Bier-Witz in den News?

Eine Meldung macht die Runde, Zehntausende sympathisieren, facebook Unterstützer-Gruppen werden gegründet: Der finnische Nachrichtensprecher Kimmo Wilska machte in einer englischsprachigen Nachrichtensendung des staatlichen finnischen Fernsehens YLE eine Schlussaufheiterung der besonderen Art:

YLE war not amused und feuerte kurzerhand den Anchorman, der auch schon mit einer pro Kannabis-Kampagne aufgefallen und sich auf den Listen der Linken als Kandidat zur Wahl gestellt hatte. Da der Scherz aber lustig ist, sammelte sich im Web alsbald eine riesige Unterstützerbewegung für Wilska – mit zehntausenden Mitgliedern in seiner Facebook-Gruppe. Mal sehen, ob der Mann seinen Job zurück erhält. Kult ist er jetzt schon.

Darf man das? Ich antworte mit Harald Schmidt: “Man darf nicht nur, man muss.”

Die Schwaben

…die Schwaben: Sie sind so sparsam, dass sie nicht mal einen nagelneuen Bahnhof geschenkt bekommen wollen – nur weil er Geld kostet…

Guido Westerwelle am 19.9.2010 in Ulm

Waren es nicht auch die sieben Schwaben, die den Hasen für einen Drachen hielten?

Wie die sieben Schwaben den Strauß bestehen.

Da es nun aber an dem ist, daß ich dir, günstiger Leser, das größte und gefährlichste Abenteuer erzählen soll, welches die sieben Schwaben bestanden: so befinde ich mich in keiner kleinen Verlegenheit, wie ich die Sache der Wahrheit gemäß darstellen soll. Denn weil ich die That, leider! nicht selbst mitgethan, so mußte ich sie eben von jenen vernehmen, die, wie verlautet, dabei gewesen; absonderlich von dem Seehaasen, dem Anführer der Helden und dem Verkündiger ihres Heldenthums. Der aber, wie du weißt, ist ein Erzlügner gewesen, ein Windbeutel, ein Ploderer, ein Mährensager von Haus aus. Und die übrigen, mit Respect zu melden! verdienen wol eben so wenig Glauben; denn Jeder, wie leicht zu vermuthen, wird nur zu eignen Gunsten erzählet, und seinen Part am Abenteuer heraus gestrichen haben. In solcher Noth, was soll der Geschichtsschreiber thun? Ohne Zweifel das Beste. Und so will ich denn die Historie also nehmen und geben, wie sie mir als die natürlichste und wahrhaftigste erscheint. Andere machen es auch nicht anders im Andern. – Es sei also kund und zu wissen, wie daß die sieben Schwaben in den Strauß zogen, hübsch langsam voran gegen den Busch zu, wo, wie der Seehaas sagte, der Drach sein Nest hatte. Als sie schon ganz nahe waren, sagte der Spiegelschwab: Mich grimmt’s im Bauch, und ich muß abseiten. Das wollte der Allgäuer nicht leiden, und er sagte: er sollte mit den andern mitmachen, und nicht apart thun. Der Spiegelschwab versetzte: er wolle ja nur spioniren gehen, wo das Thier stecke. Laß es stecken, sagte der Allgäuer, wo es steckt, und bleib, sag ich. Jetzt seid stät, und haltet’s Maul, rief der Seehaas, und lugt und los’t. Und wie sie nun gegen den Busch weiter vordringen, und lugen und losen, siehe da liegt ein Haas im Busch, der lugt und los’t auch, und macht ein Männle, und erschrickt, und lauft davon. Die sieben Schwaben aber blieben stehen ganz erstaunt und erstarrt. Hast’s gesehn? hast’s gesehn? rief einer um den andern; und es war so groß wie ein Pudelhund – wie ein Mastochs – wie ein Trampelthier, sagte einer um den andern. Bygost! sagte zuletzt der Allgäuer, wenn das kein Haas gewesen, so weiß ich den Grindten von keinem Büchel zu unterscheiden. Nun ja, Haas hin, Haas her! sagte der Seehaas; ein Seehaas ist halt größer und grimmiger, als alle Haasen im heiligen deutschen Reich. Und das hat er gut gemacht. – Dieses Thiergeschlecht aber, mein’ ich, wird seit der Zeit wol ausgestorben sein, wie die Mammuth.

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3252&kapitel=113&cHash=4c921fac642#gb_found

So isch’s halt bei ons.

Zurück zum Fortschritt

Drei Wochen verändern die Welt

Es ist schon erstaunlich, was in drei Wochen Urlaub so alles geschehen kann. Es dreht sich gerade etwas in Deutschland, wie die causi Steinbach und Sarrazin deutlich zeigen. Ich habe über die „sechste“ Partei schon vor über zwei Jahren(!) geschrieben; http://fdp-bw.de/fdpbwblogs/lochmann/2008/01/29/das-sechs-parteien-system/. Manchmal dauert es eben, bis die Wirklichkeit den Visionär bestätigt.

Es freut mich, dass endlich jemand das brennende Thema Integration anspricht – und es freut mich umso mehr, dass es jemand aus der SPD tut – einer Organisation die man auch noch so politisch korrekt kaum in die rechte Ecke drängen kann. Hätte es einer von uns (FDP) oder gar der CSU getan, wäre die Gutmenschen-Empörungsmaschinerie sofort auf ihn oder sie angesprungen und hätte jede Kritik schonungslos in der Linkspresse zerschreddert. Doch so hat niemand mehr die Möglichkeit, die Probleme des Landes mit den Migranten aus dem türkischen und arabischen Kulturkreis unter den Multi-Kulti-Teppich zu kehren. Und das ist auch gut so.

Sarrazins Steilvorlage

Oh, was hätte ein Jürgen W. Möllemann aus Thilo Sarrazins Steilvorlage für ein herrliches Tor gemacht! Leider gibt es in der heutigen, apathisch depressiven FDP niemanden, der genug Mumpitz hat, dem „Populisten“ Sarrazin zu folgen. Dabei liegen die so dringend benötigten Wählerstimmen geradezu auf der Straße. Man müsste sie einfach nur aufsammeln. Das tut aber, aus lauter political correctness niemand. Und so schwimmen sie dahin, die Prozente. Und die FDP versinkt langsam aber stetig in ihrer selbst verschuldeten Bedeutungslosigkeit. (“sapere aude“, “wage zu wissen”, sagte schon Kant. Und forderte die Befreiung der Menschen aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit. Sic!)

