Vorbild Roland Kohn: Ehrung eines wertebewussten Liberalen

50 Jahre FDP Mitgliedschaft - Theodor-Heuss Medalle für den ehem. Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten

06.12.2019 -

Der vormalige FDP-Landesvorsitzende und langjährige Bundestagsabgeordnete für Mannheim und Weinheim, Roland A. Kohn, ist am Mittwoch Abend mit einem großen Empfang im Mannheimer Museum Zeughaus für 50 Jahre aktive Parteimitgliedschaft geehrt worden. Neben zahlreichen Freunden und Weggefährten, darunter auch aus der SPD, war auch Kohns amtierender Nachfolger im Amt des Landesvorsitzenden, Michael Theurer, nach Mannheim gekommen. Die Gäste erlebten erlebten Musik, Würdigungen, eine Mahnung des Jubilars selbst sowie einen Sektempfang im stilvollen Ambiente des Florian- Waldeck-Saales.

Für die Mannheimer FDP begrüßte der stellvertretende Kreisvorsitzende Konrad Stockmeier die Gäste. Er erinnerte daran, dass in Mannheim die kurfürstliche Garantie der Freiheit der Einwohner schon vor Jahrhunderten mit dem Auftrag der Rechtschaffenheit verbunden gewesen sei. Als langjähriger Vorsitzender der FDP-Grundsatzkommission „Freiheit und Ethik“ und als wertebewusster Politiker sei Roland Kohn ein besonders würdiger Vertreter Mannheims.

Michael Theurer erinnerte an die Anfänge Kohns als junger Abgeordneter ab 1983, seinen Einsatz für den Tierschutz und die Modernisierung der Infrastruktur, namentlich der Deutschen Post und der Deutschen Bahn. Kohn, ein geistreicher Redner, habe mit unkonventionellen Mitteln und Aktionen auf Missstände aufmerksam gemacht. Als Fachpolitiker habe sich Kohn stets um Zukunftsthemen wie die Gentechnik und später die Digitalisierung gekümmert. Respekt habe er sich unter Liberalen erworben durch sein kompromissloses Eintreten für Grund- und Freiheitsrechte, etwa im Laufe der Debatte der 90er Jahre über das Grundrecht auf Asyl. Auch für die Bundes-FDP sei Kohns Wertekompass in schwierigen Zeiten wertvoll geworden: Mit der Kommission Freiheit und Ethik habe Kohn der Partei seit 2011 wichtige Orientierung geben können. Er sei stolz und dankbar, als Landesvorsitzender ein Nachfolger Kohns zu sein.

Kohns Nachfolger als Vorsitzender der Kommission Freiheit und Ethik, der Tübinger Ethiker Dr. Christopher Gohl, zeichnete das liberale Ethos Roland Kohns nach. Dieser habe schon im Elternhaus den Reichtum der offenen politischen Diskussion erlebt. Als Student an der Universität Mannheim habe er dann Ende der Sechziger das aufregende Projekt des kritischen Rationalismus nach Karl Popper entdeckt, deren Hauptvertreter die gesellschaftliche Modernisierung der noch jungen Bundesrepublik maßgeblich mit betrieben hätten. Kohn stehe in dieser Tradition ebenso wie in den Freiheits- und Demokratentraditionen der Kurpfalz. Dass der Widerstreit des freien Wortes zur Schule der Verantwortung und zur Mutter des Fortschritts werde, sei für Kohn zur liberalen Haltung geworden – und für viele Liberale zum Vorbild und zur Verpflichtung, die liberale Demokratie und ihre Parlamente in diesem Sinne zu erneuern.

Auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg aus Rhein-Neckar betonte und bedankte sich für die Vorbildfunktion Kohns. Dieser ahne vermutlich gar nicht, wie sehr er mit seiner Haltung der Diskussionsbereitschaft auf Augenhöhe junge Menschen beeindrucke und beeinflusse. Brandenburg berichtete von der ersten Begegnung mit Roland Kohn vor zehn Jahren und beichtete, er habe sich damals über Roland Kohn geärgert: „Er hatte einfach bessere Argumente als ich und hat für seine Vorschläge die Mehrheit bekommen.“ Er habe in der Folge viel von Kohn lernen dürfen, auch weil Kohn ihn immer wieder ermutigt und eingebunden habe.

Der Jubilar selbst würdigte in seinen Dankesworten zunächst einflussreiche Mannheimer Wegbegleiter, darunter Dr. Georg Schmige und Dr. Inge Nikitopoulos. Er erinnerte an den Tiefpunkt seines politischen Wirkens, den Wahlkampf 1983, „als die Leute vor unserem Wahlkampfstand ausgespuckt haben.“ Der einmalige Höhepunkt aber sei die Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990 gewesen, als er als deutschlandpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion auf den Stufen des Reichstags Zeuge werden durfte, wie zum ersten Mal die schwarz-rot-goldene Fahne der Demokraten des Hambacher Festes aufgezogen wurde, Symbol für die endlich erlangte Einigkeit in Recht und Freiheit. Seine Partei mahnte Kohn, in der Bildungspolitik unbedingt für Menschenbildung und gegen bloß technokratisches Verwertungswissen einzustehen. Ebenso müsse die FDP den durch das Wahlrecht aufgeblähten Bundestag reformieren und verkleinern, auch wenn es der eigenen Partei weh täte.

Roland Kohn beschloss den denkwürdigen Abend mit einem Zitat des ersten Generalsekretärs der FDP, Karl-Hermann Flach: „Die Frage nach der Zukunft der Freiheit, nach den Chancen des Liberalismus, bleibt gestellt. Es ist die Frage nach der Zukunft einer menschenwürdigen Gesellschaft.“ Dieses Zitat, sagte Kohn, habe sich die FDP zu jedem Zeitpunkt zu Herzen zu nehmen.

Der Empfang wurde musikalisch von der Pianistin Birgitta Lutz und dem Tenor Christoph Wittmann gestaltet, die Mozarts Fantasie in d-Moll und zwei Schubert-Liedern darboten.

Bericht: Christopher Gohl

 

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