Alexander Schopf bei Diskussionsrunde über Kernkraft auf dem Schlossplatz in Stuttgart

v.l.: Andrea Lindlohr, Ute Vogt, Alexander Schopf, Christoph Bautz, Karin Maag, Ulrich Maurer
Am 15. September veranstaltete die kernkraftkritische Organisation campact eine Diskussionsrunde auf dem Schlossplatz; mit dabei Alexander Schopf als Vertreter der FDP, Karin Maag (CDU), Ute Vogt (SPD), Andrea Lindlohr (Grüne) und Ulrich Maurer (Die Linke).
Frau Lindlohr schloss Rot-Rot-Grün auf Bundesebene nicht aus; sie befürwortete dies ausdrücklich. Maurer stimmte zu. Ute Vogt war es peinlich. Fast zeitgleich schließt Jürgen Trittin im Fernsehen Schwarz-Grün nicht aus. Wie das Rädchen im Wind drehen sie sich. Die Spitze Richtung Dienstwagen und die Basis zu den Kommunisten.
Lesen Sie im Folgenden einen Beitrag zur Veranstaltung von Markus Lochmann:
Wie das Rädchen im Wind
Gespannt ging ich zur groß angekündigten Anti-Atom Demo auf den Stuttgarter Schlossplatz am Dienstag, den 15. September 2009. Doch anstelle tausender Grünen-Anhänger und SPD-Fans erwartete mich ein kleines Häuflein von höchstens 150 Menschen vor einem riesigen LKW mit angehängtem „Castor-Transport“. Man sei auf „Endlager-Suche“ hieß es, mitten in der Stuttgarter City.
Es folgte eine Podiums-„Diskussion“ zur Kernenergie, an der Vertreter der FDP (Alexander Schopf), CDU (Bundestagswahlkandidatin Karin Maag), SPD (Ute Vogt), den Grünen (Andrea Lindlohr) und der Linken (Ulrich Maurer) teilnahmen.
Wie üblich, und von den Ultra-Ökos zu erwarten, verlief die „Diskussion“ recht einseitig. Die bekannten Argumente der Kernkraft-Gegner von der ungelösten Müllfrage bis hin zu Maurers in-die-Kraftwerke-fliegende-Flugzeuge wurden durchgespielt. Ich werde sie an dieser Stelle nicht wiederholen. Nur einige Anmerkungen zum Thema:
An einer rationalen Diskussion der Energiefrage ist weder bei den Grünen, noch bei den Linken irgend jemand ernsthaft interessiert. Was hier vorzufinden war, war ideologische Verbrämtheit, die sich durch kein einziges noch so vernünftiges Argument beseitigen lässt.
So wurde im Laufe der Diskussion festgestellt, dass zeitweise acht der deutschen Atommeiler vom Netz waren und Deutschland gleichzeitig Strom exportierte – welch Jubel der Öko-Fraktion. Doch als sich dann herausstellte, dass zu der Deckung der Versorgungslücken Kraftwerke aus den 50ern reaktiviert wurden, die mit extrem schlechtem Wirkungsgrad Heizöl und Kohle verbrennen, wurde es im Publikum plötzlich mucksmäuschenstill.
Oder: Als Alexander Schopf seinen Sachverstand mit Hilfe seines Geologie- und Mineralogiestudiums nachzuweisen versuchte, wurde im Publikum gebuht. Das zeigt, wie ernst es diese Klientel mit der „Wissenschaftlichkeit“ ihrer Argumente nimmt: gar nicht. Und bevor jemand mit Sachverstand etwas sagt, schreien sie ihn lieber nieder.
Alexander Schopf
Paradox dabei: Die FDP öffnet sich für neue Lösungen in Sachen Kernkraft. Ja, wir müssen den Saustall „Asse“ aufräumen. Ja, die Verursacher müssen den Müll auch beseitigen. Ja, wir sind für erneuerbare Energien, wenn die Technologie sich auf dem Markt durchsetzen kann. Und ja, auch die FDP will aus der Kernenergie aussteigen: Dann, wenn es andere, bessere Technologien zur Energieversorgung gibt.
Im Augenblick gibt es diese nicht – auch die von den Sozial-Grünen immer wieder propagierte Wind- und Sonnenenergie ist es nicht. Sie erleben einen Boom auf Steuerzahlerkosten und werden heftigst subventioniert. So verschlingt jeder Arbeitsplatz der umjubelten Solar-Strom-Branche im Jahr 250.000 Euro Subventionen. Doch darüber sprechen die Grünen nie.