Warum, lieber Leser, sollte sich in Deutschland eine andere Entwicklung abspielen als im Rest Europas? Angefangen mit Le Pen in Frankreich, Berlusconi und Lega Nord in Italien, Geerd Wilders in den Niederlanden, Venstre in Dänemark, der FPÖ in Österreich, der SVP in der Schweiz, den Schwedendemokraten jüngst in Schweden oder den „Perussuomalaiset“ in Finnland: Aller Orten formiert sich der bürgerliche Protest in islamkritischen, „populistischen“ Parteien und Bewegungen. Aller Orten werden die Probleme von Islamisierung, Überfremdung, unkontrollierter Zuwanderung und der Kolission mit christlichen Wertvorstellungen in politische Programme überführt – es werden Wahlen gewonnen und es wird, teils auch gegen den Widerstand des linken Establishments, regiert.

Warum also sollte es bei uns anders laufen? Nur weil eine CSU angeblich den „rechten“ Rand verdeckt? Nun, falls es noch keiner bemerkt hat (außer der Wähler, denn die CSU liegt in Bayern bei 38%, sie hatte mal über 60%!) Franz-Josef Strauß ist längst tot – und die „rechte“ CSU gleich mit ihm. Außerdem: Der bürgerliche Protest gegen die Unterjochung durch eine verkehrte politische Korrektheit lässt sich längst nicht mehr mit den althergebrachten Kategorien Links/Rechts beschreiben.

Die Bundes-FDP gibt da leider zurzeit ein miserables Bild ab. Völlig unnötigerweise klammert die Führungsmannschaft sich an einen verdammt schlechten Koalitionsvertrag – sie geht butterweiche Kompromisse ein und spult einen inhaltsleeren Textbaustein nach dem anderen ab. Warum? Hat den niemand im Präsidium genügend Mut, Klartext zu reden? Scheinbar nicht. Oder, schlimmer noch: Hat man aus lauter Machtbewahrungswillen gar das freie Denken eingestellt?

Dabei machen wir in der FDP Baden-Württemberg seit Jahren eine Politik, die die von Thilo Sarrazin angesprochenen Probleme längst vorweg genommen hat. Kopftuchverbot für Lehrerinnen, Gesetze gegen Genitalverstümmelung und gegen Zwangsheirat: Alles Initiativen, die vom Justizministerium und von der FDP in Baden-Württemberg ausgegangen sind und über den Bundesrat teilweise als Bundesgesetz gelandet sind. Also: Wir machen schon längst die Politik, die Sarrazin und Buschkowski einfordern! Leider machen wir sie typisch schwäbisch leise und bescheiden. Zu leise und zu bescheiden, wenn sie mich fragen.

Sollte die FDP also auf den Populismus von Steinbach und Sarrazin eingehen? Eines ist klar: Der bürgerliche Protest wird sich irgendwo sammeln. Wenn nicht bei uns, dann bei anderen, vielleicht weitaus unangenehmeren Zeitgenossen. Es ist eine Illusion zu glauben, das die Radikalisierung bei den Linken und den Grünen (siehe Stuttgart21) im bürgerlichen Lager ohne Reaktion bliebe. Die FDP in Baden-Württemberg täte gut daran, die Sorgen und Ängste der Bevölkerung erst zu nehmen und die Probleme deutlich zu artikulieren.

Dabei, und das ist mir besonders wichtig, dürfen wir niemals auf eine Rassenideologie verfallen. Was Sarrazin mit seinen Gen-Thesen verbreitet ist jenseits aller Wissenschaftlichkeit und entbehrt jeder empirischen Grundlage. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir es bei den Problemen der Integration hauptsächlich mit einem Schicht-Problem zu tun haben – und eben nicht mit einem Rasse-Problem. Gegen Dummheit hilft Bildung, gegen religiösen Wahn hilft Aufklärung, gegen Faulheit hilft Anreiz und gegen Kriminalität helfen durchgesetzte Gesetze.

Es hilft niemandem, Menschen qua Herkunft in intellektuell minderwertige Schubladen zu stecken. Das Gegenteil ist der Fall: Schon oft in der Geschichte waren es die Zugewanderten, die Gesellschaften zu Neuem geführt haben – egal ob es die Hugenotten in Preußen oder die Deutschen in den USA waren.

Wir haben in Deutschland ein riesiges intellektuelles Potenzial, welches wir mit unserem mittelmäßigen, anreizarmen Bildungssystem konsequent vernachlässigen. Daraus entstehen die Probleme der Einwanderer – sie werden schlicht vom Staat vergessen – und nicht aus ihrem, ohnehin im Laufe der Menschheitsgeschichte mehrfach durcheinander gewirbelten Genpool. Oder wie definieren Sie bitte „deutsch“? Alemannisch? Preußisch? Gotisch? Fränkisch? Schwäbisch? Sehen sie? Das ist sinnlos per se.

Die USA machen es (wieder einmal) vor: Es entsteht dort der „globale“ Mensch, der offen und gleichberechtigt seine „Ethnicity“ neben seine Staatszugehörigkeit („Nationality“) stellt. Es ist in den USA völlig normal, dass man auf Formularen nach „Rasse“ oder „Ethnie“ gefragt wird. Niemand regt sich darüber auf, denn alle sind ja vor dem Gesetz gleich! Diese Einstellung sollten wir adoptieren: Konsequentes Anwenden der modernen deutschen Staatsbürgerschaft – und gleichzeitig deren Stellung ÜBER der Zugehörigkeit zur jeweiligen ethnischen Gruppe (die man dann ja durchaus mit Stolz repräsentieren kann – ich stehe zum Beispiel offen zu meiner Zugehörigkeit zur Nordischen Ethnie und bin stolz darauf – ich mag meine skandinavischen Mitmenschen und fühle mit ihnen eine undefinierbare Zusammengehörigkeit, die ich mir auch nicht verbieten lasse).

Vielleicht ließe sich das Problem mit der Einführung einer Europäischen Staatsbürgerschaft lösen – bei der dann die Ethnie mit berücksichtigt würde – so wäre ich also ein Europäer deutsch/finnischer oder von mir aus auch nordischer Herkunft. Warum denn nicht.

Auf die Problematik der Religionen will ich an dieser Stelle nicht mehr eingehen – dazu finden Sie genügend Beiträge im Blog – die vom Stern zensierten kann ich auf Wunsch auch versenden. Nur so viel: Wer unsere Verfassung nicht achtet, muss mit Konsequenzen rechnen. Siehe dazu auch Art. 20 Abs. 4 GG (Widerstandsrecht). Wer Christen und Atheisten als „Ungläubige“ diffamiert und zu deren Ermordung aufruft, begeht Volksverhetzung und muss bestraft werden – wer die Würde seiner Frauen und Töchter verletzt, muss selbst dafür büßen. Wer in Europa leben will und dabei europäische, säkulare, der liberalen Aufklärung entsprungene Werte nicht achtet, der muss entweder umdenken. Oder eben gehen.

