch unerfahrene Minister in eine politische Sackgasse. In der Sache völlig richtig – nämlich die Gerechtigkeitskomponente der Krankenversicherung in die Steuerfinanzierung zu verlagern – und somit auch das produktive Kapital endlich an der Gesundheitsversorgung zu beteiligen, versteift er sich auf eine Systemfrage auf der Einnahmeseite – ohne jemals etwas an der Verschwendung auf der Ausgabenseite geändert zu haben. Das Fell wird verteilt, bevor der Bär erlegt ist.

Punkt drei zu nicht das Was, sondern das Wie: Prüfe erst das Bestehende auf schnelle, effektive Korrekturen, und handele zügig, bevor Du die Systemfrage stellst.

Oder die Außenpolitik: In der Sache völlig richtig, Friedenspolitik und Abrüstung zu betreiben, wird der Außenminister auf seine Person reduziert. Anstelle die Politik zu beurteilen, wird der Minister beurteilt. Als kompetenter Wirtschaftspolitiker in fremdem Feld sollte man den, in der Sache wiederum völlig richtigen, Strategiewandel der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan nicht nur mit dem Scheckbuch verkaufen.

Punkt vier zum nicht das Was, sondern das Wie: Nutze Deine Kernkompetenzen im eigenen Fachgebiet und in fremden überlasse die Strategieerklärungen den Fachleuten. Bleibe ehrlich was Deine Person betrifft. Und: „sapere aude“, sagt Kant. Wage Neues.

Oder aber die Spendenpolitik in der FDP: Die Partei hat wirklich nichts falsch gemacht bei der Annahme von Spenden aus der Industrie. In der Sache ist das völlig richtig, schließlich brauchen die Parteien Spenden, um überhaupt ordentlich funktionieren zu können. Und dennoch hat sie es zugelassen, dass aus einer legitimen Spendenannahme ein Image-Fiasko entsteht.

Punkt fünf im nicht das Was, sondern das Wie: Erkläre Deinen Stakeholdern offen, woher Dein Geld kommt und wohin es geht. Stelle niemals Lobbyisten ein. Halte Dich fern von dubiosen Quellen. Und, verdammt noch mal, treffe auch mal Entscheidungen zugunsten der Allgemeinheit gegen Deine eigenen Klientelgruppen. Das macht Dich glaubwürdig.

Oder aber Thema Steuer-Daten-CDs: Da verfolgt, in der Sache völlig richtig, die Regierung kriminelle Steuerhinterzieher. Aber, wie tut sie es: indem sie sich selbst illegal beschaffter, also gestohlener Daten bedient.

Punkt sechs im nicht das Was, sondern das Wie: Werde niemals selbst kriminell, um Kriminelle zu verfolgen. Damit stellst Du Dich auf dieselbe Stufe mit denjenigen, die Du verfolgen willst. Das macht Dich moralisch unglaubwürdig.

Oder aber die Steuer-Strukturreform: Da wird, in der Sache völlig richtig, die Vereinfachung des Steuersystems gefordert. Anstelle das zu kommunizieren, beharrt man auf einer Steuer-Senkung, ohne den Menschen die Vereinfachung zu erklären. Pragmatisch gedacht: macht doch erst die Vereinfachung, anschließend dann die Senkung. Kommuniziert erst die Einsparungen und erklärt dann die Einnahmenminderungen. Wenn die Menschen erstmal konkrete Ergebnisse sehen, werden sie auch den Rest eher glauben.

Und so weiter, und so weiter, und so weiter. Es ist vieles richtig gemacht worden, in den letzten Wochen. Aber es ist genauso vieles auf die falsche Weise gemacht worden in den letzten Wochen. Wenn diese Bundesregierung glaubwürdig und populär werden will, muss sie konsequent neue Regeln einführen, wie sie mit der Kommunikation ihrer politischen Vorhaben umgehen will.

Die Menschen haben nicht die Ergebnisse der Politik satt. Sie haben das politische Theater um die Ergebnisse satt. Politikverdrossenheit entsteht durch permanente Ankündigungen ohne greifbare Resultate. (Das nenne ich das “Obama-Syndrom”, dazu aber später mehr). Kennzeichnend für unsere Zeit ist der rasend schnelle Umschwung der öffentlichen Meinung zugunsten der Handelnden oder derjenigen, die am lautesten Handeln einfordern. Das gilt für alle westlichen Länder.

