Theurer-Interview: FDP vertraut auf Fortschritt

23.05.2017 -

In Frankreich fruchtete der „Aufstand der Gemäßigten“ schon: Michael Theurer freut sich „von Herzen“ über den Wahlsieg Emmanuel Macrons. Gäbe es die EU nicht, müsste man sie „gerade jetzt erfinden“, sagte der FDP-Politiker gestern beim TAGBLATT. Der grassierende „Neo-Autoritarismus“ sei ein weltweites Problem, wie sich selbst in den USA zeige. Die FDP will Weltoffenheit, Demokratie und Rechtsstaat entgegensetzen.

Michael Theurer beim Redaktionsbesuch bei der Tübinger Chronik. Das Gespräch führte Renate Angstmann-Koch.

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Die FDP will nach vier Jahren Auszeit im September in den Bundestag zurück.
Michael Theurer möchte als baden-württembergischer Spitzenkandidat dazu beitragen. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen erzielte die Partei zweistellige Landtagswahl-Ergebnisse und führt jetzt Koalitionsverhandlungen. Man könne sich nicht verschließen, wenn man die Gestaltungsmacht hat - das gab Theurer seinem Parteifreund Christian Lindner mit auf den Weg. Gestern kam der Europaabgeordnete mit dem Tübinger FDP-Bundestagskandidaten Christopher Gohl ins TAGBLATT. "Im Flugzeug", antwortete er ohne Zögern auf die Frage nach seinem Lebensmittelpunkt. Geerdet bleibe er trotzdem dank der Schilderungen seiner Frau über ihren Berufsalltag als angehende Neurologin am Uniklinikum Erlangen. Außerdem gehört der 50-Jährige weiter dem Horber Gemeinderat und dem Kreistag an - möge auch "die Präsenzquote verbesserungsfähig" sein. Die Mandate sind ihm wichtig, "weil man in der Kommune mit allen Lebenssituationen der Menschen zu tun hat" . Theurer strahlt von Natur aus gute Laune, Liebenswürdigkeit und jenen Optimismus aus, den sich andere Politiker anzutrainieren versuchen. Bei der Bundestagswahl ist das Rennen "noch nicht gelaufen", ist für ihn keine Frage. Die FDP sei mehr als Christian Lindner. "Wir haben in Baden-Württemberg mit 8,3 Prozent in einem kompetitiven Umfeld zugelegt und die Eisbrecherwahl gewonnen", ruft Theurer ins Gedächtnis. Ohne überdurchschnittliches Ergebnis im Land werde der Wiedereinzug der FDP in den Bundestag nicht gelingen. Die FDP müsse Seriosität und Solidität zeigen. Es gebe eine "spezielle südwestdeutsche Prägung" der Partei, etwa einen ökoliberalen Zweig. Man setze auf "Blaues Wachstum", auf technologischen Fortschritt anstelle der "Verzichts- und Verbotsideologie der Grünen". Wenn man etwa wisse, dass nur 7 Prozent der Feinstaubbelastung am Stuttgarter Neckartor aus dem Auspuff komme, dagegen 30 Prozent aus dem Abrieb - "dann halte ich das ganze Geschrei um Fahrverbote für Diesel für Irreführung, ja Volksverdummung". Die Forschungsergebnisse gäben es auch nicht her, die heimische Automobilbranche
ausschließlich auf Elektromobilität zu trimmen: "Wenn wir nicht aufpassen, läuft Baden-Württemberg Gefahr, das Ruhrgebiet des 21. Jahrhunderts zu werden." "Fortschritt und Rechtsstaat" will sich die FDP für die Bundestagswahl auf die Fahnen schreiben Es gehe darum, die Folgen der Digitalisierung zu bewältigen, aber auch, die rechtsstaatliche Ordnung und das staatliche Gewaltmonopol durchzusetzen. Theurers Leitbild ist eine "Bürgerrepublik Europa". AfD-Politikern und Eurokritischen Ökonomen wie Hans-Werner Sinn oder Joachim Starbatty wirft er vor, keine Konzepte zu entwickeln: "Nur Kritikpunkte aufzuzeigen, finde ich billig. Das rechtfertigt auch kein akademischer Grad."

 

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