Viele Empfänge und abwechslungsreiche lebendige Begegnungen

Beim Neujahrsempfang des FDP-Kreisverbands Tuttlingen in der Tuttlinger Stadthalle (von links): stellvertretender Kreisvorsitzender Paul Haug mit den Hauptrednern Staatssekretär MdB Erst Burgbacher, Bundestagskandidatin Dr. Mechthild Wolber und MdL Leo Grimm.
KREIS TUTTLINGEN – Es waren nicht die ersten und es werden nicht die letzten Begegnungen mit den Menschen im Wahlkreis zum Stadt ins neue Jahr 2013 sein. Sehr abwechslungsreich und lebendig waren die Neujahrsempfänge des FDP-Kreisverbands Tuttlingen und der Kreishandwerkerschaft Tuttlingen auf jeden Fall.
Der Landtagsabgeordnete Leo Grimm konnte bei den Handwerkern in der Spaichinger Stadthalle in einer vom Spaichinger Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher moderierten Diskussionsrunde mit FDP-MdB Staatssekretär Ernst Burgbacher, MdB Volker Kauder, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Landrat Stefan Bär, dem Präsidenten der Handwerkskammer Konstanz, Gotthard Reiner, und Kreishandwerksmeister Armin Schumacher zur Problemen und Projekten sowie zur aktuellen Politik in Kreis, Land und Bund Stellung nehmen.
In der Tuttlinger Stadthalle zeigte der Landtagsabgeordnete mit kantigen Leit- und Grenzpfosten liberale Politik auf, deren Grundprinzipien seit fast 200 Jahren bestimmt werde von Gewerbefreiheit, niedrigen Steuern, Freihandel sowie Rechtsstaat. Es seien Liberale gewesen, die in deutschen Ländern als erste Demokratie gewagt, in der ersten deutschen Nationalversammlung 1848 die Mehrheit gestellt und 1861 die erste deutsche Partei gegründet hätten. Es sei wichtig, so Grimm, dass Liberale wüssten, woher sie kämen, denn nur dann wüßten sie auch, wohin sie gehen müssten.
Leo Grimm warnte vor zunehmenden sozialistischen Tendenzen durch die anderen Parteien. Liberale Ideen seien heute mehr denn je gefordert. “Wir müssen das schwarz-rot-goldene Banner des Hambacher Festes von 1832 wieder hochhalten. Unsere Ideen, unsere Interessen sind doch die Interessen dieses Volkes”, sagt der Abgeordnete. An Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus, Schutz und Ausbau von Bürgerrechten sowie eine marktwirtschaftliche Ordnung hätten sich alle in diesem Land gewöhnt. Es scheine, jede Partei habe sich dafür schon einen Hausaltar eingerichtet. Die Messen dort seien längst gelesen. Grimm: “Machen wir uns nichts vor, und auch die Menschen in diesem Land sollten sich nichts vormachen lassen. Denn wann hat es in der Geschichte der Bundesrepublik so viele Rufe nach mehr Staat und staatlicher Regulierungswut gegeben? Dieses Land braucht den Liberalismus mehr denn je. Wir, die Liberalen, die FDP, stehen auf der Seite des Einzelnen. Wir unterstützen alle Menschen, welche ihr Leben aus eigenem Antrieb gestalten können und wollen”.
Markt und Selbstbestimmung des Einzelnen seienn die Quelle einer freiheitlichen Ordnung. Natürlich gebe es auch Notwendigkeiten, als Staat in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben einzugreifen. Nämlich dort, wo Entfaltungschancen des Einzelnen von geballter Machtkonzentration in der Hand weniger beeinträchtigt werde. Er denke dabei an Verkehrsinfrastruktur, an Energie- und andere Grundversorgungen für unser Land.
Wie schnell aus zu wenig Ordnung Chaos werden könne, sei Schwarz auf Weiß Stromrechnungen zu entnehmen. Energiewende würden “diese apokalyptischen Reiter” genannt, welche auf Deutschland losgelassen worden seien, nachdem in Japan ein Pferd ausgebrochen war. “Würden Sie Ihr Auto abschaffen, wenn Ihr Nachbar mit seinem an den Baum gefahren ist und hohen Blechschaden verursacht hat? Steigen Sie deswegen um auf den Ringzug, auf das Fahrrad?” fragte der Abgeordnete.