Es ist unser Land, Deutschland. Es ist unser Kontinent, Europa. Wir, das Volk sind der alleinige Souverän dieses Erdteils – über uns steht nichts und niemand – kein König, kein Papst und kein Gott. Wir haben die Menschenrechte erfunden und in Gesetze gegossen und wir werden sie niemals wieder aufgeben.

Mehr noch: Wir müssen sie aktiv in die Welt tragen. Nirgends gibt es eine Kategorie von normativen Sätzen, die den Menschen mehr Freiheit, Wohlstand und Sicherheit vor jeglicher Willkür bieten. Niemand soll mir erzählen, wir wären „kultur-relativ“: Wir im Westen hatten Recht, haben Recht und müssen unser Recht auch weltweit durchsetzen. Alles andere, meine werten Damen und Herren, führt entweder ins Chaos (siehe Afrika), in die Diktatur (siehe China) oder in den religiösen Wahnsinn (siehe Iran). Wir brauchen eine echte normative Grundlage für alle Menschen auf diesem Planeten. Und da haben wir bei weitem das beste Angebot. Doch zu diesem Thema später an anderer Stelle mehr.

Die FDP muss zurück zu ihren Wurzeln

Doch zurück zur FDP. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich die Partei entwickelt. Und ja, ich werde bei der FDP bleiben, auch wenn sich eine „Sarrazin-Bewegung“ etablieren sollte. Denn: Die FDP steht in einer über 150jährigen Tradition der Aufklärung, der Säkularisierung, der Menschenrechte und der Friedenspolitik. Ein Thema, wie wichtig es immer auch sei, reicht nicht, um meine politische Überzeugung zu ändern.

Die FDP muss sich jedoch entscheiden, in welche Richtung sie marschiert. Geht sie den Weg der Libertären (siehe Schäffler und Co.) und fordert weiter (gegen allen gesunden Menschenverstand) freie Märkte und Deregulierung, wo diese doch gerade eben grandios gescheitert sind – wird sie richtigerweise aus den Parlamenten hinaus gewählt werden und zur marktradikalen Splittergruppe degradieren. Es gibt in Deutschland keine 25% für eine marktradikale Partei, es gibt dafür 3%, höchstens. Das muss die FDP wissen, wenn sie ihr Grundsatzprogramm neu schreibt – sie hat es selbst in der Hand.

Ich stelle mir eine Umkehr der FDP vor – zurück zur Partei Hans-Dietrich Genschers, Karl-Hermann Flachs und letztendlich Friedrich Naumanns. Wir sollten uns auf unsere Tradition besinnen, zurückkehren zu einer „Fortschrittspartei“ anstelle einer „Marktpartei“. Wir haben, in der Mitte des politischen Spektrums, die einzigartige Möglichkeit, das BESTE aus den beiden diametralen Systemwelten zu verbinden – Marktmechanismen UND sinnvolle Regulierung, Freiheit des Einzelnen UND staatliches Wohlfahrtsdenken. Das sind eben keine logischen Widersprüche, meine Herrn Schäffler und Knapp. Man muss nur groß genug denken können.

Ich stelle mir eine FDP vor, die mit der intellektuellen Leistungskraft ihrer Mitgliederschaft die Themen der Zeit aufnimmt und aus den Sorgen, Ängsten und Bedrohungen der Gegenwart politische Programme formuliert, die den Wohlstand, die Freiheit und die Sicherheit der Menschen in Europa sichern.

Ich stelle mir eine FDP vor, die die liberale Sache über den Amtsträger stellt, die Rotationsprinzipien und Instrumente der Machtkontrolle auch bei sich selbst entwickelt, einführt und durchsetzt.

Ich stelle mir eine Partei des menschlichen und technologischen Fortschritts fest, ohne ideologische Scheuklappen und ohne Denkverbote.

Ich stelle mir eine liberale Partei fest, die die universell gültigen Menschenrechte im digitalen Zeitalter neu definiert und deren Unverletzlichkeit auch durchsetzen will.

Ich stelle mir eine Partei vor, deren Führung das Beste aus ihrer Mitgliederschaft verkörpert, intellektuellen Anspruch, Tatendrang, Selbstlosigkeit, Erfolgswillen und die immerwährende Bereitschaft, dem Ganzen dienen zu wollen.

Ich stelle mir eine Gemeinschaft von frei denkenden Individuen vor, die sich sammeln um diese Welt ein Stück besser zu machen – nicht für sich selbst, sondern für die anderen, immer im Wissen darum, dass das getane Gute mehrfach auf einen zurückfällt.

Sie können mich einen Träumer nennen, einen Spinner, einen intellektuellen Wahnsinnigen. Gerne. Schon immer waren es die Verrückten, die die Welt vorwärts bewegt haben und die Einfachen, die sie dabei aufrecht gehalten haben. Beide muss es geben. Sonst herrschen Stillstand und Resignation. Und das ist mit das Letzte, was Deutschland jetzt braucht.

Wir 1989er

Ich bin Teil einer Jugendbewegung. Nach nunmehr über 20 Jahren lebt und pulsiert sie wie eh und je. Neue Generationen sind nachgewachsen – Stil und Rhythmen haben sich im Laufe der Jahre verändert. Und dennoch – was in Untergrund-Klubs, Garagen und ausgedienten Lagerhallen begann, trotzt noch immer dem Zahn der Zeit und des beständigen Zermahlen des Kommerziellen. Die Techno-Bewegung lebt. Trotz Duisburg geht es weiter – weil uns Werte verbinden.

Flyer

Flyer 1990

Eine kleine, einfache 40-Watt Glühbirne, von einem pfiffigen Elektrotechnikstundenten mit dem Pegel des Lautsprecherausgangs zu einem Flackerlicht geschaltet – ein(!) Plattenspieler, viele kleine Vinylscheiben ohne Etikett und fünf zuckende Leiber in einer alten Garage. So fing meine ganz persönliche Geschichte mit der elektronischen Tanzmusik an. Das war im Jahr 1989.

Keiner meiner Freunde, Kommilitonen oder Bekannten wollte die Musik hören. Zu ungewohnt waren die tief wummernden Bässe, die zischenden Blechtrommellaute und die quietschenden Synthesizer-Töne. Nirgends war diese Musik zu hören – nicht im Radio, nicht im Musikladen. Kaufen konnte man die Platten auch nicht. Wir bezogen Sie aus London –  auf dunklen Kanälen direkt von den Machern der Musik.

Wir waren wenige. Wir waren anders. Von Anfang an standen wir für ein völlig neues Lebensgefühl: Keine Regeln, aber 100% Toleranz. Wir mussten unsere Gemeinschaft nach außen abschotten – schließlich wurden wir in „bürgerlichen“ Kreisen als „Drogenmusik“ verunglimpft, unsere Partys waren „Orgien“ und anderes mehr. Wie immer, wenn die Mehrheit in einer Gesellschaft auf Neues trifft, regiert das Vorurteil, werden Gerüchte gestreut und Halbwahrheiten verbreitet – meistens von denjenigen, die keinerlei Ahnung haben, von was sie eigentlich reden.

