Heide Berroth beim Kreislandfrauentag in Renningen

Sie sind modern, zukunftsorientiert, bestens vernetzt: Mit Handarbeitsstunden und Kuchenkränzchen haben die Landfrauenvereine heutzutage nur noch wenig am Hut. In ihren Veranstaltungen geht es stattdessen um Themen wie Neue Medien, Rhetorik, die Stellung der Frau in der Gesellschaft. So haben sich die Landfrauen zu einem der großen ehrenamtlichen Träger der Erwachsenenbildung entwickelt. Und ihre Mitgliederzahl steigt, auch im Industrielandkreis Böblingen.

Entsprechend selbstbewusst kamen gestern rund 500 Landfrauen aus 19 Ortsvereinen zum Kreislandfrauentag in der Renninger Rankbachhalle zusammen. „Es gibt nicht viele Vereine, die diese große Halle so voll bekommen“, lobte der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt in seinem Grußwort. Einen Tag nach dem Weltfrauentag hielt Faißt eine fast schon flammende Rede für die Chancengleichheit: „Wer bekommt denn die Kinder, die unsere Gesellschaft so dringend braucht“, fragte er rhetorisch in die Runde. In den meisten Fällen seien es die Frauen, die ihren Beruf, die Kindererziehung, die Pflege der Älteren und den Haushalt unter einen Hut bekommen müssten. Die Männer dagegen würden sich meist nur um ihren Beruf kümmern. „Darum sind die Frauen auch das eigentlich starke Geschlecht“, war sich Faißt mit Landrat Roland Bernhard einig.

Diese Einschätzung spiegelt sich in der Realität allerdings nicht wider. Ob Gemeinderat, Kreis- oder Landtag, ob Vorstandsetage oder Lehrstuhl: Überall sind Frauen in der Minderheit, auch im Kreis Böblingen. Und auch hier verdienen Frauen im Schnitt 28 Prozent weniger als Männer, heißt es in einer Studie des Landesfrauenrates. „Wir haben also noch einige Hausaufgaben zu machen“, gab der Landrat unumwunden zu.

Immerhin: die Landfrauen haben sich den Kampf für bessere Chancen auf ihre Fahnen geschrieben. Im Landtagswahlkampf werden sie dabei politisch: Die Arbeitsgemeinschaft der Landfrauenverbände in Baden-Württemberg hat „Wahlprüfsteine“ mit konkreten Forderungen verfasst, deren Beantwortung sie den Landtagskandidaten ans Herz legen – als Orientierungshilfe für ihre Mitglieder bei der Wahl. Da geht es um Chancengleichheit und Betreuungsangebote, um Versorgung und Nahverkehr im ländlichen Raum oder um die bessere Berücksichtigung von Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen. Nicht alles davon kann die Landespolitik direkt beeinflussen. Doch welche Bedeutung sie den Landfrauenverbänden zumisst, lässt sich an dem Umstand ablesen, dass auch zum Kreislandfrauentag neben Heiderose Berroth alle vier Landtagsabgeordneten gekommen waren.

Bei diesem gab es übrigens auch Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Denn trotz aller Politik soll die Geselligkeit bei den Landfrauen nicht zu kurz kommen.

Quelle: Leonberger Kreiszeitung, Stefan Bolz