Bildung

10559757_10153302829982250_7103906232089788933_nErster und wichtigster Ort, an dem Bildung und Erziehung stattfinden müssen, ist die Familie. Staat und Gesellschaft können und dürfen sie nicht ersetzen, sind aber zur Unterstützung unverzichtbar. Zu Recht ist daher Bildung (auch) eine Staatsaufgabe.

Im Bereich der frühkindlichen Bildung hat die grün-rote Landesregierung die Weichen richtig gestellt und den Ausbau der Betreuungsplätze weiter voran getrieben. Aber Quantität alleine reicht nicht. Entscheidend ist die Qualität, und die ist nach wie vor verbesserungsfähig, etwa mit Blick auf die Öffnungszeiten oder den Betreuungsschlüssel. Bei allem politischen Handeln in diesem Bereich sollten wir eine Frage stets positiv beantworten können: ist das, was wir tun, kinderfreundlich?

Die Schulpolitik der grün-roten Landesregierung überzeugt mich nicht. Schulen sollen jedes Kind schlau machen, aber keines gleich. Wir brauchen nicht eine Schule für alle, sondern für jedes Kind die richtige Schule. Alle Kinder müssen die nach ihren Fähigkeiten und Leistungen beste Bildung bekommen können, unabhängig von ihrer Herkunft. Dazu bedarf es eines vielfältigen Bildungsangebotes und nicht einer Verengung auf eine Schulart, noch dazu aus rein ideologischen Gründen. Bildungspolitik muss in der Praxis funktionieren, nicht auf Parteitagen!

Heise u. OechsnerBaden-Württemberg hat sich immer durch ein vielgliederiges Bildungssystem ausgezeichnet. Wir haben nicht nur erfolgreich arbeitende Grund-, Haupt-, Werkreal- und Realschulen sowie achtjährige Gymnasien, sondern auch hervorragende berufliche Schulen, die sehr erfolgreich ihre Schülerinnen und Schüler zu anerkannten Abschlüssen führen, bis hin zum Abitur nach 9 Jahren. Nicht zu vergessen sind die vielen Schulen in privater Trägerschaft, die ebenfalls einen sehr wichtigen und hervorragenden Beitrag zur Bildung und Ausbildung junger Menschen leisten. Noch gilt, dass es in unserem Land keinen Abschluss ohne Anschluss gibt, so dass jeder die Möglichkeit hat, nach seinen Fähigkeiten und Neigungen voran zu kommen.

Diese Vielfalt und Durchlässigkeit darf nicht auf dem Altar des Gleichheitswahns geopfert werden, sondern muss erhalten bleiben. In der Vielfalt liegt unsere Stärke. Auch die Gemeinschaftsschule kann ein Teil dieser Vielfalt sein und ein Rad im Motor Bildung. Sie darf aber nicht zum Antriebsrad werden. Das würde die Leistung des gesamten Bildungssystems erheblich beeinträchtigen und am Ende zu mehr Ungerechtigkeit führen. Ich bin dagegen, die Gemeinschaftsschulen, die bereits bestehen, wieder aufzulösen. Ich bin aber genau so dagegen den Ausbau der Gemeinschaftsschulen im gleichen Tempo und mit gleicher finanzieller Bevorzugung, wie dies unter der grün-roten Landesregierung geschieht, weiter voranzutreiben – vor allen Dingen, solange nicht klar ist, ob diese Schulform überhaupt halten kann, was sie angeblich verspricht.

