1. Justizminister, stellvertretender Ministerpräsident, Integrationsbeauftragter, Landtagsabgeordneter, und stellvertretender Landesvorsitzender der FDP Baden-Württemberg: Wie bewältigen Sie diese Vielzahl von beruflichen Verpflichtungen und werden gleichzeitig Ihrer Rolle als fünffacher Familienvater gerecht?
Eine gute Organisation ist absolut notwendig, um diese vielfältigen Aufgaben in den Griff zu bekommen. Hierbei helfen mir vor allem die Erfahrungen, die ich in 15 Jahren während meiner beiden Amtszeiten als Justizminister sammeln konnte. Der Rückhalt, den mir meine Frau und meine Kinder geben, ist die Grundlage für meine erfolgreiche Arbeit in den verschiedenen Ämtern. Deshalb versuche ich trotz zahlreicher Termine, stets genügend Zeit für die Familie frei zu halten.
2. Womit verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit?
Den Großteil meiner Freizeit widme ich selbstverständlich meiner Familie. Soweit möglich, nutze ich morgens gerne die erste halbe Stunde zum Joggen. Falls sich die Gelegenheit bietet spiele ich abends ganz gerne Klavier oder steige an schönen Tagen auf mein Motorrad. Außerdem bin ich zu einem begeisterten Modelleisenbahner geworden. Meine Märklin-Bahn wächst ganz zur Freude auch meiner Kinder Jahr für Jahr ein Stück weiter.
3. Was darf nie in Ihrem Kühlschrank fehlen?
Saitenwürstchen
4. Vermissen Sie den Lehrauftrag an der Hochschule und konnten Sie die dort gesammelten Erfahrungen auch in ihrer Funktion als Minister verwenden?
Die Lehrtätigkeit an der Hochschule hat mir stets sehr viel Spaß gemacht. Besonders fasziniert hat mich die Arbeit mit den jungen Menschen, die für Problemstellungen oftmals eine komplett unterschiedliche Herangehens- und Sichtweise haben. Dies verlangt von einem selbst Aufgeschlossenheit und Beweglichkeit im Denken. Aus diesen Gründen halte ich auch heute noch sehr gerne Vorlesungen an den Fachhochschulen in Ravensburg-Weingarten und Pforzheim.
5. Welche Eigenschaft bewundern Sie an anderen? Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie besonders stolz?
Ich schätze Verlässlichkeit und freue mich über Charme. Was meine eigenen Eigenschaften angeht – da sollten Sie lieber meine Familie fragen.
6. Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Qualifikation und Einsatz sind die zentralen Eigenschaften, die ich an meinen Mitarbeitern schätze. Ein kollegiales Arbeitsklima soll zur Eigeninitiative und selbstständigem Arbeiten anregen. Offene Gespräche und lebhafte Diskussionen sind ebenso notwendig, um neue und bessere Lösungsansätze gemeinsam ausarbeiten zu können. Daneben achte ich auch bei meinen Mitarbeitern darauf, dass ihnen trotz der Anforderungen genügend freie Zeit für Familie und Freunde verbleibt.
7. Wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren?
Ich hoffe, dass mir die Wählerinnen und Wähler auch in der nächsten Legislaturperiode wieder den Auftrag geben, als Justizminister und Stellvertretender Ministerpräsident Regierungsverantwortung zu tragen, damit ich die Politik für das Land aktiv mitgestalten kann. Was die weitere Zukunft bringt? Daredet natürlich auch die Familie kräftig mit. Außerdem habe ich auch weiterhin noch vor, Europa mit dem Motorrad zu erkunden.
8. Juristen wird öfters ein pessimistisches Menschenbild unterstellt. Sind Sie persönlich ähnlich geprägt worden?
Nein, auch wenn den Juristen oftmals dieses Etikett angeheftet wird, bin ich in erster Linie ein optimistischer Mensch und kein Bedenkenträger. Für mich als Justizpolitiker ist es enorm wichtig, den Bürgerinnen und Bürgern vertrauensvoll zu begegnen. Politik kann in einem Staat nur sinnvoll gestaltet werden, wenn man letztlich davon ausgeht, dass seine Bevölkerung gut und vertrauenswürdig ist.
9. Was verbindet Sie abgesehen vom Amt mit liberalen Justizministern wie Reinhold Maier, Wolfgang Haußmann, Thomas Dehler und Klaus Kinkel?
Die genannten Persönlichkeiten zeichnen sich durch eine ausgesprochen liberale Grundhaltung aus, die sich vor allem darin äußert, dass sie dem Staat eine genau definierte Rolle zuweisen. Der Staat muss sich auf seine wesentlichen Aufgaben konzentrieren und sich nicht immer weitere Kompetenzen aneignen. Allerdings muss er die ihm zugedachten Aufgaben auch wirksam ausführen können. Es kommt darauf an, dass die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit stimmt. Aber auch die Verwurzelung vor Ort und ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit stellt eine weitere Gemeinsamkeit zwischen meinen liberalen Amtsvorgängern und meiner Person dar.
10. Muss nach Ihrer Ansicht mehr gegen zunehmende Regulierung getan werden?
Übermäßige Regulierung schadet den Menschen und der Wirtschaft im Land, da dadurch u.a. Innovation verhindert wird. Besonders auf Bundesebene und durch Normen der Europäischen Union wird ständig versucht, Lebenssachverhalte bis in alle Einzelheiten zu regeln. In Baden-Württemberg wurden in den letzten Jahren zahlreiche Vorschriften aufgehoben. Vorgeschlagene neue Gesetze und Verordnungen werden streng auf ihre Notwendigkeit geprüft, weil man sonst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.
11. Weshalb braucht Baden-Württemberg noch mehr Liberalität?
Im Südwesten war der liberale Geist schon immer sehr lebendig und fand zum Beispiel im Erfindungsreichtum oder bei der herausragenden Bedeutung des Mittelstandes seinen Ausdruck. Liberale scheuen sich nicht, klare und realistische Positionen zu entwickeln und zu vertreten. Es ist unsere vornehmste Aufgabe, den Staat handlungsfähig zu halten und dabei auch zukünftigen Generationen noch Spielräume zur Gestaltung zu belassen.