Unser einzig verbindendes Element war die Musik. Wir kamen aus allen Schichten der Gesellschaft – Söhne von Oberärzten waren unter uns genauso wie arbeitslose Mechaniker und ein Rechtsanwalt. Viele waren jung – aber nicht alle. Viele waren und sind Kreative – als Künstler, DJ, Musikproduzenten, in Werbe- und PR-Agenturen wirken wir bis heute.

Rasch verbreitete sich in der Szene das Wort von unseren Partys – nicht zuletzt deshalb, weil wir immer erst nach Mitternacht begannen – und nie vor sieben Uhr morgens endeten. Wir verstießen damit gegen jede Öffnungszeitenregel, die es gab – und das war gut so. Wir wollten uns die Freiheit nicht nehmen lassen, unsere Art des Lebens von offiziellen Stellen nehmen oder genehmigen zu lassen. Wir pfiffen auf den Staat. Die Welt war im Umbruch – ganze Staaten fielen, Diktaturen wurden durch Protestierende gestürzt. Und wir, die kleine Gruppe von Musik-Freaks, stürzten die Regeln der nächtlich Ruhenden. Das war unser Protest.

Schnell wuchs die Teilnehmerzahl bei unseren Partys. Erst waren es einige Dutzend – dann einige hundert. Wir wurden professioneller, die Locations und die Anlagen wurden größer. Noch immer zapften wir den Strom illegal vom Nachbarn. Noch immer waren die Treffen konspirativ – per Telefon und Flyer wurde die Location erst am Abend der Party bekannt gegeben. Noch immer brauchte man eine Empfehlung eines Insiders, um auf die Party zu kommen.

Die Staatsmacht wurde natürlich auf uns aufmerksam. Bald sendete sie Spitzel in unsere düsteren Lagerhallen, die wir mit schwarzen Müllsäcken vor den Fenstern, Stroboskoplampen und Diaprojektionen zu Tanzhöhlen verwandelten. Man ließ uns, paradoxerweise, gewähren. Vielleicht war es der allgemeinen Freiheitsstimmung der Zeit geschuldet – vielleicht war man in der Stadt einfach auch stolz darauf eine solche Partyszene zu haben. (Sie sehen – die politische Dimension ist beileibe nichts Duisburg-Spezifisches oder Neues).

Die Medien entdeckten uns schließlich – mit Gasmasken vermummt und anonym wurden wir interviewt. Wir waren „Helden der Nacht“. Wir waren „in“ und unglaublich cool. Einige von uns eröffneten legale Clubs, andere Plattenläden, wieder andere designten Klamotten. Irgendwann schaffte es das Fernsehen auf eine (offizielle) Party und wir waren prominent in einer landesweiten Sendung zu sehen. Das war der Beginn des Kommerzes.

Bis dahin hatten unsere Grundsätze immer noch gehalten – Liebe, Freiheit, Frieden, Toleranz, Gleichheit, Nicht-Käuflichkeit. Die auf den großen Veranstaltungen von heute geäußerten Mottos sind keineswegs leere Sätze – sie wurden und werden von den echten Ravern bis heute gelebt. Wir interessierten uns nicht für Aussehen, Kleidung, Sprache, Nationalität, Geschlecht, sexuelle Neigung oder Hautfarbe. Jeder war gleich – gleich vor der Musik. Das einzige Kriterium, um dazu zu gehören, war die Liebe zur elektronischen Tanzmusik – das Tanzen und die Hingabe in den Sound – bis hin zur Erreichung vielbeschworenen Trance.

Wir nahmen keine Drogen – warum auch? Drogen hätten das Erlebnis der Musik nur verschleiert, verzerrt, geschwächt, geschmälert. Darum lache ich auch heute noch über „Raver“ mit Bierdosen – Alkohol ist ein Beruhigungsmittel! Also das genaue Gegenteil, von dem, was man als Technotänzer will.

Natürlich gab es Leute, die den mittlerweile halb-illegalen Raum nutzen wollten und versuchten, Drogen auf unseren Partys zu verkaufen. Und: Es gab ungleich mehr Menschen, die zu uns kamen, um Drogen zu kaufen(!). Wir warfen sie hinaus, gnadenlos. Per se war und ist die die Einstellung eines jeden echten Freundes von Techno/House gegen Drogen. Wer tanzen kann, braucht sie nicht. Sie verursachen Fehlverhalten, Neid, Raffgier, gesundheitliche Gefahren und vieles andere Schädliche mehr. Auch deshalb klebt an jedem Lovemobil der Street Parade auch heute noch das Plakat „No drugs“. Das ist kein leerer Spruch. Die echten Kenner der Musik tanzen eh nach dem Motto „Music is our only drug“. Das stimmt auch.

Selbstverständlich wurde das Thema in den Medien gepusht. Der Druck der Konservativen auf die Behörden wuchs – es gab erste Razzien. Bis auf ein Bußgeld wegen Ruhestörung waren die Konsequenzen gering. Im Gegenteil: In Zusammenarbeit mit den Behörden wurden die Partys schließlich legalisiert – es gab zwar Auflagen und Kontrollen. Aber es ging weiter.

Nur wenige haben die Drogenkritik von Phuture verstanden.

In den neunziger Jahren war die Technobewegung die größte Jugendbewegung, die es jemals auf diesem Planeten gegeben hat. Sie verband Millionen von jungen Menschen überall auf der Erde, wie nichts anderes zuvor. Die aufkommende Technik des Internets verbreitete die oftmals von kleinen Künstlern produzierte Musik immer weiter. Neue Stars entstanden, neue Plattenfirmen. Um die Technobewegung wurde eine milliardenschwere Industrie gegründet, gipfelnd in Marken wie „Red Bull“, die heute Global Player sind.

Über zwei Jahrzehnte haben sich die Werte aus unserer Garage erhalten: Respekt, Toleranz, Liebe, Freiheit, Frieden. Sie strahlen weit in die Gesellschaft hinein, die vieles liberalisiert hat und die die Jugendkultur als festen Bestandteil integriert hat. Die Musik hat sich phänomenal weiter entwickelt: Es gibt einen ganzen Strauß an Musik- und Tanzstilen: Techno, Electro, Trance, Gabba, Industrial, Ambient, Zero Beats, Lounge, zig Arten von House; Progressive, Deep, Vocal oder meine musikalische neue Heimat: Minimal.