Viele meiner Landsleute halten diese Bundesregierung für schlecht. Diese Einschätzung teile ich nicht. Im Gegenteil: Was haben denn Rot-Grün oder Rot-Schwarz für Murks fabriziert? Gesetze, die reihenweise verfassungswidrig sind! Was ist das für eine Sozialdemokratie, die den ärmsten der Armen „willkürliche“ (Originalton Bundesverfassungsgericht) Zuwendungen zur Existenzsicherung verordnet?

Just diejenigen im politischen Spektrum, die sich angeblich für die Benachteiligten in der Gesellschaft einsetzen, haben die Menschen betrogen, ja sie in ihrer Würde verletzt, mit der „Basta“-Politik Reformen durchgedrückt, die keiner rechtlichen Prüfung standhalten. Millionen Betroffener leiden, vor allem Hartz4-Kinder, deren Bildungskosten dem Staat keinen Cent wert sind!

Schuld daran sind die SPD und die Grünen, die diesen Politikschrott fabriziert haben. Es kann nicht sein, dass man die Verfassung ignoriert, Konstrukte in die Welt setzt, die unserem Staatsverständnis zuwiderlaufen (Jobcenter von Rot/Grün, verfassungswidrig) oder Zensur zum Inhalt haben (Zugangserschwerungsgesetz, genannt auch „Zensursula“, von Rot-Schwarz, höchstwahrscheinlich verfassungswidrig). Man muss schon mit dem Kopf schütteln, wenn man überlegt was für einen riesigen Apparat sich dieser Staat zum Erarbeiten seiner Gesetze und Verordnungen leistet. Kann man dort das Grundgesetz nicht lesen?

Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht. (Art. 1 (3) GG)

Bitte, liebe Bundesregierung. Macht ganz schnell allen Bürgern klar, wer den Hartz4-Mist verbrochen hat. Benennt offen die Schuldigen! Ihr habt jetzt eine riesige Chance, schnell zu punkten, wenn ihr zügig und ohne unnötiges Gezerre über euren Schatten springt und endlich mal eine klare, einfache Regelung zum Existenzminimum und für die armen Kinder dieses reichen Landes trefft. Und macht bitte nicht wieder irgendein bürokratisches Monstrum daraus, denn letztendlich wird wieder das Wie genauso bewertet werden wie das Was!

Wir brauchen wieder, mit Abraham Lincolns Worten, eine Regierung des Volkes durch das Volk für das Volk. Gesetze und Regeln müssen für alle verständlich und für jedermann nachvollziehbar sein. Das nenne ich „politics of common sense“. Also eine Politik des gesunden Menschenverstandes anstelle technokratischer Ministerial-Juristerei.

Darum ende ich heute mit dem

Punkt sieben im nicht das Was, sondern das Wie: Prüfe Deine Sprache und Deine Kommunikation immer auf Klarheit und Verständlichkeit. Dann wird das “Was” auch so wahrgenommen, wie das “Wie” es impliziert.

Und alles wird gut. ;-)

Ebook in USA der Renner – Deutschland schläft

UPDATE 17.11.2009 Die Süddeutsche zum Thema Google Books: “Google schränkt sich beim Einscannen von Büchern aus Europa ein. Das birgt für deutsche Verlage die Gefahr, die Digitalisierung weiter zu verschlafen.”

[...]Der Erfolg für die deutschen Verlage und andere Rechteinhaber birgt auch die Gefahr dauerhafter Rückständigkeit. Denn Google ist – so sehr dies hinsichtlich der Monopolgefahr bedenklich stimmen mag – eine der treibenden Kräfte, die die Welt ins digitale Zeitalter bewegen. Kulturgüter, die bei diesem Prozess nicht mitgenommen werden, laufen Gefahr, in Vergessenheit zu geraten.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels fordert bekanntlich die “Schaffung einer Deutschen Digitalen Bibliothek.” Das klingt sinnvoll. Wer aber die bestehenden Projekte aus deutscher Hand im Netz kennt, zweifelt am Erfolg eines solchen Modells.

Deutlich wird dies am Projekt Libreka des Börsenvereins, das oft zum Google-Books-Konkurrenten ernannt wurde. Die Webseite ist aber nichts als eine schlichte Plattform für den Buchverkauf, auf der man in ein paar digitalisierten Buchseiten blättern kann.

