Heide Berroth im Interview mit der Leonberger Kreiszeitung

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Leonberg, Mein Tagebuch | 11. März 2011

„Ich habe nie nur Wahlkreisarbeit gemacht“

Die FDP-Abgeordnete Heiderose Berroth sieht sich als Vermittlerin zwischen Land und Kreis. Von Martina Zick

Heiderose Berroth entstammt einer langen Ahnenreihe berufstätiger Frauen. Diese Erfahrung hat sie geprägt. Nicht nur, indem es für sie ebenfalls selbstverständlich war, Kinder und ihre Tätigkeit als selbstständige Unternehmensberaterin unter einen Hut zu bringen. Sondern auch, indem sie sich bei ihren politischen Aktivitäten entsprechend einbrachte und einbringt – die Gründung der „Frauen für Renningen“ ist da nur ein Punkt. Und zuguter Letzt hat es sie geprägt: Sie ist es gewohnt, den Mund aufzumachen, ihre Meinung zu sagen und sich für etwas stark zu machen.

Das hat ihr auch den Ruf eingebracht penetrant zu sein. Doch das ficht die 63-Jährige nicht an. Schließlich sieht die Renningerin, die seit 15 Jahren Abgeordnete ist, ihre Aufgabe darin, „zwischen der Landesverwaltung und den Institutionen im Wahlkreis zu vermitteln“. Wobei sie nie nur Wahlkreis-Arbeit gemacht habe. Dennoch gibt es Themen im Kreis, die ihr wichtig sind. „Die B 464 muss dringend gemacht werden, und die S 60 ebenso“, sagt Berroth beispielsweise. Außerdem müsse an der A 8 in Sachen Lärmschutz etwas gemacht werden, nennt sie ein weiteres kreisbezogenes Thema. Und die Bosch-Ansiedlung in Renningen hält sie für „das Beste, was der Stadt passieren konnte“. Wenngleich es durchaus Vorbehalte gebe, etwa, weil ein Freizeitgelände verloren geht oder weil die Mieten anziehen könnten.

Worauf sie ebenfalls ein besonderes Augenmerk richten will, sind die Schulen. Da geht es ihr unter anderem darum, „das achtjährige Gymnasium praxistauglich zu machen“. Davon, dieses Modell wieder abzuschaffen, hält sie allerdings nichts; sie findet den eingeschlagenen Weg richtig, trotz „zum Teil berechtigter Klagen“. Auf den doppelten Abitur-Jahrgang im nächsten Jahr sei man gut vorbereitet, versichert Berroth zudem. Aber auch die beruflichen Schulen will sie besser aufstellen. „Da muss es genügend Klassen geben.“ Und Herrenberg brauche dringend ein berufliches Gymnasium.

Dann nennt sie noch ein ganz anderes Zukunftsthema: die Versorgung mit Hausärzten. „Da kommt langsam etwas auf uns zu“, sagt die Landespolitikerin. Sie ist überzeugt, dass es schon jetzt Zeit ist zu handeln. Allerdings blickt sie auch durchaus selbstbewusst zurück auf ihre Wahlkreis-Arbeit: Insgesamt habe sie vieles, was ihr wichtig sei, bereits erledigt, findet Berroth. Mittel aus dem Landessanierungsprogramm nennt sie dabei ebenso wie die Landesförderung für Pflegeheime, von der der Landkreis um ein Haar nicht profitiert hätte. „Wenn ich nicht in der Sitzung gewesen wäre. . .“, sagt sie.

Dennoch hängt Berroth nicht alles an die große Glocke. Vieles betreibt sie als Netzwerkerin oder auf dem kurzen und stillen Dienstweg. Beispielsweise verliert sie kaum einmal viele Worte über ihr politisches Engagement im kulturellen Bereich. Und das erstreckt sich nicht nur auf die Felder, in denen sie Ämter bekleidet, etwa in Kuratorien oder Ausschüssen. Sondern sie macht sich unter anderem auch stark für die Rutesheimer Cello-Akademie. „Ich unterstütze gerne Leute, die aus eigener Initiative etwas machen“, erklärt sie dazu.

Ob ihr dieses und ihr sonstiges Engagement dazu gereicht, eine weitere Legislaturperiode mit dabei zu sein, da ist sich Berroth jedoch keineswegs sicher. „Es kann sogar sein, dass es diesmal aus dem Wahlkreis Leonberg nur die CDU schafft und wir anderen drei rausfliegen“, ist sie sich im Klaren. Doch sie sehe es sportlich.