Für mich, der von Anfang an dabei war, ist heute in 2010 extrem wichtig, eines festzustellen: Ohne diese Werte wären die großen Paraden und Partys niemals möglich gewesen. Mit einem Publikum aus anderen Schichten, alkoholisiert, aggressiv, neidisch und kleinbürgerlich, wären solche Veranstaltungen schon viel früher im Chaos geendet – ein Blick in jedes Fußballstadion genügt.

Das waren wir nie, das wollen wir nicht sein. Wir 1989er. Und wenn unsere Paraden zu kommerziellen Volksfesten verkommen, wenn unsere Werte der absoluten Toleranz und der Liebe zur Musik verloren gehen – dann sollten wir sie beenden.

Ein Mottowagen auf der Street Parade 2010 lautete: „Back to the Roots“. Ein Wagen, schlicht in matt schwarz, ohne Glitzer-TänzerInnen, ohne Show, nur ein DJ. Dazu echt LAUTE Musik, hart, roh, zum Tanzen zwingend. Das hat mir sehr gefallen.

Und vielen anderen auch – die meine Kinder sein könnten. LOL.

Mehr: http://www.faz.net/s/RubCCB49507459C498F8E6FA9E990486D14/Doc~E91E0E8C57E9C4CD8A440C3FD45C28AE5~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Was tut der Liberale, wenn den Menschen die Verantwortung fehlt?

UPDATE 23.9.2010 http://www.welt.de/gesundheit/article9826609/Fettleibigkeit-wird-in-vielen-Laendern-zur-Epidemie.html

Vielleicht haben Sie es mitbekommen: Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter forderte neulich eine Einschränkung des Verkaufs von Fast-Food an Jugendliche – und erntete prompt einen Hagel von Protest aus allen Parteien. „Nicht vereinbar mit liberalen Werten“, tönt es aus dem Pressewald, „unmöglich“, „verrückt“.

Gewiss, der Vorschlag ist so kaum ernst zu meinen. Aber er berührt ein Ur-Dilemma des Liberalen: Was tut der eigentlich, wenn das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen versagt?

Nehmen wir mal als Beispiel das Autofahren. Eigentlich müsste der Urliberale (und neuerdings der Libertäre) gegen jede Verkehrsregel sein – schließlich grenzen diese seine individuelle Freiheit eklatant ein. Dennoch käme heute keiner in der FDP auf die Idee, die Straßenverkehrsordnung abzuschaffen. Man hat verstanden, dass es auch im Sinne des Einzelnen ist, wenn es verbindliche, sanktionierte Regeln für alle gibt. Denn sonst würde das System (in diesem Fall der moderne Massen-Individualverkehr) nicht funktionieren; die gesellschaftlichen Folgekosten wären ohne Verkehrsregeln schlicht unangemessen hoch.

Was für den Verkehr gilt, gilt auch für andere Bereiche der Gesellschaft – da wären der Arzneimittelmarkt, die Erziehung, das Ärztewesen, die Juristerei, die Gastronomie. Regeln, wo man hinschaut. Zu Recht. Oder wollten Sie sich von einem Pfuscher operieren lassen? Na, sehen Sie?

Also, wir verstehen die Sinnhaftigkeit der Einschränkung individueller Freiheit zugunsten aller in vielen Bereichen der Gesellschaft. Ein Gedankenvorgang, den die Libertären verpasst haben – in ihrer wahnwitzigen Vorstellung von Gesellschaft gibt es keinerlei Einschränkungen des Individualismus. Die Folge ist Anarchie und der Hobb’sche Kriegszustand aller gegen alle.

Die Lebenserwartung (afro)amerikanischer Männer in den südlichen Bundesstaaten der USA liegt um über zehn Jahre niedriger als derjenigen in Mitteleuropa. Die Hauptursache hierfür ist die Fettleibigkeit. Mittlerweile ist Übergewicht in den USA Todesursache Nummer eins – gepaart mit explodierenden Gesundheitskosten durch Diabetes, Herz- und Kreislauferkrankungen und andere durch das Übergewicht verursachten Leiden. Es sterben auch in Deutschland mehr Menschen an den Folgen der Fettleibigkeit als im Straßenverkehr. Und hier soll es plötzlich keine Regeln mehr geben?

Das verstehe ich nicht – auch mit den Argumenten der Freiheit des Einzelnen nicht. Es gibt keine Freiheit zur Verantwortungslosigkeit! Wer sich und seine Kinder so ernährt, dass er sich und seine Kinder dadurch gefährdet, handelt verantwortungslos. Er bürdet die Kosten seines Fehlverhaltens der Allgemeinheit auf, ohne dafür belangt zu werden. Das vorgebrachte Argument, es beträfe ja nur den Betroffenen selbst, lässt sich nicht halten. Durch das massenhafte Fehlverhalten einzelner leiden letztendlich alle.

Das kann es in einer gerechten Gesellschaft nicht geben. Die Freiheit des Einzelnen kann in einer Demokratie nur so weit reichen, wie seine Verantwortung trägt. Wo andere Menschen zu schaden kommen, vor allem wenn es die eigenen Kinder sind, hört die Freiheit ganz schnell auch auf.

Das Dogma des Liberalen war und ist: Aufklärung vor Verbot. Das ist auch richtig – nur durch konsequente Aufklärung werden aus Massenmenschen Individuen und mündige Staatsbürger. Doch was tut der Liberale, wenn die Gesellschaft diese Aufklärung nicht leisten kann oder will? Lässt er die Menschen in ihre selbst verschuldete Unmündigkeit laufen?

Der libertäre Egoist tut das. Der gesellschaftlich engagierte Liberale nicht. Er versucht, ein System von Anreiz, Belohnung und Sanktion zu schaffen, welches es dem Einzelnen ermöglicht sich so zu verhalten, dass es der Gemeinschaft und letztendlich auch ihm selbst dient. Es gibt keinen Konflikt zwischen Individialwohl und Gemeinwohl – es ist lediglich die Frage des Austarierens von Präferenzen und Risiken. Und das, lieber Leser, ist originäre Aufgabe der Politik als Aggregatfunktion der Allgemeinheit.

Also, wir müssen etwas gegen die um sich greifende Übergewichtigkeit unserer Bevölkerung tun. Wir müssen aufklären, in der Schule das Fach „Gesundheit und Ernährung“ einführen. Wir müssen appellieren, mahnen und warnen. Wenn das alles nicht hilft, sollten wir auch sanktionieren – mit den Mitteln, die der Gemeinschaft dazu zur Verfügung stehen – mit steuerlichen Anreizen, mit Bonus/Malusprogrammen. Zu Verboten sollten wir nur als ultima ratio greifen. In Deutschland sehe ich das im Falle des Übergewichts derzeit nicht. Wenn aber die Fettleibigkeit ein Ausmaß wie in den Südstaaten der USA annehmen sollte (und einiges spricht mittelfristig durchaus dafür) dann muss die Gesellschaft auch konsequent handeln.