Die gepriesene Volltext-Suche, mit der man gelistete Bücher durchsuchen kann, funktioniert zwar, bleibt aber aufgrund der begrenzten Funktion des Angebotes sinnfrei. Was hat der Suchende davon, zu wissen, dass Mephisto zwar in Goethes “Faust” zu finden ist, solange er den eigentlichen Treffer seiner Suche nicht sehen kann, weil Libreka von “Faust” nur das Vorspiel auf dem Theater bereit hält.

So klaffen noch weite Qualitätsgräben zwischen Google und den selbsternannten Konkurrenten.

http://www.sueddeutsche.de/,ra12m1/computer/307/494641/text/

Was lese ich gerade im Ticker?

Seattle – Der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon.com hat in der Wirtschaftskrise ein weiteres Mal Gewinn und Umsatz kräftig gesteigert. Ein Grund: Amazons Lesegerät für elektronische Bücher “Kindle” war zuletzt der bestverkaufte Artikel des US- Konzerns. Mit seinen Zahlen für das dritte Quartal und den Aussichten für das Weihnachtsgeschäft übertraf Amazon die Erwartungen der Analysten klar. Der Überschuss stieg in den letzten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 68 Prozent auf 199 Millionen Dollar.

Das zeigt (mal wieder), wie die deutsche Innovationsfeindlichkeit uns international immer weiter zurückfallen lässt. (siehe auch hier). Während bei uns Katalog-Versender mit 50 Mio. Staatsgelder in die Pleite geschickt werden, während die Kanzlerin überkommene Urheberrechte gegen Google “verteidigt”, während eine ganz Buchmesse noch über Sinn oder Unsinn von Ebooks laboriert, MACHEN ANDERE LÄNGST UMSATZ!

Wann endlich verstehen wir, dass die Uhren im Jahr 2009 anders ticken als 1985? Mit einem nicht vorhandenen Verständnis für die digitale Wirtschaft oder die Internet-Technologie, mit dem Abmahn-Wahn als ABM für gescheiterte Rechtsanwälte (siehe #abmahnwahn auf Twitter) und mit einer Totalverwirrung in Sachen Internetrecht verjagen wir die digitale Wertschöpfung ins Ausland.

Als mein Kommilitone seine Diplomarbeit über Ebooks in 2005(!) schrieb (Link hier), wurde er von Teilen der Akademia dafür belächelt. Niemand soll behaupten, wir hätten keinen Zugang zum notwendigen Wissen gehabt! Nur: in  unserer Universitätswelt und in der deutschen empirischen Sozialforschung war und ist Trendsetten UNERWÜNSCHT. Da herrschen Mittelmaß, Nachbeten und Anpassung. Von wegen Elite.

Niemand wollte vor fünf Jahren etwas über Ebooks wissen, keine Industrie war bereit, in die Technik zu investieren. Die strukturell veralteten deutschen Verlage pochen auf Vergangenes wie Buchpreisbindungen und verlangen jetzt auch noch Sonderrechte für sich selbst im Netz. Die Folge:

Immer mehr deutsche Unternehmen verlieren Marktanteile an US-Firmen, siehe Amazon oder Google. Danach schreien sie nach gesetzlichem Schutz vom Staat, anstelle kreativ und innovativ am Markt teilzunehmen. Der Schutz von Rechten heißt aber nicht Schutz vor WETTBEWERB! Das genau ist es, was die eingeschlafene deutsche Verlagswirtschaft vom Gesetzgeber fordert. Als Liberaler muss ich dazu sagen: NEIN!

Die digitale Wirtschaft in Deutschland scheitert immer wieder an reformbedürftigen Gesetzen, die die ganze Branche lähmen. (so verliert z.B. Ebay erheblich Kunden und streicht Stellen in Deutschland wg. Abmahnungen und zunehmender Rechtsunsicherheit) Das muss sich dringend ändern – mehr Freiheit, mehr Wettbewerb und mehr Technikfreundlichkeit sind die Gebote der Stunde. Weg mit den unnötigen Subventionen und Finger weg von Sonderrechten für das Establishment!

Wer aus dem Fall Quelle immer noch nichts gelernt hat, wird am Ende zugrunde gehen (müssen). Letztendlich zu Lasten der gesamten Gesellschaft. Wer moderne Technologien verleugnet, nicht versteht und noch nicht einmal vestehen WILL, hat in der globalen Konkurrenz nichts mehr zu suchen.