Eltern müssen grundsätzlich das Recht haben, für ihre Kinder eine Schule auszuwählen. Deshalb bin ich als Liberale auch dafür, dass die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung abgeschafft worden ist. Aber Eltern haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Dazu gehört, für ihre Kinder die Schule auszuwählen, die nicht nur sie als Eltern gerne hätten, sondern die für ihre Kinder die richtige ist. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass einige diese Pflicht leider nicht ernst nehmen. Das geht auf Kosten der Kinder, die – ständig überfordert – demotiviert werden und am Ende scheitern ebenso wie auf Kosten derer, die – weil es im Unterricht langsamer voran geht – ihr Leistungspotential nicht voll entfalten können. Ändert sich diese Situation nicht und nehmen Eltern auch weiterhin ihr Recht nicht verantwortungsvoll wahr, bin ich dafür, die Grundschulempfehlung wieder verbindlich zu machen. Allerdings sollte es den weiterführenden Schulen möglich sein, im Einzelfall von einer Empfehlung abzuweichen, wenn sie der Meinung ist, dass das Kind die Bildungsziele dieser Schule erreichen kann.

Das grün-rote Ganztagskonzept ist eine fundamentale Misstrauenserklärung an die Eltern. Im Schulgesetz verankert wurde nur die verpflichtend-rhythmisierte Ganztagsschule. Die Eltern haben nur die Wahl zwischen „ganz“ oder „gar nicht“, zwischen verpflichtend- rhythmisiertem Ganztag und nur Halbtag, ohne dass die Kinder offene Angebote wahrnehmen können. Das Ziel der grün-roten Landesregierung ist klar: hier soll der 1. Schritt getan werden hin zur Ganztagsschule als Regelschule. Mich erinnert das fatal an die Äußerungen, die Olaf Scholz (SPD) zu seiner Zeit als Bundesarbeitsminister mit Blick auf Ganztagsbetreuung mal gemacht hat: „Wir wollen die Lufthoheit über den Kinderbetten“. Schrecklich! Abgesehen davon, dass mir, wenn ich an meine beiden Kinder denke,  eine solche Haltung schlicht Angst macht, geht sie völlig am Bedarf und am Wunsch vieler Eltern vorbei. Sie wünschen sich eine Ganztagsschule mit freiwilligem Nachmittagsprogramm, kurz: eine offene Ganztagsschule. Statt diese Möglichkeit im Schulgesetz zu verankern, nimmt die grün-rote Landesregierung den Eltern jede Flexibilität. Damit nicht genug: durch ihre Entscheidung, aus der Hortfinanzierung auszusteigen, ersetzt sie auch noch die hervorragende Hortbetreuung durch eine starre Einheits-Ganztagsschule. Das will ich ändern und dafür sorgen, dass die offene Ganztagsschule im Schulgesetz verankert und der Ausstieg des Landes aus der Hortfinanzierung rückgängig gemacht werden.

Nicht nachvollziehen kann ich die Forderung der grün-roten Landesregierung, dass jedes Kind Abitur machen soll. Das ist eine Diskriminierung all derer, die sich für eine duale Ausbildung entscheiden. Der Wert eines Menschen hängt nicht von seinem Schulabschluss ab. Unser duales Ausbildungssystem geniesst weltweit einen hervorragenden Ruf. Viele, die , z.B. im Handwerk, eine Lehre gemacht haben, sind heute erfolgreiche Unternehmer. Andere verdienen als Meister oder Geselle gutes Geld und haben sich und ihren Familien eine gesicherte Existenz aufgebaut. Warum sollen sie weniger wert sein als etwa ein Geisteswissenschaftler, der in wissenschaftlichen Theorien exzellent ist, sich aber in der Praxis schwer tut und seinen Lebensunterhalt kaum sichern kann? Wir brauchen in Baden-Württemberg nicht nur Denker, wir brauchen auch Tüftler. Beide zusammen haben uns in der Vergangenheit stark gemacht. Daran will ich als Freie Demokratin anknüpfen.

 

Unser Ziel muss ein, dass jedes Kind seines erreichen kann – egal, ob es Astronaut, Feuerwehrmann, Bauarbeiter, Erzieher, Bürokaufmann, Ärztin, Krankenschwester, Fahrzeugmechanikerin, Friseurin oder Polizistin werden will.

Fördern wir jedes Kind, dass es das Beste aus seinem Leben machen kann. Denn alles Große kommt aus dem Kleinen!