Die philosophische Frage nach der Freiheitseinschränkung des Einzelnen zugunsten der Gesamtheit wird so ganz pragmatisch gelöst. Es muss, immer, die Freiheit an erster Stelle stehen. Denn sie wird durch vieles bedroht: Zensur, Kontrollwahn, Bürokratie, Zentralismus. Wenn jedoch die Ausübung dieser Freiheit zum Schaden anderer führt – und wenn der Einzelne sich weigert, aufgeklärt zu werden, sei es aus Bequemlichkeit oder aus einer „Null-Bock-Haltung“ heraus; wenn die Verantwortung zur Freiheit nicht gelebt wird – dann kann, soll und muss die Gesellschaft eingreifen.

Wir können die Menschen nicht einfach machen lassen – nicht im Markt, der Regeln braucht, nicht im Gesundheitswesen, welches wir alle bezahlen müssen. So schön das Bild eines mündigen, wissenden, gebildeten und verantwortungsbewussten Staats-Bürgers auch ist – die gelebte Realität sieht heute leider anders aus.

Deshalb: Statt hoher moralischer Predigten und statt Zeigefingern der Obrigkeit sollten pragmatische Regeln des gesunden Menschenverstandes gemacht werden. Einfach, einsichtig, konsequent. Politik zum Anfassen braucht das Land. Und nicht tausende Seiten Gutachten, Stellungnahmen und Absichtserklärungen aus denen Paragraphen folgen, die kein Mensch mehr versteht.

Wer verantwortungslos lebt, soll das tun. Aber dann auch für die Folgen einstehen.

Platzende Kondensatoren und schmorende Grafik-Chips

Die globalisierte IT-Industrie mutet ihren Kunden schon einiges zu in diesen Tagen. Der ständige Kostendruck und die nimmersatte Gier nach Gewinn machen die Hersteller von Computer-Hardware anfällig für allerlei Betrügereien. Der Leidtragende ist immer der Kunde – egal ob privat oder geschäftlich. Hier zwei Fälle aus meiner nächsten Umgebung, rein subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Sie zeigen dennoch, wie anfällig unsere IT-getriebene Infrastruktur mittlerweile geworden ist – und wie dringend wir strengere Regeln zur Produkthaftung und -sicherheit wir im globalen Wettbewerb benötigen.

Fall 1: Platzende Elektrolytkondesatoren auf Mainboards von Fujitsu-Siemens Bürocomputern.

Die Story geistert schon seit mindestens 2003 (auch 2005) durch die IT-Gazetten: Auch namhafte Mainboard-Hersteller hatten bei einem taiwanesischen Zulieferer minderwertige Elektrolytkondensatoren zu Hunderttausenden eingekauft und diese auf ihren Boards verbaut. Das wäre an sich nicht weiter schlimm – ein klarer Fall für einen Rückruf. Die Teile wären recht einfach auszutauschen, billig in der Anschaffung und ohne weiteres ersetzbar. Nach diesen Ereignissen sollte man meinen, die Hersteller hätten daraus gelernt.

Genau das haben aber die Computerhersteller nicht. Im Gegenteil: Selbst nach bekanntwerden dieser fehlerhaften Komponenten wurden weiter solche in Rechner diverser Hersteller verbaut, darunter auch bei Markenherstellern wie in unserem Fall eben Fujitsu-Siemens. Die Folge: Ich kenne eine ganze Serie von Business-PCs der Firma (aus 2009), auf denen der Reihe nach die ElKos platzen. (siehe Foto) Die Folge: Zuerst startet der PC immer langsamer, danach treten sporadische Ausfälle und Blue-Screens auf. Bis der Rechner dann irgendwann seine Tätigkeit komplett einstellt. Die Laufzeit der betroffenen Geräte beträgt 12-15 Monate, was für einen Business-PC eine peinlich kurze Laufzeit ist.

Der Vertriebspartner, von dem die PCs stammen, fährt die übliche Verweigerungsschiene und spricht zunächst vom “Anwenderfehler” (hahaha!),  dann vom “Einzelfall” (hahaha!) und hat nun letztendlich den Serienfehler zugegeben. Ein adäquater Ersatz oder eine Reparatur der (noch) nicht betroffenen PCs wird jedoch verweigert, obwohl heute schon absehbar ist, dass alle diese Rechner (in diesem Fall einige hundert Stück) ausfallen werden. Von Herstellerverantwortung keine Spur. So wird der Endanwender seinem Schicksal überlassen, Service? Kundenorientierung? Nie gehört.

Fall 2: Verbrannte NVIDIA Grafik-Chips in DELL-Notebooks

Der zweite Fall ist eigentlich noch schlimmer. DELL und andere Compterhersteller (u.a. HP) verbauten in 2008 Grafik-Chips der Marke NVIDIA, genauer gesagt die Baureihe 8400 M GS. Diese Chips waren von Anfang an fehlerhaft – was die Firma NVIDIA (nach einer Klage in den USA) auch eingestanden hat. Als Folge dieses Fehlers wurde die Garantie auf diese Chips von der Firma DELL um ein Jahr verlängert – und das weltweit.

Die Grafikchips in den betroffenen Rechnern, bei DELL sind es vor allem die Reihen Vostro und Latitude, also wiederum Geschäftsrecher, versagen jetzt in Massen. Der Grund ist ein Fertigungsfehler bei der Herstellung der Chips, wobei das Isolations-Trennmaterial den Temperaturschwankungen nicht standhält. Die Folge: Erst entstehen Artefakte auf dem Bildschirm, oft auf multiple Anzeigen, zuletzt fällt die Grafik-Einheit komplett aus und das Notebook ist unbrauchbar.

Bei mir versagte der Chip genau 6 Wochen nach Ablauf der Gewährleistungszeit und die Firma DELL weigert sich, den PC zu reparieren. Das obwohl sie spätetens seit Sommer 2008, also im Herstellungszeitraum meines PCs, schon von den fehlerhaften Chips wusste! Wie würden Sie das nennen, wenn ihnen derart wissentlich ein fehlerhaftes Teil verkauft wird? Eben. Das Produkt war nie mängelfrei, schon zum Herstellzeitpunkt nicht. Und dennoch wurde es in den Markt gelassen. Das ist eine Frechheit.

Die Firma DELL hat ihre Kunden nie über die Fehlerhaftigkeit seiner Produkte informiert – es wurde kein Rückruf gestartet und den Kunden wurde kein Austausch angeboten – immer in der Hoffnung, dass die Teile über die knappe Garantiezeit halten und man danach praktischerweise den Kunden abwimmeln kann. Bei mir wurde dann noch die Extra-Ausrede benutzt, die Gewährleistung betrage eh nur ein Jahr, da ich ja geschäftlicher Kunde sei. Also heißt das im Umkehrschluß: DELL verkauft minderwertige Geräte an Geschäftskunden, weil dort die Garantiezeit kürzer ist.