Durch die Technikfeindlichkeit wird Deutschland von internationalen Trends abgehängt und verliert sich im kleinkarierten Vorschrifts-Verbots-Sumpf.

Das Ebook ist da. Und das ist gut so. Denn die Welt wird in Zukunft elektronisch lesen – ob die deutschen Verleger nun wollen oder nicht.

PS. Ich selbst habe schon vor fünf Jahren ein Referat im Fach Verlagswirtschaft über das Thema “XML als Datenaustauschformat im Verlagswesen” an der Universität gehalten. Und? “Zukunftsmusik”, hieß es*. Jetzt wären sie froh, sie hätten es damals kapiert. Bis heute existiert kein solches Austauschsystem. Traurig. Siehe dazu auch:

Um ein Buch auf den Lesegeräten darzustellen, müsse der Text im Format XML vorliegen, was aber zumeist nicht der Fall sei. Machert: “Die Übertragung eines Manuskripts in XML kostet Geld. Dieses Geld ist aber gut investiert, da XML die beste Grundlage für weitere Verwertungsschienen ist.” http://www.n-tv.de/technik/unterhaltung/E-Book-wird-boomen-article543299.html

Wissen sie, was mich am meisten dabei ankotzt? Dass Ideen nur deshalb in Deutschland abgelehnt werden, weil sie von einem “minderwertigen” Studenten, Doktoranden oder Mitarbeiter kommen. Anstelle auf die Sache zu schauen, schaut man auf den (oftmals erschlichenen) Status des Vortragenden! Eine solche Gesellschaft verpasst viele ihrer Chancen und wird nie wieder innovativ werden. Sie ist dekadent.

Wer Innovation will, muss erst mal Zuhören lernen! Und das bitte mit dem notwendigen Respekt vor dem Hirnschmalz jedes Einzelnen. In den Köpfen der jungen Leute ist die Zukunft. Und nicht im Geldköfferchen der Graumelierten.

Als philosophisch Interessierter könnte man auch sagen:

Im Kapital akkumuliert sich die Zukunft von gestern.

Aber das ist eine andere Debatte…

(Erweitert hieße der Satz wohl: “Im Kapital akkumulieren sich die Zukunft von gestern, die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen.” Auch nicht schlecht. ;-) )

(*Der Lehrbeauftragte war an leitender Stelle im Börsenverein des deutschen Buchhandels tätig.)

ZEIT über die Twitter-Revolution

Viel wird gesendet und geschrieben über die neuen Kommunikationswege in und über den Iran. Ein guter Artikel zum Thema findet sich in der “Zeit”:

Ob die Volkserhebung der Iraner gegen den Wahlbetrug vom 12. Juni eine blutig niedergeschlagene Revolte bleibt, ist derzeit noch die unklare, jedes Freiheitsbewusstsein aufrührende Frage. Dass sie eine Medienrevolution bedeutet, ist dagegen gewiss. Während der professionelle Journalismus von der Straße gedrängt wird und sich mit Deutungsposen im Studio oder vor symbolisch grünem Buschwerk begnügen muss, füllt die ausschließlich nutzergesteuerte Nachricht die Lücke – und triumphiert wie nie zuvor. Community schlägt Hierarchie. Kommunikation ist Information. Fortan gilt: Diktaturen, die die freie Berichterstattung fürchten und durch Anwendung von Gewalt zu zerstören suchen, machen sich mit ihren Text- und Bilderverboten nur noch lächerlich. Und der Begriff “Nachrichtensperre” gehört ins Lexikon der toten Wörter.

http://www.zeit.de/online/2009/26/neda-proteste-medien

Auch wenn es der etablierte Rundfunk nicht wahrhaben will und sich mit eher peinlichen Pseudo-Reportagen eingesperrter Korrespondenten über die Tage rettet: Twitter, Facebook und YouTube sind da und werden nicht mehr verschwinden. Das gerade im Aufbau befindliche Livestreaming wird insbesondere dem fett und träge gewordenen Fernsehen in Zukunft vermehrt den Rang ablaufen. Das ist auch gut so. Denn Konkurrenz  belebt schließlich das Geschäft.

Der öffentlich-korrupte Rundfunk

Abend für Abend erklären sie der Nation die Lage der Welt. Die Nachrichtensprecher von ARD und ZDF galten bislang als solide, ehrliche Journalisten, denen man die Erörterung der komplexen Realität getrost anvertrauen konnte.