Genau das aber sei in diesem Land geschehen, nachdem in Japan ein Kernkraftwerk überflutet worden war. Jetzt seien die Japaner selbst wieder zu Verstand gekommen und hätten vor, nicht nur abgeschaltete AKW wieder einzuschalten, sondern sogar neue zu bauen. In Deutschland aber leiste man sich eine staatlich verordnete Energiewende, die nicht einmal den Namen wert sei. Dafür werde sie immer unbezahlbarer. Wenn alles chaotischer und teurer werde, sei dies Rückschritt, aber kein Fortschritt.
Energiewende müsse bedeuten, ein Konzept zu haben für eine langfristige Änderung unserer Energieversorgung. In Wirklichkeit aber wahllos drauflos subventioniert in Stromerzeugung durch Sonne, Wind, Lebensmittel. Dies sei nicht einmal ein staatlich regulierter Markt, sondern ein Jahrmarkt von Dilettantismus und Eitelkeiten. Ruhe hätte die erste Pflicht der Politik sein müssen im Jahr 2011. Nun aber überrolle der Tsunami Deutschland schlimmer als Japan.
Grimm “Deshalb sollten wir unruhig werden. Glaubt heute in Deutschland wirklich noch jemand, dass wir die sogenannte Energiewende bis 2022 schaffen? Denn schon in neun Jahren sollen alle Kernkraftwerke abgeschaltet sein. Was machen wir dann, wenn wir zu wenig Strom haben? Wir werden hinzukaufen müssen. Woher der Strom kommt, das können Sie schon heute leicht erraten. Mit die Aufgabe der Politik ist es, für bezahlbaren Strom zu sorgen und stets zu denken, bevor wir handeln”
Die Liberalen seien die Stimme der Wirtschaft, des Mittelstandes. Gehe es um Arbeit, gehe es um Wohlstand, dann müsste den Menschen deutlich gesagt werden, wo die politische Adresse für Wirtschaft und Mittelstand sei. Nämlich bei den Liberalen.
Die Liberalen seien auch die Partei des Rechtsstaates, des Grundgesetzes. Wenn jemand in diesem Land die Grenzen des Grundgesetzes und des Rechtsstaates überschreite, müssten die Liberaen einschreiten. “Wir müssen von allen Menschen, die in diesem Land leben wollen, Respekt einfordern für unsere Gesetze. Wir dürfen nicht zulassen aus falsch verstandener Toleranz, dass wir unsere Freiheit in Verantwortung aufgeben gegenüber exotischen oder totalitären Ansprüchen anderer”, betonte Leo Grimm. Freiheit in Verantwortung bedeute nicht, dass der Staat den Menschen die Verantwortung für ihre Freiheit abnehme. Der Staat sei auch nicht dazu da, den Menschen zu sagen, was sie essen und trinken, wieviel sie wiegen und wie oft sie die Spülung ziehen sollten. Freiheit und Verantwortung heiße auch nicht, den Einheitsmenschen zu erfinden und in eine Einheitsschule zu zwingen, wo jeder zum Einheitsakademiker erzogen werde. Könne dabei etwas anderes herauskommen, als ein Einheitsarbeitsloser, der von Einheitsozialarbeitern betreut werden müsse? Grimm: “Für uns Liberale geht es immer zuerst um des Menschen Bestes”.
Viele Menschen fänden nichts mehr dabei, wenn sie sich in Netzwerken entblößten. Dagegen sei der Stammtisch ein Gipfel vom Geheimniskrämerei. Auch da seien die Liberalen gefragt. Totale Kommunikation und Durchleuchtung, durch wen auch immer, schränkten die Freiheit des Einzelnen in Verantwortung ein. Der Liberalismus müsse sich für die bürgerliche Tugend der Diskretion einsetzen. Sonst drohe die Diktatur der Zahl über den Einzelnen.

Diskussion in der Spaichinger Stadthalle beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft mit (von rechts): Spaichingens Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher, MdL Leo Grimm (FDP), MdB Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Gotthard Reiner, Präsident der Handwerkskammer Konstanz, MdB Staatssekretär Ernst Burgbacher, Landrat Stefan Bär, Kreishandwerksmeister Armin Schumacher.