Ich habe als IT-Consultant mit vielen Vorurteilen der Firma DELL gegenüber kämpfen müssen – und sehe all diese Vorurteile leider voll bestätigt. Das ist schade, denn eigentlich war ich mit dem Rechner, z.B. seiner Verarbeitungsqualität, sehr zufrieden. In meinen Hardware-Empfehlungen werde ich DELL nicht empfehlen, denn eine Firma, die so mit ihren “kleinen” Kunden umgeht, hat die größeren auch nicht verdient. Nur am Rande: Die PCs aus Fall 1 müssen auch ersetzt werden – aber bestimmt nicht mit DELL-Produkten. Dazu passt auch die Meldung, dass DELL Server-Mainboards mit Trojanern ausgeliefert hat. Toll. Wer vertraut seine Daten schon so einem Unternehmen an? Ich nicht mehr. DELL ist durch für mich. Und zwar für immer.

Was sind das für Gepflogenheiten in der IT-Branche? Fehlerhafte Teile werden massenhaft verbaut, die Firmen wissen davon und tun nichts? Der Kunde als der Dumme? Hauptsache das Ding hält bis zum Verfallsdatum der Garantiezeit und danach sind die Kunden egal?

Ich will nicht wissen, wie viele fehlerhafte Kondensatoren und Chips auf unseren Straßen fahren oder in unseren Flugzeugen fliegen. Die IT-Branche benötigt dringend eine Art TÜV, der elektronische Bauteile prüft und abnimmt, bevor sie in kritische IT-Systeme verbaut werden dürfen. Die Informationstechnik ist viel zu wichtig geworden, um sie solchen Scharlatan-Zulieferern und verantwortungslosen Herstellerfirmen zu überlassen. Oder wollen Sie, dass bei der nächsten Online-Überweisung der Rechner platzt? Oder mitten in der Buchhaltung? In der Auftragsbearbeitung? Gar im Controlling? Oder einer Maschinensteuerung?

Wo Wirtschaft nicht funktioniert, müssen Regulierungen her. So auch hier. Es geht nicht darum, dass ein Computer nach zwei Jahren ausfällt. Das kann vorkommen – obwohl sogar die gesetzliche Abschreibungsfrist 3 Jahre beträgt, die so ein Rechner eigentlich auch halten sollte. Um was es hier geht, ist die massenhafte Verwendung minderwertiger, bzw. defekter Bauteile und die Weigerung der Unternehmen, für ihre Fehler auch einzustehen.

Ein ganzes Forum extra für NVIDIA-Opfer: http://www.nvidiadefect.com

Frau Aigner, hier gibt es ein echtes Verbraucherschutzproblem – tun Sie etwas. Und hacken Sie nicht immer nur auf Google und Facebook herum.

Ich spiel mal Wünsch-Dir-Was

Na nu? Es geht ganz plötzlich wieder voran in Berlin. Wenn auch zu langsam und mit zu vielen Luftnummern regiert wird – immerhin wird wieder regiert, es geschieht immerhin etwas.

Doch Kritisieren alleine ist einfach – Alternativen aufzeigen dagegen schwer, wie all jene Journalisten erfahren müssen, die derzeit die Berliner Koalition in Grund und Boden schreiben, ohne selbst jemals auch nur einen Vorschlag gemacht zu haben, wie es besser gehen könnte.

Also spiele ich mal Wünsch-Dir-Was und stelle eine, rein subjektive, virtuelle Agenda der Bundesregierung für die nächsten Monate auf.

  • Datenschutz: Die Regierung beendet ELENA und begräbt den neuen Personalausweis und die elektronische Krankenversicherungskarte als zu teuer und vollkommen überflüssig. Google Street-View und andere Internetdienste werden explizit erlaubt und gefördert, weil die Regierung deren Bedeutung für zukünftige Wertschöpfung im digitalen Zeitalter erkannt hat.
  • Energiepolitik: Die Regierung kürzt weiter die sinnlosen Solar- und Windkraftsubventionen. Die Laufzeiten der Atomkraftwerke werden bis 2040 verlängert. Die Stromsteuer wird gesenkt. Die Ökosteuer wird abgeschafft. Die Regierung hat verstanden, dass günstige Energiepreise essentiell für unsere Wettbewerbsfähigkeit sind. Die Menschen müssen liberale Politik spüren – auch auf ihrer Stromrechnung.
  • Gesundheit: Die Regierung deckelt die KV-Beiträge auf 15% – und stellt mit radikalen Einsparungen die Finanzierung der GKV sicher. Dabei werden Selbstbeteiligungen für Risikogruppen mit selbstverantworteten Risiken (Raucher, Alkoholiker, Ski- und Motorradfahrer, Übergewichtige) eingeführt. Die Regierung erkennt, dass die Brutto-Lohnsumme als Finanzierungsinstrument der GKV an Basis verliert und bindet alle Einkommensarten in die Finanzierung der Gesundheitskosten der Bevölkerung mit ein. Die Regierung erkennt: Das Kapital muss den Menschen dienen. Nicht umgekehrt.
  • Steuern: Die Regierung streicht sofort alle(!) Steuerausnahmetatbestände und senkt dadurch aufkommensneutral den progressiven Tarif, was mehr Netto für kleine und mittlere Einkommen bringt. Die „einfachen“ Menschen spüren sofort die Erleichterung.
  • Außenpolitik: Die Regierung erkennt die Wichtigkeit und Gefährlichkeit des Nahen und Mittleren Ostens für den Weltfrieden, die deutsche Sonderstellung dort und veranstaltet eine große Nahost-Konferenz auf dem Bonner Petersberg. Als Ergebnis steht ein Annäherungs-Abkommen zwischen Israel und der Arabischen Welt analog zur Schlussakte von Helsinki. Die Regierung erkennt die Problematik der „failed states“ in Somalia, Sudan, Uganda, Jemen. Sie wirkt auf eine internationale Lösung hin – die das bisherige Modell der staatlichen Souveränität unter den universellen Schirm der proaktiv verteidigten Menschenrechte stellt.
  • Werte: Die Minister erklären öffentlich, nicht mehr in Länder zu reisen, die systematisch die Menschenrechte verletzen. Die Entwicklungszusammenarbeit mit Unrechtsregimen wird beendet.
  • Wirtschaft: Die Regierung beschließt eine europaweite Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte. Eine europäische Rating-Agentur wird als Gegenpol zu den Amerikanischen gegründet. Die Finanzaufsicht bekommt ein „scharfes Schwert“ und es werden umgehend 10.000 neue Steuerfahnder bundesweit eingestellt.
  • Bildung: Die Bundesregierung stellt die Finanzierung des Stipendienprogramms sicher, auch wenn die Wirtschaft sich verweigern sollte. In diesem Fall führt sie eine doppelt so hohe Ausbildungsabgabe für die verantwortungslosen Unternehmen ein.
  • Grundgesetz: Die Bundesregierung erkennt die Wertebasis des Grundgesetzes uneingeschränkt (z.B. Art. 14GG) an – Als Folge dieses Anerkennens werden Managerhaftung, Wettbewerbsregeln und Korruptionsgesetze verschärft. Monopole werden konsequent zerschlagen (Telekom, Branntweinmonopol, usw.).
  • Bürokratie: Die GEZ und die ZVS werden ersatzlos gestrichen. Bundesministerien werden um 10% geschrumpft, Überflüssige Bundesbehörden komplett abgeschafft.
  • Wehrpflicht: Die Regierung setzt die Wehrpflicht mit sofortiger Wirkung aus – eine Freiwilligenarmee wird geschaffen. Freiwillige soziale Dienste für beide Geschlechter werden gefördert.
  • Wettbewerb: Das Apothekenwesen wird dereguliert. Rezeptfreie Medikamente werden im Einzelhandel verkäuflich. Überteuerte Preise in Deutschland (z.B. Apple, Autoindustrie) werden von Verbraucherschützern gemeldet und von Wettbewerbshütern mit Bußgeldern geahndet. Das unsinnige Abmahnwesen wird für Privatpersonen und Kleinunternehmer abgeschafft.
  • Justiz: Der Minimalstreitwert für Prozesse wir auf 2000 Euro festgelegt. Für kleinere Fälle werden unbürokratische Schlichtungsstellen geschaffen.
  • Rundfunk: Die Länder erkennen den technischen Fortschritt und dessen Möglichkeiten zur Kostenersparnis. Die Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk werden erst um 20%, danach jährlich um 5% gesenkt. Da die GEZ überflüssig ist, ziehen die Finanzämter die Gebühren ein.
  • Zuwanderung: Die Bundesregierung erkennt die Bedeutung der qualitativen Zuwanderung und die Fehler der bisherigen Zuwanderung Minderqualifizierter. Deshalb beschließt sie ein Punktesystem analog zu Australien und Kanada. Kriminelle Transferempfänger und Integrationsunwillige Zuwanderer werden konsequent zurückgewiesen und ausbildungswillige Migranten gefördert.