Überhaupt, die Grünen: Frau Lindlohr schloss Rot-Rot-Grün auf Bundesebene nicht aus. Sie wollte es ausdrücklich. Maurer stimmte zu. Ute Vogt war es peinlich. Gleichzeitig schloss Jürgen Trittin im bundesweiten Fernsehen Schwarz-Grün nicht aus. Wie das Rädchen im Wind drehen sie sich. Die Spitze Richtung Dienstwagen und die Basis zu den Kommunisten. Oben pfui und unten pfui, würde ich da sagen.
Kernenergie ist sicher keine einfache Angelegenheit. Doch wir müssen im europäischen Maßstab denken und europäisch nach Lösungen der Energiefragen suchen. Auch in Sachen Nuklear-Abfall. Wir sollten die restlichen Laufzeiten der Atommeiler dazu nutzen, den aus ihnen zu erwirtschaftenden Gewinn sinnvoll in die Entsorgung alter und die Entwicklung neuer Energietechniken zu investieren.
Die FDP ist nicht die Partei der Atomstrom-Lobby. Sie ist die Partei der Vernunft. Im Moment ist es eben noch vernünftig, sichere und auf hohem technischen Niveau sich befindliche Kraftwerke zu betreiben. Anstelle immer nur rumzujammern, hätten die Ökos ja schon lange etwas besseres erfinden können. Ja, das geht, in einem freien Land.
Einerseits müssen wir Verantwortung für die Versorgung unseres Landes mit bezahlbarer Energie übernehmen. Gleichzeitig müssen wir unseren Gegnern mit unseren Argumenten den Wind aus den Segeln nehmen. Konsens suchen, statt Provokation. Wir müssen den Menschen die Wahrheit sagen – über Nutzen und Risiken. Wir müssen sie aufklären. Wir müssen Zukunft aufzeigen und mit Vorurteilen aufhören. Schließlich produzieren und konsumieren wir nicht zu viel Energie. Wir produzieren sie nur mit den falschen, veralteten, teuren und ineffizienten Mitteln. Wir brauchen Innovation und nicht Repression.
Eines zeigte sich aus der Publikumsreaktion an diesem Abend deutlich: Dem Grün-Linken Komplex geht es gar nicht um die Umwelt. Die mit viel Energie errichtete Kulisse Atom wird als Mittel zum Ziel genutzt – in Wahrheit geht es, wie immer in der Politik, um Macht und Geld. Immer und immer wieder klang der Neid aus den Beiträgen der Zuhörer heraus, der Hass auf „die da oben“, auf die Gewinne der Konzerne.
Wie wenig Ratio in diesen Menschen steckt, zeigte eine fanatische Atmkraft-Gegnerin mit Anti-Atom-Flagge in der einen, eine brennende Zigarette in der anderen Hand. Ob sie wohl wusste, dass sie aus ihren Zigaretten mehr radioaktive Stoffe einatmet, als sie jemals aus irgendeinem Kernkraftwerk erhalten wird?
Die Gegnerschaft der Kernkraft wird alt. Sie ist seit Wackersdorf die gleiche Meute geblieben. Sie haben es bis zum Bundesaußenminister geschafft – und nichts wirklich verändert. Ihre eigene Partei, die Grünen, sind genauso Wohlstandsverteilerpartei geworden, wie alle anderen auch. In jüngster Zeit mutiert sie auch noch zum „linken Bürgertum“. Somit schafft die Grüne Basis über kurz oder lang ihre eigene Daseinsberechtigung ab. Ich frage mich nur, wer länger läuft, die Kraftwerke oder ihre Gegner. Wahrscheinlich ist mit der Laufzeit der einen auch die der anderen zuende.
Die Reaktiven in der Gesellschaft werden jede neue Technologie verteufeln. Sie leisten Widerstand um des Widerstands willen – nicht der Sache wegen. Sie sehen in sich die Legitimation eines modernen Robin Hood – ohne wirkliche Lösungen für alle Menschen zu haben. Erst dann, wenn sie alle Reichen geplündert haben, alle Wohlstandsgrundlagen vernichtet, werden sie feststellen, dass alle arm sind. Doch glücklicherweise sind diese Menschen nicht in der Mehrheit, auch wenn Herr Mauer das gerne so hätte.
Der Nachmittag war wie ein kurzer Blick zurück in die frühen Achtziger. Zum Glück hat der Rest der Gesellschaft die Traumata der damaligen Zeit überwunden. Schade nur, dass aus dem an sich sinnvollen Umweltschutzgedanken eine knallharte, instrumentalisierte politische Ideologie gemacht worden ist.
Quellenangabe des verwendeten Bildmaterials: http://www.flickr.com/photos/41854901@N07/3923642458/ + http://www.flickr.com/photos/41854901@N07/3922839125/in/photostream/
























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