Doch wie glaubwürdig ist eigentlich ein Nachrichtensprecher, der über die Finanzkrise berichtet, gleichzeitig aber von der Deutschen Bank 20.000 Euro für eine Moderation kassiert?

Nach Schleichwerbung im Tatort und bei Radrennen hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein nächstes Korruptionsproblem. Diesmal geht es aber nicht nur um Unterhaltung oder Sport. Betroffen ist das Heiligste der ARD: Die Nachrichtenredaktion.

So haben etliche der NachrichtenmoderatorInnen von ARD und ZDF lukrativ bezahlte “Nebenjobs” bei Unternehmen aller Art. Da wird für Sekt geworben, für die Sparkasse, für Energieunternehmen oder Auto-Unternehmen.

…nach vielen Gesprächen hat auch Zapp die Preislisten der Agenturen. Die verlangen für eine Moderation oder einen Vortrag von Petra Gerster: ca. 14.000 Euro; für Tom Buhrow berechnen sie ca. 20.000 Euro; die gleiche Summe für Claus Kleber; Anja Kohl kommt angeblich für ca. 6.500 Euro; Peter Hahne für ca. 10.000 Euro; Der Agenturpreis für Michael Antwerpes: ca. 8.000 Euro.

http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/ethik_journalismus/nebenerwerb100.html

Die journalistische Objektivität bleibt dabei wohl auch gewahrt? Wer’s glaubt, wird selig.

Die Anstalten täten gutes daran, unverzüglich Konsequenzen aus den Vorfällen zu ziehen und den Sprechern solche Nebenjobs verbieten. Es kann nicht sein, dass sich Einzelpersonen mit unseren Gebührengeldern den Glotzen-Ruhm einhandeln und sich dann meistbietend hinter dem Rücken der Wahrheit verkaufen. Das ist Vertrauensbruch par excellence.

Die Anstalten sind ja auch sonst nicht so knauserig, wenn es um die Verschwendung von Gebührengeldern geht. Werden die Sprecher zu schlecht bezahlt? Oder bekommen die einfach das Rohr nicht voll?

Lesen Sie die Story hier:

Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ hatte über Nebenverdienste prominenter Fernsehmoderatoren wie Buhrow oder ZDF-Mitarbeitern wie Claus Kleber, Peter Hahne und Anja Kohl berichtet. „Zapp“ zufolge zahlte etwa die Sektkellerei Henkell für einen Auftritt Buhrows beim „49. Henkell & Söhnlein Forum“ mehr als 10.000 Euro. Buhrow befragte dort den SPD-Politiker Kurt Beck. Für einen Auftritt beim „Kapitalmarkt Forum“, das wegen der Finanzkrise abgesagt wurde, sollte die Deutsche Bank ursprünglich 20.000 Euro zahlen

http://www.welt.de/vermischtes/article3961643/Tom-Buhrow-kriegt-Schelte-wegen-Nebentaetigkeit.html

Video: http://www3.ndr.de/flash/zapp/interactivePlayer.html?xml=zappsendung116-interactiveBroadcasts.xml&sr=zapp

PS. Haben die Kurt Beck auch bezahlt?

Die Wahrheit über den Solarstrom

Stolz verkündet die “Stuttgarter Zeitung” den Anstieg der Arbeitsplätze im Land im Bereich Solarstrom. Kein Wunder, denn jeder dieser Arbeitsplätze in Deutschland wird vom Stromkunden, also uns allen, mit 153.000 Euro im Jahr subventioniert. Dafür kann man ziemlich einfach Arbeitsplätze schaffen! Wieder ein politisch einseitiger Artikel im Stuttgarter Lokalblatt. Recherche gleich Null, dafür Tendenzaussagen ohne Ende.