Wetten, das davon, wenn überhaupt, nur ein Bruchteil jemals realisiert wird? Weil es tausend Lobbygruppen, Eitelkeiten und Besitzstandswahrer in unserer Gesellschaft gibt? Machbar wäre alles. Doch unser politisches System kann keine echte Reform mehr leisten. Genauso wenig wie übrigens das Amerikanische auch. Deshalb wird der echte „Change“ nur ein Traum bleiben. Oder ein Marketing-Gag von cleveren Wahlkampf-Strategen.

Nokia: Innovatives Product Placement

Laut einer Zeitung aus Paraguay wurde die Schauspielerin Larissa Riquelme dafür bezahlt, in ihrem Ausschnitt das neue Mobiltelefon Nokia E71 während der Fußball-WM zu tragen.

Na da sag doch einer, den Marketingleuten würde nichts neues mehr einfallen. Das nenne ich mal echtes “product placement”. LOL.

gefunden via http://www.intomobile.com/2010/07/08/larissa-riquelme-gives-best-nokia-e71-product-placement-ever-at-world-cup/

Tea-Party-Aktivisten rufen die Revolution aus

Es riecht nach Schwefel und Pulver im kommenden US-Amerikanischen Kongreßwahlkampf. Und das nicht nur politisch, sondern auch ganz praktisch. Nach dem (meiner Meinung nach schwachsinnigen) Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, laut dem der Staat niemandem den Besitz einer Waffe verbieten darf, hetzt die ultra-rechte Tea-Party Bewegung um Leaderin Sarah Palin munter weiter. Sie versucht systematisch die Republikaner zu unterwandern. Das alles mit freundlicher Unterstützung des Hetz-Senders Fox-News, bei dem vornehmlich alte Männer in Gesellschaft von busenoperierten wasserstoffblonden Bikini-”Schönheiten” ihren populistischen Meinungs-”Journalismus” verbreiten. Neuerdings dabei auch mit im Boot: Die im Golf-Desaster böse geschundene Ölindustrie und anderes “Big Money”. Berlusconi lässt grüßen.

Jüngstes Beispiel der Idiotie der Rechten zeigt folgender TV-Spot, indem der Republikanische Kandidat aus Alabama, Rick Barber, George Washington den Satz sagen lässt: “gather your armies” (holen sie ihre Armeen). Ganz nebenbei will er Obama aus dem Amt jagen – wenn nötig mit Waffen. Die Pistole liegt im Spot auch schön sichtbar da.

http://www.cbsnews.com/8301-503544_162-20007579-503544.html

Er geht sogar noch weiter und lässt im nächsten Spot die Zombies tatsächlich marschieren:

Immer schön mit der Knarre im Hintergrund. Da kommt einiges zusammen: Extreme Verblödung der halben Nation durch ein mißlungenes Bildungssystem in den Unterschichten; eine Verfassung, die nicht lebt und sich somit auch über-lebt; die Abwendung des “kleinen Mannes” von “Qualitäts”-Medien und Politik; fehlende öffentlich-rechtliche Information; eine Wirtschaftskrise und die strukturellen Defizite einer Wirtschaft, die jahrzehntelang Handelsbilanzdefizite angehäuft hat.

Die Oberen Etagen der Republikanischen Partei dürften mit diesen Tea-Party Leuten einiges an Kopfschmerzen bekommen – denn auch in den USA bekommt diese Art von Propaganda nur in den sog. Red-States (republikanisch dominierte Staaten im Mittleren Westen und im Süden) und im Bible-Belt (streng christlich dominierte Staaten im Süden) eine Mehrheit. Die wirtschaftlich starken, liberalen Bundesstaaten an beiden Küsten ticken komplett anders – Amerika droht somit eine echte Spaltung. Zumal die schnell wachsenden ethnischen Minderheiten der Latinos und Aseaten beileibe keine Republikaner-Prototypen sind.

Und: Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass einige minderbemittelte WASP-Zeitgenossen die Hetze ernst nehmen werden. Und so schlittert die älteste Demokratie der Welt in ihr nächstes Drama. Traurig.

Hier die Republikanerin Pamela Goreman mit ihrem Maschinenpistolen-Spot:

Mehr: http://us.cnn.com/video/#/video/politics/2010/07/05/acosta.ads.go.viral.cnn

Das Einzige, was die “Tee-Revolution” wohl noch verhindern kann, sind die Südstaatler selbst. Zum Marschieren sind sie schlicht zu fett geworden.