MdL Grimm in der Ortenau – SWEG/HZL–Chef beklagt Verkehrsstruktur

MdL Leo Grimm (rechts) zu Besuch bei der SWEG. Von links: Eugen Broß von der Hauptverwaltung, Fraktionskollege Jochen Haußmann, Joachim Disch, Vorstandsvorsitzender von SWEG und HZL, Dr.-Ing. Walter Gerstner, Vorstandsmitglied.
LAHR – Nach dem Zollern-Alb-Kreis bereiste die FDP/DVP-Landtagsfraktion den Ortenaukreis. Zusammen mit dem Fraktionskollegen Jochen Haußmann traf MdL Leo Grimm dabei in Lahr mit der Führung der IHK Südlicher Oberrhein und danach mit Vorstandsmitgliedern der SWEG (Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft) zusammen, welche ihren Sitz in Lahr haben. Da der dreiköpfige Vorstand der SWEG identisch ist mit dem von der HZL (Hohenzollerische Landesbahn AG), wurden auch Probleme der Verkehrsinfrastruktur angesprochen, welche den Wahlkreis des Spaichinger Abgeordneten berühren. Dabei bestätigte SWEG- und HZL-Vorstandsvorsitzender Hans Joachim Disch, der zusammen mit Vorstandsmitglied Dr.-Ing. Walter Gerstner und Eugen Broß von der Hauptverwaltung Rede und Antwort stand, dass natürlich der Betrieb des Ringzuges in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg und die Gäubahn sich gegenseitig beeinflussten, nicht zuletzt mangels zweitem Gleis. Disch teilte die Auffassung von Grimm, wonach der größte Teil der heutigen Verkehrsinfrastruktur aus dem 19. Jahrhundert stamme, und es in Baden-Württemberg erheblichen Nachholbedarf für Erhalt und Ausbau gebe, vor allem, was die West-Ost-Verbindungen betreffe.
Die SWEG, vorwiegend im alten Baden unterwegs, ist zu 100 Prozent in Landesbesitz, von der HZL gehören 72 Prozent dem Land, je 14 Prozent dem Kreis Sigmaringen und dem Zollernalbkreis. Die HZL beschäftigt 280 Menschen, ihr Schienennetz beträgt 123 km auf eigenem und gepachtetem Netz und 430 Km auf Gleisen von DB und anderen Betreibern. 802 km lang ist ihr Busnetz. Befördert wurden 2011 ca. 12,9 Mio Personen und ca. 512.000 Tonnen Güter. Der Jahresumsatz betrug ca. 40,3 Mio. Euro, die Bilanzsumme 87,0 Mio. Euro. Die SWEG hat 753 Beschäftigte, beförderte 2011 rund 61,3 Millionen Fahrgäste und erzielte einen Jahresumsatz von 79,4 Milionen Euro bei einer Bilanzsumme von rund 135 Millionen Euro.
Vorstandsvorsitzender Disch erklärte, dass kaum jemand geglaubt hätte, dass der Ringzug sich so erfolgreich entwickeln würde. Er befördere rund 8000 bis 9000 Menschen an Werktagen. Disch: “Da ist vielleicht noch ein bisschen mehr drin”. Der Ringzugbereich sei sehr gut angebunden, außerdem fahre er ja auch noch im Donautal und zweimal am Tag nach Titisee-Neustadt. Die Strecke Neustadt-Donaueschingen solle im Rahmen der Breisgau-S-Bahn, wo die SWEG beteiligt ist, elektrifiziert werden.
SWEG und HZL seien auf das Land gut verteilt, aber die beiden Landesunternehmen hätten noch mehr vor und sich einige Ausbauziele gesetzt. Als Wettbewerber seien sie für das Land eine gute Wahl, zumal die Zahl der Wettbewerber nicht so groß sei, was auch an der Finanzkrise liege. Denn Investitionen im Eisenbahnwesen seien unvorstellbar hoch. So ein Triebwagen koste rund 6 Millionen Euro, Werkstätten müssten gebaut werden zu je 15 bis 20 Millionen, die Ausbildung eines Triebfahrzeugführers koste 30 000 Euro. Deshalb hätte die DB aufgrund ihrer Größe und Macht immer noch alle Trümpfe in der Hand.
Klar machte Disch auf Grimms Frage, dass die Verkehrsbetriebe Geld verdienen müssten, denn sonst bekämen sie von keiner Bank mehr Geld. Deshalb hänge die Frequentierung von Linien und Verbindungen von Fahrgastzahlen ab: “Das sind ganz normale Gegebenheiten für jeden Unternehmer. Wir müssen Geld verdienen und wir können es auch”. In beiden Gesellschaften gebe es aber jetzt Einbrüche, weil ältere Fahrzeuge infolge Rost erhebliche Probleme machten, wodurch sie wegen Reparaturen für Wochen ausfielen. Jede der beiden Gesellschaften habe 3,5 Millionen Kilometer abzufahren. Es müsse gelingen, in den nächsten Jahren diese Zahl zu verdoppeln. Gegenüber den 46 Millionen Kilometern, die das Land vergebe, sei dies immer noch wenig.
Noch nicht ganz ausgestanden seien Probleme, so Grimm, bei der Schülerbeförderung durch Busse und den Ringzug. Dadurch seien beispielsweise der Stadt Spaichingen Schüler verlorengegangen mangels direkter Verbindungen. Der Chef der beiden Bahnunternehmen bedauerte, dass es bei Planungen leider immer noch erhebliche Probleme durch Einsprüche von Anliegern gebe.

MdL Grimm und MdL Haußmann (von rechts) bei der IHK in Lahr. Links in der Reihe IHK-Präsident Dr. Auer. Foto: Heidi Flößel
Bei der IHK hob Präsident Dr. Steffen Auer als dringendste Probleme vor allem die Verkehrsinfrastruktur, Bildung und Arbeitsmarkt hervor. Investitionen in Straße und Schiene seien überfällig. Wie die FDP-Abgeordneten kann sich auch Auer vorstellen, neue Autobahnen über eine Maut zu finanzieren. Der IHK-Präsident sprach sich für eine weitere Förderung der Dualen Ausbildung aus, weil sie wirtschaftlichen Erfolg garantiere.Leo Grimm vertrat die Ansicht, dass die Bildungspolitik am Markt vorbei produziere. Wenn 50 Prozent Abitur machten, aber 75 Prozent der IHK-Betriebe lieber jemanden einstellten, der eine Duale Ausbildung absolviert habe, werde die Schieflage deutlich. Der Fachkräftemangel sei in erster Linie ein Facharbeitermangel.