Hier mehr zur ganzen Wahrheit über den teuren Solarstrom:

Die höchsten Subventionen in Deutschland werden mittlerweile für Solarstrom bezahlt. Das geht aus einer Untersuchung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen hervor, die der “Welt am Sonntag” vorliegt: “Jeder der 35 000 Arbeitsplätze in der Solarbranche wird inzwischen pro Jahr mit 153 000 Euro subventioniert”, sagt Manuel Frondel, einer der Autoren der Studie. “Das ist mehr als doppelt so viel wie im Steinkohlebergbau, dem bisherigen Paradebeispiel einer verfehlten Subventionspolitik.”

http://www.welt.de/wams_print/article1443243/Solarstrom_erhaelt_die_hoechsten_Subventionen.html

oder hier

http://www.focus.de/finanzen/news/subventionen-milliardengrab-solarstrom_aid_299728.html

Nur zur Klarstellung: Ich bin grundsätzlich für(!) regenerative Energien. Nur: es kann nicht Staatsaufgabe sein, eine technisch nicht reife Industrie mit zig Milliarden an einem politisch regulierten Markt zu fördern. Das hat mit Marktwirtschaft rein gar nichts mehr zu tun.

Hier geht es schließlich nicht mehr um förderungswürdige Grundlagenforschung. Hier wird künstlich ein Markt gebildet, wo keiner ist und wo Mondpreise herrschen.

Wenn die Solarstrombranche jemals konkurrenzfähig sein sollte, werden sich am Kapitalmarkt auch langfristige Investoren finden lassen, die das unternehmerische Risiko eingehen wollen. Wenn nicht: Pech gehabt! Nicht jede Technologie setzt sich durch, egal wie vernünftig sie sein mag. Die Allgemeinheit für eine Nischenbranche bezahlen zu lassen, finde ich unvernünftig. Wir strangulieren die Wirtschaft in diesem Land und verhindern Wachstum mit zu teuren Energiepreisen – zum Wohle einiger weniger Solarstromarbeiter. Das ist falsch.

Meine Lösung: Subventionen für Strom komplett streichen. Dafür Unternehmen der Branche gezielt über Anteilsübernahme durch Risikokapitalgeber fördern. Wenn die Technologie sich durchsetzt, werden deren Investitionen in zehn Jahren im wahrsten Sinne Gold wert sein.

Die gegenwärtige Subventionspolitik sozialisiert das Investitionsrisiko und privatisiert die (möglichen) Gewinne. Das bedeutet, die von Rot-Grün(!) eingeführte Subventions-Politik führt sich selbst ad absurdum, indem sie Mittel der Allgemeinheit bei den wenigen Energieanbietern kumuliert.

Das hat mit sozial gar nichts mehr zu tun. So wird, Schritt für Schritt, unsere soziale Marktwirtschaft durch Subventions- und Großkonzernpolitik zerstört.

Der Selbstbetrug der Stuttgarter Zeitung

Ein Blatt über sich. Neues Layout, alter Slogan:

Die STUTTGARTER ZEITUNG ist eine der Großen Regionalzeitungen im deutschsprachigen Raum mit überregionalem Qualitätsanspruch. Sie steht in ihrer Berichterstattung in der Tradition des schwäbischen Liberalismus, der durch Toleranz und Offenheit gekennzeichnet ist. Das tägliche Bemühen um die „kritische Wahrheit“, das Josef Eberle, einer ihrer Gründer, 1945 als Leitidee formulierte, gilt noch heute und hat die STUTTGARTER ZEITUNG zur „liberalen Stimme“ des Südwestens gemacht. Konkret steht die STUTTGARTER ZEITUNG für präzise Information, kompetente Analysen, ungeschminkte Kommentare und eine unaufgeregte Tonlage.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/1995193_0_2147_-stuttgarter-zeitung.html

Das sagt ein Blatt über sich, in welchem ein bekannter Redakteur permanent einen FDP-Minister nach dem anderen anschwärzt, ein Redakteur, der andauernd und bösartig gegen jede FDP-Persönlichkeit in Baden-Württemberg wettert, gleichgültig ob Justiz- oder Wirtschaftsminister, Staatssekretär oder Rechnungshofspräsident. Gleichzeitig lässt das Blatt Sauereien der CDU (LBBW, Rothaus, Lotto) nahezu unkommentiert. Schämen sollten sie sich, den Liberalismus in Baden-Württemberg für ein pseudo-elitäres Provinzblatt zu beanspruchen. Das Liberale im Südwesten Deutschlands ist viel viel mehr, als ein Verlag, der in der Region Stuttgart monopolistische Hofberichterstattung für die CDU betreibt. Jedem echten Liberalen in Baden-Württemberg sollte es vor der gegenwärtigen grün-konservativen Oettinger-Linie der Stuttgarter Zeitung grausen. Nein, meine Damen und Herren, liberal sind die bestimmt nicht.

