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Focus Gastbeitrag

THEURER: Es geht um drei Millionen Arbeitsplätze

Die IAA muss zum Weckruf für die deutsche Auto-Industrie werden

13.09.2017 -

Vor zwei Jahren verhagelten die VW-Abgasmanipulationen in den USA die Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA). Damals hofften viele, dass dieser Spuk schnell wieder vorbei sein möge.
Aber das Gegenteil ist eingetreten: Leider war es nur der Anfang eines noch viel größeren Skandals, in den mehrere Autokonzerne und auch Zulieferer verstrickt sind. Seitdem hat die Autobranche viel an Vertrauen bei ihren Kunden und in der Politik verspielt. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Autofahrer und Beschäftigte dürfen nicht die Zeche für die Fehler der Konzerne zahlen. Lückenlose Aufklärung, Transparenz und die Übernahme der anfallenden Kosten sind zwingend erforderlich. Das gilt ausdrücklich auch für technische Nachrüstungen, als ein Weg zur Vermeidung drohender Fahrverbote. Vor diesem Hintergrund ist der Blick nach vorne geradezu eine Herkulesaufgabe.

Aber genau das muss mit der diesjährigen IAA gelingen: Die Hausaufgaben aus dem Dieselskandal müssen lückenlos und schnell gemacht werden. Gleichzeitig muss die IAA das Startsignal für einen industriepolitischen Weckruf werden. Es geht um den Mobilitätsstandort von Morgen. Dazu müssen wir die Zukunftsthemen in den Mittelpunkt rücken: Nachhaltige, innovative Mobilitätskonzepte und Antriebe der Zukunft - aber ohne planwirtschaftliche Vorgaben! Denn mit dem autonomen Fahren geben wir im wahrsten Sinne des Wortes das Lenkrad aus der Hand. Mit diesem Megatrend und dem Dieselskandal steht die erfolgsverwöhnte Autobranche vor dem größten Umbruch seit der Erfindung des Automobils vor rund 130 Jahren. Damals lösten Autos die Pferdekutschen ab. Heute ist es der Roboter auf 4 Rädern.

Messe muss fehlende Marken zurückgewinnen

Die IAA selbst ist Warnung und Hoffnungsschimmer gleichermaßen: Es fehlen namhafte Unternehmen, die auf Elektromobilität oder Verbrennungsmotoren setzen. Ziel für die nächste Messe muss es deshalb sein, wieder möglichst viele der fehlenden Marken zurückzugewinnen. Gleichzeitig sind führende Datengiganten präsent, ohne die Digitalisierung und autonomes Fahren nicht möglich ist. Deutschland ist in diesem Zukunftsmarkt mit über 50 Prozent der weltweiten Patente in den Händen deutscher Unternehmen gut aufgestellt. Damit Deutschland dauerhaft zum Leitanbieter für autonomes Fahren wird, muss die Bundesregierung die dafür erforderlichen rechtlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen schaffen.

Schon immer war die IAA eine exzellente Bühne, um die Technologieführerschaft qualitativ hochwertiger Autos „Made in Germany“ einem internationalen Publikum zu präsentieren. Das gilt auch heute. Und das gilt ausdrücklich auch für Verbrennungsmotoren, die mit Blick auf Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschutz, viel besser als ihr Ruf sind. Deshalb muss der ideologisch motivierte Abgesang auf Autos mit Diesel- und Benzinmotoren aufhören! Weshalb sollten wir heute beschließen, 2030 auf Verbrennungsmotoren zu verzichten? Das gilt insbesondere dann, wenn sie synthetische Kraftstoffe auf Basis erneuerbarer Energien emissionsfrei verbrennen. Über die innovativste Technologie sollte der Wettbewerb und nicht die Politik entscheiden.

Technologiefeindlichkeit erodiert die industrielle Basis unseres Landes

Damit Deutschland auch in Zukunft das Autoland Nr. Eins bleibt, müssen wir auf Marktwirtschaft, Technologieoffenheit und eine starke Forschung zur Stärkung dieser innovativen Schlüsselbranche setzen. Dazu braucht es politischen Gestaltungswillen und Durchsetzungskraft – in Deutschland und Europa. Denn es geht um drei Millionen Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette und einen Jahresumsatz von mehr als 400 Milliarden Euro. Zusätzlich geht es um individuelle Mobilität als Ausdruck eines Freiheitsgefühls für breite Bevölkerungsschichten. Beides wollen wir erhalten.

Was wir nicht brauchen ist eine planwirtschaftliche Politik gepaart mit Technologiefeindlichkeit, die die industrielle Basis unseres Landes erodiert. Ansonsten sägen wir den starken Ast ab, auf dem wir sitzen.

 

Dieser Gastbeitrag erschien am 13. September auf Focus Online:



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