Die Grüne Ente des SWR

Dienstag, 17 Uhr: Es hat also doch für die Grünen gereicht und das riskante Medienspiel mit Umfragen und Prognosen ist für die Beteiligten gerade noch einmal gut gegangen. Dennoch – Medien und Umfrage-Institute in Detuschland befinden sich auf demselben Weg wie die US-Medien, die Al Gore schon mal zum Präsidenten ausriefen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor der mediale Super-GAU auch bei uns eintritt. Was wäre nun die richtige Berichterstattung gewesen? Nun, 1. klar deutlich machen, dass es eine Umfrage war. 2.) Eine Überschrift wählen, die den spekulativen Charakter der Meldung deutlich macht, und 3.) auf die Besonderheiten des Wahlsystems hinweisen. Das ist wohl das mindeste, was man von “Qualitäts”-Journalisten erwarten kann, oder?

UPDATE 9.6 Grüne laut vorläufigem Ergebnis mit 16 Sitzen vor CDU mit 15 Sitzen.

UPDATE 8.6.: “Laut der Sitzverteilung nach Stimmzetteln ist die CDU mit 18 Sitzen stärkste Fraktion, Grüne 15″ http://stuttgart.de/item/show/41708/1/3/357914?

quelle www.sxc.hu

„Grüne werden größte Fraktion im Stuttgarter Stadtrat“ tönt es am Kommunal-Wahlabend durch alle „objektiven“ und „unabhängigen“ Medien; den SWR, die Stuttgarter Zeitung, ja sogar die Tagesschau. Es soll sogar einen, oh welch ein Beitrag zum Umweltschutz!, grünen Autokorso durch Stuttgart gegeben haben. Die Stuttgarter Zeitung meldet gar gleich “Grüne wollen jetzt Stuttgart21 verhindern”.

Moment mal! Kommunalwahl-Ergebnisse aus der Stadt Stuttgart liegen laut www.stuttgart.de doch frühestens am Dienstagabend vor. Worauf also basiert die Meldung?

Die Meldung basiert auf einer UMFRAGE von infratest-dimap im Auftrag des SWR. Dort habe man 5000 Stuttgarter Wähler beim Verlassen des Wahllokals befragt und sei auf 27,0% für die Grünen und 26,5% für die Union gekommen.

Die Aussage, die Grünen würden somit zur stärksten Fraktion in Stuttgart ist kompletter Unsinn. In der Umfrage wird weder das komplizierte Kommunalwahlrecht in Baden-Württemberg in Betracht gezogen, noch die aufgrund der Pfingstferien zahlreichen Briefwähler.

Weiterhin wird nicht verraten, in welchen Stadtbezirken befragt worden ist. In Uhlbach jedenfalls nicht.

Die Differenz von 0,5% erlaubt nach jeder sozialwissenschaftlich irgendwie sinnvollen Methode keinerlei Aussage über Gewinner oder Verlierer. Komma-Prozent-Zahlen in solchen Prognosen sind schlicht absurd. Die Grünen haben in Stuttgart weder bei der Europawahl, noch bei der Regionalwahl mehr Stimmen bekommen als die CDU. Und dort liegen die Ergebnisse vor.

Wie können gestandene Medien solche Meldungen ungeprüft übernehmen und statistisch völlig unhaltbare Aussagen verbreiten? Wo sind da die Recherche und journalistische Sorgfaltspflicht? Fehlanzeige! Offensichtlich setzt man an die Berichterstattung über die Kommunalwahl Redakteure, die vom Wahlsystem keine Ahnung haben oder haben wollen.

Selbst wenn die Grünen die meisten Stadträte bekommen sollten, was ich bezweifle, sollten sie nicht so laut jubeln, bevor das Ergebnis feststeht. Denn sollte die Prognose falsch sein, haben sich nicht nur die Grünen im Landtag, sondern auch die Stuttgarter Zeitung, der SWR und die Tagesschau gründlich blamiert.

Das wiederum wäre ein weiterer Nagel in den Sarg der “etablierten” Tagespresse und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dessen “Inszenierungen” von Wahlen und Ergebnissen durch Twitter und co. immer durchsichtiger werden.

Ergebnisse: http://www5.stuttgart.de/wahlen/wahl_h/gemeinderatswahl09/grw09_stadtbezirke.html